Probieren statt jammern

Strategie der Schweizer Medienhäuser: jammern, bis die Subvention kommt. Es geht auch anders.

Kuba macht’s seit 60 Jahren erfolgreich vor. Eigenes Versagen, unfähige Funktionäre, eine am Boden liegende Landwirtschaft, turmhohe Schulden? Moment bitte, daran ist nicht etwa das Regime schuld, sondern die grausame Handelsblockade der USA.

Diesem Vorbild eifern die Schweizer Medienhäuser nach. Zum Skelett runtergesparte Redaktionen, zusammengepfercht in Zentralredaktionen? Ins Internet abschwirrende Inserateplattformen für so ziemlich alles? Inhaltlich krankgeschrumpfte und papierdünn gesparte Printausgaben für stolze Preise? Das Zerschlagen der Lokalberichterstattung? All das eiskalt serviert als Straffung, Fokussierung, Verbesserung?

Wir sind nicht dran schuld

Da sind nicht wir daran schuld, jammert die Teppichetage, der Overhead, die teuer bezahlten Manager. Wer konnte denn ahnen, was das Internet alles auslöst? Wer konnte denn kommen sehen, dass wir uns von Google, Facebook & Co. die Butter vom Werbebrot nehmen lassen? Unvorhersehbar, dass die Ausgaben für Online-Marketing als einzige weiter steil ansteigen. Und dann noch Corona. Also wir sind nicht daran schuld.

Dann jammern sie weiter, dass man doch dies und das probiere. «20Minuten», weiterhin gratis, aber nun auch mit bewegten Bildern. «watson», das Millionengrab aus dem Hause Voigt, von einem Verleger weitergeführt, der sich nicht nachsagen lassen will, dass er zu alt für Innovation sei.

Dazu dies und das, pay per view, Tagespass, wenig gratis, viel Bezahl-Content, gelegentlich auch mal eine multimediale, interaktive Story. Da spürt man beim Lesen, wie sich die Macher vor Ehrfurcht selber auf die Schultern gehauen haben. Mehr geht halt nicht, was soll man machen? Ach ja, doch, vierte Gewalt, Kontrollinstanz, demokratierelevant, darf nicht absaufen. Also her mit den Subventionen.

Welche Subventionen für wen, und warum nicht?

Natürlich nicht für alle, nicht so, mehr für Print, mehr für die Grossen, nichts für Gratis-Plattformen, grosser Streit. Tamedia bleibt der Goldesel des Coninx-Clans. Ringier ist mitten im Umbau zum digitalen Gemischtwarenladen. CH Media verdaut immer noch den Zusammenschluss mit den NZZ-Zeitungen. Nur die NZZ setzt weiterhin unverbrüchlich auf journalistischen Content für die happy few.

Na und, sagen da die hochbezahlten Manager, meckern kann jeder. Was gibt es denn für Alternativen zu kassieren, jammern und um Subventionen betteln? Jede Menge gibt’s. Letzthin mal die Webseite von «The Guardian» angeschaut? Oder von «The Economist»? Letzthin mal einen Artikel in «Financial Times» gelesen und keine feuchten Augen bekommen? Gehört, dass die «Washington Post» ihren Newsroom weiter ausbaut? Auf 1010 Redaktoren?

Schon mal darüber nachgedacht, wieso ein eigentlich völlig aus der Zeit gefallenes Zeitungsmodell wie «Le canard enchaîné» dermassen erfolgreich ist? Oder «The New Yorker»? Selbst «Mother Jones», «The Atlantic», «Vanity Fair»? Ach, kann man alles nicht vergleichen? Englisch, viel grösseres Zielpublikum, Ausnahme, und was hat das mit neuen Formen im Internet zu tun?

Schon mal was von neuen Entwicklungen gehört?

Okay, dann schon mal was von Substack gehört? Nein? Der neuartigen Plattform, auf der unter anderem Glenn Greenwald, der Gefährte von Edward Snowden, und viele andere grosse Namen und hoffnungsvolle Newcomer publizieren? Schon mal davon gehört, dass die paar tausend auch in den USA entlassenen Journalisten nicht einfach jammern, sondern Blogs, Newslettern, One-Man-Shows zu neuer Blüte verhelfen?

Oder eben von Plattformen wie Substack unterstützt werden? Obwohl in den USA die Medienszene sich zwar auch quält, aber fröhlich steigende Online-Abonnements und Leserzuspruch verzeichnen kann? Weil auch Einzelnewsproduzenten natürlich davon träumen, die nächste Hufpost zu werden, aber mit 1000 Subskriptionen à 100 Dollar auch schon recht angenehm leben können?

Welches Medienhaus in der Schweiz behauptet nicht nur, in Content zu investieren und die Möglichkeiten des Internets voll auszuschöpfen? Indem der Verleger den Journalisten mit auf den Weg gibt, dass sie in Zukunft auch filmen und aufzeichnen sollen? Indem aus reinen Spargründen auch online und Print zusammengelegt werden, obwohl das eine mit dem anderen so viel zu tun hat wie eine Dampflok mit dem TGV?

Versuch und Irrtum, neuer Versuch, besserer Irrtum

Try and error, natürlich. Die englischsprachige Ausgabe von «De Correspondent» aus Holland flopte grandios, nach einem Jahr wurde der Stecker gezogen. Die Inhalte waren viel zu beliebig, mehr Welt- und Gesinnungsjournalismus, kein Grund für genügend Abonnenten, den Mitarbeitern bei der Selbstbefriedigung zuzuschauen. Aber es gibt «The Dispatch», es gibt weiterhin die erfolgreichen Grossblogs.

