Bibber, schlotter, schimpf

Gegen das sogenannte Mediengesetz wird das Referendum ergriffen. Die Verleger sind überhaupt nicht amused.

In diesen Tagen gab es eine echte Strafaufgabe für die bis hierher überlebenden Journis in den Medienkonzernen. Wer kriegt die Arschkarte und muss über das Referendumskomitee berichten? Welches? Na, das Komitee, das Unterschriften für ein Referendum gegen die zunehmende Staatsfinanzierung von Privat-Clans sammelt.

Wohin das führt, sieht man beim Staatsfunk; Pardon, bei der zwangsgebührenfinanzierten, aber ansonsten völlig unabhängigen und objektiven SRG. Die mit aller nötigen Distanz über die Pandemie-Bekämpfung des Bundesrats, über den Anschluss an die EU, über Umweltgesetze, über Ex-Präsident Trump und über auch sonst alles auf der Welt berichtet.

Aber bei der SRG wird das Geld immerhin nur so sinnlos verröstet, indem zwei Sesselfurzer auf einen tatsächlich medial Arbeitenden kommen. Indem von Nathalie Wappler abwärts und aufwärts kein Kader den geringsten Zusammenhang zwischen der Höhe seines exorbitanten Gehalts und seiner Leistung sehen will. Der oberste Chef steht in der Affäre um den ehemaligen Romandie-News-Star mehr als jämmerlich da? Na und, eine halbe Million ist das alleweil wert. Wappler wappelt von einem Flop zum nächsten? Pah, so viel wie ein Bundesrat verdient, das verdient sie locker.

Das Ende vieler Bemühungen.

Susanne Wille, die noch nie durch besondere Affinität zur Kultur auffiel (und auch noch nie irgend einen Erwachsenen als Vorgesetzte geführt hat), kassiert als Mitglied der Geschäftsleitung knapp 400’000 Franken, während ihr armer Gatte als Aushängeschild von SRF in der «Tagesschau» auf vielleicht 130’000 kommt? Na und?

Noch schlimmer ist es bei den Privat-Clans, die die Schweizer Medienszene beherrschen. Da fliessen weiterhin hübsche Gewinne in den Unterhalt des Lebensstils der Coninx, Ringiers, Wanners und Lebruments. Das war schon immer so, das soll auch so bleiben.

Aber eben, Referendum, Komitee, muntere Versammlung von aktiven Mitarbeitern, könnte sogar klappen, dass die 50’000 Unterschriften zusammenkriegen. Totschweigen geht nun schlecht, aber was tun? Viele haben sich natürlich in die Ticker-Meldung der SDA geflüchtet. Berichterstatterpflicht erfüllt, kann keiner Zensur krähen, uff.

Im Wanner-Imperium CH Media mussten Otmar von Matt und Dennis Frasch ans Gerät. Bei dem schönen Wetter. Scheiss-Idee von Arschlöchern, das können die natürlich nicht schreiben. Also umschreiben sie es:

Das Komitee bestehe aus «zwanzig Unternehmern und Verlegern. Sie sind fast alle parteiungebunden, gehören aber dem rechtsbürgerlichen Milieu an – und verfügen über beträchtliche finanzielle Potenz». Hübsche demagogische Spitze Nummer eins. Von Matt ist zwar Lohnabhängiger von Wanners Gnaden, aber ansonsten ganz parteiungebunden. Selten so gelacht. Über beträchtliche finanzielle Potenz verfügt er eher nicht, sondern muss sich als Mietmaul verdingen.

Also, rechtsbürgerlich, Haufen Kohle. Federführend scheinen ein gewisser Philipp Gut (ehemals stellvertretender Chefredaktor der WeWo) und Bruno Hug, ein «schillernder Verleger aus der Ostschweiz», zu sein. Am Schluss schwant von Matt Übles: «Damit rollt eine Politlawine auf die Medienkonzerne zu.»

Gut, dass er einen Lawinenmelder auf Mann hat. (Noch) gewohnt neutral berichtet die NZZ: «Widerstand gegen mehr Bundesgeld für Medien: Komitee will Referendum lancieren»

Tamedia hingegen ist noch in Schockstarre und – berichtet nichts. Ist ja auch so viel los wieder, «die Rache der Landschweiz» bei den Abstimmungen, Frauenstreiktag, man (und frau) kommt ja zu nichts. Ausserdem konnte Supino vielleicht nicht auf der Coninx-Yacht erreicht werden; der Handyempfang in der Karibik ist halt so eine Sache.

