Am deutschen Wesen …

Ein Scherz eines überaus erfolgreichen und beliebten Oberbürgermeisters. Übelste Beschimpfungen, völlig belegfrei. Wir warten auf den Schweizer Nachzug.

… soll die Welt genesen. Davon sind inzwischen auch die deutschen Grünen zutiefst überzeugt. Welchen Weg nach unten haben die zurückgelegt. Seit Claudia Roth noch als kleine Sekretärin (durfte man damals so sagen) in einem Bundestagsbüro sass, als die Grünen zum ersten Mal Abgeordnete wurden.

Ich schrieb die ironische und vieles vorausahnende Reportage darüber, Claudia gratulierte: «Wie ein Hubschrauber mit zwei gegenläufigen Rotoren, und immer der erhobene Zeigefinger, genau, so sind sie, danke.» Heute würden sie ohne zu zögern das Wort Grün durch Hellbraun oder Pissgelb ersetzen, wenn das die Chance vergrösserte, Bundeskanzlerin zu werden. Ein Blasenschwätzer wie Parteichef Robert Habeck, gegen den sogar Joschka Fischer ein Ausbund von Prinzipientreue war, eine machtgierige, alle ihre vielen Schwächen in weibliche Waffen verwandelnde Annalena Baerbock, das Dreamteam für den zutiefst verlogenen urbanen Heuchler.

Oberbürgermeister, Grüner, erfolgreich? Na und, Rassist

Da zeigt eine erfolgreiche Galionsfigur der Grünen, der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ein weiteres Mal, dass man die Finger von Twitter lassen sollte. Genauso, wie man in der freien Rede manchmal stolpert, stockt, Slalom spricht, sogar Unsinn, ist es auch bei diesem keifenden Sumpf. Das Parteiausschlussverfahren sei «unvermeidlich» donnert da Habeck, Palmer habe «rassistische und beleidigende Sätze» gepostet. Im Zeichen der Mitmenschlichkeit und Toleranz, aus Respekt vor einem grünen Kollegen, der im Gegensatz zu ihr schon einige Jahre Verantwortung trägt, und das gut, hatte Baerbock bereits die potenzielle Gefährdung ihrer Kanzlerkandidatur erkannt und zuerst Palmers Rausschmiss gefordert.

Verantwortung, Erfolg? Na und, Palmer muss weg.

Wegen welcher Sätze? Ist doch völlig egal; zwar hat Palmer nicht das Wort Auschwitz verwendet, aber er ist halt Rassist, wussten wir doch. Eigentlich müsste diese Partei ein errötendes Rot zur Leitfarbe ernennen. Aber da sind die Grünen abgehärteter als ein Bürogummibaum. Rot werden, niemals. Wer deren Sprechblasen betritt, ist in einer schamfreien Zone.

Es geht aber noch schlimmer

Noch schlimmer erwischte es den ehemaligen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maassen. Man erinnert sich noch? Seine Zweifel an der Authentizität eines Videos, das angeblich die Hatz auf Ausländer nach einem Mord in Chemnitz belegen sollte, kosteten ihn das Amt. Dass er, wie nachträglich bewiesen wurde, damit völlig recht hatte, was soll’s.

Der Plattform achgut.de gelang es, die Autorin des Kurzvideos zu sprechen, die die Zweifel von Maassen vollständig bestätigte. Aber achgut, Zweifel an der Wahrhaftigkeit einer Gruppe namens Antifa Zeckenbiss, wo kämen wir da hin. Ist es vermessen, an die damals schon gefährlich kontaminierten Hassblasen der Linken zu erinnern? Nur, weil’s ein eignes Werk ist? Wenn es gut gealtert ist, wohl nicht.

Nun tritt Maassen als Bundestagskandidat für die CDU an. Das sorgt für Hallo, und wenn etwas für Hallo sorgt, dann muss es in die Talkshow. Obligatorisch. Da sass dann der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet und musste sich von der «Fridays for Future-Aktivistin» Luisa Neubauer vor laufender Kamera bei Anne Will anhören: «Sie legitimieren rassistische, antisemitische, identitäre und übrigens auch wissenschaftsleugnerische Inhalte, verkörpert durch Hans-Georg Maaßen.» Der verbreite Inhalte antisemitischer Blogs.

Das erinnert nun stark – nein, nicht an Auschwitz – an frühere Vorwürfe, dass der linke Politiker doch von Moskau gesteuert, wenn nicht bezahlt sei, antikapitalistisch den Umsturz der Gesellschaftsordnung anstrebe, und, wenn alt genug, schon zu Zeiten des Hitler-Faschismus als landesverräterischer Widerstandskämpfer tätig gewesen sei. Das musste sich zum Beispiel der Friedensnobelpreisträger Willy Brandt anhören, von Herbert Wehner ganz zu schweigen.

Der Widerstandskämpfer und Kommunist Herbert Wehner.
Würde heute weder bei den Grünen noch in die SPD aufgenommen.

Aber dumme, geschichtsvergessene Pöbler wie Neubauer holzen heute in diesem Ungeist weiter, einfach spiegelverkehrt. Laschet forderte nach dieser Schmähung eines Abwesenden Belege für solch grobe Anschuldigungen. Die blieb Neubauer während und nach der Sendung schuldig. Dafür bemühte sich Moderatorin Will darum: «Schauen wir uns an, versuchen wir zu belegen», sagte sie in der Sendung.

Der Beweis: Antisemitismus und anderen Hetze

Um nachher Threats zu teilen, in denen beispielsweise die Hetzgruppe «Union-Watch», die sich mit der CDU/CSU aus «einer politisch linken Sichtweise beschäftigt», «Belege» für die haltlosen Verleumdungen Neubauers anführen will: «Ob ex-Verfassungsschutz-Chef Maassen ein Antisemit *ist*, kann man nicht rechtssicher feststellen. Was jedoch gesichert ist: er verbreitet regelmäßig und seit Längerem Antisemitismus und andere Hetze.»

Wie das? Nun, Maassen verwende beispielsweise Begriffe wie «Globalisten» das sei in der rechten Szene eine Chiffre für Juden. Dann auch noch «sozialistische Umerziehung» oder gar «Politikerkaste». Schlagende Beweise, was will man mehr?

Man will diesem immer weiter galoppierenden Hirnmüll Einhalt gebieten. Dieser Manie, in Ermangelung von Argumenten sprachpolizeiliche Ermittlungen anzustellen. Auch dafür ist das Wort Auschwitz nicht angebracht. Aber der Verweis auf die Nazi-Tradition der Sprachreinigung, der Ausmerzung jüdischer, bolschewistischer Sprachverunreinigungen, der ist mehr als angebracht.

Was wohl Kermit, der Frosch, über die Grünen denkt?

Wer hier in der Schweiz denkt: die Deutschen spinnen halt, der kennt unsere linken Sprachreiniger und Gesinnungsverurteiler schlecht. Auch denen mangelt es an Argumenten, weshalb sie nicht auf Aussagen, sondern auf angeblich dahinter stehende Gesinnung zielen, auf den Menschen. Und selbst Adolf Muschg den Mund verbieten wollen, rotglühend erzürnen, wenn der es sich leisten kann, auf dieses kultur- und kenntnislose Gewäffel, selbst von einer diesen Begriff verunzierenden Literaturchefin, so zu reagieren:

«Ich nehme nichts zurück.»