Vor allem: es wird agiert, nicht reagiert. Es wird probiert, nicht Bedenkenträgerei versprüht. Es wird Neuem eine Chance gegeben, aus dem Wissen heraus: jeder neue Erfolg im Content-Journalismus hilft allen. Und in der Schweiz? Flops und Millionengräber. Denn es ist ja nicht so, dass man hierzulande kein Geld zusammenkratzen könnte. Nur verröstet man es dann mit völlig am Markt und Zielpublikum vorbeigebastelten Organen. «TagesWoche», «bajour», «Republik», Trauerspiele. Mal schauen, ob es konservative Kreise besser können.

Geheimniskrämerei um das 4-Millionen-Paket für Keystone-SDA

Obwohl Keystone-SDA allein 2019 gegen 10 Prozent der Stellen abbaute, wurden die Bundessubventionen nie in Frage gestellt.

2019 und 2020 bekam Keystone-SDA je zwei Millionen Franken Bundessubventionen. Nun wird der Betrag verdoppelt, wie Keystone-SDA und das Bundesamt für Kommunikation BAKOM gegenüber ZACKBUM.ch bestätigen. Doch bei den Details rund um die Leistungsvereinbarung wird es merkwürdig still. Gemäss der Leistungsvereinbarung 2019/2020 verpflichtete sich Keystone-SDA nämlich, das Netz der 13 Regionalredaktion zu sichern. In diesen Regionalredaktionen arbeiteten per 1.1.2019 41,3 Vollzeit-Beschäftigte (FTE). Davon entfielen 25,7 FTE auf die deutschsprachige Schweiz, 13,6 auf die französischsprachige Schweiz und 2 auf die italienischsprachige Schweiz.
12 oder 13 Regionalredaktionen?
Wie veränderte sich der Personalbestand seither? Bekannt ist, dass Keystone-SDA trotz den zweimal zwei Millionen Staatsgeldern enorm sparen und auch Leute entlassen musste, respektive Abgänge nicht wiederbesetzte. Das ist darum pikant, weil Keystone-SDA bei Leistungskürzungen gemäss Leistungsvereinbarung das BAKOM zumindest informieren müsste. Doch anscheinend machten alle Beteiligten gute Miene zum bösen Spiel. Keystone-SDA schöpfte den kompletten Subventionskredit von jeweils 2 Millionen Franken aus, wie Sprecher Iso Rechsteiner bestätigt. Für Caroline Sauser, Leiterin der BAKOM-Kommunikationsabteilung, war ebenfalls alles in Ordnung: «Die Leistungserfüllung 2018/2019 durch die Keystone-SDA-ATS AG entsprach der bisherigen Leistungsvereinbarung. Das BAKOM hatte daher keinen Anlass, die maximal zur Verfügung stehende Subvention zu kürzen.» Dabei geht das BAKOM gemäss Vereinbarung von 13 Regionalredaktionen aus. Rechsteiner hingegen spricht von 12 Regionalredaktionen. Wie sah der Stellenetat bei den Regionalredaktionen aus und vor allem, wie veränderte er sich? Auch auf Nachfrage will Rechsteiner nicht konkreter werden. Er verweist auf den Geschäftsbericht 2019. Und zur aktuellen Frage (gestellt am 30.12.2020) nach den Stellen antwortet er: «Unterjährig publiziert Keystone-SDA keine Stellenetats.»
17,75 Vollzeitstellen weniger
Laut dem Geschäftsbericht 2019 ist der Personalbestand von Keystone-SDA von 216,3 100%-Stellen auf 198,55 FTE (Full Time Equivalent) gesunken. Das macht 17,75 Vollzeitstellen oder über 8 Prozent weniger. Man muss es Iso Rechsteiner glauben. Im Regionalen wurde personell nicht gespart, nur offensichtlich sonst überall.  Oder bediente sich Keystone-SDA eines Kniffs? Rechsteiner: «In der neuen Leistungsvereinbarung, die das BAKOM nach der Unterzeichnung publiziert, werden nicht nur die Regionalredaktionen berücksichtigt. Es werden dort neu auch Teile des Sport und der Zentrale berücksichtigt.» Offensichtlich einigte man sich auf eine neue Definition. Sport und die Zentralredaktion können auch regional, wenn sie müssen.
Regionale Berichterstattung bleibt Bedingung
Caroline Sauser hält fest: «Die bestehende wie auch die künftige Leistungsvereinbarung verfolgen das Ziel, die regionale Berichterstattung der abgabefinanzierten Lokalradios und Regionalfernsehsender zu stärken. Namentlich sollen die publizistischen Leistungen der Nachrichtenagentur dazu dienen, die eigenen regionalen Informationsleistungen der lokalen Veranstalter in einen überregionalen Kontext zu stellen. Diese Vorgaben konnten erreicht werden. Die entsprechenden Leistungen der Agentur werden vom BAKOM im Rahmen der neuen Leistungsvereinbarung auch weiterhin ausgewertet und mit der Keystone-SDA-ATS AG diskutiert.»
«Kein Anlass für Kürzungen»
Auch beim geflossenen Geld scheint alles bestens: «Die Leistungserfüllung 2018/2019 durch die Keystone-SDA-ATS AG entsprach der bisherigen Leistungsvereinbarung. Das BAKOM hatte daher keinen Anlass, die maximal zur Verfügung stehende Subvention zu kürzen», so Caroline Sauser vom BAKOM.
Somit wurde die ab 2021 geltende Leistungsvereinbarung «kürzlich» unterschrieben, wie es übereinstimmend heisst. «Sie kann im gegenseitigen Einverständnis verlängert werden. Das jährliche Kostendach der Subvention beträgt vier Millionen Franken», erklärt Sauser. Die neue Leistungsvereinbarung ist für ein Jahr abgeschlossen, nicht mehr für zwei Jahre wie die bisherige. Das könnte damit zusammenhängen, dass Keystone-SDA fieberhaft versucht, seine AG in eine Stiftung umzuwandeln, wie COO Jann Jenatsch im SRF-Medientalk vom Dezember 2020 sagte.
Seitenwechsel Keystone-SDA zum BAKOM kein Thema
Eine spezielle Rolle spielt bei der Geschichte Bernhard Maissen. Er arbeitet seit zwei Jahren beim BAKOM, vorerst als Abteilungsleiter Medien. Seit dem 1. Juli ist er Direktor des BAKOM. Vorher arbeitete er (mit Unterbrüchen) 24 Jahre für die damalige SDA. Trat er deswegen in Ausstand? «Bernard Maissen hat dieses Geschäft in seiner Funktion als Abteilungsleiter bzw. BAKOM-Direktor begleitet, wie andere Geschäfte auch. Der Abschluss und die Unterzeichnung der Vereinbarung gehören in den Zuständigkeitsbereich des UVEK», sagt Caroline Sauser. UVEK, das bedeutet Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Folglich wird die Leistungsvereinbarung jeweils von der Chefin unterzeichnet. 2018 war es Doris Leuthard (CVP), aktuell war es Simonetta Sommaruga (SP). Keystone-SDA, so der Name seit der Übernahme der Fotoagentur Kestone 2018, wollte die spezielle Konstellation gar nicht kommentieren.
Die neue Vereinbarung wird vom BAKOM aufgeschaltet. Wann das der Fall ist, konnte  ZACKBUM bislang nicht in Erfahrung bringen. 

