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«Bersets jahrelange Affäre»

Eva Wannenmacher sprach im Podcasts «Wahrheit, Wein und Eisenring» aus, was sonst tabu ist.

In den online-Ausgaben der Tamedia-Zeitungen preist Yvonne Eisenring (aufgeführt als Artikelautorin) die neuste Folge ihres Podcast gleich selber an. «Radikal ehrlich wird das Gespräch, zu dem Yvonne Eisenring die Moderatorin Eva Wannenmacher («Kulturplatz») eingeladen hat». Neben den üblichen Themen wie Masturbation und Sexualtrieb erzählt Wannenmacher über ihre Zeit mit 27, als sie mit Journalismus-Preisen überhäuft wurde. Die heutige Moderatorin der SRF-Sendung Kulturplatzes: «Man ist einsam. Als öffentliche Person meinte ich, ich müsse mich dauernd rechtfertigen. Heutzutage, wenn auskommt, dass Alain Berset jahrelang eine Affäre mit einer anderen Frau hatte, dann kann er das abblocken, indem er sagt, das ist privat. Das hätte mir damals auch in den Sinn kommen können. Mit 27 kann man das wohl nicht so gut.» Das seien Learnings, so Wannenmacher, die ihre TV-Karriere bei Tele Züri gestartet hat.

Wannenmacher sagt, sie habe damals Fehler gemacht, sie sei unreif gewesen und voll reingelaufen. «Ich habe meinen Preis bezahlt. Wenn man hinauf geschrieben wird, wird man auch hinunter geschrieben.»

Um einen Blick hinter die Mechanik des Medienbetriebs zu erhalten, lohnt sich das Hineinhören. Der Passus mit Bundesrat Alain Berset kommt ein wenig nach nach Minute 36. 

 

 

 

Aufgefallen III (Marc Brupbacher)

Eigentlich ist Brupbacher «Leiter Interaktiv-Team» bei Tamedia. Aber seine Berufung ist Epidemiologe, Virologe und Chefberater der Regierungen.

Wir haben uns bereits ernsthafte Sorgen um den Geisteszustand von Brupbacher gemacht und die auch mit ihm geteilt. Aber leider hat er alle Ratschläge in den Wind geschlagen. Er führt auch an den Festtagen einen unermüdlichen Kampf gegen Versager und Verniedlicher, vor allem ganz oben. Beratungsresistent, wie es bei Fanatikern üblich ist.

Er fordert schon mal ultimativ, dass die Uni Luzern einen «Dreck» von ihrer Webseite nehmen soll. Der «Dreck» besteht aus einer wissenschaftlichen Untersuchung von zwei erfahrenen Dozenten. Aber zu ihrem Pech kamen sie nicht zu Schlussfolgerungen, die Oberexperte Brupbacher akzeptieren konnte. Seine Frage, ob denn «alle durchgeknallt sind in diesem verrückten Land», hat er inzwischen für sich beantwortet: Ja. Mit einer Ausnahme.

Über den Regierenden hat er den Stab gebrochen

Der Wüterich gibt dem Gesundheitsminister keine Chance mehr: «Mit Alain Berset bin ich durch. Kollegialitätsprinzip hin oder her, es gibt keinen Grund, Fakenews zu verbreiten.»  Statt einen Kurs in Rechtschreibung zu besuchen, wuttwittert er so vor sich hin.

Aber auch mit dem Zürcher Regierungsrat ist Brupbacher überhaupt nicht zufrieden. «Das Gesundheitspersonal muss über die Festtage schuften. Der Regierungsrat wird in der warmen Stube sitzen.» Statt dass, wie sonst üblich, das Gesundheitspersonal in der warmen Stube sitzt und der Regierungsrat schuftet.

Aber so ist das halt, wenn «der RR sich bis heute weigert, adäquate Massnahmen zu ergreifen». Das ist wirklich ein Skandal, wo Brupbacher doch unermüdlich gute Ratschläge gibt. Und die Schuldigen gnadenlos beim Namen nennt: «Eine der Hauptverantwortlichen ist Regierungspräsidentin Silvia Steiner.»

Unterwegs zu 20’000 Toten

Da muss Brupbacher schon auf seine Kernkompetenz zurückgreifen, das digitale Storytelling. Seine Übersetzung dafür ist offensichtlich: Märchenstunde. So beklagt er, dass die Schweiz 7000 Corona-Tote zähle. Schon im März habe einer der Skandalschreier 20’000 bis 35’000 Tote prognostiziert. Das stimmt, der Wettbewerb ging sogar bis zu 100’000 Toten. Und? Na: «Nun sind wir – mit starken Massnahmen – nicht weit weg vom Kurs auf 20’000. Von wegen Panikmacher.»

Wir sind nicht weit weg vom Kurs auf? Unsere Besorgnis verstärkt sich; ob es ohne den Einsatz von Medikamenten gelingt, Brupbacher wieder vorsichtig an die Realität heranzuführen?

Er findet immerhin noch Zeit, sich für den 2. Platz im Ranking «Recherche» des «Schweizer Journalist» zu bedanken; statt das schamvoll zu verschweigen. Wir fassen also nochmal kurz zusammen.

Alle durchgeknallt. Ausser ihm natürlich

Mit BR Berset ist er inzwischen fertig; mit dem gesamten Regierungsrat Zürichs auch. Ist ja auch kein Wunder, da alle ausser ihm «durchgeknallt» sind. Wir fragten schon beim letzten Mal fürsorglich beim Oberchefredaktor Arthur Rutishauser an, ob er nicht dafür sorgen will, dass ein leitender Mitarbeiter von ihm den sowieso schon lädierten Ruf der Journalisten nicht noch weiter beschädigt.

Mit unanständiger Sprache, haftungsfreien Forderungen und verantwortungslosen Kritiken. Offensichtlich basierend auf einer zunehmenden Fanatisierung, die täglich mehr gegen Vernunft und Realitätskontakt immun macht. Aber leider geruhte Rutishauser nicht, sich darum zu kümmern oder zu antworten.

Natürlich ignorierte Brupbacher selber auch die an ihn gerichteten Fragen. Ist immer das Gleiche: austeilen ja, dazu stehen nein. Es ist zu befürchten, dass er auch seine eigene Frage falsch gestellt hat. Sie müsste lauten: «Ist zumindest einer durchgeknallt in diesem Land?» Darauf gäbe es eine realistische und richtige Antwort.

Berset: toujours l’amour?

Wer darf einen Blick auf den Unterleib eines Bundesrats werfen?

Wie sagte Karl Valentin so unsterblich richtig: Wenn’s einer kann, ist’s keine Kunst. Kann’s einer nicht, ist’s auch keine. Wie ist’s damit in den Schweizer Medien bestellt?

Der Gralshüter des moralisch hochstehenden Diskurses donnert im Blatt für die gehobenen Stände: «Keine Geschichte.» Man reibt sich etwas die Augen; das muss wohl ein Doppelgänger von Frank A. Meyer gewesen sein, der im gleichen Boulevard-Blatt SoBli den Lausch- und Fotoangriff auf den Unterleib des damaligen Botschafters in Berlin als gerechtfertigt bezeichnete, weil der ja durch eine angebliche Liebschaft erpressbar sei.

