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Weltberühmt in Entenhausen

Ich kann nichts dafür: Warum muss Aleksandra Hiltmann über «Small Talk» schreiben?

Während ein (!) männlicher (!!) Journalist (!!!) über Sophie Scholl schreiben darf. Die nicht nur eine Frau war, sondern auch eine Widerstandskämpfer:In*. Und dieser Mann bezeichnet sie nicht mal so. Das muss einen weiteren Protestbrief zur Folge haben, wenn die erregten Sexismus-Gegnerinnen bei Tamedia noch etwas Ehre im Leib:In* haben.

Aber über Sex schreibt auch Hiltmann; genauer über Sex im Alter. Da gäbe es in England eine Kampagne, die der «weltbekannte Fashion-Fotograf Rankin» gestaltet habe: «Intimität in Hochglanz», sinniert Hiltmann nicht ganz präpositionssicher.

Auch sonst; der vielleicht früher mal in Entenhausen weltberühmte «Fashion-Fotograf» der sich seit 2009 ein Gnadenbrot bei der weltberühmten Fashion-Show «Germany’s Next Topmodel» verdient.

Oben wird’s auch nicht wirklich hochglänzender.

Ob das von Hiltmann als Illustration gewählte Bild von zwei älteren Homosexuellen, die sich küssen und ans faltige Gesäss fassen, Verständnis für Sex im Alter befördern mag, nun ja.

Wider die strickende Hausfrau. Oder so

Dass Hiltmann sicherlich auch eine Kämpferin gegen das Rollenklischee der alle handwerklichen Tugenden pflegenden Hausfrau ist, versteht sich von selbst. Dass Hiltmann vom neuen «Stricken» schwärmt, «Lismä» zur längst nicht mehr «Alte-Leute-Beschäftigung» erklärt, mag auch sein. Wieso ihr aber in der Haushaltsschule neben dem gesunden Kochen der Unterschied zwischen stricken und sticken nicht erklärt wurde, das fragt sich auch der männliche Leser.

Das ist erstens gestickt, nicht gestrickt. Zweitens potthässlich.

Auch die nächste Produktewerbung lässt mehr Fragen offen, als ein Männerbesäufnis mit Bier beantworten kann. Hier lobt sie den «Bierrucksack». Also das das Dranmechen eines Gestältlis an einen Bierharass. Immerhin fällt ihr noch selbst die Frage ein, wieso man stattdessen nicht einfach Bierdosen in einen Rucksack packt. Tja, weil dieser Beerbag sich dann noch in einen Klappstuhl verwandeln lasse.

Aber noch mehr Fragen hinterlässt das Beweisfoto:

Frau, Blondine, Alkohol: Wahnsinn?

Seit wann müssen Frauen Bierharasse schleppen? Wieso muss es eine Blondine von hinten sein? Dürfen denn Frauen überhaupt an einer Männerrunde zum ungestörten Biertrinken und unverantwortliche Sachen über Frauen sagen teilnehmen?

Nun noch «Frau und Technik»

Auch das nächste Produkt von Hiltmanns Gnaden wird von einem Foto begleitet, das man nur als latent frauenfeindlich bezeichnen kann.

Kann blind schreiben; kann nicht jeder.

Gut, die hier abgebildete Sekretärin, Pardon, Geschäftsführerin, ist dunkelhäutig, das ist soweit politisch korrekt. Macht’s aber eigentlich noch schlimmer. Denn – Frau und Technik – wieso um aller Stehpulte willen soll man denn unter einen vollständig ausgerüsteten Mac noch eine zweite Tastatur mit Maus stellen, auf der man dann offenbar nur 10-Finger-blind anwenden kann? Vielleicht ist da doch noch nicht alles ganz durchdacht.

Achtung, ein neues Leiden wurde gefunden

So, nun müssen alle Sensibelchen wegschauen. Ob männlich, weiblich, divers oder «ich kann mich nicht entscheiden». Denn Hiltmann regt an, darauf phobisch reagierende Zuseher mit einem über den Ort der Qual gelegten schwarzen Balken zu schützen. Zugegeben, es wird immer schwerer, noch neue Formen von Leiden zu entdecken; eigentlich alles schon im Einsatz. Aber gut, wer will, der kann:

Für Piecksphobiker: her mit dem Balken!

Dann noch gegen alte, weisse Männer mit Haaren

Am Schluss noch, wir noch lebenden weissen, alten Männer sind entsetzt über so viel Genderdiskriminierung, diese Reduktion aufs Äusserliche. Wäre das eine Politikerin gewesen, niemand hätte sich getraut, über ihre Frisur zu spotten. Nun ist es aber ein Mann, ein alter Mann. Nämlich Tony Blair, der Ex-Ex-Ex-Premierminister von England. Was hat der getan? Er hat ein interview über Schottland gegeben. Was wurde ihm angetan, und auch Hiltmann stimmt in den Chor der Kritiker ein:

Alle reden über seinen «Vokuhila»? Nein, Hiltmann, nein.