«Zürcher Oberländer» – Kanton stoppt Pläne

Nichts mit Spatenstich im Frühling.

Wie hält man Journalisten bei der Stange? Man stellt ihnen einen Kaffeeautomaten in den Pausenraum und lobt sie hin und wieder. Beim Zürcher Oberländer gibt es vier Kaffeeautomaten und plenty of Pausenräume. Das Verlagshaus sieht von innen ziemlich verwaist aus. Viele Räume werden nicht mehr genutzt. Höchstens vom Gummibaum.

Daniel Sigel ist CEO der Zürcher Oberländer Medien AG. Wenn etwas von ihm in guter Erinnerung bleiben soll, dann «Newsstreet One». Das uralte und überdimensionierte Verlagshaus am Standort Wetzikon soll abgerissen werden und einem Neubau weichen. Für 35 Millionen Franken soll ein Komplex aus Redaktionsräumen und Mietwohnungen entstehen. Zu lange will man damit nicht warten. Der Spatenstich ist auf Frühling 2021 angesetzt.

Damit wird es nichts. Auf Anfrage von ZACKBUM.ch antwortete die kantonale Baudirektion, dass das Baugesuch für «Newsstreet One» sistiert wurde. Die eingereichten Unterlagen für eine lärmrechtliche Beurteilung reichten nicht aus. «Newsstreet One» muss also nachliefern.

Verseuchter Untergrund?

Wie es weiter geht, ist völlig offen. Ein anderes Problem liegt im Untergrund. Die Baudirektion führt den Standort des alten und neuen Verlagshauses im Kataster der belasteten Standorte auf. Das Erdreich könnte mit chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) verseucht sein. Die Erklärung liegt auf der Hand: Im Keller standen jahrzehntelang die Druckereianlagen.

In der technischen Untersuchung vor einem Jahr bewertete der Kanton die Grundwassergefährdung als «sehr hoch» ein und kommt zum Schluss: «Die Fläche muss untersucht werden.» Vor dem ersten Spatenstich muss der Untergrund also analysiert werden. Über einen allfälligen Spatenstich entscheidet darum auch das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL). Das alles wird nicht lustig für die Planer von «Newsstreet One»; vor allem nicht günstig.

Freuen dürfen sich hingegen die Redaktoren. Sie werden voraussichtlich länger am alten Standort arbeiten. Daniel Sigel wollte sie ab Frühling in eine bislang leerstehende Industriehalle in Hinwil verfrachten. Da die meisten Journalistinnen und Journalisten des «Zürcher Oberländers» in der Stadt Zürich, Winterthur oder Umgebung wohnen, müssten sie eine Stunde länger Zug und Bus fahren, um in die Einöde von Hinwil zu gelangen.

Weg vom Schuss

Die Altvorderen kamen nicht zufällig auf den Standort Wetzikon. Die Gemeinde liegt ziemlich in der Mitte der Zürcher Oberlands. Mit dem provisorischen Wegzug nach Hinwil, arbeiten die Redaktoren im östlichen Zipfel des Einzugsgebiet. Das wäre etwa so, als müssten die Tagi-Journalisten in Uster arbeiten.

Der Verwaltungsrat wollte sich zu den Fragen von ZACKBUM.ch nicht äussern.

Transparenzbeilage: Der Autor hat einmal beim «Zürcher Oberländer» gearbeitet. 

Mario Frick vs. Daniel Sigel

Der CEO löschte seinen Blog.