Das endete dann eher peinlich. Der Botschafter war weg, aber die Teutonentruppe bei der «Blick»-Familie auch, dazu gab es einen empfindlichen finanziellen Aderlass, der Verleger höchstpersönlich musste sich auf Seite eins entschuldigen, und Meyer wurde wegen übertriebener Härte kurzfristig auf die Strafbank gesetzt.

Die Bundespolizei zeigte für einmal, was sie kann

Ach ja, das waren noch Zeiten. Nun ist es einem Bundesrat widerfahren, dass er mit Erpressung bedroht wurde. Offenbar ziemlich konkret; die Erpresserin hatte schon extra zwei Konten für die Überweisung von 100’000 Franken eröffnet. Wenn nicht, würde sie mit verfänglichen Fotos und pikantem Geschreibsel des Bundesrat an die Öffentlichkeit gehen.

Das geschah schon im Dezember 2019, und nachdem der Bundesrat sie vergeblich via Anwalt von diesem Plan abbringen wollte, schaltete er die Bundespolizei ein. Die zeigte für einmal, was sie kann, wenn sie will. Die Übeltäterin wurde verhaftet, einem strengen Verhör unterzogen und willigte freiwillig ein, dass die möglicherweise belastenden süssen Erinnerungen von all ihren Datenträgern entfernt werden.

Da sie schon kurz zuvor einen Rückzieher von ihrer Absicht gemacht hatte, durch Erpressung 100’000 Franken einzunehmen, wurde die ganze Angelegenheit mit einem Strafbefehl erledigt. Und wäre überhaupt erledigt gewesen, wenn solche Strafbefehle nicht eine kurze Zeit öffentlich einsehbar sein müssten.

Wer ist wie und wann erpressbar?

Und schon wieder ging die Debatte los, ob der Bundesrat zwar in diesem Fall der Erpressung nicht nachgegeben habe, aber möglicherweise eben doch erpressbar sei. Das wurde natürlich von ihm selbst und von Meyer zurückgewiesen, und dann kann es ja auch nicht so sein.

Seine einzige Waffe?

In wohl jedem anderen Land der Welt wären ab Bekanntgabe der Affäre die Journalisten ausgeschwärmt, um die Hintergründe zu recherchieren, die Erpresserin ausfindig zu machen, mindestens ein Porträt über sie zu schreiben, wenn ihr schon nicht ein Quote zu entlocken wäre.

In der Schweiz wird bei solchen Sachen geeiert. Als der katholisch-christliche Parteipräsident einer die Ehe und christliche Werte hochhaltenden Partei sich bei einem Seitensprung fortpflanzte, machte er mit dem «Blick» ein Päckli; Exklusiv-Story mit reuigem Sünder, dafür keine blöden Nachfragen. So schaffte er es sogar, in die Walliser Regierung gewählt zu werden, der Heuchler. Dagegen hatte Meyer keine Einwände.

Berset hat Glück im Unglück

Nun hatte Bundesrat Alain Berset Glück im Unglück. Nicht etwa das eigentlich zuständige Boulevard-Blatt hatte die Story, die Sonntagszeitungen hatten sie zwar, rechneten aber nicht damit, dass sie die WeWo am Samstag im Internet mit dem Primeur abtrocknen würde. Statt selber eine saftige Aufmacherstory zu liefern, konnten sie nur missmutig nacherzählen.

Anschliessend wurde natürlich nicht nur von Meyer debattiert, ob das nicht wirklich eine Privatangelegenheit des Bundesrats sei, zudem erledigt, also könnten doch nur rechte Hetzer daraus einen Skandal hochzwirbeln wollen. Ausserdem wisse man ja gar nicht, worum es hier genau gegangen sei, worin das Material bestünde, mit dem erpresst werden sollte.

Nun ja. Wenn man sich die Hintergründe etwas genauer anschaut, kommt man doch auf ein paar merkwürdige Zufälle. Bei der gescheiterten Erpresserin handle es sich um eine Künstlerin, die im weiten Feld der Performance unterwegs ist. Obwohl sie ein überschaubares Oeuvre vorgelegt hat, bekam sie bereits den Schweizer Kunstpreis, immerhin mit 25’000 Franken dotiert. Ihre Ausstellungen, Aufenthalte, ihr Wohnsitz zeugen zumindest von einer gewissen Weltläufigkeit und Vernetzung.

Eigentlich könnte jeder den Namen der Künstlerin herausfinden

Inzwischen sind auf «Inside Paradeplatz» und anderswo dermassen viele Details über diese Künstlerin veröffentlicht worden, dass es keiner grossen Anstrengungen bedarf, ihren Namen herauszufinden und ihr ein Mail zu schicken, ob sie nicht mal ihre Sicht der Dinge darlegen wolle.

Sie will leider nicht, und Bersets Anwalt droht jedem mit Pech und Schwefel, der es wagen sollte, ihren Namen zu publizieren. Sie selbst ist zudem in einer Schweizer Kulturstätte im Ausland versorgt, bis Mitte nächsten Jahres. Ist auch ziemlich praktisch; bis dahin dürfte endgültig Gras über die Sache gewachsen sein.

Darf nun ein Bundesrat kein Privatleben haben, und wenn doch, ist das dann nicht seine Privatsache und geht niemanden etwas an? Ausser den Direktbeteiligten, darunter auch seine Frau und Kinder?

Bei politischen Exponenten ist die Privatsphäre anders gestaltet

Das mag so sein. Aber wenn der kleine Angestellte Müller, verheiratet, mit der Serviertochter des «Ochsen» ein Verhältnis hat, ist das keine Geschichte, selbst wenn sie ihn nach einem Streit über einen Schwangerschaftstest erpressen will. Nun ist das bei einem Bundesrat etwas anderes. So wie bei einem Botschafter oder Parteichef. Zumindest sollten alle Fakten auf den Tisch kommen.

Interessant ist dabei auch, dass sogar von Politikerinnen bestritten wird, dass es sich bei dieser Frau um ein Opfer handeln könnte. Trotz #metoo und der klassischen Ausgangslage, mächtiger Mann, ohnmächtige Geliebte – keinen scheint ihre Geschichte, ihre Sicht der Dinge zu interessieren. Eine Schweizer Besonderheit oder eine Schweizer Absonderlichkeit?

 

Besinnlicher Advent

Auch diese Tradition verschwindet im Journalismus.

Früher fürchtete sich die ganze Redaktion vor der Frage: Was machen wir am Advent?

Es ist eine der vielen undurchschaubaren Riten der Christenheit. Die vier Sonntage vor dem 24. Dezember sollen auf die Niederkunft von Maria mit dem Gottessohn geistig vorbereiten. Auch besinnlich; am Samstag vor dem ersten Advent ist Vesper.

Da könnten sich auch unsere jüdischen Mitbürger anschliessen, denn Psalmengesänge pflegen sie auch. Das mit der Geburt Christi sehen sie allerdings etwas anders. Völlig an einem gewissen Körperteil vorbei geht der Brauch unseren muslimischen Mitbürgern. Für die ist es ein Sonntag wie jeder andere; es gibt immer noch zu viele Ungläubige auf der Welt, irgendeine Beleidigung Allahs oder Mohammeds muss auch gerächt werden, die Scharia gilt immer noch nicht überall in Europa, also alles normal.