Leider: das ist kein Vokuhila, geschätzte Frau Hiltmann. Das ist einfach längeres, nach hinten gekämmtes Haar. Das hier ist ein Vokuhila:

Meist noch ergänzt mit dem Zuhälterbalken, wie man den kräftigen Oliba dazu nannte: zum vorne kurz, hinten lang kam verschärfend noch der mächtige Oberlippenbart dazu. Aber je nun, wer von Kultur keine Ahnung hat, von Gesellschaft auch nicht, nicht einmal von Sexismus oder Diskriminierung, wieso sollte die von irgend etwas eine Ahnung haben.

Auch auf die Gefahr hin, wieder als Frauenbasher verunglimpft zu werden: wieso um Gutenbergs willen, soll jemand freiwillig für solchen Mumpitz, nicht lustig, karrend geschrieben, gespickt mit Fehlern, etwas bezahlen?

  • Und wieso bezahlt Tamedia etwas für Hiltmann?

Ach, weil sie müssen, nach diesem Protestbrief. Mein Beileid.

Es darf gelacht werden: Richtig gendern mit der SoZ

ZACKBUM sieht sich gezwungen, bereits die zweite Lieferung von «Satire & Gelächter» auf die Rampe zu schieben. Vorsicht, ist nicht kurz. Aber sehr lustig.

Beim Coiffeur lag die aktuelle «Sonntagszeitung» auf dem «Nebelspalter». Den kenne ich schon, unterhaltsam oder witzig ist er weniger. Also griff ich zur SoZ – und wurde nicht enttäuscht.

Der Coiffeur musste mich mehrfach bitten, mich nicht so zu schütteln vor lachen, das täte dem Haarschnitt nicht gut. Also riss ich mich zusammen, aber den Lesern von ZACKBUM möchte ich die gleiche Erheiterung zukommen lassen.

Denn die SoZ hat – neben Corona – endlich ein zweites Schwerpunktthema gefunden. Eine Debatte, eine Auseinandersetzung, die schon lange die ganze Welt in Atem hält. Eine kleine Welt zwar, aber dafür eine lautstarke. Eine mit Zugang zu Multiplikatoren. Also die Welt von Journalisten, die zwar gewohnheitsmässig der deutschen Sprache Gewalt antun, sie auch regelmässig vergewaltigen, mit Gestümper, Gestammel, mit Fehlern, die das flachgesparte Korrektorat, das nur noch aus einem Microschrott-Programm besteht, nicht bemerkt.

Endlich: die Totalwürdigung eines kleinen Sternchens

Aber das wäre ein anderes Thema. Hier geht es um «gendern, aber richtig». Für die Wenigen, die noch nicht mit diesem fundamental wichtigen Thema belästigt wurden: In der deutschen Sprache (in anderen nicht, aber was soll’s, geht’s hier um Logik?) herrscht das sogenannte generische Maskulinum. Das bedeutet, dass angesichts von zwei Geschlechtern in der Realität und drei Genera in der Sprache, plus irgendeinem Idioten (männlich), der das nicht mit Gattung, sondern mit Geschlecht übersetzte, schon länger ein Kampf mottet.

Stern vor dem Kopf: Die Kulturreste bei Tamedia.

Der wird von Gesinnungstätern geführt, die eine fanatische Mission haben und daher wie die meisten Fanatiker alles ausblenden, was ihrer Mission widersprechen könnte. Ihre Mission lautet: durch die übermässige Verwendung des maskulinen Genus bei Personen- und Berufsbezeichnungen werden Frauen diskriminiert, ausgegrenzt. Ist zwar völliger Unsinn, aber dieses Kampffeld hat einen unbestreitbaren Vorteil.

Wie die Flachdenker, die meinen, mit einem Pappkarton vor der Stirn könne man toll demonstrieren, meinen diese Fehlgeleiteten, durchaus vorhandene Diskriminierung qua Geschlecht liesse sich vornehmlich dadurch bekämpfen, dass man die deutsche Sprache verhunzt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Doppelnennungen (Journalist, Journalistin) zwar schon ein Schritt in die richtige Richtung sei. Aber: was ist dann mit dem ganzen Zoo von weiteren Geschlechtern, non-binären, und überhaupt?

Damit verlagerte sich die Verhunzung vom Pflanzen eines Binnen-I oder der absurd falschen Verwendung des Partizips Präsens (Studierende) zum Sternchenhimmel. Da sind wir heute, und die SoZ ist vorne dabei. Sie gehört ja zum einzigen Medienkonzern der Schweiz, bei dem sich Frauen massenhaft über Sexismus, Diskriminierung, Ausschluss, Negierung und vieles andere beschweren.

Da muss Trauer- und Aufklärungsarbeit geleistet werden. Also landet die SoZ gleich einen Viererschlag. Wahnsinn. Sogar ohne Methode.

Kultur besteht bei der SoZ aus einem einzigen Thema

Sagenhafte drei Seiten widmet der «Kultur»-Bund der Sache mit dem Stern. Also allen Platz, den Kultur bei Tamedia noch hat. Bevor dann zwei Seiten TV-Programm (ohne Genderstern!) und als Gipfel eine – natürlich von einem Mann – geschriebene Lobeshymne auf den neuen McLaren Elva folgen. Der Schwanzvergleich: «in 2,8 Sekunden von 0 auf 100. Schluss wäre bei 328 km/h.» Dazu ein Schnäppchen: «1,7 Millionen Euro» zahlt der Mann für diesen Penisersatz, den er bei Regen in der Garage stehen lassen muss.