Um das zu bringen, war das Schweizer Farbfernsehen, das sich bereits in den Staub geworfen hatte, zu feige. Es forderte Muschg zwar zu einer Stellungnahme auf, der machte sich dann über sich selbst lustig, wie er hatte denken können, das seine sofort abgelieferte Erklärung auch gebracht würde. Das musste dann die «Weltwoche» erledigen, dieses rechte Hetz- und Lügenblatt. Während alle aufrechten, dem Humanismus und der Wahrheit verpflichteten Organe über Muschg wohlfeil herfielen. Wobei sich’s im Zwergenreich am besten schimpfen lässt, wenn der Normalwüchsige abwesend ist.

 

Abgang eines Gender-Sternchens

Das trifft uns: Salome Müller hat bei Tamedia gekündigt. Ist sie Opfer?

Via persoenlich.com teilte die Redaktorin des «Tages-Anzeigers» mit, dass sie per Ende Juli ihre Kündigung eingereicht habe.

Müller wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, weil sie die Mitinitiatorin eines Protestschreibens ist, in dem sich anfänglich 78 Mitarbeiterinnen von Tamedia über unerträgliche Arbeitsbedingungen beklagten. Frauen würden sexistisch behandelt, diskriminiert, seien dummen Anmachsprüchen ausgesetzt, würden durch diese Atmosphäre demotiviert.

Liebe Leserinnen* ist vorbei.

Am 1. Mai war das Ultimatum abgelaufen, das im Brief gesetzt worden war. Bis zu diesem Zeitpunkt wollten die Unterzeichner eine Antwort auf ihre Forderungen bekommen. Offensichtlich ist aber bislang nichts passiert. «Der Brief hat viel Gutes ausgelöst – wir fühlen uns gehört und ernstgenommen. Bei meiner Kündigung spielte der Brief keine Rolle», behauptet Salome Müller.

Das wagen wir zu bezweifeln. Der Brief hat bislang überhaupt nichts ausgelöst. Im Gegenteil, weil er von rund 60 anonymisierten Vorwürfen begleitet war, kündigte Tamedia zuerst eine interne, dann eine externe Untersuchung dieser angeblichen Vorfälle an.

Statt intern öffentlich meckern

Weil das eigentlich für den internen Gebrauch gedachte Schreiben via Jolanda Spiess-Hegglin an die Öffentlichkeit gebracht wurde, erhob sich schnell einmal die Frage, ob sich damit zumindest die beiden Initiantinnen arbeitsrechtliche Probleme eingehandelt haben könnten. Denn dafür, dass der Arbeitnehmer auf der Payroll steht, hat er nicht nur die Verpflichtung, gewisse Leistungen zu erbringen, sondern auch sich an ein paar Regeln dem Arbeitgeber gegenüber zu halten. Ihn öffentlich und ohne jeden Beleg übel zu beschimpfen, das gehört nicht dazu.

Nachdem sich Müller, zusammen mit ihrer Kollegin Aleksandra Hiltmann, kurzeitigen Ruhm bis hin zu einem Auftritt in «10 vor 10» verschafft hatte, aber danach abtauchte, auf keine Anfrage reagierte, mehren sich die kritischen Stimmen, welchen Zweck eigentlich diese ganze Aktion gehabt habe.

Insbesondere löste Stirnrunzeln aus, dass von den Protagonisten dieses Protests behauptet wurde, dass sie ein in der ganzen Medienbranche vorhandenes Malaise ansprechen würden. Nur, bei keinem anderen Verlag kam es zu ähnlichen Protesten.

Alle Unterzeichner weigerten sich ebenfalls, auf höflich formulierte Fragenkataloge zu antworten, was nun doch etwas schwach ist. Die zuerst mit der Untersuchung beauftragte Mitunterzeichnerin Claudia Blumer sagte sogar, dass sie persönlich niemals solche Vorfälle erlebt habe, mehr aus Solidarität unterzeichnete.

Geschmäckle, Hautgout, Es stinkt einfach

All das gibt der ganzen Aktion einen zunehmenden Hautgout. Mitarbeiterinnen damit ködern, dass sie ein internes Protestschreiben, gerichtet an die Geschäftsleitung, unterzeichnen würden. Das fast gleichzeitig an die Medien eingespeist wurde, zudem mit einem nicht gerade vertrauenserweckenden Absender.

Offensichtlich wurden viele der Unterzeichner nicht einmal gefragt, ob sie damit einverstanden seien. Dann holten sich Hiltmann und Müller ihre 15 Sekunden Ruhm ab, verstummten aber anschliessend völlig. Ob Müller tatsächlich ohne Zusammenhang mit diesem Schreiben geht, wie freiwillig ihr Abgang ist, das wird wohl nicht herauszufinden sein.

Dass die meisten der übrigen Unterzeichner das als Fahnenflucht empfinden, von jemandem, der ihnen diese Suppe zuerst eingebrockt hat, ist offenkundig. Was dieses Verhalten mit weiblicher Solidarität, mit einer Kampfansage, mit dem Widerstand gegen angeblich unerträgliche Zustände zu tun hat, bleibt unerfindlich. Von vielen Eigenschaften, die Müller zuvorderst einfordert – bei anderen, natürlich –, ist hier weit und breit nichts zu sehen.

Die Pfusch-Force sollte weg

Jeder Journalist weiss inzwischen: willst du einen Aufreger, nur die Corona-Task-Force fragen.

Dass sich die «Swiss National COVID-19 Science Task Force» so ziemlich in jeder Beziehung lächerlich gemacht hat, ist kein Geheimnis. Kakophonie, immer neue Horrorszenarien, Warnungen, Befürchtungen.

Gar mit eigener Pressekonferenz, in der die Entscheidungen des Bundesrats und der Kantone beäugt, selten gelobt, häufig kritisiert wurden. Ab und an trat ein Mitglied aus, unter Protest, oder weil die öffentliche Präsenz für einen besseren Job gesorgt hatte.

Diese Task Force hatte sich kurzerhand selbst ins Leben gerufen und dann an den Bundesrat rangeschmissen. Kostenlose Beratung durch die wirklichen Cracks der Virologie und Epidemiologie; erst noch gratis. Da konnte der Bundesrat nicht nein sagen. Obwohl es doch seit Jahren eine «Eidgenössische Kommission für Pandemievorbereitung und -bewältigung» gibt. Genau für solche Fälle; repräsentativ gewählt, kompetent – und ins Abseits gedrängt.

Immer ein Szenario zur Hand, in düsteren Farben

Die Glitzer-Task-Force, die entweder in corpore wichtig in die Kameras unkte, oder aber Solo-Auftritte hinlegte, wenn ein Mitglied unter mangelnder Aufmerksamkeit litt, pustete ein «Szenario» nach dem anderen raus. Die alle zwei Dinge gemeinsam haben, kann man überprüfen: sie waren viel zu pessimistisch. Und sie trafen nie ein. Was speziell merkwürdig ist, weil normalerweise die Eintrittswahrscheinlichket bei binären Prognosen steigt, wenn man immer die gleiche wiederholt.

Morgen regnet’s. Ausserhalb der Wüste Gobi wird und muss das einmal zutreffen. Die Prognosen der Task-Force lagen aber immer daneben. Glücklicherweise hört man auch immer weniger auf sie. Nun könnte es durchaus ein wissenschaftlich interessanter Ansatz sein, sich zu fragen, wieso eigentlich diese Task Force so konsequent sogar ausserhalb der Wahrscheinlichkeit falsch liegt.