Im Journalismus geht es weltlich zu

Etwas weltlicher geht es im Journalismus zu. Von dümmlichen Kalauern wie «Advent, Advent, die Erde brennt» bis zu einer Todesanzeige auf der Front der NZZaS. Auch da brennt’s, wenn auch nur in Form eines Kerzleins, das an «die Opfer der Pandemie» erinnern soll. Wie kriegt man über 4000 Tote auf zwei Zeitungsseiten? Überhaupt nicht, deshalb erzählt die NZZaS in weihevollem Ton «zwölf Geschichten über ganz normale und doch besondere Menschen», die an oder mit Covid-19 gestorben sind.

Ich will ja nicht die andächtige Bibelstimmung (12 Tote, 12 Apostel) stören, aber: In der Schweiz starben 2019 etwas über 67’000 Menschen. An Krankheiten, Unfällen, sogar Verbrechen – oder einfach am Alter. Und solange das Medianalter der Corona-Toten oberhalb der durchschnittlichen Lebenserwartung in der Schweiz liegt, hält sich meine Anteilnahme in Grenzen.

Die SoZ ist auf Krawall gebürstet

Überhaupt nicht weihnachtlich gestimmt ist hingegen die SoZ. Sondern eher auf Krawall gebürstet. «Altersheime setzen an Covid-19 erkranktes Personal ein», erschreckt das Sonntagsblatt harmlose Angehörige von Insassen. Dann läutet die SoZ das Totenglöcklein über der Skisaison, wenn sich BR Alain Berset mit seinen massiven Einschränkungen durchsetzen sollte. Wäre ja auch blöd, wenn man gerade den Zusatzbund «Winter» mit den «75 besten Winterhotels der Schweiz» gedruckt und beigelegt hat.

Überhaupt nicht in der Stimmung der Nächstenliebe ist auch der zweite Zeitungsbund: «Der jihadistische Terror zielt auch auf die Schweiz.» Müssen wir uns nun vor explodierenden Weihnachtsmännern in Acht nehmen?

Selbst die sonst eher harmlosen Ressorts «Gesellschaft» und «Kultur» sind garstig unterwegs: Die Bestsellerautorin J.K. Rowling sei «transphob», beschwert sich «Transaktivist Henry Hohmann». Das muss dann wohl selbst der gebildete SoZ-Leser mal kurz googeln, was und wer das ist.

Und selten schlüpfrig beendet die Kultur den überhaupt nicht besinnlichen Reigen: «Hazel Brugger machts neuerdings nicht mehr gratis.» Dass ausgerechnet der tapfere Kämpfer gegen Diskriminierung, für #metoo und überhaupt gegen alles Unrecht auf der Welt, der Tamedia-Redaktor Andreas Tobler, einen solchen frauenverachtenden Titel zulässt, unglaublich. Ab zum Bäume-Umarmen, Abbitte leisten und unbedingt beim Sensibilisierungskurs «Männer sind Schweine» anmelden.

Wenigstens der SoBli liefert das, was zu erwarten ist

Aber auf ein Sonntagsblatt ist Verlass. Der SoBli holzt wie üblich vor sich hin. Mit Aufregertiteln: «Die Schweiz ersäuft in Gülle», mit politisch unkorrekten Titeln: «Radikalisierte Frauen sind genauso gefährlich», und mit Titeln, die es gnadenlos auf den Punkt bringen: «Pulver gut, Stimmung mies».

Ein wenig Besinnlichkeit kommt auf, wenn wie weiland Buschs Lehrer Lämpel unser aller Oberlehrer Frank A. Meyer die Journalisten zusammenstaucht. Warum? Na, die haben doch tatsächlich über den Erpressungsversuch gegen Bundesrat Alain Berset berichtet. Handelt es sich bei der Erörterung von «Alain Bersets privater, ja intimer Kalamität um Futter für frivolen Klatsch?»

Ist die Ähnlichkeit nicht verblüffend?

Die Frage so stellen (der SoBli-Leser scheitert allerdings an Kalamität und frivol), heisst natürlich, sie beantworten. Aber bei einem eisigen Nein lässt es Meyer nicht bewenden. Zwar hat diesmal Blocher nichts damit zu tun, aber die «Weltwoche». Da läuft Meyer dann zu ganz unchristlichen Formen auf: «Das Blatt des rechten Eiferers Roger Köppel», «raunendes Machwerk», «genauso bringt man Klatsch ins politische Ziel», «beliebiger ideologisch-parteilicher Journalismus».

Und dann donnert der strafende und zürnende Meyer dem Eiferer Köppel noch eine rein: «Wer auf die Methoden des entfesselten Gender-Feminismus setzt, kennt keine private Sphäre mehr, die er zu achten hätte.» Das hat man bislang Köppel noch nie vorgeworfen, also ist es zumindest originell.

Platz für ergriffene Emotionalität wie von Wagner

Aber im SoBli gibt es auch Platz für pathetische Emotionalität, als hätte Franz Josef Wagner den Griffel geführt. Ausgerechnet von Dana Liechti stammt das Stück: «Lichter im Dunkel», über «Mahnwachen für Corona-Tote». Da könnte man nun einfach reportieren. Aber nein: «Elsa (89) und Josef Scherer (94) waren 68 Jahre lang verheiratet.»

Wir ahnen, wir befürchten, was nun kommt. In einem SRF-Beitrag aus dem Spital «er mit Schläuchen in der Nase, sie am Beatmungsgerät, die Hände liebevoll ineinanderverschlungen», wünschten sie sich noch zwei weitere gemeinsame Jahre.

Wir blinzeln die Tränen aus den Augen, schneuzen uns kräftig und lesen weiter: «Ihr bescheidener Wunsch ist nicht mehr in Erfüllung gegangen.» Gibt es denn keinen Trost auf der Welt? Doch, ein Licht im Dunkeln: «Zwei der Kerzen werden auch für Elsa und Josef Scherer brennen.»

Hier muss der gerührte und geschüttelte Autor abbrechen.

Berset, versemmelt

Roger Köppels Kommentar wurde heute in der NZZ als Inserat geschaltet. Wenn die Mücke platzt, statt zum Elefanten zu werden.

Man muss der «Weltwoche» lassen: Mit ihrer «Eilmeldung» vom vergangenen Samstag sorgte sie für Furore. «Berset: Erpressung und Vertuschung», das löste Gehampel, Gefuchtel und Gefluche aus.

Letzteres bei der Sonntagspresse, die wohl auch Kenntnis vom einsehbaren Strafbefehl gegen die Erpresserin hatte, aber nicht damit rechnete, dass die am Donnerstag erschienene «Weltwoche» einfach ihren Internetauftritt ausnützt, um den Kollegen eine lange Nase zu drehen.

Zuerst wurden die Kampfhandlungen gegen die WeWo eingestellt

Während aber am Tag des Herrn grummelig einfach nacherzählt wurde, ging’s ab Montag richtig los. Immerhin über 250 Treffer erzielt die SMD-Suche nach «Berset – Erpressung». Da die WeWo nicht gerade beliebt ist bei den Kollegen der sogenannten Qualitätsmedien, wurden zwei Schienen gefahren. Auf der einen wurde eher kurzfristig auf die WeWo eingeprügelt, nach der Devise: Das ist Privatsache, darüber schreibt man nicht, pfui.