Aber zurück zum Thema, bei dem Frau und Mann in 0 Sekunden von 0 auf dumm beschleunigen. Zunächst ergreifen die beiden Sprachwissenschaftler Aleksandra Hiltmann und Andreas Tobler (der alte Abschreiber will sich offenbar überall einschleimen) das Wort. Hiltmann qualifiziert sich durch die Unterzeichnung und federführende Lancierung des Frauen-Protestschreibens. Und hat bezüglich Zigeunerschnitzel und so noch etwas gutzumachen.

Worüber äussern sich die beiden? Schwer zu sagen, Genderstern, Genderstern, Genderstern, Glottis-Stopp (sicher gegoogelt), damit mäandern sie sich zur Schlussfolgerung durch: «Gendern ist also nicht einfach eine Modeerscheinung oder ein Sprachspiel – sondern ein Wirtschaftsfaktor. Diversität ist zu einer Frage der gesellschaftlichen Verantwortung geworden, ähnlich wie Nachhaltigkeit oder Umwelt.»

Mit Verlaub, was für ein gequirlter Schwachsinn. Dass Firmen beim Anpreisen ihrer Produkte und dank des Internet-Targeting immer gruppenspezifischer werben, also nicht mehr nur Männlein und/oder Weiblein ansprechen, sondern gerne auch den schwulen, schwarzen Aktivisten in einem Vorort einer Grossstadt, macht das Sprachverbrechen gendern weder zu einem Wirtschaftsfaktor, noch hebt es diesen Unfug auf die Ebene von Nachhaltigkeit oder Umwelt.

Höhepunkt auf Höhepunkt

Ein Höhepunkt in diesem 13’000 Anschläge-Erguss (Pardon) ist die Stelle über den Zürcher AL-Gemeinderat David García Nuñez: «Als Arzt hat er eine wissenschaftliche Studie geleitet, die zeigt, dass auch bei Transmenschen, die den Geschlechtsangleichungsprozess hinter sich haben, die falsche Ansprache traumatisierend wirkt und Depressionen hervorruft.» Liebe Transmenschen, wenn ihr bis hierher gelesen habt: sofort aufhören und den Arzt oder Psychiater konsultieren.

Alleine schon die in diesen Schwulst eingestreuten Regeln für «richtig gendern» sind kabarettauglich.

Schlag zwei: Zu diesem Endlos-Gesülze als wär’s ein Stück aus der «Republik» wird – originell – eine Umfrage unter Schweizer Autoren gestellt: Wie haltet Ihr’s mit dem Stern? Wir vermissen schmerzlich – nein, nicht wirklich – unseren Büchnerpreisträger Lukas Bärfuss, aber der fiel noch nie durch Beherrschung der deutschen Sprache auf.

Die Reaktionen sind entlarvend. Sich zum frauenbewegten Lager zählende Autoren (generisches Maskulinum) verwenden das Unglücks-Sternchen entweder, oder eiern drum herum, wieso es in Lyrik oder Prosa dann so eine Sache sei. Völlig zum Deppen, aber auch das ist nichts Neues, macht sich Mundart-Poet Pedro Lenz. Er will sich locker und pragmatisch geben, verrät aber immerhin, dass er «nicht mehr «die Lehrer» schreibe, wenn er «Lehrerinnen und Lehrer» meine, sondern «die Lehrerschaft».

Vielleicht ist das in der Mundart anders, aber Lehrerschaft wurzelt in Lehrer. Wo bleibt da die Frau, lieber Poet? Vielleicht weniger poetisieren, dafür Deutsch lernen?

Genau richtig liegen drei Schriftsteller mit ihren Antworten. In aufsteigender Reihenfolge: «Literarisch unbrauchbar»; soweit gut, aber dann setzt Franz Hohler zu einer überflüssigen Erklärung an. «Ich liebe die deutsche Sprache und finde diese Genderei zum Kotzen.» Gut und scharf, aber auch Thomas Hürlimann wird dann etwas zu lang.

Unerreichter Todesstern für den Genderstern ist aber Peter von Matt. Der grosse Germanist, eleganteste Essayist der Schweiz und – wie ich nicht ohne Stolz sagen darf – mein Doktorvater. Der antwortet unübertreffbar:

«Nein.»

Diese Nein hat ungefähr so viel Wucht wie der Gag mit dem grossen Pantomimen Marcel Marceau, der in der Slapstick-Komödie «Silent Movie», eine ironische Verbeugung vor dem Stummfilm, am Schluss und als einziger ein Wort sagt: «non.»

Wohl der Grösste von allen: Marcel Marceau (1923 bis 2007).

Schlag drei: Wie immer mutig und zugleich vorsichtig versucht sich Michèle Binswanger an einem historischen Abriss: «Die Bemühungen um geschlechtergerechte Sprache sind so alt wie der Kampf um die Gleichstellung.» Sie zitiert Für und Wider, auch aus feminsistischer Sicht, denn niemals kann man es allen Recht machen, der Genderstern zerstöre «eine gewachsene feministische Lösung: da grosse I». Komisch, hier, aber nur hier bin ich für den Genderstern.