13 Jahre lang war der Blog von Daniel Sigel aktiv. Und dann dauerte es nur ein paar Stunden, bis sein Inhalt gelöscht wurde. Recherchen zeigen: Der CEO der Zürcher Oberland Medien AG konnte wohl nicht anderst.

Daniel Sigel hat in seinem Leben schon viel ausprobiert. Er war Journalist bei Radio Z und Verlagsleiter der Liechtensteiner Volksblatt AG.

Weniger Erfolg hat er mit fiktiven Erotik-Thrillern. In seinem Blog (mittlerweile entfernt) ging es um Maria Magdalena und Mario Frick, die miteinander ein Verhältnis hatten. Der Blog machte unter den Journalisten die Runde und sorgte für Amüsement. Bei Mario Frick weniger. Der berühmte Fussballer, heute Trainer des FC Vaduz, schäumte, als er davon erfuhr.

Weder gab er sein Einverständnis für die platte Erotikgeschichte, noch wurde er in Kenntnis darüber gesetzt, wie ZACKBUM.ch erfuhr. Er verlangte die sofortige Löschung des Inhalts, was auch mittlerweile geschah.

Warum Sigel ausgerechnet den nach Hans-Adam II. berühmtesten Liechtensteiner verulkte, bleibt unklar. Sigel war zu jener Zeit sowohl Verlagsleiter, als auch Geschäftsführer der Liechtensteiner Volksblatt AG.  Gegenüber ZACKBUM.ch wollte er keine Stellung nehmen.

«Senf-Dani» und Pino

Trial and Error and Error.

«Der Kuss wollte nicht enden, weil beide nicht wussten, was sie dazu sagen sollten. Und so lange sie sich küssten, mussten sie nicht sprechen, also küssten sie sich sicher drei Minuten lang.»

Die Knutschenden heissen Maria Magdalena Mayer und Mario Frick. Geschrieben hat die prickelnde Geschichte Daniel Sigel, heute CEO der Zürcher Oberland Medien AG. Zum Inhalt:  Fussballlegende Mario Frick bumst mit Maria Magdalena in einer «luxeriösen 3 Zimmer Wohnung» und wird dabei beschattet. Noch steht die Antwort aus, ob Frick (heute Trainer vom FC Vaduz) glücklich ist mit Sigels erotischer Phantasie:

«Kommst du nochmal zu mir ins Bett», flüstert Maria als Mario, nur mit dem Frottetuch in den Händen, ins Schlafzimmer schaut. «Wollen wir Freistoss üben», lacht Mario und springt mit einem grossen Satz auf das Bett.»

Der «Senf-Dani»

Auch Daniel Sigel hat in seinem Leben schon viele Sachen ausgeübt. Er war unter anderem Journalist beim Radio Z und Verlagsleiter der Liechtensteiner Volksblatt AG. Man kennt ihn dort noch heute unter dem Namen «Senf-Dani».

Im Mai 2015 trat er als neuer Geschäftsleiter der Zürcher Oberländer Medien AG ein. Im Jahr zuvor machte der Verlag bei einem Umsatz von 28 Millionen einen Reingewinn von über 2,2 Millionen Franken. 2019 lag der Umsatz bei 23 Millionen, der Reingewinn bei 1,3 Millionen Franken.

In einem Interview sagte er anlässlich seines Antritts: «Wir werden nicht darum herumkommen, nach dem Motto «Trial and Error» Dinge zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Das bedeutet: Wenn sie funktionieren, machen wir weiter, wenn nicht, gehen wir einen Schritt zurück.»

Pino und Bligg

Der Verlag ist seitdem mit dem Rückwärtsgang vertraut. Sigel wurde unter anderem durch Pino und Bligg bekannt. Der Rapper trat als Markenbotschafter auf und ziert bis heute die Werbeflächen der Busse im Zürcher Oberland. Die Kampagne dürfte eine Stange Geld gekostet haben. Es folgte der «Sack»: «Bei uns kaufen Sie nicht den Reporter im Sack». Auf dem Plakat sah man einen Reporter im Sack. Auf der Redaktion: das blanke Entsetzen. Dann trat Pino ins Leben. Pino ist ein pinker Spielzeugdinosaurier, der die Digitalsparte des Verlags endlich bekannt machen sollte. Für die Redaktion war er vor allem peinlich. Es folgten immer wieder neue «Dinge», lustig sollten sie sein. Sie waren vor allem teuer – und nutzlos.

Das Resultat der Bemühungen ist nämlich überschaubar. Aktuell sollen die reinen Digital-Abos im dreistelligen Bereich liegen. Der Geschäftsbereich Digitale Medien/Shop schrieb alleine in den letzten vier Jahren ein Defizit von über 2,7 Millionen Franken. Eigentlich spielt der «Zürcher Oberländer» in der Mittelklasse. Trotzdem leistet er sich eine 13-köpfige-Belegschaft im Geschäftsbereich «Digital & Marketing».

Letzte Woche wurde ausserdem bekannt, dass der langjährige Chefredaktor Christian Brändli des Amtes enthoben wurde. Die Personalie schaffte es über die Kantonsgrenze. Brändli war 32 Jahre lang beim «Zürcher Oberländer». Die Nachfolge teilen sich nun der Deskleiter Sport und ein junger Redaktor.