Nach einem eigenen Berg von Geschreibsel sah man dann allerdings ein, dass das vielleicht etwas heuchlerisch rüberkommen könne und stellte diese Kampfhandlungen ein. Um sich an der Exegese eines vielfach geschwärzten Strafbefehls zu versuchen. Beruhigendes Resultat: vielleicht hätte Berset schneller die Polizei einschalten sollen, aber sonst: alles in Ordnung, alles sauber, alles kein Problem.

Und im Umkehrschluss: Hätte die WeWo nicht aus durchsichtigen Gründen gegen einen erfolgreichen SP-Genossen Stunk gemacht, hätten wir uns auch diese Woche ausschliesslich auf Corona und Trump konzentrieren können. Aber schön, haben wir drüber geredet.

Die WeWo will aus einem Artikel eine Kampagne machen

Das wiederum will die «Weltwoche» nicht so stehenlassen, also legt sie nach. Gleich mit einem Doppelschlag. Autor Christoph Mörgeli, im Enthüllungsrausch, schreibt trotzig: «Bundesrat Alain Berset (SP) ist erpressbar.» Und sein Chef hat’s letzthin mit filmischen Vergleichen. Nachdem er Donald Trump zum John Wayne der Politik verklärt hat, fällt ihm bei Berset gleich «Pulp Fiction» von Quentin Tarantino ein, dem grössten Kopisten Hollywoods.

In dieser Gaga-Story über zwei philosophierende und unendlich quatschende Killer gibt es eine Szene, in der sie – aus Versehen – ihren Passagier im Auto erschiessen. Das ist für einen Killer natürlich kein grösseres Problem. Aber die verdammte Sauerei im Wagen; Blut, Körperflüssigkeiten, Hirnmasse, schrecklich, das muss weg.

Für solche Fälle hat die Unterwelt natürlich einen Spezialisten. Harvey Keitel hat einen grandiosen Kurzauftritt als «the cleaner». Er räumt professionell Schweinereien aller Art auf. Entsorgt Überflüssiges, stellt Sauberkeit und Ordnung wieder her. Damit alles wieder so aussieht, als sei nichts geschehen.

Was hat «Pulp Fiction» mit Berset zu tun?

Eine der wenigen wirklich gelungenen Szenen im Film, vielleicht abgesehen von der ikonischen Tanzeinlage. Aber was hat das mit Berset und der Erpressung zu tun? Nun, da versucht sich Roger Köppel in einem erkenntnistheoretisch spannenden Looping. Er braucht viele Zeilen dafür, aber die Kernaussage ist: Wo nichts war, muss nichts aufgeräumt werden. Wenn aufgeräumt werden musste, damit Bundesrat Berset in seiner Berufsausübung nicht beeinträchtigt werde, war er beeinträchtigt. Und damit erpressbar.

In der leicht überhöhten Originalformulierung:

«In diesem Fall aber bliebe die wesentliche Frage offen, warum Berset die alles zermalmende Wucht der bundesrätlichen Strafjustiz gegen dieses angebliche Nichts einer Erpressung überhaupt entfesselte, denn wo nichts ist, kann nichts herauskommen und muss auch nichts gelöscht oder geheimgehalten werden.»

Quod erat demonstrandum, würde Köppel sagen, hätte er Latein gehabt.

Chef oben, Mörgeli unten

Während sich der Chef um geistige Flughöhe bemüht, ist Mörgeli unterwegs, um im Nahkampf aus seiner Enthüllung eine Kampagne zu machen. Ein Schuss ist gut, aber danach muss man nachladen. Denn schliesslich habe seine Enthüllung «einen Flächenbrand» ausgelöst, schlimmer noch, «das Abwehrdispositiv wackelt».

Also ruft Oberstleutnant Mörgeli «Attacke» und galoppiert los, als gäbe es noch die Schweizer Reiterarmee. Als geschickter Stratege weiss er, dass man nicht auf breiter Front angreifen sollte. Sondern versuchen, durch eine Bresche zu gelangen.

Die heisst «Erpressbarkeit». Da fährt Mörgeli alles auf, was er zusammenkratzen kann. Natürlich die Meinung eines Strafrechtsprofessors: «Das geht für mich nicht auf.» Die Hinter- und Abgründe eines Strafbefehls. Gar das Fehlen oder das Vorhandensein eines s am Ende des Wortes «Foto». Denn manchmal war’s nur eins, manchmal waren es mehrere. Hochverdächtig.

Verdächtig, wackelige Wagenburg, hilflos

Dagegen verberge sich Berset in einer «eiligst zusammengekarrten Wagenburg». Während die Kontrollinstanzen, vom Parlament angefangen – was Wunder – «einen hilflosen bis ausweichenden Eindruck» machten. Als Ausdruck dieser Haltung wird Ständerat Andrea Caroni (FDP) in den Senkel gestellt; der behaupte, Berset habe «sofort» Strafanzeige gestellt.  Pfeife, Unsinn, setzen, donnert da der Besitzer des Diploms fürs Höhere Lehramt, das sei «nachweislich falsch».

In diesem ganzen Sumpf könnten noch Sumpfblasen in Form von «weiteren undichten Stellen» (wieso weiteren?) in Form von «Fakten, aber auch Gerüchten» nach oben steigen. Aber das einzige Phänomen, das wir zurzeit beobachten können: Zwei erwachsene Männer versuchen, eine Eintagsfliege möglichst lang am Leben zu erhalten und zum Elefanten aufzupumpen. Beim Platzen gibt das keine Sauerei, die einen Cleaner bräuchte. Aber den guten Ratschlag: Man muss wissen, wann es mal gut ist.

Nehmt Euch doch ein Beispiel am «Blick». Als erfahrenes Boulevard-Medium hat der «Blick» schnell gemerkt: Berset, Erpressung, Frau, super Story. Aber genauso schnell wurde es ihm klar: das war’s; ausser, wir treiben die Erpresserin auf, ist die Story auserzählt.

Ach, nun auch Knellwolf

Nix Neues von Berset? Mach eine Analyse in den Qualitätsmedien von Tamedia draus.

Thomas Knellwolf kroch schon in die Hirnwindungen von Jörg Kachelmann. Er verfolgte hautnah den Vergewaltigungsprozess gegen den Unwettermacher und liess seine gesammelten Erkenntnisse im Buch «Die Akte Kachelmann» in die Öffentlichkeit regnen.

Also ist er sozusagen prädestiniert, etwas zum Fall Berset zu schreiben. Er beginnt gleich mit einem Hammer-Titel: «Das Bett ist privat – anderes nicht». Also das Klo, der Frühstückstisch, der Hut, die Augenbrauen?

Das Grundproblem von Knellwolf ist hier: Das Thema ist heikel, man will ja nicht vom Boulevard sein. Dazu kommt erschwerend: Es gibt nichts Neues zu vermelden. Null, nix, nada. Das wäre in früheren Zeiten ein klares Indiz gewesen: wenn’s nichts Neues gibt, dann gibt’s auch keinen neuen Artikel.

Jede Nicht-Recherche wird zu einem Artikel aufgepumpt

Das ist heute anders. Jede Nicht-Recherche, jedes Versagen, jedes zwecklose Telefonat muss zu etwas verwurstet werden. Im Notfall in Form eines Kommentars. Oder, die gehobene Version, einer «Analyse». Das war früher mal eine höhere Kunst, also die Durchdringung eines Themas, das Zerlegen, die Bestimmung von Wechselwirkungen.