Das Schlimmste zum Schluss

Schlag vier: Wenn man meint, man habe das Schlimmste hinter sich, kommt SP-Nationalrätin und Co-Präsidentin (Schreibweise, ihr Tagi-Machos, Schreibweise?) der SP Frauen Schweiz. Tamara Funiciello beginnt ihren «Standpunkt» zuckersüss: «Lieber anonymer Mann …»

Ich atme auf, denn ich bin kein anonymer Mann und auch kein Tamedia-Machomann. Aber diese Süsse hört schnell auf, nachdem Funiciello die neusten Zahlen der Kriminalstatistik zitiert hat. Es gibt mehr häusliche Gewalt. Bekannt und erklärbar, wenn Familien mitsamt Kindern den ganzen Tag in dafür nicht vorgesehenen Wohnungen zusammengepfercht sind.

Daraus könnte man die Forderung nach mehr Wohnraum ableiten. Aber doch nicht die SP-Genossin. Denn es gibt Schlimmeres: «Femizide, also Morde an Frauen, die getötet wurden, weil sie Frauen sind, sind aber nur die Spitze der Gewaltepidemie, die Frauen erleben.» Sie bezieht sich dabei auf in diesem Jahr von ihren Partnern oder Ex-Partnern ermordete Frauen.

Wie jeder gewaltsame Tod sehr bedauerlich, aber wurden die wirklich umgebracht, weil sie Frauen sind? Als Mann, Kind, non-binär, mit Gendersternchen wäre ihnen das nicht passiert? Absurde Logik, aber das soll nur als Sprungbrett für einen wahren Amoklauf dienen:

«Genug Männer, die uns Gewalt antun oder angetan haben, dass wir mit unserem Schlüssel zwischen den Fingern nach Hause laufen, flache Schuhe zum Rennen dabeihaben, keine Musik hören, wenn wir alleine sind, damit wir die Gefahr hören, wenn sie kommt. Wir lassen uns von Freundinnen orten, telefonieren, tun so, als würden wir telefonieren. Es sind genug Männer, dass wir uns nicht so anziehen, wie wir möchten, nicht tanzen, wie wir möchten, dass wir zum Teil gar nicht erst hingehen und schon gar nicht allein. Wir sind in unserer Freiheit eingeschränkt, weil wir Angst haben müssen vor Übergriffen, Gewalt, Belästigung, Drohung. Es ist ein bisschen wie Corona – nicht jeder Mensch, den du triffst, ist eine reelle Gefahr – dennoch schützen wir uns, weil es eine sein könnte

 

«Nicht alle», aber genug, tobt Funicello, und was sage der anonyme Mann dazu? «Ja, aber ich war’s nicht.» Darauf sie: «Ich will dir erklären, anonymer Mann, wieso ich die Wut, die mich erfasst bei diesem Satz, fast nicht aushalte.» Oh je, dabei hat sich Funiciello doch schon medienwirksam des männlichen Unterdrückungsapparats namens BH entledigt.

Ich nehme das Privileg in Anspruch, als nicht-anonymer Mann zu antworten: abgesehen davon, dass ich’s wirklich nicht bin, selten eine solche absurde Darstellung der Schweizer Realität gelesen, als wäre sie für Frauen von Syrien nur dadurch unterscheidbar, dass keine Ruinen die Strassen säumen.

Es gibt noch einen todesmutigen Mann bei Tamedia

War’s das? Ja, das war’s an Schreckensnachrichten. Ein Mann hingegen muss nun bei Tamedia ganz, aber ganz tapfer sein. Sein Name ist Rico Bandle, und er hat – Gottseibeiuns – Esther Vilar interviewt. Kennen viele genauso wenig wie Alice Schwarzer? Schade, lohnt sich aber. Wer Mühe mit Lesen hat: Roger Schawinski hat sie natürlich in seinen Doppelpunkt heute geholt. Als Podcast hörenswert. Und Alex Baur, pfuibäh, hat eine Biographie über sie geschrieben.

Mehr will ich dazu nicht sagen, sondern einfach hinter Bandle in Deckung gehen, wenn dann die ganz groben Brocken fliegen werden.

Der Mann hat Eier in der Hose. Aber dieser Spruch hilft immer sicher auch nicht.

Strukturelle Subtilität oder Debilität

Dem Protest der Tagi-Frauen fehlt eine Kleinigkeit bis heute: ein einziges, konkretes Beispiel. Kann die «Medienwoche» helfen? Oder kennt sie einen guten Spruch von Fidel?

Das hier ist Trauerarbeit. Die Medienkritik ist in der Schweiz dermassen im Füdli, dass wir für jeden Mitstreiter dankbar wären. Aber schon länger in den Seilen hängend, verabschiedet sich nun auch die «Medienwoche» von ernstzunehmender Professionalität.

Dazu gehört, ein heftig debattiertes Thema konträr abzuhandeln. Vor allem, wenn mehr als ein Teilnehmer sich äussert. Gehört zur Primarschullektion des Journalismus. Kann man auch lateinern: audiatur et altera pars. Wussten schon die alten Römer.