CR weg, stv. CR weg, 3 x CvD weg

Am Freitag publizierte die Zeitung einen Leserbrief von Michael von Ledebur. Der ehemalige stv. Chefredaktor des Zürcher Oberländers schrieb: «Die ZO Medien AG ist seit Jahren digital aufgestellt. Die Geschäftsleitung will immer nochmals und nochmals Veränderungen, mit fragwürdigen Resultaten und einer Unzahl von personeller Abgänge. Die Eigentümer müssten sich eigentlich dafür interessieren, wie der betriebswirtschaftliche Erfolg durch diese Veränderungen aussieht – und ob da nicht mehr versprochen als geliefert wird.»

Die personellen Abgänge beim «Zürcher Oberländer» sind beträchtlich. Dass Mitarbeiter kommen und gehen, ist courant normal in der Medienbranche. Was beim «Zürcher Oberländer» auffällt, ist aber die enorm hohe Fluktuation beim Kader. Alleine in den letzten drei Monaten gingen fünf Leute mit Leitungsfunktion: der Chefredaktor, der stv. Chefredaktor und drei CvDs (Chef vom Dienst).

Das hinterlässt eine stark verunsicherte Redaktion. Da hilft auch das pinke Plüschtier Pino wenig.

Tamedia: kein Interesse am «Zürcher Oberländer»

Dafür grössere Einmischung in die Redaktion

Im Zürcher Oberland geht ein Gespenst umher, und das heisst «Tamedia». Der Verlag hält seit zehn Jahren 37,6 Prozent an der Zürcher Oberland Medien AG. Es wurde gemunkelt, es existiere eine Vertragsklausel, die Tamedia erst nach einer gewissen Frist eine Aufstockung der Anteile erlaube.

Und dann? Dann würde der mächtige Verlag alles zerschlagen. Die Angst wurde durch die jüngsten Entwicklungen im Verlag nochmals genährt. «Nein», lautet die Antwort von Tamedia. Es gebe keine solche Klausel. Und nochmals «Nein»: Man habe kein Interesse, die Zürcher Oberland Medien AG zu übernehmen.

Entspannen kann sich die Redaktion in Wetzikon aber nicht. «Wir werden die redaktionelle Zusammenarbeit weiterentwickeln», so Tamedia gegenüber ZACKBUM.ch

So offen wie Tamedia kommuniziert die Zürcher Oberland Medien AG nicht. Fragen werden erst auf wiederholte Bitte beantwortet – oder gar nicht. Zum Beispiel wie hoch die Entschädigungen des VR sind (bei der TX Group waren es letztes Jahr 2,4 Millionen Franken) und ob die Social-Media-Strategie geändert wird. Der Geschäftsbereich Digitale Medien/Shop schreibt seit mindestens vier Jahren tiefrote Zahlen: 2016 (-786‘000), 2017 (-670‘000), 2018 (-672‘000) und 2019 (-586‘000).

«Zürcher Oberländer»: die Dividendenperle

Print schlägt Online 2:0

Der «Tößthaler» (mit dem scharfen S) ist eine Zeitung, die es eigentlich gar nicht mehr geben darf. «Die Hundschilen-Brücke ist wieder offen», lautete am Dienstag eine dieser typischen Meldungen aus dem Mikrokosmos des Lokaljournalismus. Der «Tößthaler» gehört zur Zürcher Oberland Medien AG. Im Geschäftsbericht 2019 staunt man nicht schlecht. Die Lokalzeitung (2312 Abos) erzielte letztes Jahr einen Reingewinn von 181‘000 Franken. Das entspricht sage und schreibe 20,8 Prozent der Nettoerlöse.  So richtig glücklich scheint man im Verlag aber nicht zu sein. «Das Ziel ist weiterhin, die Kosten tief zu halten und die Umsätze zu steigern.»  Und der «Zürcher Oberländer» erwirtschaftete 2019 sogar einen Gewinn von über einer Million Franken. Der Verlag nennt das Ergebnis verhalten «ansprechend».

Auch die anderen Zeitungen des Verlags schlossen positiv ab. Insgesamt erreichte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2019 einen Jahresgewinn von 1,28 Millionen Franken. Die treuen Aktionäre erhielten eine Dividende von 30 Franken pro Aktie.

Minus von einer halben Million Franken

Nur eines der vier Geschäftsfelder rutschte in die roten Zahlen. Es ist ausgerechnet das Geschäftsfeld, für welches der CEO Daniel Sigel steht: «Digitale Medien/Shop». Das Segment schloss das Jahr 2019 mit einem Verlust von 586‘000 Franken ab. Recherchen von Zackbum.ch brachten hervor, dass der Verlag aktuell lediglich ungefähr 450 reine Digital-Abos verkaufen konnte (ab 13 Franken).

Der Verlag zeigt sich trotzdem überglücklich: «Das Profitcenter Digital entwickelt sich weiterhin erwartungsgemäss. Die Erlöse sind um 10.1 Prozent gestiegen, während die Aufwände lediglich um 3.5 Prozent stiegen.»

Das stimmt. 2018 machte diese Sparte sogar 672‘000 Franken Verlust. «Geht die Entwicklung dieses Geschäftsbereichs weiter voran wie bis anhin», so der Geschäftsbericht, «schreibt dieser planmässig mittelfristig schwarze Zahlen.».

Auch das stimmt. 2026 würde Sigels Innovation bei kontinuierlicher Schuldenreduktion erstmals einen Gewinn präsentieren, und zwar: 16‘000 Franken.

Auf seinem LinkedIn-Profil schreibt Kommagegner Sigel: «Es ist nicht die stärkste Spezies die überlebt auch nicht die intelligenteste sondern eher diejenige die am ehesten bereit ist sich zu verändern.»