Heutzutage ist eine «Analyse» schlichtweg: nix Neues, aber wir müssen doch zum Fall etwas sagen. Da muss allerdings zunächst geklärt werden, ob im Qualitätsjournalismus diese Story eigentlich relevant ist – oder privat. Tamedia hat die Frage mit ihrer Berichterstattung längst beantwortet. Also windet sich Knellwolf: «Eindeutig nein. Und eindeutig ja.» Nach diesem analytischen Widerspruch kann er fortfahren.

Zunächst allerdings mit völligen Belanglosigkeiten. Der Strafbefehl, wer hätte das gedacht, lag einsehbar auf. Dass er teilweise geschwärzt ist, sei korrekt. Also «aus heutiger Sicht», relativiert Knellwolf vorsichtshalber.

Längst beantwortete Fragen, frisch serviert

War Berset erpressbar, schiebt er eine weitere längst beantwortete Frage auf die Rampe. Und beantwortet sie mit einem Nein. Es seien keine «peinlichen Aufnahmen irgendwelcher Art» vorhanden, sage überraschungsfrei Bersets Anwalt, es habe auch keinen Machtmissbrauch – also beispielsweise die Ausnützung eines Abhängigkeitsverhältnisses – gegeben.

Damit wären wir eigentlich schon fast am Ende dieser Analyse «wie schinde ich aus einem Nichts ein paar nichtssagende Zeilen». Aber es fällt Knellwolf noch rechtzeitig ein, dass er schon noch etwas Kritisches nachlegen sollte.

Es fehlt noch das Kritische

Also eigentlich alles in Ordnung, eigentlich Fall erledigt. Aber: «Fraglich ist trotzdem, ob sich Alain Berset während des Erpressungsversuchs korrekt verhielt.» Potztausend, was hat der Bundesrat denn angestellt? Er habe seinen Anwalt zuerst deeskalierend auf die Frau «einwirken» lassen. Erst, als das nichts fruchtete, habe Berset Strafanzeige eingereicht.

Na und? Ha, beckmessert Knellwolf, da habe der Bundesrat die Sache besser «von Anfang an den Profis von Polizei und Staatsanwaltschaft» überlassen sollen. Warum? Darum. Aber damit ist das Sündenregister noch nicht geschlossen. Zuerst noch nachtreten: «Bersets Zuwarten ist riskant, ja fahrlässig.» War, wenn schon. Aber noch schlimmer: «Richtig wäre es gewesen, nicht nur die Strafverfolger einzuschalten, sondern auch den Gesamtbundesrat zu informieren.»

Sein Sprecher habe das damit begründet, dass es eine «private Angelegenheit» sei. «Das ist ein Irrtum», donnert Knellwolf. Der sich hier mehrfach irrende Knellwolf. Denn offensichtlich hat der Bundesrat sehr schnell die Strafverfolger eingeschaltet. Ohne die gäbe es keinen Strafbefehl.

Irrtum, sagt der irrende Knellwolf

Noch schöner ist der Begriff «Gesamtbundesrat». Zunächst vermutete Tamedia – wie andere Medien auch –, Berset habe den Bundesrat überhaupt nicht informiert. Was natürlich heikel, falsch, fragwürdig, merkwürdig sei. Aber lediglich auf der scharfen Analyse beruhte, dass Berset nicht gesagt habe, er habe den Bundesrat informiert.

Als dann richtiggestellt wurde, dass Berset selbstverständlich den damaligen Bundespräsidenten Maurer und die Justizministerin Keller-Suter informiert habe, zog man sich verschnupft auf den Vorwurf zurück: aber den Gesamtbundesrat nicht.

So kann man fröhlich vom Leder ziehen, wenn man weder als Medium noch als Journalist einen Ruf zu verlieren hat. Das ist allerdings nicht mal aus einer Mücke einen Elefanten machen. Das ist aus nichts ein Nichts machen.

Aber Knellwolf ist nicht alleine

Nur das Boulevard-Medium «Blick» weiss, was man macht, wenn es nichts Neues gibt: nichts. Ansonsten werden aus Verzweiflung erbärmliche juristische Wissenslücken spazieren geführt. Denn wenn es schon nichts Neues gibt, dann darf man doch Bekanntes kritisieren. Durfte die Bundesanwaltschaft überhaupt tätig werden, da es doch ein «privates» Problem war? Ja, sie durfte im Fall eines Bundesrats. Dürfen Teile eines öffentlichen Strafbefehls geschwärzt werden? Ist das nicht eine Sonderbehandlung? Nein, das kann und darf bei jedem geschehen. Ist es nicht verdächtig, dass die verfänglichen Dokumente und Fotos gelöscht wurden? Nein, es geschah offensichtlich mit Einwilligung der Erpresserin.

Die tollste Frage: War Berset, obwohl er sich nicht erpressen liess, erpressbar? Auch hier gilt: keine Ahnung von nichts, aber eine Meinung zu allem.

Tanzen, tänzeln, schwänzel, schwänzeln

Unsere Bundesräte haben einen Unterleib? Ach wo.

Die dürftig belegte Vermutung, dass der damalige Bundesrat Kaspar Villiger angeblich im Berner Rotlichtmilieu verkehrt habe, kostete nicht nur diverse Köpfe von Journalisten, sondern auch letztlich einem hoffnungsfrohen News-Magazin das Leben.

Andere Zeiten, andere Sitten. Ein angebliches Rencontre von zwei testosteron-gesteuerten Chefbankern, bei dem der eine die Frau des anderen beleidigt haben soll und dieser daraufhin angeboten habe, das doch draussen unter Männern zu regeln: Das kommt heutzutage mit Namensnennung überall. Obwohl es keine Zeugen gibt, die namentlich hinstehen wollen.

Ab und an saftige Storys auch in der Schweiz

Wie geht’s denn so im Privatleben der ehemaligen Bundesrätin Ruth Metzler zu? Da wuschen alle Beteiligten einer gescheiterten Ehe kräftig schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit. Sie war die betrogene Ehefrau, er hatte ein Verhältnis, ausgerechnet mit seiner Geschäftspartnerin, mit der er eine Unterwäsche-Linie aufgebaut hatte; Slogan: «Männer wollen nur das Eine», weidete sich 2010 die «Schweizer Illustrierte» an der saftigen Story.

Die auch, laut SI und anderen, eine Reise ins Baderessort Sharm-El-Sheikh in Ägypten umfasst haben soll. Da schien es der Gatte etwas übertrieben zu haben, denn er soll mit Frau und Geliebter dorthin gereist sein. Wobei die alt Bundesrätin davon nichts gewusst habe, jedoch vom gesprächigen Hotelpersonal ins Bild gesetzt worden sei.

Nach ein paar Skandälchen kommt mal wieder ein grösserer

Das waren noch Zeiten. Aber in den letzten zehn Jahren scheint es doch so gewesen zu sein, dass die Staatsmänner und -frauen im Bundesrat trotz hoher Arbeitsbelastung und gelegentlichen Versuchungen vorbildlich auch im Privatleben blieben. Nun ja, also Bundesrätin Sommaruga soll ja nicht nur bei ihrem Schriftstellergatten ausgezogen sein. Und alt Bundesrätin Leuthard (Duschen mit Doris) galt nicht als Kind von Traurigkeit. Heisst es.