Ringier, «Blick»? Ach, das Organ mit dem Regenrohr vermeldet auch Wichtigeres, als Start oben: «Heute landet der US-Präsident in der Schweiz». Wahnsinn, gut, dass wir das wissen. Und heiss werden soll es auch, wie wär’s da mit einem Mini-Klimagerät?

Also bleibt dem geneigten Leser von ZACKBUM.ch im Moment nur, sich hiermit schlau zu machen:

Zweimal «Blick», zwei Blicke in die seriöse Zukunft.

Denn keine Bange, wenn geklärt ist, wer den Büttel spielen muss und gegen das Referendum wäffeln, kommt dann schon noch Stimmung auf. Garantiert.

 

Wird der «Blick» ganz anders?

Busen, Blut, Büsis. So funktioniert Boulevard. Oder nicht mehr? Ringier versucht die Wende, begleitet von Häme und Unglauben.

Nick Lüthi ist ein alter Hase, was die Berichterstattung über Medien betrifft. Als altgedienter Gewekschaftsjournalist verzehrt er nun noch sein Gnadenbrot bei der «Medienwoche». Leider auch ein Opfer der Medienkrise; viel Gesinnung, wenig Gehalt.

Drittklassige Gastautoren, die noch nicht mal eine erkennbare Gesinnung haben. Aber ab und an greift auch Lüthi selbst noch zum Griffel. So vermeldete er Ende Mai, dass der «Blick» sich nicht nur ein neues Logo verpasst hatte, sondern auch neue «Anstandsregeln». Er meint damit die «News-Richtlinien» an die sich seit Mitte Mai 2021 die «Blick»-Gruppe halten soll. Schon zuvor hatte sich das einzige Boulevardblatt der Schweiz von lieben Angewohnheiten getrennt.

Busen, also das «Seite 3»-Girl, war schon längst durch den «Star des Tages» ersetzt worden. Aber auch der verglühte mit dem Stellenantritt von Christian Dorer. Und nun wird auch noch der Sex-Ratgeber eingestellt. Damit aber nicht genug. Die Gerichte legen den Persönlichkeitsschutz immer extensiver aus, also jegliche Art von identifizierender Berichterstattung kann sehr schnell in kostspielige Probleme führen.

Methoden wie auf dem Boulevard

Lüthi bleibt allerdings skeptisch – und gnadenlos: «Die neuen Regeln sind zwar umfassend, weisen aber an entscheidenden Stellen Lücken auf.» Tja, umfassend oder lückenhaft, da muss Lüthi noch etwas in sich gehen. Am Schluss seines Artikels tat er das schon. Als wollte Lüthi die alte Tradition des Boulevard selber fortführen, musste er selbst bereits zu Kreuze kriechen:

«Wir bitten um Entschuldigung für die unzutreffende Unterstellung unethischen Verhaltens.»

Lüthi, der Recherchierjournalist, hatte dem Verfasser dieser neuen Richtlinien unterstellt, er selbst habe erst vor Kurzem dagegen verstossen. Sandro Inguscio wehret sich mit Erfolg gegen diese Unterstellung. Auch der Grand old man des Schweizer Journalismus, Karl Lüönd, äussert in einem Leserbrief grosse Vorbehalte gegen diese «schulmeisterliche Art» von Lüthi. Der zwar aus alten Reflexen auf die Boulevard-Gurgeln der Ringier-Presse einprügelt, aber, wie Lüönd maliziös anmerkt:

«Die seit Wochen mit Abstand knackigste  Boulevardgeschichte – die Hintergründe um den Arzt, der am Zürichberg seine Villa und sich selbst vernichtet hat – stand am gleichen Tag, an dem Du Deine Moralpredigt veröffentlicht hast, im Tages-Anzeiger.»

Dumm gelaufen für Lüthi, aber da gibt es ja noch Jolanda Spiess-Hegglin, immer zu Stelle, wenn es darum geht, etwas noch schlimmer zu machen. Offenbar ist JSH durch die Erstellung der Online-Denunziationsseite «netzpigcock.ch» nicht ausgelastet, die sich dem angeblichen Problem widmen soll, dass schon jede zweite Frau in der Schweiz unverlangt Penis-Fotos zugestellt bekam.

Entscheidende Frage für 

JSH kämpft bekanntlich um eine «Gewinnherausgabe» beim Ringier-Verlag, der sich mit Storys über sie eine goldene Nase verdient haben soll. Rund eine Million Umsatz habe er damit gemacht, also «Bruttogewinn», wie Hansi Voigt behauptet, neuerdings der Spezialist dafür, wie man im Netz Geld verdient und nicht verröstet. Ernstzunehmendere Internet-Spezialisten sprechen von allerhöchsten 20’000 Franken, nebenbei.