Ist aber mit der zunehmenden Kuschel-Bubble-Echokammer-Wohlfühl-Idiotie immer mehr abhanden gekommen. Obwohl nur so, in der Debatte, Erkenntnis und Fortschritt möglich wäre.

Ein Gespräch aus dem Streichelzoo mit Mundmaske

Aber Widerspruch verletzt, verunsichert, könnte einen aus seiner Meinungsblase holen, wo man unter Luftabschluss verfault. Also lieber nicht. Deshalb geht die «Medienwoche» das Thema «Sexismus in der Medienbranche» wie im Streichelzoo an.

Marko Kovic und Christian Caspar (wer ist das?) geben Aleksandra Hiltmann (Mitinitiatorin des Tagi-Protests, Redaktorin), Nicole Döbeli («Landbote» und Mitunterzeichnerin) und Nadine Brügger (CvD Nachrichten der NZZ) Gelegenheit, ungehemmt, unbelästigt von kritischen Fragen Seifenblasen zu blasen.

Harte Antworten auf harte Fragen.

Die Oberflächlichkeit fängt schon bei der Vorstellung an. Nicole Döbeli wird als Mitunterzeichnerin des Schreibens identifiziert und als «Co-Präsidentin des Vereins Medienfrauen Schweiz». Mit dieser Nummer kam sie auch schon ins Schweizer Farbfernsehen; dabei ist dieser gut betitelte Verein nichts mehr als ein Jobsuche-Portal für rund 60 Medienschaffende.

Immerhin werden die drei Frauen mit einem Artikel des NZZ-Redaktors Lucien Scherrer konfrontiert, der das Problem mehr als Generationenkonflikt sieht. Eine dünne These, der man leicht widersprechen kann.

Strukturell und subtil: zwei Wortblasen ohne Inhalt

Widerspruch ist aber nicht so die Sache der Frauen und der «Medienwoche». Wie wenn drei Veganer über die Zubereitung eines Steaks diskutieren würden, herrscht unhinterfragtes Einverständnis, dass das Steak, Pardon, der «strukturelle Sexismus» in den Medien existiere, fatalerweise sogar «subtil».

Die beiden Begriffe «strukturell» und «subtil» sind fast immer Platzhalter für: konkret geht nicht. Da sich drei Veganer genauso wenig über ein Steak streiten wie drei Feministinnen über die Existenz von Sexismus in jeder Form, wäre vielleicht die Aufgabe der «Medienwoche» gewesen, wenigstens weitere kritische Stimmen hereinzunehmen.

Zum Beispiel einen anderen offenen Brief, der hier auf ZACKBUM erschienen ist und einige journalistisch-höflich formulierte Fragen an alle Unterzeichner des Protestbriefs gerichtet enthielt. Also auch an Hiltmann und Döbeli. Und an alle Nicht-Unterzeichner.

Aber von den über 100 persönlich angeschriebenen Frauen gab es nur Abwesenheitsmeldungen und zwei höfliche Antworten, dass frau nicht antworten wolle. Sonst herrschte eisernes Schweigen. Von inzwischen mehr als 100 Mitarbeiterinnen von Tamedia, die auf ihren Brief ultimativ Antworten einfordern.

Allerdings haben diese Fragen einen kleinen Nachteil: sie sind weder liebedienerisch, noch unkritisch. Es bräuchte vielleicht etwas Hirnschmalz, Fähigkeit zur Selbstreflexion und weitgehende Abwesenheit von Selbstgerechtigkeit und Opferrolle, um sich darauf einzulassen.

Lieber Kuscheln in der geschützten Werkstatt

Aus diesen Gründen ist die Nichtbeantwortung dieses offenen Briefs (was auch schon seinem nicht veröffentlichten Vorgänger passierte) aufschlussreicher und aussagekräftiger als das Gebabbel und Gebubbel in der geschützten Werkstatt «Medienwoche». Die sogar die naheliegenden, banalsten Frage den Teilnehmerinnen erspart: wenn es diesen zwar subtilen, aber strukturellen Sexismus in den Medien gibt, wieso ist es dann nicht möglich, ein einziges, nur ein Beispiel dafür konkret zu benennen? Und ist tatsächlich nur Tamedia ein Sündenpfuhl männlicher Neandertaler? Ringier, CH Media, NZZ und all die anderen nicht?

Und wieso benimmt sich die Führung von Tahamedia so bescheuert? Nachdem die Mitunterzeichnerin Claudia Blumer zunächst als Untersuchungsbeauftragte vorgestellt wurde, ist sie nun zur «Ansprechperson» degradiert worden; die Untersuchung übernehme eine externe Firma, deren Namen aber leider noch nicht feststehe.  Auf Deutsch: ist uns erst gerade eingefallen. Und: Liebe Dadamedia-Mitarbeiter, wer noch schnell etwas für seine Arbeitsplatzsicherung tun will, melde sich schleunigst bei Blumer.

Mehr Trauerarbeit wollen und können wir zurzeit nicht leisten. Wie sagte Fidel Castro immer so richtig: lieber allein als in schlechter Gesellschaft.

Endlich: der Denunzier-Quickie!

Sie wollen Denunziant* werden, wissen aber nicht, wie? Hier wird Ihnen geholfen.