Aber niemand liess sich wie Dumpfbacke Christophe Darbellay bei einem Seitensprung mit Fruchtfolge erwischen. Gerade entwickelt sich hingegen ein saftiger neuer Skandal. In der üblichen Kadenz. Am Samstag zeigte die «Weltwoche» der Sonntagspresse eine lange Nase. Da in der Printausgabe nichts stand, hoffte man bei den Sonntagsblättern, dass man die Berset-Story exklusiv habe. Der Traum platzte vor Erscheinen.

Christoph Mörgeli zeigte, dass er nicht nur weiterhin gut vernetzt ist, sondern auch so seine Quellen hat. Also legte er die Latte hoch. «Berset: Erpressung und Vertuschung. Bundesrat Alain Berset wurde mit offenbar verfänglichen Fotos und Mails um 100 000 Franken erpresst. Die Bundesanwaltschaft vernichtete alles belastende Material, weil sonst Berset sein Amt nicht mehr richtig ausüben könne.»

Eigentlich stand in der WeWo schon alles

Mehr war dazu im ersten Anlauf nicht zu sagen. Also klapperte die Sonntagspresse deutlich gefrustet hinterher, und förderte keine welterschütternden Zusatzerkenntnisse zu Tage. Aber andererseits: echt, ein Bundesrat? Frau? Verfängliche Dokumente und Fotos? Erpressung gar?

Am Montag ging’s dann aber richtig los. Schon bis am Nachmittag fast 100 Treffer für «Berset – Erpressung» in der SMD. Schon die Sonntagspresse hatte vorgebahnt, dass man wohl leider nicht auf die WeWo einprügeln könnte, deren Primeur war korrekt.

Aber was nun? Nochmal nachklappern, das wäre dann etwas wenig. Allerdings sind cirka 80 der fast 100 Treffer dem Umstand zu verdanken, dass Tamedia und CH Media natürlich in allen Kopfblättern das Gleiche abfüllten. Da gibt es im Elendsjournalismus von heute eigentlich nur zwei Möglichkeiten.

Wenn nichts Neues zu vermelden ist, gibt’s nur zwei Möglichkeiten

Zunächst der Kommentar. Natürlich kann sich kein einziges Kopfblatt von CH Media dagegen wehren, wenn die Autorin des Kommentars Anna Wanner heisst. Obwohl er zwar staatstragend («Alain Berset hat richtig gehandelt»), aber inhaltlich, nun ja, leicht wirr, ziemlich falsch und in den Schlussfolgerungen echt schräg ist.

Die zweite Möglichkeit ist, sich in einen Aspekt zu verbeissen. Der wurde zwar schon am Samstag von der WeWo mit dem bösen Wort «Vertuschung» aufgegriffen, aber was soll man sonst denn machen, um die Spalten zu füllen. Also geht es um die Frage, wieso die Bundesanwaltschaft eingriff, wenn Berset das ausdrücklich nicht als amtliches (zuständig), sondern privates (nicht zuständig) Problem bezeichnet?

Auch die Mitteilung, dass die Angelegenheit durch Strafbefehl und Löschung der möglicherweise peinlichen Dokumente und Fotos erledigt sei, erweckt den Argwohn der Journis. Auch, dass Berset angeblich den übrigen Bundesrat nicht über sein kitzliges privates Problem orientiert habe.

Einen Kommentar seiner Gattin konnte allerdings bislang noch kein Medium aus ihr herauslocken. Wohl, weil Berset es ihr schon vor diesen Veröffentlichungen gestanden hat. Und da sind Politikergattinnen, siehe Hillary Clinton, hart im Nehmen.

Wieso dauert die Enttarnung der Erpresserin so lange?

Nur sehr kurzes Leben hatten diverse Knallfrösche, die gegen die WeWo gezündet wurden. Was soll denn das, Privatangelegenheit, widerlich, politische Rache, macht man nicht.

Aber, liebe Kollegen und Kolleginnen von der leichten Krawallerie, selbst die Mutter des unehelichen Kindes von Darbellay wurde recht schnell enttarnt. Wieso dauert es dann bei der Erpresserin so lange? Nur ein «jetzt rede ich» kann diese Story noch etwas am Leben erhalten.

War bei Geri Müller doch auch so. Dem gelang es, allerdings nicht ohne Kollateralschäden, seine Affäre zu überstehen. Und auch im Hause Müller hörte man nichts von einer Trennung oder Scheidung. Obwohl, Fotos des Gemächts aus den Amtsräumen versenden, ts, ts.

 

Rudern mit Wissenschaftlern an Bord

Totkranke sind diesen Monat schon dreimal vor vollen Intensivstationen gestorben. Nicht mitgekriegt?

Eigentlich hätte es Anfang November so sein sollen. Oder am 4 November. Oder am 13. November. Oder am 14. Oder dann halt nächste Woche.

Das sind nur schon die Alarmrufe der hochwissenschaftlichen Task Force für November. Sie versammelt die bedeutendsten Schweizer Forscher. Sie wurde extra für Corona ins Leben gerufen, um den Bundesrat mit allen nötigen Fachkenntnissen ausgestattet zu beraten.

Denn wie soll denn der Berufspolitiker und Gesundheitsminister Alain Berset sonst etwas Sinnvolles zu einer Pandemie sagen? Sinnvolle Massnahmen umsetzen? Geht doch nicht.

Bis an die Zähne mit Wissenschaft bewaffnet

Es gibt zwar schon ein ganzes Gitterwerk von Stäben, in den Kantonen, in den Departementen, für Pandemien und andere Katastrophen. Aber das war wohl gleichzeitig das Problem. Viele Stäbe, kein Durchblick. Also ein neuer Stab, und weil das Wort Stab schon irgendwie verbraucht war, nun also Eingreiftruppe. Lauter Navy-Seals, Special Forces, durchtrainiert und bis an die Zähne mit Wissen bewaffnet.

Da auch diese Eingreiftruppen normalerweise im Geheimen operieren, allenfalls erst nach erfolgreicher Mission sich öffentlich brüsten dürfen, beschloss der Bundesrat in weiser Voraussicht, dass sich alle Mitglieder der Task Force nur nach Rücksprache mit dem BAG öffentlich äussern sollen. Und im Wesentlichen über den Präsidenten, Prof. Markus Ackermann.

Beschliessen darf man ja, aber Task-Force-Mitglied Christian Althaus hat sicherlich nicht vor jedem seiner über 2000 Tweets dieses Jahr um Erlaubnis gefragt. Das BAG hätte es vielleicht nicht so gut gefunden, dass er ständig mit Kassandra-Rufen, Noten für die Regierenden und massiver Kritik an ihnen auffällt.

Allen steigt ihre Position zu Kopf

Auch Prof. Ackermann scheint seine Position zu Kopf gestiegen zu sein. Anstatt zu koordinieren und zu beraten, nimmt der huldvoll in der «Tagesschau» Stellung zu Beschlüssen des Bundesrats. Lobt und tadelt, leicht genervt, dass diese ungezogenen Politiker nie richtig auf ihn hören.