Da stellte sich der Task-Force-Chef Martin Ackermann den bohrenden Fragen der NZZaS. Wenn das ein Ausdruck der Befähigung zu Selbstreflexion, Ursachenüberprüfung oder der Fehlerkultur in der Wissenschaft sein sollte, dann gute Nacht.

  • Frechheit eins: «Es gibt einen Unterschied zwischen Alarmschlagen und Alarmismus.» Worin besteht der genau, wenn Ackermann bis zu 20’000 Neuinfektionen täglich in diesem Frühling vorhersagte, es zurzeit aber nur 2000 sind?
  • Und überhaupt, Frechheit Nummer zwei: «Das war das schlimmste von mehreren Szenarien.» Na, das ändert alles, dann war’s nicht um den Faktor 10 daneben, sondern halt ein «schlimmes Szenario». Also keinerlei Fehler gemacht?
  • Ackermann räumt ein: «Ich gehe vor allem von drei möglichen Punkten aus, die wir falsch eingeschätzt haben könnten.» Also der gedoppelte Konjunktiv. Aber in jeder falschen Prognose steckt ein Stückchen Trost: «So gesehen haben die nun kritisierten Modelle vielleicht mitgeholfen, die Pandemie zu bremsen.» Frechheit drei.
  • Das ist eine astreine wissenschaftliche Analyse. Wir haben «buhu» gesagt, immer noch viele Schweizer sind darauf reingefallen und haben Schiss gekriegt.

Das Bananenschalen-Szenario

Das ist ein Erkenntnismodell, das noch etwas ausgearbeitet werden muss. «Die Leute schmeissen immer mehr Bananenschalen auf die Strasse, das wird zu einem deutlichen Anstieg der Oberschenkelhalsbrüche führen, was wiederum die Intensivstationen an den Rand des Zusammenruchs bringt.» – «Oh ist nicht eingetroffen. Na wunderbar, hat unsere wissenschaftliche Prognose doch gewirkt.»

So ungefähr hört es sich an, wenn man den Bereich der wissenschaftlichen Seriosität endgültig verlassen hat. Der immer noch nicht gewonnene Kampf gegen die Pandemie ist aber zu ernst, um eine solche Blödeltruppe weiterhin Zugang zu öffentlichen Plattformen zu erlauben.

Da sie ja, vielleicht abgesehen von ein paar Insidergeschäften, nichts verdient, sollte das doch niemanden kratzen. Selber konstituiert, selber sich abgeschafft, das wäre endlich ein Beitrag zur Versachlichung der Debatte.

Pech für die Journalisten; aber es gibt ja noch genügend Einzelkämpfer-Unken, die man jederzeit in Stellung bringen kann.

Erinnert sich noch jemand?

Alles Phantom-Schmerzen

Lerne zu klagen, ohne zu leiden. Das Motto so vieler Gruppen, Bewegungen heutzutage.

Die weiblichen, ausschliesslich die weiblichen Mitarbeiter von Tamedia sind Opfer unerträglicher Arbeitsbedingungen. Sie werden diskriminiert, schikaniert, negiert, demotiviert.

Aber das lassen sie sich nicht länger bieten, nehmen es nicht mehr hin. Weil es nicht zum Aushalten ist. Also schreiben und unterschreiben sie zuhauf einen Protestbrief zuhanden der Geschäftsführung von Tamedia. Irgendeine Unterzeichnerin hält es zudem für eine gute Idee, ihn Jolanda Spiess-Hegglin zuzuhalten, die in ihrem ambivalenten Verhältnis zur Wahrheit flugs behauptet, sie habe das Schreiben im Fall in «Absprache» mit den Unterzeichnern ins Netz gestellt.

Seither sagt sie nichts mehr dazu. Seither beantworten die Unterzeichner keine einzige Anfrage von mir. Sondern schweigen ebenfalls finster. Das ist alles Schnee von vor zwei Monaten. Das Protestschreiben ist Plusquamperfekt, vergilbt.

Wir stellen ein Ultimatum

Allerdings: Wie es sich für einen Klagenkatalog mit anonymen Beispielen gehört, enthält er auch Forderungen. Wie es sich für Forderungen gehört: Mit Deadline. Am 5. März mit genügend Spielraum gesetzt: der 1. Mai.

Bis dahin wird erwartet, muss erfolgen, ist es dringend nötig, Blabla. Sonst? Sonst wird gestreikt? Dienst nach Vorschrift? Die Damentoilette verstopft? Die Damen- und die Herrentoilette verstopft? Das schöne Glashaus besprayt? Rutishauser mit Tampons, Supino mit gebrauchten Tampons beworfen?

Schmerzen nur im Hirn.

Aber nein. Es geschieht – einfach nichts. Niemand kümmert sich mehr um diese Datum. Weder die Unterzeichner noch die Kollegen der übrigen Medien. Angeblich sollte es unerträgliche Zustände zumindest abmildern. Nun bleiben die Zustände unerträglich – und unverändert.

Weil das ein Phantom-Schmerz ist, nicht mehr, nicht weniger.

Gestohlenes Leiden für mehr Lebenssinn

Ein unversehrter Mensch hält sich plötzlich für einen Beinamputierten. Und beklagt Schmerzen im fehlenden Bein. Aber er tut das nur stellvertretend. Weil er sich ein Leiden leihen möchte. Es auf sich übertragen. Weil sein Leben sonst so langweilig und leer wäre.

Der Treiber für solche Phantom-Schmerzen, für geliehenes, gestohlenes, angeeignetes Leiden sind die Krachverstärker, die versumpfenden Kammern des Wahnsinns und des Echos, der Selbstverstärkung, die sogenannten sozialen Plattformen. Hier hetzt die Meute von einem Leiden zum nächsten.

Hinauf oder hinunter?

Sie leidet am Mohrenkopf. Sie leidet an angeblich diskriminierenden Bezeichnungen an uralten Häusern in der Zürcher Altstadt. Sie leidet an Denkmälern, die angeblich Sklavenhändlern und Rassisten huldigen. Sie leidet am Klima. Auch an der Rassendiskriminierung. Nicht nur in der Schweiz, vor allem in den USA. Gibt es einen lächerlicheren Anblick, als wenn weisse Bürgerkids mit schuldgebeugtem Rücken und niedergeschlagenem Blick in der Schweiz niederknien und «Black lives matter» grölen?

Kämpfe und Schlachten im Nirgendwo

Gibt es etwas Kindischeres, als wenn Journalisten, die wahrlich anderes zu tun hätten, einen verbissenen Kampf um das korrekte Setzen eines Sternchens führen? Weil sie damit, selbst in privilegierter Position und grossflächige Multiplikatoren benützend, ein Zeichen setzen wollen für die Unterdrückten, Diskriminierten, Beleidigten, Erniedrigten?

Weil auch hier fremdes Leid, vermutetes Leid angeeignet, gestohlen wird, um das eigene banale Leben wenigstens mit etwas Grösserem aufzupumpen. Mit der Imitation von Schmerzen, mit Phantom-Schmerzen, ohne dass vorher etwas abhanden kam.

Es gibt etwas noch Kindischeres. Wenn man Journalisten dabei zuschauen muss, wie sie ihren eigenen Bauchnabel betrachten. Ihn betasten, drücken. In der perversen Hoffnung, noch ein neues, individuelles, nicht schon beklagtes Leiden zu evozieren. Denn allzu viele sind schon besetzt. Erobert, werden mit Nachdruck verteidigt. Wer schon unter Rassismus leidet, obwohl ihm noch nie etwas Rassistisches widerfuhr, will dieses Leiden nicht einfach teilen.