Wir nehmen gerne den etwas verqueren Namen einer neuen Plattform beim Wort: «sägsWiesisch». Beziehungsweise «#SägsWiesisch». Gerne: mieser wurde noch selten zur Denunziation aufgefordert.

Mit einer klaren Ansage:

«Hier sammeln wir Medienartikel, die unsensibel über Gewalt, Sexismus, Rassismus, Trans- und Homophobie berichten oder diese reproduzieren.»

Reproduzieren? Soll das heissen, «unsensible» Medienartikel wiederholen Gewalt, Sexismus und so weiter? Und wer ist «wir»? Wie es sich fürs Denunziantentum gehört: «wir» bleibt anonym. Impressum, Datenschutzhinweise, eine rechtsgültige Adresse? Ach was, das sind zwar obligatorische, aber vernachlässigbare Kleinigkeiten beim bösen Kampf ums Gute.

Die üblichen Verdächtigen sind Partner

Immerhin, die «Partner» outen sich. Überraschungsfrei sind das «Netzcourage» von Jolanda Spiess-Hegglin, «Fairmedia» von Beat Jans, Guy Krneta und Co., sowie «Campax» von Andreas Freimüller & Co. Nun widmen sich bereits «Netzcourage» und «Fairmedia» dem Thema, echte und vermeintliche gewaltverherrlichende, sexistische oder rassistische Flecken im Internet aufzuspüren.

Wieso dann noch eine neue Plattform dafür? Ganz einfach, hier gilt: denunzieren – leicht gemacht. Wie das geht, zeigen erst mal drei von anonymen Denunzianten ausgewählte Beispiele. Aus «Blick», «Thurgauer Zeitung» und, schluck, auch der NZZ:

Brutale Vorgabe für Attacken der anonymen Denunzianten.

Alles da, was es für Sektierer braucht. Erregte Sprache, inquisitorischer Ansatz «solch kolonialistische und rassistische Sprache tolerieren wir nicht mehr!» Für Nicht-Sektierer: Anonymus erregt sich über die Verwendung des Wortes «indianisch». Das ist ungefähr die Liga, die Verwendung des Begriffs «Zigeunerschnitzel» unter Quarantäne zu stellen, wie das die rundum von Belästigungen umstellte Aleksandra Hiltmann schon tat.

Schnell denunziert: zwei Klicks reichen

Falls der Hobby-Denunziant diese Meinung teilt, was kann er tun? Ganz einfach, er ist von der Denunziation nur zwei Klicks entfernt. Entweder kann er seiner Empörung per E-Mail Ausdruck verleihen. Oder per Twitter. Auch für Denk- und Schreibschwache bestens geeignet: der Protest-Text ist bereits vorformuliert.

Hat man aufs Angebot geklickt und kehrt zur Seite zurück, wird man gelobt und gefragt, ob man’s nochmal tun wolle. Oder lieber ein eigenes Fundstück einreichen. Auch hier hält sich der Aufwand in Grenzen; einmal klick, und im E-Mail-Programm erscheint dieser vorformulierte Text:

«Hallo

Ich habe eine problematische Berichterstattung über Gewalt, Sexismus, Rassismus, Trans- oder Homophobie entdeckt:

[Name der Zeitung/Webseite]

Der Link: [Bitte Link einfügen]

Herzlichen Dank und freundliche Grüsse»

An «action@» voradressiert. Zwei Platzhalter ausfüllen, abschicken, fertig. Darauf haben wir gewartet. Endlich kann jeder Halbanalphabet, jeder Fanatiker, jede Schneeflocke angeblich Volkes Stimme erschallen lassen und pfannenfertig vorformuliert alle beliebige Medien in den Senkel stellen.

Oder es zumindest versuchen. Der Denunzianten-Quickie. Fixfertig anonym angeliefert, anonym weiterzuleiten (vorausgesetzt, der Denunziant ist in der Lage, sich eine fiktive Hotmail-Adresse zuzulegen). Das ist wirklich ein Fortschritt in Richtung eines humaneren, brüderlichen (auch schwesterlichen) Umgangs der Menschen.

Königlicher Ratschlag: Rübe runter!

Immanuel Kant (Liebhaber dieser Denunzier-Plattform: einfach googeln und dann nicht aufgeben) hätte seine helle Freude daran. Ein Versuch, eine Anstalt zur Beförderung der Moralität zu errichten. Nun wird alles gut. Ich gestehe, ich fühlte mich versucht, diese Plattform bei sich selbst zu denunzieren, aber ich befürchte, zu so viel Einsicht und Selbstironie sind die anonymen Macher nicht fähig.

Daher eine öffentliche Frage: seid Ihr eigentlich völlig schamfrei, ohne jeglichen Anstand, als bewusste Helfershelfer für eine der übelsten Angewohnheiten: anonyme Denunziation?

U.A.w.g., aber nicht erwartet.

 

*Oben haben zwei grosse Künstler zusammengearbeitet. Der Merkspruch ist von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, die Zeichnung von Andreas Paul Weber, der allerdings zwischen Nationabolschewismus, Antisemitismus und Antifaschismus herumeierte. Weber erhielt vom deutschen SPD-Bundespräsidenten Gustav Heinemann das Grosse Bundesverdienstkreuz. Wem das alles als Hobby-Denunziant zu kompliziert ist: kein Problem, hindert nicht am Denunzieren.