Für JSH ist diese Summe aber ziemlich entscheidend. Denn sie wird nicht nur von einer sackteuren Anwältin vertreten, nachdem ihre Berufung vom Obergericht Zug auf ganzer Linie abgeschmettert wurde, alle ihr von der unteren Instanz zugesprochenen Summen noch deutlich gekürzt wurden, braucht sie schlichtweg Geld.

Daher poltert sie weiterhin auf allen Kanälen gegen den «Blick». Eigentlich ginge es ihr gar nicht so sehr um Geld, liess sie noch vor dem Prozess in Zug verlauten, viel wichtiger wäre es doch, wenn sich – wie sie auch forderte – Ringier bei ihr entschuldigen würde. Dieses Begehren wurde vom Gericht abgelehnt, aber noch bevor sich JSH darüber so richtig echauffieren konnte, passierte aus ihrer Sicht etwas ganz Blödes.

Marc Walder entschuldigte sich öffentlich bei JSH, gerade weil er gerichtlich dazu nicht gezwungen wurde. Jeder andere hätte das zumindest akzeptiert oder sogar dieser noblen Aktion Respekt erwiesen. Aber doch nicht JSH. Sie verstummte einfach. Nun hat sie sich aber wieder erholt. In einer ganzen Twitterkanonade von glaub’s 34 Tweets schimpft sie weiter auf Ringier.

Fake News gegen JSH? Aber sicher nicht …

Natürlich bietet ihr auch der Artikel von Lüthi willkommenen Anlass, die Tweets nochmal als Leserbrief aufzuwärmen. Und wie: «Über 200 konstruierte, persönlichkeitsverletzende, menschenverachtenden Artikel voller Sex– und Männerfantasien über mich, nach allen Regeln der Schmierfinken-Kunst.» Souverän sieht JSH darüber hinweg, dass tatsächlich gerichtlich eine Persönlichkeitsverletzung festgestellt wurde. Aber bislang musste der «Blick» keine einzige Darstellung der Fakten korrigieren. Die stimmen nämlich blöderweise.

Ringier will keinen Gewinn herausgeben

Das findet JSH aber nicht der Erwähnung wert. Hingegen erregt sie sich höchlichst, dass es Ringier doch tatsächlich wagt, ihrer Forderung nach Gewinnherausgabe mit juristischem Widerstand zu begegnen. Jetzt wird es sehr trashig, als wär’s ein altes Stück vom «Blick». Denn JSH zitiert ausführlich aus der Rechtsschrift des Verlags gegen ihr Ansinnen, furchtbar viel Geld zu bekommen. Das ist zwar nicht richtig illegal, aber auch nicht die feine Art. Aber JSH und feine Art, das ging ja noch nie zusammen. Da wagt es der Verlag doch tatsächlich, unter anderem das hier ins Feld zu führen:

«In den eingeklagten Artikeln ist nichts falsch, nichts diffamierend, nichts verletzend, sondern alles die schlichte, banale, einfache Wahrheit.» «Den Gedächtnisverlust erfindet man, um sich nicht an Einzelheiten erinnern zu müssen.» «Den Ehemann als den «Gehörnten» zu bezeichnen, ist nach Lage der Dinge ebenfalls zulässig.»

Entspricht vielleicht nicht der Auffassung von JSH, aber kann man mit Fug und Recht so sehen. Die entscheidenden Sätze, über die sich JSH aber unendlich aufregt, sind diese: «Die Beklagte hat mit den eingeklagten Artikeln keinen Gewinn erwirtschaftet.» Und: «Wo es keine Persönlichkeitsverletzung gibt, gibt es auch keine Gewinnherausgabe.» Das treibt JSH natürlich zur Weissglut, denn das könnte ja bedeuten, dass ihre Hoffnung auf viele, viele Batzeli sich nicht erfüllt. Deshalb schäumt sie:

«Da macht ihr einfach weiter mit dem Victim Blaming. Mit der Frauenverachtung, dem Sexismus, der Verhöhnung einer Frau».

So wirr sind die modernen Zeiten. Das Organ mit dem Regenrohr im Logo bemüht sich nach Kräften, als Boulevardblatt verantwortungsbewusst und seriös zu werden. In die Lücke springt zum Beispiel der «Tages-Anzeiger» in einem fetten Boulevardstück über den Selbstmord am  Zürichberg. Der jeden Boulevard-Methoden abholde Lüthi muss sich auf den Knien für eine boulevardeske Falschbehauptung entschuldigen.