Bundesrat Berset sah sich schon zu der überfälligen Klarstellung veranlasst, dass er durchaus Wert auf die Meinung von Wissenschaftlern lege. Aber regieren, das täten immer noch der Bundesrat und die Kantonsregierungen. Die tragen auch die Verantwortung, im Gegensatz zur Task Force.

Vorauseilender Gehorsam in der Hoffnung auf Belohnung

Die meisten Medien in der Schweiz, also vor allem Tamedia und CH Media, überboten sich lange Zeit in Bravorufen für das Wirken der Task Force, überboten sich mit noch strengeren Forderungen nach Isolation, Lokdown, erneute Zusperrung von Gesellschaft und Wirtschaft.

In der wohl vergeblichen Hoffnung, dass das die Entscheider im Parlament milder stimme, wenn es darum geht, auch der verlumpenden Vierten Gewalt finanziell unter die Arme zu greifen.

Aber das funktioniert alles nicht. Die Medienkonzerne legen zusammen, schrumpfen ein und schmeissen raus. Die Task Force stösst in regelmässigen Abständen schrille Warnrufe aus und fordert drakonische Massnahmen. Sonst sind wir dann mal alle tot.

Spitäler voll, dringender neuer Lockdown

Offenbar etwas erschöpft von den ständigen falschen Warnungen, dass das Gesundheitssystem demnächst an seine Grenzen komme, schwenkte Prof. Ackermann auf sein zweites Lieblingsthema um. Lockdown, sofort. Nehmt Euch ein Beispiel an Österreich. Dieser Kunz hat wenigstens Eier in der Hose.

Gut, das sagte Prof. Ackermann natürlich nicht. Dafür forderte er am Samstag, dass man wieder Bars, Restaurants, aber auch Museen schliessen solle, Konzerte seien ebenfalls zu streichen. Sonst käme die Zahl der neuen Fälle niemals schnell genug wieder runter. Und was dann passiert, das weiss man ja …

Aber neben ständigem Aufheulen der Alarmsirene und anschliessendes Abschalten kann die Task Force noch mehr. Sie fängt an, sich gegenseitig zu kritisieren. Denn kaum hatte Ackermann diese Forderung nach Schliessung vom hohen Katheder verkündet, meldeten sich offenbar einige Task-Force-Mitglieder bei der SoZ, um mitzuteilen, dass das so im Fall intern nicht besprochen worden sei.

Interner Krach und eine genialische Formulierung

Echt wahr, der Präsident ändert eigenmächtig den Text? Aber nein, der Präsident weiss, wie man elegant zurückrudert. Das seien ja nur Forderungen unter der Voraussetzung gewesen, dass die Zahl der Neuinfizierten ungebrochen steigt. Falls das nicht der Fall sei, dann könne man darauf selbstverständlich auch verzichten.

Wenn das so eine schaumgummiartige Forderung gewesen sein soll, wieso hat er sie dann überhaupt aufgestellt? Vielleicht noch wichtiger: Wieso kündigt die Task Force ständig die demnächst eintreffende Überfüllung der Spitäler an?

Darauf hat Ackermann eine Antwort, mit der er sich für mich den Professorentitel definitiv verdient hat: diese Prognosen würden ja nur dazu dienen, dafür zu sorgen, dass sie nicht eintreffen.

Prognosen machen, damit sie nicht eintreffen

Also, ich warne Mal für Mal vor einem unmittelbar bevorstehenden Lawinenabgang. Der Mal für Mal nicht stattfindet. Werde ich dafür kritisiert, zeige ich völliges Unverständnis und fetze arrogant zurück: Was soll das, ich prognostiziere das doch nur, damit es nicht stattfindet, kann doch nicht zu schwer zum Kapieren sein. Oder braucht man da wirklich einen Professorentitel?

Richtigstellung von höchster Warte

Wissenschaftler regieren nicht die Schweiz. Das musste mal wieder gesagt werden.

Wenn Wissenschaftler populär werden wollen und Journalisten ihnen gerne eine Plattform geben – umso knalliger, desto besser –, dann entsteht eine ungeniessbare Mischung.

Wissenschaftler wie Christian Althaus wollen sich ihre 15 Minuten Ruhm erkämpfen, indem sie Zensuren erteilen, Forderungen aufstellen, Warnungen, falsche Prognosen und weitere Dummheiten auf Twitter veröffentlichen. Sicherlich der geeignete Kanal, um wissenschaftliche Erkenntnisse unters Volk zu bringen.

Das tut Althaus ungefragt und gegen die klare Anweisung des Bundesrats, dass sich Mitglieder der Covid-Task-Force nicht direkt an die Medien wenden und an die Öffentlichkeit nur nach Rücksprache mit dem BAG gelangen sollen.

Althaus entscheidet, mit wem er spricht

Darauf pfeift Althaus, der sich unbekümmert von seiner krachenden Fehlprognose im März, dass es bis zu 30’000 Tote in der Schweiz geben könnte, weiterhin für einen ganz wichtigen Ratgeber hält.

Ausser, er wird von der «Weltwoche» angefragt. Eigentlich könnte man von einem staatlich angestellten Immunologen an der Uni Bern erwarten, dass er etwas für sein Geld tut und für Antworten bereitsteht.

Aber doch nicht Althaus; der erwidert auf seiner offiziellen Uni-Mailadresse:

«Eher würde ich mich mit SARS-CoV2 infizieren, als zu Ihrem publizistischen Inhalt beizutragen.»

Das ist ungehörig, unanständig, geradezu pubertär und eines Wissenschaftlers unwürdig. Offensichtlich ist ihm diese Infektion erspart geblieben, aber die Diagnose liegt nahe: stattdessen hat’s ihm ins Hirn geregnet.

Die Bodentruppen rüpeln, der Chef gibt sein Placet

Während sozusagen die wissenschaftlichen Bodentruppen keilen, rüpeln und sich furchtbar wichtig nehmen, setzt der Leiter der Covid-Einsatzgruppe, die den Bundesrat beraten soll, gleich noch einen drauf. Mit der Attitüde des Königs der Schweiz beliebt es  Martin Ackermann, huldvoll in der «Tagesschau» zu salbadern: «Wir begrüssen die Entscheidungen des Bundesrats.» Brav gemacht, kopftätschel, aber: «Wir gehen davon aus, dass einzelne Kantone zusätzliche Massnahmen treffen müssen.»

Daraufhin lupfte es endlich dem Gesundheitsminister Alain Berset den Hut, und er stellte in der NZZ klar:

«Die Wissenschaftler sind sehr wichtig für uns, aber sie regieren nicht die Schweiz.» Da das der eine oder andere hyperventilierende Wissenschaftler vergessen zu haben scheint, unterstreicht Berset: «Die politischen Entscheide werden von anderen gefällt, vom Bundesrat und den Kantonsregierungen.»

Abgesehen davon, dass es beunruhigend ist, dass ein Bundesrat darauf hinweisen muss: Entscheiden tun tatsächlich die, die dafür gewählt wurden. Die Verantwortung tragen für ihre Entscheidungen. Der Unterschied zu aufgeregten Wissenschaftlern und Zensuren und Forderungen verstreuenden Journalisten ist auch, dass die Regierenden versuchen, in einer Abwägung aller Interessen, selbstverständlich auch der Wirtschaft, ihre Entscheidungen zu treffen.