 

 

Manche Frauen haben nicht nur beim Parkieren Mühe

Journalistische Grundkenntnisse, professioneller Umgang mit Kritik? Ach was, das ist so von gestern.

Der verantwortungsvolle Journalist zuckt natürlich zusammen, wenn ihn diese Mitteilung ereilt: «Da einige faktische Angaben nicht stimmen, würde ich gerne mit Ihnen am Telefon besprechen, wie wir weiter verfahren.»

Aber immerhin, keine Androhung eines Mail-Battles, stattdessen ein Gespräch. Also wird ein geräumiges Zeitfenster dafür angeboten – und nicht benützt. Die Nachfrage ergibt, dass das vermeintliche Opfer einiger falscher Angaben «lange Arbeitstage» habe. Trotz Kurzarbeit bei Tamedia, aber item.

Schliesslich kommt das Gespräch doch noch zustande, und der verantwortungsbewusste Journalist gibt zu: Nach dem einleitenden Geplänkel blieb ihm kurz, aber kräftig der Mund offen. Denn die «Redaktorin Kultur und Gesellschaft» bei Tamedia enthüllte, was sie unter «falschen Angaben» versteht.

Menschlich verständlich, professionell bedenklich

Dass Aleksandra Hiltmann der Nasenstüber nicht gefallen hat, ist menschlich verständlich. Dass sie sich aber darüber aufregt, dass bei der Kritik ein doppeltes Anführungszeichen beim «Z-Wort» fehlte, das zeugt schon von einer schneeflockenartigen Sensibilität.

Nun hatte sie aber den Plural gewagt, also brauchte es schon noch wenigstens eine zweite falsche «faktische Angabe». Die fand sie in der Bezeichnung «Schlangenfrau». Das sei eindeutig eine Ehrverletzung. Ich klappte – mit einiger Mühe – den Unterkiefer wieder hoch, empfahl ihr, Hilfe zu suchen – nein, nicht solche, juristische –, was mir ein scharfes «ich lasse mich von Ihnen nicht belehren» einbrockte.

Lustigerweise gab es kein kritisches Wort von ihr über die Kritik an ihrer backfischartigen Anhimmelei der sehr realitätsfern fürs Vogue-Cover abgebildeten Angelina Jolie.

Konziliant, zuvorkommend, höflich, sensibel und verständnisvoll, wie wir bei ZACKBUM.ch sind, bot ich an, dass sie es doch mal mit einer schriftlichen «Richtigstellung» probieren solle. Die schaue ich mir dann gerne an. So verblieben wir, bis ich dann herzlich und laut lachen musste. Über das, was man heutzutage offenbar beim Tagi unter Richtigstellung versteht.

Aus einer Welt, in der wünschen wirkt

Wünschen darf man ja: «Hier die Passage. Bitte fügen Sie diese im Artikel ein.» So schwer es mir auch fällt, einer Frau eine Bitte abzuschlagen, das ging nun nicht: «Aleksandra Hiltmann legt Wert auf folgende Richtigstellung: <Zackbum schreibt, dass ich in meinem Artikel über den Sinto-Geiger Django Reinhard den Begriff «Zigeuner» ohne Kritik oder Distanzierung verwendet hätte und deshalb eine «Schlangenfrau» sei, weil ich damit meine früheren Meinungen und Überzeugungen aufgegeben hätte. Das ist alles falsch. Richtig ist, dass ich im erwähnten Titel dieses Artikels erstens das Z-Wort in zusätzliche Anführungszeichen gesetzt habe und zweitens eine erläuternde Box zum Z-Wort angefügt habe mit Fragen und Antworten, die sich kritisch mit diesem Begriff auseinandersetzen. Beides hat Zackbum unterschlagen.>»

Inzwischen neigen wir zur Auffassung, dass Hiltmann nicht nur rechtliche Hilfe benötigen könnte.

Aleksandra Hiltmann: schon wieder ertappt

Sie ist Kulturredaktorin bei Tamedia. Daher ziemlich kulturlos und flexibel.

Man weiss bei Tamedia immer weniger, woran man ist. Die Unter-Co-Chefredaktorin himmelt die neue Vizepräsidentin der USA an, der Unter-Co-Chefredaktor wirft sich gegen die Verhüllungs-Initiative in die Schlacht.

Silke Wichert von den Münchner Kollegen darf im «Tages-Anzeiger» eine «Stilkritik» neuer Mitarbeiterinnen im Weissen Haus unter Präsident Biden veröffentlichen. «Raspelkurzer Afro, offensichtlich Vorliebe für leuchtenden Lippenstift und markanten Schmuck». Würde ein Mann eine nicht ganz unwichtige Sprecherin so beschreiben – und weitgehend auf die Darstellung deren Fähigkeiten verzichten –, er müsste sich Sorgen um seinen Job machen.