Entschuldigen, nicht entschuldigen, doch entschuldigen

Und das angebliche Opfer JSH verlangte eine Entschuldigung, forderte sie sogar vor Gericht ein – und wurde abgeschmettert. Aber der Ringier-CEO entschuldigte sich öffentlich und freiwillig bei ihr. Echt blöd gelaufen, wo es ihr doch nie um Geld ging. Aber jetzt ausschliesslich darum. Das Opfer wird zum Täter. Lüthi verwendet Boulevard-Methoden. Der «Blick» wird seriös wie ein Regenrohr. Einer, der mit am meisten Geld im Internet verröstet hat, wird Fachmann für die Berechnung von Gewinnen im Web. Der Tagi schreibt das, was der «Blick» hätte schreiben müssen.

Und keiner traut sich, wie bei des Kaisers neue Kleider, das Offenkundige auszusprechen: die Zuger Affäre ist auserzählt. Ein Unschuldiger wurde deswegen als Politiker, als öffentliche Person vernichtet. JSH steht vor der merkwürdigen Situation, dass ihr Lover auf dem Boot sie sicherlich nicht mit Drogen willenlos machte. Zudem gibt es genügend Zeugen für vorangehendes hemmungsloses Geknutsche. Wenn es aber ihr Lover nicht war, dann muss sie ein unbekannter Dritter unter Drogen gesetzt haben, um sie zu missbrauchen. Bevor man nach dem fahndet: am unbestritten im Separée anwesenden Lover vorbei?

Unsere Nationalbank beim Eierquetschen

Vornehmer heisst das Short Squeeze und bedeutet, Spekulanten in die Hose zu fassen.

Das ist normalerweise ein Spiel für die Big Boys an den Börsen. Zu denen gehört aber auch unsere gute, alte Nationalbank. Wenn ganz grosse Hedgefunds grün und blau vor Ärger und Angst werden, hält sich das Mitleid in Grenzen. Citron Resarch, Melvin Capital oder Citadel sind solche Giganten, die normalerweise unter dem Radar fliegen. Zurzeit aber eher unbekleidet dastehen und sich die Hände vors Gemächt halten.

Wie so häufig hat die «Financial Times», eines der wenigen Organe, in dem Wirtschaft noch kompetent analysiert wird, den Fall aufgeblättert. Wie so häufig hat «Inside Paradeplatz» als bislang einziges Schweizer Organ darauf hingewiesen.

Die Probleme beim Leerverkaufen sind in der Leere des Journalismus zu kompliziert

Ein Short Squeeze ist eine ziemlich unangenehme Klemme, die beim Shorten entsteht. Shorten heisst, ein Wertpapier auf Termin leer zu verkaufen. Zum heutigen Kurs, weil der Spekulant davon ausgeht, dass er es sich bei fallenden Kursen später billiger besorgen kann und so ohne die geringste Wertschöpfung Reibach macht.

Für Fallschirmspringer ohne Fallschirm ist die Variante des leer Shortens. Der Spekulant geht voll ins Risiko und hat seine Wette auf die Zukunft mit nichts unterlegt. Ein theoretisches, aber naheliegendes Beispiel: Die Aktie der Credit Suisse ist mit 9.85 am Freitag aus dem Markt gegangen. Ich biete sie zu diesem Preis zum Verkauf am Mittwoch. In der Hoffnung, dass ich mir sie dann für 9.75 besorgen kann. Hübscher Gewinn ohne Arbeit.

Peinlich wird’s aber, wenn sie am Mittwoch nur für 9.95 zu haben ist. Denn ich muss mein Verkaufsversprechen halten, mich also mit Verlust eindecken. Der ist hier bitter, aber überschaubar.

Richtig peinlich wird’s aber, wenn der Kurs durch die Decke geht. Das war bei der US-Trümmelfirma Gamestopp vor Kurzem der Fall. Deren Aktienkurs dümpelte friedlich bei rund 20 Dollar vor sich hin. Einige Hedgefonds verloren das Vertrauen ins Geschäftsmodell der Bude und begannen zu shorten. Aber statt dass der Kurs ihnen den Gefallen tat, weiter abzusaufen, explodierte er auf bis zu 480 Dollar. Nun stelle man sich vor, dass ein Spekulant zu diesem Preis sich mit ein paar tausend Aktien eindecken muss, die er für 20 Dollar zu liefern hat.