Tut was weh?

Wer unter Sexismus und männlicher Unterdrückung leidet, will das lautstark und gemeinsam tun. Selbst wenn Frauen wie Claudia Blumer ein entsprechendes Protestschreiben unterzeichnen, obwohl sie einräumt, selbst noch nie mit den dort beklagten Verhaltensweisen konfrontiert worden zu sein. Aber keiner, keine zu klein, Leidender zu sein.

Falls man ums Verrecken kein individuell zugeschnittenes Leiden findet, sozusagen ein massgeschneidertes, dann leidet man halt an der Welt. Dazu gehört dann vor allem ein grimmig-melancholischer Gesichtsausdruck. Lukas Bärfuss hat hier Bahnbrechendes geleistet. Es gibt ihn nur in ernst, in besorgt, in beunruhigt. In wütend. Vor allem mit diesem Gesichtsausdruck hat er sogar den Büchner-Preis erobert. Denn an seinen schriftlichen Werken kann das nicht gelegen sein.

Hinter all dem Abgründe von Heuchelei

Hinter all diesen Leidensmienen, hinter diesen Klagegesängen über Phantom-Schmerzen steckt aber noch etwas anderes. Noch mieseres, als sich mit fremdem Leiden zu schmücken. Dahinter steckt eine abgrundtiefe Heuchelei, eine Verlogenheit, die übelkeitserregend ist.

Mit einem Tweet, einem Daumen hoch, einem «ich bin dabei»-Blödspruch Solidarität für, den Kampf gegen, ein «gemeinsam werden wir» wohlfeil zu «unterstützen», zu meinen, damit einen kleinen, aber doch bedeutenden Beitrag gegen das Unrecht auf dieser Welt geleistet zu haben, das ist verlogen.

Heuchlerisch ist, sich angeblich gegen das Unrecht, die Ausbeutung, das Leiden hier und vor allem in der Dritten Welt einzusetzen. Kinderhände, die in Färbebottichen verstümmelt werden, furchtbar. Kleine Gestalten mit alten Gesichtern, die mit blossen Händen wertvolle Erden aus auf ihre Grösse in den Boden gehauenen Gängen herausbrechen. Ständig in der Gefahr, verschüttet zu werden. Unerträglich.

Und dann erst China; diese Sklavenarbeiter dort. Diese Ausbeutung, das Fehlen von Rechten, Zuständige wie bei der industriellen Revolution. Das geht alles nicht, dagegen muss etwas unternommen werden. Her mit dem Hashtag, wo kann man ein Fanal setzen. Braucht’s auch ein Foto? Das Gleiche wie immer oder muss ein neues mit Pappkarton und anderem Spruch drauf gemacht werden?

Man könnte auch, aber wieso denn eigentlich?

Alles kein Problem, am besten mit dem neuen iPhone, Samsung, Huawei. Man könnte sich auch ein nachhaltig hergestelltes kaufen. Aber kennt jemand überhaupt eine solche Marke? Richtig, dann ist’s teurer und hat noch nicht 5 G, und die Kamera, vor allem im Dämmerlicht; also das geht gar nicht.

Vielleicht könnte man ja zertifizierte Lebensmittel oder Kosmetika oder Kleidung kaufen. Was immer die Labels auch wert sein mögen: die so bezeichneten Produkte werden meistens fairer hergestellt als die ohne Label. Das wäre doch was, dabei so einfach. Genau. Deshalb gibt jeder Schweizer pro Kopf und Jahr für nachhaltige Produkte – ziemlich genau 100 Franken aus. Es wäre noch weniger, wenn es beispielsweise bei Migros oder Coop bestimmte Früchte anders als mit Zertifizierung gäbe. Aber wer eine Banane kaufen will, muss das dort in Kauf nehmen, dass sie Max Havelaar kontrolliert ist.

Alles nur Kopf-Fehlgeburten.

Gibt es eine unangenehmere Mischung? Stehlen von Phantomschmerzen. Heuchelei, Verlogenheit. Ach, und tiefste Humorlosigkeit. Denn das Grauen der Welt kann nur ernst bekämpft werden. Zumindest, wenn man so tut, als ob.

Die Umwelt wird Gut

Bäumlein, wechsle dich. Philipp Gut ist einer Berufung nachgegangen. Werden das beide – die Umwelt und er – überleben?

Das nennt man eine Wendung, er nennt’s sicher konsequent. Philipp Gut wurde als stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche» bekannt. Unverbrüchlich an der Seite von Roger Köppel war er immer mal der Mann fürs Grobe. Der dann auch wegen übertriebener Härte Niederlagen vor Gericht einstecken musste.

Er war der bissige Pitbull (wenn man das Verdikt der Kämpferin gegen Herabwürdigung und Sexismus zitieren darf, was im Fall Claudia Blumer aber nicht für Roger Schawinski gilt), der Verfolger, der Nachfasser. Aber er war auch immer wieder für eine Überraschung gut; so hat er beispielsweise den letzten noch lebenden Jahrhundertzeugen und Chefankläger am Nürnberger Gerichtshof uns wieder in Erinnerung gerufen. Denn Ben Ferencz ist trotz seines biblischen Alters von 100 Jahren noch voll da, beeindruckend und berührend.

Aus den Begegnungen hat Gut ein Buch gemacht, das Respekt abnötigt. Dann gab es plötzlich einen bis heute nicht erklärten Abgang; Gut machte sich selbständig. Und taucht nun wieder auf als Verleger der «Umwelt Zeitung» auf. Etwas überraschend, denn Gut ist bislang nicht wirklich für seinen grünen Daumen oder als Vorkämpfer für Umweltthemen aufgefallen.

Da wird es in der lange Reihe seiner Artikel in der WeWo, die bekanntlich an den meisten Horrormeldungen von Umweltschützern zweifelt, sicher ein paar Trouvaillen zu heben geben.

Aber man kann ja auch älter und weiser werden. Neu hat sich Gut auf seine ergrünende Fahne geschrieben: «Wir wollen das Megathema ‹Umwelt› in seiner ganzen Bandbreite und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.» Das ist nun noch ein bitzeli wolkig, neblig, vielleicht konturlos. Geht’s nicht eine Birkenstocksandale konkreter? Nun, er will die «Umwelt Zeitung» als «im besten Sinne liberale Plattform für Innovation und Debatte» positionieren.

Mit wem und gegen wen soll sich die «Umwelt Zeitung» positionieren?

Das würde wohl bedeuten, in der Nähe der Grünliberalen, die nach anfänglichen Erfolgen durchaus mal wieder Schub gebrauchen könnten. Aber wie steht es dann mit den Grünen? Mit all den Umweltverbänden? Wie wird er seine Vorliebe für Sportwagen da einbringen? Wie könnte er gar die SVP ins Boot holen, die nun nicht gerade als die Umweltpartei gilt?

Zum Start haben Neu-Verleger Gut sowie Inhaber und Geschäftsführer Guiseppe Nica, unterstützt von Franciska Nica, eigentlich nur den üblichen Managermüll geäussert: «hochkompetenter Medienprofi», schwelgt Nica über Gut, und selbstverständlich: «Ich bin überzeugt, dass die Umwelt Zeitung mit ihrem einzigartigen Qualitätsprodukt sehr erfolgreich am Markt sein wird.»