Dass man eigentlich alles so oder so, von der einen Seite und auch von der anderen Seite betrachten kann, das beweist Aleksandra Hiltmann. Zusammen mit einem Münchner Kollegen entrüstet sie sich über eine TV-Talkshow im hohen Norden Deutschlands, die in der Schweiz keinen Menschen interessiert.

F***, hier kommt das Z-Wort wie in Z******-Schnitzel

Da haben ausschliesslich Weisse, darunter auch noch ältere Weisse, über Rassismus diskutiert. Ungeheuerlich. Aber, so wie im US-TV bis heute jedes «fuck» durch einen Piepston ersetzt wird, jede schriftliche Form durch ein «f***», wurde in dieser Sendung ein Wort verwendet, das Hiltmann nicht mal ausschreiben kann. Das Z-Wort, oh Graus. Man redete ungeniert über Z******-Schnitzel. Oder über Z******-Sauce. Oder gar über Z******-Salat.

Das verletzte viele Z****** ungeheuerlich, auch Hiltmann kriegte sich nicht ein, wie man das Wort (wir bitten empfindliche Leser oder Leser mit entsprechendem ethnischen Hintergrund, jetzt die Augen zu schliessen) Zigeuner heute noch so ungeniert verwenden kann.

Als sich Hiltmann aber mit dem Grossneffen des grossen Django Reinhardt unterhielt, ebenfalls ein begnadeter Musiker, wurde er zwar zum «Sinti-Geiger» ernannt, aber (ich bitte Leser unter 16 Jahren, nicht mehr weiterzulesen) als Titelzitat stand über dem Artikel: «Zigeuner ist die richtige Bezeichnung für mich». Ohne Sternchen. Ohne Entrüstung. Ohne Zurechtweisung. Schon wieder eine Schlangenfrau, was Meinungen oder Überzeugungen betrifft.

Hiltmann und ihre Spur des Schreckens

Sie hinterlässt aber weiterhin eine Spur des Schreckens, des Sexismus. Denn wir haben aus dem gleichen Tagi gelernt, dass es eben auch strukturellen Rassismus gibt. Also alles, was unter dem Sammelbegriff läuft: Ich kann’s zwar nicht genau festmachen, aber diese Aussage ist einfach rassistisch. Und wenn nicht, dann die dahinterstehende Gesinnung. Richtig fies ist der positive Rassismus. Also wer sagt, Schwarze können gut tanzen, der lobt nicht, sondern ist in seiner schwarzen Seele ein ganz abgefeimter Rassist. Selbst wenn er Präsident Obama heisst.

In diesem Sinne müssen wir nun einen neuen Anschlag von Hiltmann denunzieren. Nein, nicht gegen Sinti und Roma. Auch nicht gegen Juden. Schlimmer noch: gegen Frauen. Gegen die eigenen Geschlechtsgenossinnen. Denen begegnet sie auch mit positiver Diskrimination. Der Beweis:

Angelina Jolie: Ein Bild von einer Frau, aber kein Foto.

 

Na und? Moment, im «Smalltalk der Woche» titelt Hiltmann: «Die beinahe unwirkliche Schönheit der Angelina Jolie.» Und unterstreicht in der Bildlegende nochmal: «Wir haben schon sooo lange nichts mehr von Angelina Jolie gehört. Jetzt ist sie wieder da, auf dem Cover der britischen «Vogue».

Und so unfassbar schön wie eh und je.»

Ich als entschiedener Verteidiger der Frauenrechte, der Frauenbewegung und des Feminismus schäme mich so oft, ein Mann zu sein, wenn ein Geschlechtsgenosse wieder einmal als Vertreter der Patriarchats das Wort ergreift, dem Grundübel aller Zeiten.

Statt Warnung vor Bulimie und Nachahmung: «unfassbar schön»

Aber was soll ich sagen, wenn das sogar eine Frau tut, die ansonsten – wenn’s geht – so sensibel Diskriminierungen denunziert? Und hier himmelt sie das photogeshopte, weichgezeichnete, mit allen Tricks der modernen Deep-Fake-Technologie behandelte Bild einer Schauspielerin an? Das mit der realen Jolie ungefähr so viel zu tun hat wie ein geföhnter, geschminkter, mit überlanger Krawatte ausgestatteter Donald Trump mit dem Trump, der am Morgen aus den Federn kriecht. Ein Anblick, den sich nicht einmal seine Frau antun will – getrennte Schlafzimmer.

Statt auf die erschreckende Magerkeit (man schaue sich nur Arme und Beine an) hinzuweisen und Jugendliche vor Nachahmung und Bulimie zu warnen, statt eine Philippika gegen die unbelehrbare Modeindustrie mit ihren unerreichbaren Schlankmodels vom Stapel zu lassen: «unfassbar schön».

Eine Frau reduziert eine andere Frau auf Äusserlichkeiten. Ich fass’ es nicht. Kein Wort über die durchaus beeindruckenden politischen und humanistischen Tätigkeiten von Jolie. Kein Wort über ihre Nehmerqualitäten, ihre Selbständigkeit, ihre Kinderschar. Nein, «beinahe unwirkliche Schönheit», fällt der Kulturredaktorin nur ein. So backfischartig würde sie wohl auch die Venus von Milo oder die Mona Lisa beschreiben. Mehr Kultur ist halt nicht mehr.