Ein Short Squeeze ist sehr unangenehm

Zumindest Männer, und die überwältigende Mehrheit der Börsenhaie sind Männer, haben dann ein Gefühl, als würden ihre Testikel in einen Schraubstock geraten. Sehr unangenehm. Das gleiche Spiel läuft zurzeit mit den Aktien der Kinokette AMC. Eigentlich, dank Corona, auch ein Kandidat für fallende Kurse. Aber auch AMC wird zu einer Meme-Aktie. So wiederum nennt man Papiere, deren Börsenwert nichts mehr mit dem inneren Wert der dahinterstehenden Firma zu tun hat.

Hedgefunds müssen ja irgendwie Geld verdienen, und sei es nur, um die exorbitanten Fees und Boni des Managements zu bezahlen. Die sind aber im Allgemeinen sehr gut im Abkassieren, weniger gut im Analysieren und Spekulieren. Das neue beim Gamestopp-Casino war, dass auf der Versammlungsplattform Reddit ein Trader unter dem putzigen Pseudonym «Roaringkitty» (brüllendes Kätzchen) eine Community von Kleinhändlern aufgebaut hatte, die gemeinsam so viel Gewicht bekamen, dass sie den Kurs der Spielefirma nach oben treiben konnten.

Das wiederum trieb ein paar Hedgefonds fast in den Bankrott; einer soll dabei beinahe 50 Prozent seines Wertes verloren haben. Aber da ja die meisten Einnahmen von Händlern weiterhin umsatzabhängig sind (schliesslich ist auch das Verrösten von Geld Umsatz), bedeutet eine verlorene Wette die nächste Wette, diesmal aber in die Vollen.

Auch die AMC-Aktie explodiert – nach oben

Das scheint gerade bei der AMC-Aktie zu passieren. Statt sich gefälligst nach unten zu bewegen, explodiert sie förmlich nach oben. Ganz echt furchtbar blöd wird es dann, wenn Shorties – so nennt man diese Spekulanten – mehr Kontrakte ausgestellt haben, als es überhaupt Aktien gibt.

Wie diverse Finanzkrisen gezeigt haben, kann man an der Börse ziemlich viel anstellen; Aktien aus dem Nichts herbeizaubern gehört aber nicht dazu. Auch bei AMC ist inzwischen rund 80 Prozent der Aktien im Besitz von einer Community von Retailhändlern. Allerdings, unvermeidlich sind auch Big Boys wie BlackRock, die Pensionskasse von Arizona – und die Schweizerische Nationalbank (SNB) eingestiegen. Ihr, also uns, gehören rund 200’000 AMC-Aktien. Ihr Paket hat die SNB erst Anfang Mai verdoppelt.

Auf der anderen Seite, also womöglich auf der Verliererstrasse steht – man möchte fast sagen: logisch – die Credit Suisse. Sie soll zu den grösseren Leerverkäufern der Aktie gehören. Funktioniert auch hier der Short Squeeze, dürfte es diesmal ein paar grosse Hedgefunds lupfen.

Unvergessen: der Short Squeeze mit de VW-Aktie 2008.

Richtig lustig wird’s aber dann, wenn die SNB zwar zu den Gewinnern gehört. Aber der CS unter die Arme greifen muss, too big to fail, nicht wahr. Gewinne kassiert das Management, Verluste deckt der Staatsbürger mit seiner SNB ab. Ein Scheissspiel? Aber sicher. Nur hätte es der Staatsbürger ja in der Hand, kräftiger bei seiner SNB mitzureden. Denn die ist auch eine AG. Aber eben, von «da sollte man mal» bis zur Aktion ist es ein weiter Weg.

Vor der Aktion stehen auch Horden von Bedenkenträgern, die ein Hindernis nach dem anderen aufstapeln. Und den Gründungszweck der SNB völlig aus den Augen verloren haben.

Immerhin; endlich ist die Schweiz mal wieder Weltspitze. Mit Abstand. Die Bilanz ihrer Notenbank ist bedeutend grösser als das BIP. Und die SNB ist der grösste Hedgefonds der Welt. Mit ganz tiefen Taschen. Und mit der Lizenz zum Drucken. Zum Gelddrucken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf «Die Ostschweiz».

Tamedia wird weiblicher!

Wenn das Salome Müller noch erleben darf! Das Ende von Sexismus, Diskriminierung und unerträglichem Arbeitsklima.