Nun ist es aber auch nicht in der Wolle gefärbten Grünen bekannt, dass dieses Klientel ein eher schwieriges ist. Es ist, gelinde gesagt, eher breit aufgestellt. Vom esoterischen Kraftkristall-Jünger mit Vollklatsche über konsequente Selbstversorger mit Hass auf die umweltzerstörende Zivilisation, über Bäume-Umarmer, Waldverteidiger, Autofeinde, Gletscherschützer bis hin zu politischen Grünen und Grünliberalen.

Wenn man sich die Themen der aktuellen «Umwelt Zeitung» anschaut, dann spriesst dort wirklich nur das Grüne. «Sichere Investition Wärmepumpe», «Rekordwachstum der Schweizer Solaranlagen», «der Klimawandel ist bereits spürbar», ein Bericht der «Mbyá Guaraní» aus Argentinien, die als indigenes Volk «von und mit der Natur leben», aber von Vertreibung bedroht sind.

Philipp Gut wächst in eine neue Aufgabe rein.

Mehr Platz für Velowege, natürlich, ÖV statt Individualverkehr mit Autos (dazu gehören leider auch Sportwagen), ob diesem Publikum eine Kampagne von Philipp Gut aus dem Jahr 2018 gefällt? «Züge sind lärmiger als Autos», fasste Gut damals seine Erkenntnisse zusammen. Dann zählte er eine ganze Reihe von Orten auf, in denen die Bevölkerung «gegen die aus ihrer Sicht unzumutbare Lärmbelastung durch Züge auf die Barrikaden geht».

Wir wünschen natürlich viel Glück und gutes Gelingen; sind aber auch gespannt darauf, wer gegen die für ihn unzumutbare Gutbelastung auf die Barrikaden geht.

Corona: Das Weisse Rauschen

Mal Hand aufs Herz: Haben Sie noch den Überblick? Was erlaubt ist, verboten, was kommt?

  • «Fallzahlen um 98 Prozent gesenkt: wie haben die Portugiesen das geschafft?» Das verrät uns der «Blick».
  • «Gastrosuisse will seine Gästedaten direkt an den Staat liefern.» Das weiss nau.ch.
  • «Basel: Hunderte tanzen im Bahnhof zu Hymne gegen die Corona-Massnahmen», beobachtete «20 Minuten».
  • «Die Schweiz als riesiges Wartezimmer – wie die Corona-Impfung vom grossen Versprechen zur Hängepartie wurde.» (NZZ, hinter Bezahlschranke).
  • «Verbreiteter Irrtum: Wie man sich auch auf einer Restaurant-Terrasse mit Corona anstecken kann.» (CH Media, hinter Bezahlschranke)

Der Selbsttest: Wissen Sie aus dem Stand, was Sie heute mit und was ohne Maske tun dürfen? Kommt der Impfpass mit Privilegien? Gewinnt die Schweiz den Kampf gegen die Pandemie, oder steht’s immer noch unentschieden? Wollen wir mal wieder über die volkswirtschaftlichen Schäden reden?

Ist nun alles gut mit dem Impfen? Werden wir den Sommer geniessen können? Wird es im Herbst dann wieder die übliche Welle geben? Was kehrt wieder zur alten Normalität zurück, was nicht?

Geben Sie’s zu, ich gestehe es auch: Nach weit über einem Jahr Corona, Corona, Corona verschmilzt alles zu einem weissen Rauschen. Leistungsdichtespektrum, so nennt man das in der Physik. Es sind keine einzelnen Töne mehr zu unterscheiden.

Absicht oder Zufall oder Inkompetenz?

Wird diese Granulierung, diese Homogenisierung, dieser Brei absichtlich hergestellt? Absichtlich im Sinn von: mit planhaften Hintergedanken? Soll ausprobiert werden, wie schnell und wie lange sich grössere Teile der Bevölkerung zu Untertanen-Schafen machen lassen? Mit welchen Trigger-Begriffen man Abweichendes, Ausbrechendes, den Status quo Gefärdendes stigmatisieren und diskriminieren kann?

Fällt es niemandem wirklich auf, auf welch kläglichem Niveau der öffentliche Debatte wir schon angelangt sind? Da verwendet der letzte lebende Grossschriftsteller der Schweiz das Wort Auschwitz, um seinen vorangehenden, bedenkenswerten, aber für die aktuelle Wisch-und-Weg-Leserschaft viel zu langen und komplexen Gedankengang wenigstens für mehr als eine Minute im Diskurs zu halten.

Und was passiert Adolf Muschg? Das ist ihm gelungen, aber kein Mensch interessiert sich wirklich für seine Kritik am Blasendenken, daran, dass der Rassismus- oder Sexismus-Kritiker so häufig mit den gleichen faschistoiden Methoden bekämpft, was er eigentlich verabscheut. Und dieser Widerspruch ihm überhaupt nicht auffällt.

Wenn selbst das nicht mehr möglich ist, von ganz wenigen, löblichen Ausnahmen abgesehen, alle einmal blub sagen, Auschwitz, zweimal blub sagen Cancel Culture, dreimal blub sagen: geht gar nicht.

Auschwitz ist plakativ

Auschwitz; notfalls hilft Google, damit kann man etwas anfangen. Auf die zeitgemässe Art: indem man sich fürchterlich erregt. Da kreischt doch ein selbstvergessener Geschichtsprofessor ungehemmt rein: «Herr Muschg sollte sich in Grund und Boden schämen.» Mensch und Meinung, deckungsgleich? Schämen, bereuen, büssen, entschuldigen, bringt das die Debatte einen Millimeter weiter?

Wer debattiert überhaupt noch? Spontane und vorbereitete Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen? Da fragt die Journaille bang: Gibt es wieder ein Krawall-Wochenende? Und reibt sich schon die Hände. Journalisten schwärmen aus und bieten Chaoten aus dem Schwarzen Block an, dass sie sie berühmt machen können, wenn die einen Einsatzplan mit Uhrzeit rüberwachsen lassen. Denn dann ist der Reporter zufällig vor Ort, hat das exklusiv, die Chaoten kommen in die Medien, alle sind zufrieden.

Schon dieser Artikel reicht aus, um auf die Watchlist zu kommen. Die Watchlist von potenziell zu Verschwörungstheorien neigenden Menschen. Denn jede Theorie gegen die maskendumpfe, das Gehirn stilllegende, ein Leichentuch über die Gesellschaft werfende Staatspolitik ist ­– Verschwörungstheorie. Verschwörungsanhänger sind bekanntlich im besten Fall harm- und bedeutungslos, im schlimmsten brandgefährlich.

Man wird ihrer nur Herr, wenn man sie vom Diskurs auschliesst. Meinungen, und damit gleiche Menschen, zum unerwünschten Ausländer erklärt. Weg damit. Und das mit der Beschallung mit weissem Rauschen ergänzt, damit die Welt in Fraktale zerfällt. In endlose, unendliche Knäuel. Schön anzuschauen, aber selbstreferenziell nur sich selbst enthaltend.

Genau wie diese Blasenbewohner. Die zu Zeiten der Aufklärung von Denis Diderot und so vielen anderen aus den Salons gelacht worden wären. Aber heute bestimmen sie die modernen Salons, die Pöbelplattformen, die Monopolmedien. Und weil sie wenigstens erahnen, dass ihre geistigen Fähigkeiten höchstens dazu reichen, schillernde Blasen zu blasen, wollen sie keinerlei Widerworte zulassen. Weil das dann die Stecknadeln wären.