Das stimmt natürlich auch. Hätten die Dinosaurier Sigels Digitalstrategie beherzigt, wäre ihre langfristige Überlebenschance deutlich höher gewesen.

Daniele Muscionico erhielt Kündigung

René Scheu, Feuilleton-Chef der NZZ, begründet im Interview exklusiv die Sparmassnahmen der NZZ.

Laut Stimmen aus dem Stadtzürcher Präsidialadepartement sollen die lokalen NZZ-Theaterkritiker die Kündigung erhalten haben. Stimmt das?

René Scheu: Ich kenne Ihre Quelle nicht. Aber das ist doppelt falsch. Denn erstens lag die Theaterkritik bisher in den Händen einer Person, nämlich von Daniele Muscionico. Und zweitens verschwindet das Dossier deutsches Sprechtheater nicht, sondern wandert von Daniele Muscionico, die es seit 2017 betreut hat, zu Ueli Bernays, der seit über 20 Jahren NZZ-Redaktor ist. Aber Daniele Muscionico, eine sehr geschätzte Mitarbeiterin der NZZ, bleibt uns als Feuilleton-Autorin erhalten. Sie wird wie auch bisher schon regelmässig eigenständige und eigenwillige Beiträge zu allen möglichen Themen des Lebens aus kulturaffiner Sicht beitragen.

Fakt bleibt: Die vier Personen, darunter Daniele Muscionico, müssen also gehen.

Das Feuilleton arbeitet nicht mehr mit Pauschalistinnen und Pauschalisten, also Leuten, die ein Fixum beziehen.

Sämtliche Verträge wurden fristgerecht auf Ende Jahr gekündigt, auch jener von Daniele Muscionico.

Alle Pauschalisten haben eine faire Entschädigung erhalten, und alle arbeiten als feste freie Mitarbeiter weiter leidenschaftlich für die NZZ. Die Honorare für Texte werden wir zudem insgesamt etwas anheben – denn wir wissen, wie wichtig auch originelle externe Autoren für unser Feuilleton sind.

Was sind die Gründe für die Kündigungen?

Das Feuilleton hat wie die anderen Ressorts auch gezielte Sparmassnahmen umgesetzt. Der Journalismus befindet sich in einer Transformation.

Einerseits fokussieren wir noch stärker auf das, was wir am besten können – Reflexion, Hintergrund, Analyse, relevante Berichterstattung. Wir machen also weniger, aber das noch besser. Anderseits investieren wir in neue Formen und Formate, von Podcast bis Datenanalyse. Und die steigende Zahl von Digital-Abos gibt uns hier recht.

Alle Theaterhäuser in Zürich haben eine Petition unterschrieben, damit die Kritikerstellen erhalten bleiben. Hat diese etwas bewirkt?

Wir stehen mit den Theatern in engem Kontakt und Austausch. Und selbstverständlich bleibt Zürich für uns die Home Base – hier wollen wir in der Berichterstattung wie bisher die Platzhirsche sein. Wir bauen hier nicht ab, sondern aus. Nur werden wir nicht mehr alle Theaterhäuser im deutschsprachigen Raum ausserhalb der Eidgenossenschaft so eng wie früher begleiten – das wird von den NZZ-Lesern auch nicht wirklich gewünscht, das zeigen uns die Daten ganz klar. Die Medienlandschaft hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und ausdifferenziert, für einschlägiges Interesse gibt es einschlägige Plattformen, im Falle der Theaterkritik zum Beispiel www.nachtkritik.de, die einen tollen Job machen. Wir berichten selektiv über das Relevante, nicht mehr ständig über alles Mögliche.

Schon 2017 wurde drei Kulturkorrespondenten gekündigt. Sandra Leis von Radio SRF 2 stellte damals fest, dass die NZZ damit auf dieses Alleinstellungsmerkmal, diesen Trumpf der Kulturberichterstattung, verzichte. Chefredaktor Eric Gujer sagte: «Ganz im Gegenteil. Aber ich mache keine Unterscheidung zwischen Polit- und anderen Journalisten». Er betonte: «Eine so breite Kulturberichterstattung wie wir macht niemand in der Schweiz». Das stimmt jetzt nicht mehr, einverstanden?

Nicht einverstanden. Das stimmt nach wie vor – und mehr denn je. Oder kennen Sie in der Schweiz ein anderes Feuilleton, das im Schnitt täglich mit vier Printseiten aufwartet und online noch manches darüber hinaus bietet? Aber ganz unabhängig davon –

Ihre Frage zeugt von einem strukturkonservativen Geist, der gerade unter Medienkritikern notorisch zu sein scheint. Wir träumen an der Falkenstrasse nicht von der guten alten Zeit, sondern machen uns fit für die Zukunft.

Nicht die Meinungen der Journalisten sind unsere Richtschnur, sondern die Bedürfnisse der Leserinnen und Leser.

Als NZZ-Leser hat man das Gefühl, unter Ihnen, René Scheu, sei die internationale Kultur gut abgedeckt. Das Lokale aber bleibe oft aussen vor. Wie sehr liegt Ihnen Zürich am Herzen?

Danke für das Kompliment! Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Natürlich machen wir ein Feuilleton für die ganze Schweiz und darüber hinaus. Aber wir wollen in Zürich die Platzhirsche sein, siehe oben. Das ist unser Anspruch, aber ja, hier können wir bestimmt noch weiter zulegen. Bald bringen wir einen neuen Zürichkultur-Newsletter heraus. Und wir wollen unsere Efforts in dieser Richtung weiter intensivieren.