Schwatzhaft, wie Frauen nun mal sind, konnte es nicht lange ein süsses Geheimnis bleiben. Jetzt greift die Führungsriege durch. Schluss mit sexueller Belästigung. Stattdessen wird endlich ernst gemacht mit Diversity und Frauenförderung.

Keine Frau im ganzen, grossen Tamedia-Imperium muss mehr heimlich «Woman is the nigger of the world» von John Lennon (und Yoko Ono natürlich) hören. Toller Song, übrigens.

Marco Boselli, Co-Geschäftsführer von Tamedia, bestätigte gegenüber persoenlich.com, dass die Würfel gefallen sind, mit ihnen die männlichen Bastionen. Ob er selbst auch an eine Geschlechtsumwandlung denkt, liess er aber offen.

40 Prozent. Frauen. Überall.

Auf jeden Fall verkündete er die Ergebnisse der von Co-Chefredaktorin Priska Amstutz geleiteten internen Arbeitsgruppe. Genau, die Bestseller-Autorin Amstutz, die wie kaum ein Chefredaktor vor ihr Inhalt und Umgangsformen geprägt hat. Oder so. Auf jeder Hierarchiestufe soll es zukünftig einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent haben. Das soll mit einer jährlichen Steigerung um 5 Prozent mehr Frauenanteil geschafft werden.

Sicherlich nehmen die meisten frauenbewegten Männer (und divers und überhaupt) diese Absicht zustimmend zur Kenntnis. Es gibt sogar einen fixen Fahrplan, will persoenlich.com wissen:

«Für Mai 2022 heisst das, basierend auf der heutigen Anzahl von Mitarbeitenden, den Frauenanteil um vierzehn Mitarbeiterinnen, eine Teamleiterin, sechs Kaderfrauen sowie zwei Obere Kadermitarbeiterinnen zu erhöhen, wie aus der Präsentation vom Mittwoch hervorgeht

Das stellen wir uns grossartig vor, endlich die negative Dialektik, die Negation der Negation, nun beim Tagi. Sicherlich bringen die Tamedia-Männer dieses kleine Opfer, dass nun sie diskriminiert werden. Nur deswegen, weil sie Männer sind. So im Stil: «Lieber Marco Boselli, auch wir sind überzeugt, dass sie als Co-Geschäftsführer auch in Zukunft gute Dienste leisten würden. Leider, da sie mit Vornamen nicht Mara heissen, müssen wir dennoch auf Ihre Dienste verzichten, um Platz für eine Quotenfrau zu schaffen.»

Was man vielleicht auch nicht vergessen sollte: mit natürlichen Fluktuationen ist das nicht zu schaffen, liebe Tagi-Männer …

Durchdachter Ersatz eines untauglichen Systems

Wunderbar, endlich wird ein unerträgliches System durch ein anders-unerträgliches ersetzt. Ob nun Salome Müller ihre Kündigung rückgängig macht? Ob Aleksandra Hiltmann ihren Output steigert? Ob Michèle Binswanger wieder in die Gruppe «selber monden, gemeinsam monden» aufgenommen wird? Ob die 78 Unterzeichnerinnen des Protestschreibens nun ihr Schweigegelöbnis brechen und Fragen beantworten? Man weiss noch nichts Genaues, denn diese Ankündigung war wohl eher eine Sturzgeburt, wenn dieser Kalauer gestattet ist.

Kehren vielleicht auch alle Mitarbeiterinnen zurück, die wegen diesen unerträglichen Arbeitsbedingungen gekündigt haben? Jetzt, wo Stellen endlich nicht mehr nach Befähigung, sondern nach dem Besitz einer Vagina vergeben werden. Wenn das gelingen sollte, dürfte Tamedia dem Untergang einen guten Schritt nähergekommen sein.

Dass die Besetzung vor allem von Kaderstellen nach Geschlecht –auch mittels Männerbünden, Seilschaften – jahrelang, jahrzehntelang in den Familienbetrieben, die unsere so grossartigen Bannerträger der Vierten Gewalt halt sind, zum Vorteil von Männern stattfand – das wird jetzt ersetzt durch umgekehrte Diskriminierung, ebenfalls ohne besondere Berücksichtigung der Kompetenz.

Das wollen wir bei Tamedia nie mehr sehen.

Und was wird aus Blumer?