Dummheit ist ansteckend

Leider eine weitere Folge. Inzwischen ist das Virus auf die Credit Suisse übergesprungen.

Am Donnerstag gab die einstmals stolze und starke Bank ihr Quartalsergebnis bekannt. Reinverlust eine runde Viertelmilliarde. Mindestens 7 Milliarden mit nur zwei Investitionen verröstet. Einem vorbestraften Family-Office-Manager 10 Milliarden Spielgeld geliehen, vielleicht sogar 20. Also die Hälfte des geschrumpften Eigenkapitals. Risk Management, gesunder Menschenverstand, Kontrolle, die simple Frage: was machen wir da eigentlich, und ist das tatsächlich sinnvoll? Abwesend.

Aktienkurs seit Februar um ein Drittel geschrumpft, und wir messen hier sowieso schon im Keller. Von einstmals stolzen 13,50 Franken auf etwas über 9 Franken. Erinnert sich noch jemand daran, dass er mal über 60 Franken war?

Das ist die Realität. Nun gibt es in jeder Bank die sogenannte Corporate Communication. Also die Oberhoheit über alles, was die Bank so rauslässt. Das hat sehr häufig mit Compliance zu tun, also was muss man zu einem Anlageprodukt sagen, welche Gesetze und Vorschriften müssen eingehalten werden.

Der anspruchsvolle Auftrag

Das ist der dröge Teil der Arbeit. Etwas anspruchsvoller sind die Quartalsberichte und der jährliche Geschäftsbericht. Denn da geht es immer häufiger darum, aus Scheisse Gold zu machen. Also das Kunststück zu vollbringen, Desaster und Katastrophen und Versagen so aufzuhübschen, dass es sich viel weniger schlimm anhört, als es eigentlich ist.

Dabei gibt es aber ein Problem. Man kann ein Ei bunt anmalen. Ein Schleifchen drum drapieren. Es in ein süsses Nest legen. Es sogar golden ansprayen. Aber wenn man es aufschlägt, und es ist ein faules Ei, dann verbreitet sich unvermeidlich ein übler Geruch. Da nützt dann die ganze Dekoration nichts.

Angesichts der aktuellen Zahlen der Credit Suisse wäre es zwar angebracht, einfach zu sagen: Es ist grauenhaft, wir beschäftigen Totalversager für viel Geld. Dafür entschuldigen wir uns, haben sie alle rausgeschmissen und hören endlich auf, Investmentbanking zu spielen, wo die «stupid gnomes from Zurich» seit Anfang an nur Verluste gemacht haben.

Etwas eleganter und staatstragender formuliert, wäre das eine Ansage, die mit der Realität in Kontakt steht. Aber wer das Statement von CS-CEO Thomas Gottstein verfasst hat, ob intern oder – immer noch gefüllte Geldtröge für die darauf spezialisierten Agenturen – extern, der müsste zugeschüttet werden. Nein, nicht mit Gold.

Hätte ein böser Satiriker diesen Text als Persiflage verfasst, es wäre geschmunzelt worden, aber er bekäme gesagt: Vielleicht etwas weniger Gas geben, sonst wird es wirklich zu unrealistisch. So etwas sagt doch kein CEO.

So etwas sagt dieser CEO:

«Unser zugrunde liegendes Ergebnis unterstreicht die Ertragskraft der Credit Suisse.»

Wohlgemerkt, dieses Ergebnis beinhaltet, dass die CS in nur einem Quartal mindestens 7 Milliarden Franken verröstet hat. Mit lediglich zwei riskanten Wetten, bei denen sie einen guten Teil des Eigenkapitals ins Feuer gestellt hat.

Problem? Was für ein Problem? Wo ist ein Problem?

Aber, das ist kein Anlass zu Panik, liess sich Gottstein in den Mund legen. Eigentlich läuft alles bestens, vor allem, weil «wir alles daransetzen, dass die Credit Suisse gestärkt aus dieser Situation hervorgehen wird.» Das freut natürlich den gequälten Aktionär ungemein, vor allem, weil im völlig Ungefähren bleibt, wann denn «diese Situation» gestärkt verlassen wird. Und was das eigentlich heissen soll.

Selbstredend wird durchgegriffen, neu aufgestellt, «Inakzeptables» wird nicht länger akzeptiert, selbstverständlich verzichtet die Geschäftsleitung – und freiwillig auch VR-Präsident Urs Rohner – auf den Bonus fürs letzte Jahr. Das ist nett von denen, aber solange die «Key Risk Taker» sich noch jedes Jahr aus einem Bonustopf von einer Milliarde bedienen – unabhängig davon, ob sie dafür einen Milliardenverlust basteln –, kann von einem Umdenken keine Rede sein.

Damit die CS wie immer gestärkt, wie immer nach einem Schwächeanfall, «aus dieser Situation» herauskommen kann, braucht sie schlappe 1,7 Milliarden frisches Kapital. Das nimmt sie mit Zwangswandelanleihen auf. Diese Contingent Convertibles heissen in Japan «Todesspiralenanlagen». Denn sie werden zwangsweise in Aktien umgewandelt, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Bis vor Kurzem stotterte die CS noch bis zu 10 Prozent Zinsen auf die erste Runde in der Finanzkrise eins aufgenommene Gelder auf diesem Weg. So sieht dann die Quartalsbilanz so aus: Risk Management: versagt. Investment-Banking: versagt. Compliance: versagt. Geschäftsleitung: versagt. Verwaltungsrat: versagt. Das kann niemand schönreden, nicht einmal schönsaufen. Ausser, man will den CEO lächerlich machen. Corporate Communication: versagt.

 

 

15 Thesen zum Schweizer Mediensumpf

Jammern, klagen, warnen und fordern. Gibt’s nichts Intelligenteres?

  1. Staatliche Subventionierung privater Medienkonzerne ist des Teufels. Sie schafft Abhängigkeiten und hält am Leben, was zum Untergang verurteilt ist.
  2. Die Herstellung von News und ihre Distribution ist ein Geschäft wie jedes andere. Ist das Geschäftsmodell obsolet, geht es unter.
  3. Wenn Nachfrage vorhanden ist, gibt es ein Angebot. Immer. Der Untergang traditioneller Medienhäuser ist eine Tragödie. Aber kein Weltuntergang.
  4. Staatssubventionen machen fett, aber impotent. Sie verhindern, dass Innovation vorangetrieben wird. Wer Dampfloks subventioniert, verhindert Elektroloks.
  5. In den USA gibt es Substack und diverse weitere, interessante Experimente für anders finanzierten Journalismus. In der Schweiz ist Wüste.
  6. PBS und National Public Radio (NPR) sind zwei interessante Alternativen zur SRG.
  7. Die verordnete Zwangsabschaltung aller UKW-Sender bietet, sollte das gerichtlich gekippt werden, einen interessanten Freiraum für Neues.
  8. Die Übermacht von Google, Facebook & Co. und die clear and present danger, die davon für die Meinungsbildung ausgeht, muss dringlich staatlich gebrochen werden.
  9. Umso mehr wieder klassischer, ergebnisoffener, professioneller Journalismus betrieben wird, desto schneller verschwindet der Gesinnungs-, Meinungs- und Propaganda-Journalismus.

So kann die Zukunft der CH-Medien aussehen.