Theater- und Konzertkritiken waren früher das A und O einer Aufführung. Nun gibt es sie fast gar nicht mehr. Warum hält die NZZ nicht dagegen?

Das Schauspielhaus, das Opernhaus, die Tonhalle und andere Institutionen begleiten wir eng. Wir haben hier einen Kulturauftrag, den wir sehr ernst nehmen, auch mit Bezug auf kleinere Bühnen und Veranstalter.

Zugleich sind wir keine PR-Agentur von Kulturinstitutionen und wollen auch kein Feuilleton für die Happy Few machen – das Feuilleton soll vielmehr allen lesehungrigen, interessierten, bildungsbürgerlich angehauchten Zeitgenossen etwas bieten.

Die Auflage der NZZ schwindet markant. In einem Jahr von gut 100000 auf etwas über 70000. Ist da dieser Kahlschlag nicht ein falsches Zeichen für die treuen Abonnenten?

Sie messen noch in der Print-Währung, was mich erstaunt, da zackbum.ch ja ein reines Online-Medium ist. Und sorry, Print ist eine Währung, nicht DIE Währung.

Die Print-Auflage sinkt leider, das ist korrekt.

Aber an zahlenden Digital-Abonnenten haben wir in den letzten beiden Jahren mächtig zugelegt – die magische Grenze von 200’000 zahlenden Abonnenten, die wir für Ende 2022 angesetzt hatten, haben wir bereits dieses Jahr überschritten. Und Hand aufs Herz – ist das nicht sogar für Sie eine gute Nachricht? So gehen Ihnen die Themen nicht so bald aus.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

René Scheu (*1974) leitet seit 2016 das Feuilleton der NZZ. Vorher war er Chefredaktor und Herausgeber des liberalen Magazins Schweizer Monat.

Daniele Muscionico (*1962) ist – mit kleinem Unterbruch – seit 1994 Kulturredaktorin der Neuen Zürcher Zeitung. Seit 2017 ist sie laut NZZ-Impressum erste Theaterkritikerin mit Vorliebe für Experimente mit offenem Ausgang.

Tamedia erarbeitet Sozialplan

Im Hinblick auf die zu erwartenden Entlassungen ab Juli 2021 wird Tamedia einen Sozialplan erarbeiten, wie es auf Anfrage heisst.

Gestern Dienstag fand eine Infoveranstaltung statt für die Tamedia-Mitarbeitenden. ZACKBUM.ch berichtete im Vorfeld darüber. Was ist dabei herausgekommen? Laut internen Quellen verlief der Anlass eher trübselig. Zwar wurde etwa die «Magglingen-Recherche» gelobt und der Bronze-Platz der Schweizer Familie beim Best Swiss Web Award freudig erwähnt. Angesprochen wurden auch Innovationsprojekte wie Podcasts. Als Podcastproduzentin wurde nämlich eigens Mirja Gabathuler angestellt. Ab 7. Dezember läuft zudem wieder die Serie «Wahrheit, Wein und Eisenring – das ehrlichste Gesprächsformat der Schweiz» mit Yvonne Eisenring.

70 Millionen einsparen bis Ende 2022

Aber geblieben ist den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wohl eher der Finanzteil.  ZACKBUM.ch fasst das Thema zusammen. Die Aussagen sind abgesegnet von Mediensprecherin Nicole Bänninger:  «Tamedia muss bis Ende 2022 70 Millionen Franken einsparen, also rund 15 Prozent der Kosten. Betroffen werden nicht nur die Redaktionen sein. Alle Unternehmensbereiche müssen ihre Kosten reduzieren, so beispielsweise auch die Druckereien oder der Vertrieb. Ein wesentlicher Teil der Einsparungen kommt auch aus einem Sparprogramm bei den zentralen Dienstleistungen, welche Tamedia von der TX Group bezieht. Zum Beispiel im IT-Bereich.

Keystone-SDA: Ein Ausstieg ist für Tamedia aktuell kein Thema

Darüber hinaus müssen wir uns, wie bereits kommuniziert, auch Gedanken machen zur zukünftigen Ausgestaltung der Dienstleistung, die wir von Keystone-SDA beziehen, und insbesondere der damit verbundenen Kosten. Wie um diese Jahreszeit üblich, sind wir mit Keystone-SDA in Gesprächen über den genauen Umfang der Leistungen für das nächste Jahr. Ein Ausstieg ist für Tamedia aber aktuell kein Thema.»

Nicole Bänninger betont: «Tamedia legt keine Redaktionen in Zürich zusammen! Geprüft werden Synergien. Diese Projekt-Arbeiten starten im Januar 2021, umgesetzt wird ungefähr ab Mai 2021.»

Nun doch noch zwei Anschlussfragen. Stimmt es, dass die Synergienprüfung im ersten Quartal in Zürich und im zweiten Quartal im Bern startet?
Ja, in Zürich startet das Projekt Anfang 2021, in Bern im Q2 2021.

Sind erste Entlassungen im Juli 2021 zu erwarten?
Über personelle Veränderungen lässt sich noch keine Aussage machen. Nötige Massnahmen werden so weit wie möglich über Fluktuation, interne Verschiebungen oder andere Anschlusslösungen vollzogen, um Kündigungen zu vermeiden. Um allfällig betroffene Mitarbeitende bestmöglich zu unterstützen, wird – unabhängig von der Höhe der Massnahmen – unter Einbezug der Sozialpartner ein Sozialplan erarbeitet.