Eine Frage bleibt noch zu beantworten, bevor dann alles gut wird: was geschieht nun mit Claudia Blumer? Mitunterzeichnerin, Bannerträgerin, obwohl selbst gar nicht betroffen? Sie war von Oberchefredaktor Arthur Rutishauser mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragt worden. Als es dem Organisationsgenie einfiel, dass es vielleicht etwas merkwürdig wäre, wenn eine Protestunterzeichnerin die ausschliesslich anonym erhobenen Vorwürfe überprüfen würde, wurde Blumer zur Ansprechperson degradiert. Den Posten ist sie nun auch los, da sie zu «20 Minuten» wechselt.

Aber sie kommentiert noch fleissig, jüngst die Forderung nach Bezahlung der Hausarbeit. «Keine Lösung», donnert Blumer, «Hausarbeitslohn oder Grundeinkommen, beides wird in absehbarer Zeit nicht realisiert.» Kann ihr bei dem Lebensabschnittsgefährten auch völlig egal sein.

Statt ihrer lässt Tamedia nun aus Deutschland «die Expertin Christine Lüders» kommen. Wer? Na, DIE Lüders, «unter anderem Leiterin der deutschen Bundes-Antidiskriminierungsstelle.» In dieser Funktion machte sie was? Also bitte, sie setzte Zeichen, forderte «wir müssen uns der Homophobie entgegenstellen, egal aus welcher Richtung sie kommt.» Wir können uns knapp zurückhalten, dieses schiefe Bild tiefer auszumalen.

Seit Lüders pensioniert wurde, ist sie gerne im Einsatz für Diversität und gegen Sexismus. Als in Deutschland letzten Sommer die Werbebranche dran war, holte sich die Agentur Scholz & Friends – im Feuer wegen Sexismus und Diskriminierung – als «Fachexpertin» – Christine Lüders. Zudem habe man «Listening Sessions» mit allen Mitarbeitenden und eigene «Round Tables» nur für Frauen durchgeführt, schliesslich einen Aktionsplan entwickelt und umgesetzt.

Wir fordern eine Beauftragte für DEI bei Tamedia

Wunderbar, seither ist es an der Geschlechterfront ruhig bei Scholz & Friends. Das wünscht sich natürlich auch Tamedia. Hier hat man den Aktionsplan sogar schon verabschiedet, nun soll Lüders die konkreten Vorwürfe abklären. Da alle anonym erhoben wurden, nicht einmal bekannt ist, wie alt sie sind, dürfte das Lüders einige Zeit in Lohn und Brot halten. Bis sie das Ergebnis verkündet, interessiert das keinen mehr.

Vielleicht noch ein kleiner Tip; als clevere Agentur hat sich Scholz & Friends damals gleich eine neue Position einfallen lassen: die Beauftragte für «Diversity, Equity und Inclusion», kurz DEI. Dieser Titel passt wie angegossen auf Priska Amstutz.

 

 

 

Ein Medienanwalt in eigener Sache

Das mit der Pressefreiheit ist für Daniel Glasl nicht so sehr in Stein gemeisselt.

Rechtsanwalt Glasl hat sich einen Ruf als energischer Verteidiger von Medienopfern erarbeitet. Wie den meisten Anwälte ist ihm dabei die wahre Reputation des Klienten ziemlich egal.

Die «Weltwoche» unterstellte zwei Uni-Historikern eine Liaison und deshalb eine Art von Beziehungskorruption. Daniel Glasl als Vertreter der beiden jedenfalls nachmaligen Turteltauben sieht darin eine Persönlichkeitsverletzung. Auch Carl Hirschmann, der verzogene Millionärserbe, von Beruf vor allem Sohn, gehörte zu Glasls Mandanten. Was den armen Tamedia-Konzern teuer zu stehen kam.

Schon anlässlich jenes Falles giftete Glasl gegen den Bannerträger des Boulevard, Matthias Schwaibold, der ein Urteil zugunsten von Hirschmann kritisiert hatte. Der Disput verblieb im exklusiven Leserkreis der einzigen medienrechtlichen Fachzeitschrift.

Nun geht’s um die Pressefreiheit

Kein Wunder, dass er sich nun auf einer grösseren Plattform aus anderem Anlass, aber in gleicher Rollenverteilung abspielt. Schwaibold hatte als einer der Ersten darauf hingewiesen, dass die geplante Streichung des Wortes «besonders» in Artikel 266 der Zivilprozessordnung einen weiteren Schlag gegen die Pressefreiheit darstellt. Denn damit werden Massnahmen gegen Medien noch einfacher, auch und gerade die superprovisorischen Massnahmen. Was Schwaibold als Zensurgefahr kritisierte.