Keine Verantwortung für dummes Gequatsche

Der wichtigste Unterschied ist aber, dass weder Althaus noch Ackermann, ebenso kein einziger Journalist Verantwortung für sein dummes Gequatsche übernehmen muss. Liegt er krachend daneben, erzählt er Unsinn, wird er widerlegt, nun ja, ein Schulterzucken, und weiter in der Forschung, weiter im Kommentarschreiben.

Das heisst natürlich nicht, dass Entscheidungen des Bundesrats oder der Kantonalregierungen nicht kritisiert werden dürften. Aber staatlich angestellte Wissenschaftler und Berater müssen keinesfalls öffentlich ihren Senf zu Regierungsentscheidungen geben.

Auch Professorenstellen sind nicht auf Lebenszeit

Vielleicht hilft der Hinweis, dass letztlich mit Steuergeldern bezahlte Professuren oder furchtbar wichtige Funktionen in Beratergremien keine Arbeitsplatzgarantie bis zur Pension beinhalten. Verhält sich ein solcher Angestellter daneben, wird er frech, wird er überheblich, hält er seinen Ratschlag für allem anderen übergeordnet, dann ist es vielleicht Zeit, ihm dafür in der freien Wildbahn Gelegenheit zu geben.

Denn wenn sein Ratschlag so unermesslich wichtig und teuer ist, findet er doch sicher ein Plätzchen, wo man das zu schätzen weiss und auch anständig bezahlt. Ich persönlich bezweifle das zwar, aber wünsche dennoch viel Glück.

Professoraler Unsinn

Zwei Skandale am Stück. Eine Falschaussage – und keiner schaut hin.

Martin Ackermann ist nicht irgendwer. Er ist Leiter der «National COVID-19 Science Task Force», Professor für Mikrobiologie.

In dieser Funktion ergriff er zu Bern an der offiziellen Corona-Medienorientierung, dem Vorläufer des heutigen Bundesratsentscheid zur zweiten Welle, das Wort. Was er sagte, ist so unglaublich, dass ich es anhand mehrerer Quellen verifizierte:

«Wir haben mehr Hospitalisierungen und Todesfälle als im März.»

Das sagt der höchstrangige Wissenschaftler der Schweiz, der Leiter einer Wissenschafts-Eingreiftruppe, die speziell geschaffen wurde, um den Bundesrat wissenschaftlich zu unterstützen. Also sicher einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Entscheidungen des fachfremden Gesundheitsministers Alain Berset hat.

Die Aussage ist falsch. Doppelt falsch

Aber: Diese Aussage ist nicht richtig. Sie ist falsch. Sie ist zweimal falsch. Es gibt zwar tatsächlich deutlich mehr positiv Getestete als im März. Aber ob das auch Infizierte sind, ob sie symptomlos bleiben oder erkranken, ob sie ansteckend werden oder nicht, das kann man bis heute noch nicht sagen.

Dabei wären das die wichtigen Angaben, statt die von der Anzahl Tests abhängige und absolut völlig aussageloser Zahl positiv Getesteter, die das Virus haben, bzw. hatten, denn auch auf Reste des vom Immunsystem besiegten Virus schlägt der Test an, der deswegen von seinem Erfinder ausdrücklich als nicht geeignet für Tests bezeichnet wurde.

Nach wie vor wird darauf verzichtet, die Anzahl der Genesenen aus den Fallzahlen herauszurechnen, ebenso, was den weiteren Verlauf der Infektion bei positiv Getesteten betrifft.

Grobe Irreführung der Öffentlichkeit

Aber das ist ein Nebenschauplatz im Vergleich zu dieser groben Irreführung der Öffentlichkeit. Kurz die aktuellen Statistiken:

Man sieht: Die Anzahl der Hospitalisierungen ist deutlich niedriger als im März dieses Jahres, die Zahl der Todesfälle ist sogar signifikant deutlich niedriger. Das ist keine Erfindung, das sind offizielle Statistiken, auch mehrfach verifiziert.

Wenn nun ebendiese Taskforce, im Chor mit anderen Wissenschaftlern, die sich auch kurz in der Wärme der öffentlichen Aufmerksamkeit sonnen wollen, drastische Massnahmen fordert und das auf solche Falschaussagen abstützt, dann wird’s wirklich bedenklich.

Zahlen für den nächsten Lockdown

Ackermann fuhr dann fort:

«Aber wir reagieren nicht gleich. Die Bewegungsdaten zeigen, dass wir unsere Mobilität nicht genug zurückfahren.»

Das ist nun professoral zurückhaltend formuliert, was andere Wissenschaftler viel direkter ansprechen: «Wir brauchen einen neuen Lockdown», schallt es aus Genf herüber. Brauchen wir den wirklich?

Ich bin kein Wissenschaftler, daher kann ich diese Frage nicht beantworten, diese Forderung auch nicht unterstützen. Aber ich kann Statistiken lesen. Wenn diese Forderung aufgrund solcher Behauptungen aufgestellt wird, ist das beunruhigend.

Es ist beunruhigend, dass damit der oberste Schweizer Wissenschaftler das Renommee, die Reputation, die Glaubwürdigkeit seiner Zunft, die sowieso schon nicht unbestritten ist, weiter beschädigt.

Was ist schlimmer als eine Falschaussage von höchster Warte?

Aber es ist noch schlimmer. Die geballte Fachkompetenz der Vierten Gewalt, der Qualitätsmedien, der Warner und Ratgeber aus den Leitmedien, aus dem Duopol Tamedia und CH Media, haben sicherlich die Alarmsirene erschallen lassen und auf diese grobe Falschaussage aufmerksam gemacht?

Nein, nichts, keine Reaktion, Sendepause. Ruhe im Land.

Während sich politisch eine Kakophonie abspielt, ist eine solche Falschaussage nicht zu überschätzen.

Denn: Aufgrund welcher Informationen, Statistiken, Prognosen treffen Kantons- und Bundesregierung ihre Entscheidungen? Welche Rolle spielen dabei wirtschaftliche Überlegungen, die jede Krankenkasse bei der Abwägung der Verhältnismässigkeit bei jeder Therapie machen muss, wozu selbstverständlich auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung gehört?

Vorläufig noch kein Lockdown, aber …

Wenn aufgrund solcher Falschinformationen vom Bundesrat die ganze Wirtschaft und Gesellschaft betreffende, möglicherweise drakonische Massnahmen beschlossen werden, befinden wir uns dann nicht weiterhin im Blindflug, ohne Kompass, ohne verlässliche Kartographie?

Erschütternd ist, dass niemand, keiner, kein Einziger der unermüdlichen Kommentatoren, Ratgeber, selbsternannten Corona-Spezialisten, die sich sonst nicht scheuen, den in Regierungsverantwortung Stehenden grob an den Karren zu fahren, ihnen Zögerlichkeit, Fahrlässigkeit, ja Unfähigkeit vorwerfen, auf diesen Skandal nicht reagieren. Das legt die Vermutung nah: so sattelfest sind sie gar nicht in ihren Kenntnissen, deshalb haben sie diese Falschbehauptung klaglos geschluckt.

Immerhin hat der Bundesrat von einem neuerlichen künstlichen Koma von Gesellschaft und Wirtschaft abgesehen. Aber bei diesen Wissenschaftlern beschleicht einen das üble Gefühl: Das wird nicht gut enden.