Tamedia: Berner Modell für Zürich

Tamedia will auch im Kanton Zürich Redaktionen zusammenlegen. Am 17. November werden die Betroffenen informiert.

Droht dem Landboten, den Zürichsee-Zeitungen und dem Zürcher Unterländer ein ähnliches Schicksal wie der Berner Zeitung und dem Bund? Erstmals konkret wurde vor kurzem die WoZ: «Die Redaktionen von Bund und Berner-Zeitung – die momentan in Kurzarbeit und im Homeoffice sind – sollen ab April 2021 aus Spargründen vollständig zusammengelegt werden. Zuvor will Tamedia dem Vernehmen nach eine ähnliche Übung mit ihren Zeitungen im Kanton Zürich durchziehen. Siebzig Millionen Franken sollen eingespart werden, davon ein siebenstelliger Betrag in Bern».

Zackbum.ch weiss: Am Dienstag, 17. November, werden die Tamedia-Redaktionen informiert. In einem ersten Schritt geht es um die Zusammenlegung der Kantonsredaktionen des Tages-Anzeigers und der Zürichsee-Zeitungen. Darüber hinaus sollen auch vermehrt Artikel ausgetauscht werden zwischen den Zeitungstiteln.

Was plant Tamedia konkret? Mediensprecherin Nicole Bänninger beantwortet den eingereichten Fragenkatalog nur zusammenfassend. «Um unser Geschäft nachhaltig betreiben und unserer Leserschaft trotz sinkender Einnahmen und des absehbaren weiteren Rückgangs der Printauflagen weiterhin einen unabhängigen, in den Regionen verankerten Qualitätsjournalismus bieten zu können, müssen wir überall Synergiepotentiale eruieren und unsere Kosten reduzieren». Gleichzeitig verlange der Aufbau einer zahlungsbereiten digitalen Leserschaft, «dass wir uns damit auseinandersetzen, welche Bedürfnisse digitale Leserinnen und Leser haben, und unsere Inhalte entsprechend darauf ausrichten – auch in der lokalen und regionalen Berichterstattung».

Achtung: Jetzt wird’s ein bisschen konkreter:

«Dies bedingt eine noch engere redaktionsübergreifende Zusammenarbeit. Wie diese konkret ausgestaltet werden soll, werden wir mit den Redaktionen zusammen über die nächsten Monate prüfen und erarbeiten.»

Und wie sieht’s mit den einzelnen Zeitungstiteln Landbote, Zürichsee-Zeitungen und Zürcher Unterländer aus? Die Antwort lässt vieles offen. Titelstreichungen scheinen durchaus möglich.

«Es ist unsere Ambition, all unsere Zeitungstitel zu erhalten und sie auch weiterhin unterschiedlich zu positionieren.»

Nachfrage von ZACKBUM.ch: «Bleiben die Deckblätter als einzige Referenz an die publizistische Herkunft?» Auch hier antwortet Bänninger eher allgemein: «Mit BZ und Bund in Bern und dem Tages-Anzeiger und den Zürcher Regionalzeitungen in Zürich haben wir in beiden Regionen starke Zeitungen mit eigenen Profilen, die auch ein unterschiedliches Publikum ansprechen. Wie die gesamte Medienbranche stehen wir jedoch vor grossen Herausforderungen: Der Werbeumsatz im Print erodiert kontinuierlich, genauso wie die Umsätze aus den Print-Abos.» Das Deckblattmodell ist und bleibt also eine Option.

Und noch eine Frage: «Gibt es schon Zahlen zur geplanten Anzahl Kündigungen und die geplanten einzusparenden Ausgaben in der Region Zürich?» «Über personellen Veränderungen lässt sich noch keine Aussage machen. Wir versuchen aber stets, nötige Massnahmen so weit wie möglich über Fluktuation, interne Verschiebungen oder andere Anschlusslösungen zu vollziehen», so Bänninger, die zusätzlich zu ihrer Funktion als Kommunikationsverantwortliche Tamedia stellvertretende Leiterin Kommunikation der TX Group ist.

Somedia operiert heute schon so

Ein ähnliches Modell wie das geplante Deckblattmodell in Bern pflegt heute schon die Somedia. Sie gibt in Graubünden die Südostschweiz und das Bündner Tagblatt heraus. Die beiden Zeitungen unterscheiden sich durch die Seiten zwei und drei mit je individuellem Inhalt, sowie verschieden gestalteteten Titelseiten. Wie beurteit die Somedia die Pläne der Tamedia? «Von den Plänen der TX Group habe ich nur aus den Medien erfahren» antwortet Silvio Lebrument, Geschäftsführer Medien der Südostschweiz. Der Sohn von Verleger Hanspeter Lebrument schreibt weiter: «Wenn ich mich auf den Bericht von persoenlich.com stütze, ist vieles noch ungesichert bzw. nicht bestätigt. Daher ist ein Vergleich schwierig». Er stehe aber gerne zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung.

Übrigens unterstützte Christoph Blocher ab 1987 das damals serbelnde Bündner Tagblatt finanziell. 1996 gingen dann Herstellung und Vertrieb des Bündner Tagblatts an die damalige Gasser Media (heute Somedia). «Unter Wahrung einer unabhängigen Redaktion», wie Hansmartin Schmid in einem lesenswerten Buch über «die Geschichte der Churer Presse» schreibt.

Wie es in Bern und Zürich weitergeht, wird man frühestens am Dienstag erfahren.