  • Das Gegenteil von Journalismus, der der privaten Profitsteigerung dient oder mit privater Finanzierung überleben will, ist einzig das Angebot/Nachfrage-Modell. Mit einer Distributionskette vom Hersteller bis zum Konsumenten, bei der ein middle man nicht den Löwenanteil des Preises absahnt. Modelle gibt es, aber wozu nachdenken, wenn man die hohle Hand machen kann.
  • Vier Verlage, vier Modelle. Tamedia setzt auf Handelsplattformen und Skelett-Journalismus. CH Media setzt auf ein Kopfblattmonster mit Multichannel-Unterstützung. Ringier setzt auf Gemischtwaren und Beherrschung ganzer Profitketten. NZZ setzt auf digitale Distribution und die USP Qualität. Nur zwei dieser Modelle haben eine Überlebenschance.
  • Die Entscheidungsträger, bzw. Besitzer kommen alle aus dem Printgeschäft. Das Internet und seine Möglichkeiten – sowie Gefahren – ist weitgehend terra incognita.
  • Es gibt hohe Hürden, um den Dinosaurier SRG auf Normalmass zu schrumpfen. Die Konkurrenzmedien sind mit Brosamen vom Subventionstisch ruhiggestellt. Aber nur so kann eine überlebensfähige Medienlandschaft in der Schweiz entstehen.
  • Durch das Duopol im Tageszeitungs-Markt ist eine gefährliche Meinungsmacht entstanden, da sich Tamedia und CH Media zudem nicht in die Quere kommen wollen. Das muss, wie jedes Monopol, zerschlagen werden.
  • Regionaljournalismus bietet eine grosse Chance. Die Nachfrage bleibt, das Angebot wird bis zur Lächerlichkeit kaputtgespart.

Oder so.

Wutbürger erbrechen sich ins Netz

Kommentarfunktion ist so eine Sache. Social Media oder Chatgruppen ist eine schlimme Sache.

Früher regelte der Rechthaber die Angelegenheiten der Welt und seine eigenen am Stammtisch. Mit zunehmendem Alkoholpegel gerne auch ausfällig. Sein Chef? Vollidiot. Andere Autofahrer? Haben das Billett wohl in der Lotterie gewonnen. Die Welt? Alles immer schlimmer, früher war noch, heute ist nicht mehr.

Die Politik, die Politiker? Alles Versager. Gekauft. Eine Schande. Auch Vollidioten. So ging der Abend dahin, dann noch eine Stange*, der schwankende Gang nach Hause. Am nächsten Morgen dröhnte etwas der Kopf, und dann diese Bierfahne. Aber alles wieder gut. Mal ein anonymes Drohschreiben abschiessen? Tippen, eintüten, Adresse suchen, frankieren, ach was, zu viel Aufwand.

Gibt’s immer noch, aber immer weniger.

Seit Internet ist das anders. Ganz anders. Als vor vielen Jahren es einer wagte, die ganzen Kommentarmöglichkeiten und die Belästigung von Hunderten Millionen Menschen mit aggressiver Idiotie als «die Pissoirwand des Internets» zu bezeichnen – schäumten die Kommentatoren auf.

So empfinden es heute noch viele als ihr Menschenrecht, das Niveau in jeder beliebigen Diskussionsrunde auf unterirdisch zu senken. Und kreischen auf, wenn man ihnen das verwehrt: Zensur, Angst vor anderen Meinungen, kein Gegenargument, unverschämt.

Es gibt immer mehr geschlossene Zirkel im Internet

Zu ihrem Glück gibt es nicht nur Social Media, sondern immer mehr Plattformen, in denen man sich in Gruppen von Gleichgesinnten zusammenballen kann. Da fault man dann gemeinsam unter Luftabschluss vor sich hin, fühlt sich aber wohl ohne jeden Widerspruch.

Das mag der Psychohygiene dienen und entlastet vielleicht ein wenig die Krankenkassen. Aber es hat mehr unangenehme bis gefährliche Auswirkungen als therapeutische.

«Volksverräter, Verbrecher, wie Sie es sind, gehören vor den Richter, enteignet und öffentlich ERSCHOSSEN! Die Bilder der Hinrichtung müssen im Bundeshaus für immer gezeigt werden.»

«Wir wissen, wo deine Kinder zur Schule gehen»

«Teufelsbrut von Bern»

«Gefängnis? Nicht genug für diese Kreatur».

In der vermeintlichen Sicherheit der Anonymität einer fiktiven Adresse lässt der Wutbürger ungeniert alles fahren, was er jemals über Höflichkeit und Anstand gelernt hat. Auch das Strafrecht kümmert ihn einen Dreck, er sieht sich gut geschützt als feiger Pöbler. Das kann aber täuschen, denn wer so durchrastet, ist meist nicht gerade ein Intelligenzbolzen.

Corona ist auch im Hirn ansteckend

Bedenklich ist aber, dass die Menge, die Massivität und die Hemmungslosigkeit zunimmt. Insbesondere seit Corona. Da beharken sich Befürworter und Gegner der Massnahmen mit einer Intensität kurz unterhalb der Kernschmelze.

Je nach Blickwinkel ist der andere ein Mörder, fahrlässig, egoistisch, ein Idiot, wenn er schärfere Massnahmen befürwortet – oder Lockerungen. Früher wurde geschrien, heute wird gekreischt.

Das trifft natürlich fast jeden, der etwas den Kopf aus der Masse heraushält. ZACKBUM, mit seiner überschaubaren Einschaltquote und dem rigiden Moderieren aller Kommentare, hat’s eher leicht. Wer mehrfach auffällig wird – ohne dass seine Kommentare publiziert würden – kommt auf die Blacklist, und Ruhe herrscht. Ist er clever genug, eine neue Fake-Mailadresse zu verwenden, kommt auch die auf die Blacklist, und gibt er immer noch nicht Ruhe, wird er darauf  aufmerksam gemacht, dass die IP-Adresse des Absenders einiges über ihn verrät.

Aber Politiker erhalten inzwischen ganze Wagenladungen von Drohungen, Beschimpfungen, gegen sie selbst und sogar gegen ihre Familie. Gerne wird auch die Privatadresse veröffentlicht, mit dem Hinweis, es dort diesem Versager mal richtig zu geigen. Das hat die NZZ mal wieder auf einer ganzen Seite beleuchtet.

Erschreckend ist vor allem, dass auch immer mehr Ämter aufrüsten. Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich lässt eine «Einlassvorrichtung» einbauen, damit steht sie nicht alleine da. Die meisten Parlamente haben – nach dem Amoklauf von Zug – schon längst physische und elektronische Eingangsbarrieren.

Wir nähern uns langsam den USA, wo vor dem Betreten einer Schule oder eines Amtes immer öfter Kontrollen durchlaufen werden müssen, die einem Flughafen in nichts nachstehen.

Neue Kampffelder für Drohungen kommen hinzu

Es eröffnen sich auch neue Kampffelder. Während früher der Kontakt mit dem Steueramt überschaubar war, müssen immer mehr Menschen eine Stundung der Steuerschulden beantragen. Eine neue, belastende Situation, die vor dem Schalter (persönliches Erscheinen erwünscht) ausgelebt wird. Mit Beschimpfungen und Drohungen; vor Weiterungen schützt die Glasscheibe.

Nicht hilfreich ist, dass die Sanktion solcher verbaler Amokläufe aufwendig und oftmals erfolglos ist. Die Bundesanwaltschaft, zuständig für Drohungen gegen Bundesräte und Parlamentarier, verzeichnet einen deutlichen Anstieg. Sie hat mehrere Strafverfahren eingeleitet. Zu einer Verurteilung ist es – noch nicht gekommen.

*Der ursprünglichen Ausdruck Tschumpeli wurde ersetzt; unsere Leser sind Alkoholkenner.

Wau! Der neue nau-Skandal

Ist eigentlich keiner, ätsch. Aber ein schönes Lehrstück über die Toleranz der Linken.

Im Medienkuchen weiss man: Wenn man etwas für rote Köpfe, Reaktionen und Gebrüll sorgen will, kann man einen von zwei professionellen Krachmachern das Wort erteilen. Der eine ist die Allzweckwaffe für alle Fragen des Antisemitismus, leider schon selbst wegen Verstoss gegen die Antirassismus-Strafnorm verurteilt.

Der andere ist Réda el Arbi. Toller Name, verständlich, dass er den Namen seiner alleinerziehenden Mutter weglässt, denn Stocker ist natürlich stocklahm dagegen. Über Jahre hinweg pflegt el Arbi seinen Ruf als Hau-Drauf für linke Angelegenheiten.

Nachdem er wegen übertriebener Härte andernorts gespült wurde, bekam er ein warmes Plätzchen bei nau.ch. Das Portal will, wie «20 Minuten» auch, sich politisch völlig neutral verhalten und weitgehend von Meinungsjournalismus absehen. Aber so eine Meinungskolumne eines bekannten Rabatzmachers, wieso nicht. Also griff el Arbi wie immer in die Vollen, schimpfte gegen «rechte und reaktionäre Kräfte», auch gegen «liberale Schwätzer», über «Ueli, der zähe Knecht und die Berset-Diktatur», prügelte auf Andreas Glarner (SVP) ein und schliesslich über die «lustigen Rattenfänger von «Mass-voll». Das sei, allerdings nur «oberflächlich betrachtet», ein Haufen von «Corona-Spinnern». Aber el Arbi geht näher und sieht «eine antidemokratische, in Verschwörungstheorien verfangene Rattenfängerbande».

El Arbi sieht in Abgründe

Den el Arbi in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Zudem ballen sich dahinter «jede Menge Staatsfeinde, Libertäre, Rechtsnationale». Und «Rattenfänger», oder sagte das el Arbi schon? Da war der um humanistische Brüderlichkeit, freie Meinungsäusserung und respektvollen Umgang bedachte Softie el Arbi gerade so schön im Schuss, als ihm die Redaktion von nau.ch leider aus rechtlichen Erwägungen die Reissleine ziehen musste.

Denn, so ist das heute: natürlich überschritt el Arbi mit seinem Gewäffel diverse Grenzen des Anstands, aber auch der Strafgesetzgebung. Gleichzeitig kam nau.ch in den Ruf, ein verkappt linksradikales Medium zu sein. Also Gegensteuer; wie es sich wohl auf einem Plattform-Medium gehört, gab nau.ch genau diesen «Rattenfängern» Gelegenheit zur Replik. Es handelt sich dabei wohlgemerkt um eine Vereinigung von rund 16 jungen Menschen, die offen hinter Mass-voll stehen und Forderungen aufstellen.

Mit denen muss man keinesfalls einverstanden sein, aber weder diese Webseite, noch eines der Mitglieder wurde bislang strafrechtlich auffällig. Also bewegt sich eigentlich alles im Bereich der demokratisch erlaubten freien Meinungsäusserung.

Von linkem Fäusteln zu rechtem Fäusteln

Aber die hört nicht nur für El Arbi dort auf, wo sie nicht mit seiner Meinung übereinstimmt. Nau.ch durfte feststellen, dass es sich nach dieser naheliegenden Replik der Co-Präsidentin von Mass-voll.ch, Carla Wicki, schwups von linksradikal zu rechtsradikal, ja angebräunt verwandelt hatte. Während vorher vermutet wurde, dass Chefredaktor Micha Zbinden sein wahres, linksradikales Gesicht zeige, liess er nun die Maske fallen, und dahinter erschien eine braune Fratze.

Aber damit nicht genug. Beschimpfen und toben ist eine Sache, aber man ist ja auch ingeniös in seiner Gegenwehr gegen angebliche Rattenfänger. Also wurde das als Leser-Blattbindung veranstaltete «Leser-Voting» mit einigem Aufwand manipuliert. Nachweisbar. Damit ergab sich auf die Frage, wie der Gastbeitrag von «Mass-Voll» gefalle, ein Verdikt von 8 Prozent «sehr gut» gegen 92 «nicht wirklich gut …».

Auch das nahm nau.ch natürlich vom Netz. Hat sich’s damit? Aber nein, es gibt ja noch Christian Beck von persoenlich.com. Seine eigentliche Berufung scheint Dichter zu sein, aber wer das hier liest, versteht, wieso er es lieber als Online-Redaktor probiert:

«Ist dieses Virus einst besiegt,

dann sicher nicht wegen ein paar Idioten.

Tatsächlich macht sich sehr beliebt,

wer sich hält an des Bundesrats Geboten.»

Sorry, Lesern mit schmerzempfindlichen Zähnen hat’s gerade eine gewischt. Sein journalistisches Schaffen ist aber auch nicht viel schmerzfreier. Zunächst twittert Adlerauge Beck: «Eigenartigerweise ist diese Umfrage auf nau nun gelöscht. Existiert da ein direkter Draht zwischen der Redaktion und #Massvoll?»

Existiert bei Beck ein direkter Draht zu irgendwas?

Dumme Fragen darf jeder stellen, auch das gehört zur Meinungsfreiheit. Schliesslich geht nichts über einen Bericht, bei dem die These schon vorher steht. Also senkt Beck das Niveau von persoenlich.com mit dem Beitrag: «Newsportal löscht manipuliertes Voting». Das könnte man so stehenlassen, wenn Beck dann nicht im Text denunziatorisch weiterfahren würde, schon im Lead: «Ein Gastbeitrag von Massnahmenkritikern ist schlecht bewertet worden. Nau entfernte daraufhin die Umfrage.» Sieht Beck in diesen beiden Aussagen keinen Widerspruch? Ein knappes «Nein» genügt ihm als Antwort.

Dazu passt die Erwähnung, dass der Text von El Arbi «damals ohne Begründung» gelöscht worden sei. Unverschämt, dass die Redaktion von nau.ch nicht sofort alle Fragen von Beck beantwortet. Micha Zbinden, Chefredaktor von nau.ch, will sich zur ganzen Miniaffäre nicht mehr äussern.

Wieso sich Beck allerdings über Löschungen erregt, wird noch unverständlicher, wenn man weiss, dass er das selbst auch tut. Denn inzwischen ist sein Tweet ebenfalls gelöscht. Ohne öffentliche Begründung. Sieht er wenigstens da einen Widerspruch? «Das ist nicht vergleichbar. Hat man sich als privater User auf Twitter im Ton vergriffen, darf man auch Einsicht zeigen. Ein Medium hingegen sollte eine Löschung oder gravierende Änderung eines Artikels transparent machen.»

Ach was. So wie das Beck auch bei Tamedia forderte, als die möglichst geräuschlos den Verleumdungsartikel über ihren Konkurrenten Hanspeter Lebrument löschen wollte? So wie das Tamedia sowieso gerne und schnell macht, wenn eine Anwaltskanzlei zum Stehsatz eines Drohbriefs greift? Aber gut, Beck gesteht ein, sich im Ton vergriffen zu haben. Hat er nicht, er hat einfach eine frei erfundene, bösartige Unterstellung in Frageform gekleidet. Aber lassen wir’s gut sein.