Wogegen Glasl aktuell in der NZZ als die obere Instanz für Medien- und Rechtsfragen auftritt. Sich als Leiter der Fachgruppe Medienrecht des Anwaltsverbands präsentierend und damit quasi höhere Legitimation erheischend. Der zuvor in der NZZ publizierte Gastbeitrag Schwaibolds rufe «nach einer korrigierenden Einordnung». Diesen Ruf hat zwar ausser Glasl niemand gehört, aber kein Grund zu schade, mit einer Replik auch etwas mediales Licht auf sich zu lenken.

Die Streichung des Wörtchens «besonders» sei völlig richtig, meint Glasl. Und glasklar daher das Ergebnis seiner korrigierenden Einordnung: «Die geplante Gesetzesänderung ist geboten und angemessen. Die Zensur bleibt verboten, und nichts wird zu Makulatur.» Auch dann, wenn ein geplanter Beitrag schon superprovisorisch vor Erscheinen (und ohne Anhörung des Medienunternehmens!) verboten werden könne, wofür schon ein schwerer und nicht erst ein «besonders schwerer» Schaden ausreichen soll.

Bevor wir aufatmen, welcher Einordnungsprozess geht denn dem voraus? «Wer behauptet, eine «superprovisorische Massnahme gegen periodisch erscheinende Medien» sei ein Akt der Zensur, vergisst, «dass die Medien eine Verantwortung für die Einhaltung des Rechts haben». Was nirgendwo steht und ausser Glasl vermutlich auch nur andere Medienopferanwälte behaupten.

Drohende weitere Rechtsverletzungen werden erwähnt

Mehr noch: Die Medien seien durch die nur auf sie gemünzte Verwendung des Wortes «besonders schwer» privilegiert – in anderen Zusammenhängen genügen für vorsorgliche Massnahmen «bereits die Annahme eines schweren Nachteils». Bloss geht es in «anderen Zusammenhängen» nicht um Grundrechte wie Meinungs- und Medienfreiheit, und zu deren Schutz war das «besonders» denn auch mit Bedacht 1985 zum Gesetz gemacht.

Dass ausserdem die «drohende Rechtsverletzung» auch noch zu «bestehender oder drohender Rechtsverletzung» erweitert werden soll, erwähnt Glasl zwar. Welche Auswirkungen diese doppelte Änderung aber haben würde, lässt er lieber unter den Tisch fallen. Wie viel einfacher wird doch die Abwägung von Persönlichkeitsrechten und des Informationsauftrags der Medien sein, wenn sie kein Sonderfall mehr sind, weil das «besonders» nicht mehr stört. Was sehr wohl auch eine Bremse gegen die Superprovisiorien ist: Denn wer am Artikel 266 etwas ändert, erweitert damit auch den Anwendungsbereich des Artikels 265, was Glasl zu verschleiern sucht.

Weshalb wir den Positionsbezug von Glasl etwas einordnen wollen. Als Vertreter von «Medienopfern» zieht er für vorzugsweise gut betuchte Mandanten in die Schlacht. Und was vereinfacht seine entsagungsvolle Schwerstarbeit mehr als die völlig neutral und objektiv von ihm befürwortete Streichung eines hinderlichen Wortes?

 

 

 

 

Wundertüte «B∫ick»

Alles ist relativ. Im Vergleich zu «watson» ist die Zeitung mit dem Regenrohr ein Intelligenzblatt. Andererseits …

Auch hier wollen wir den Blick aufs Gesamtbild (Achtung, Kalauer) für sich selbst sprechen lassen.

Das nennt man wohl ein buntes Allerlei zum Thema Corona. Etwas drohender Trommelwirbel, gemischt mit Altbackenem (verödende Innenstädte), einem Sprutz Politiker, der mal wieder in die Medien möchte und daher irgend was fordert; nicht immer Tadel aus dem Ausland zur Schweiz, auch mal Lob. Und natürlich abgeschmeckt mit dem «Aufreger». Chaos, Behörden, Wahnsinn.

Nun müssen wir sensiblere Leser (das gilt für alle Geschlechter, Altersklassen, Hautfarben und sexuelle Orientierungen, sowie Migrations- oder Urschweizer Hintergrund) auffordern, darüber hinweg zu blicken:

Die Grenzen zieht sie auch klar. Die fünffache Mutter erklärt im Interview mit RTL, wo dabei ihre Grenzen liegen. «Die Möppis zeigen okay, aber die Monika zulassen. Das geht nicht.» Wir haben dazu gleich drei Fragen:

  1. Wer ist Danni Büchner?
  2. Wie viel muss man zahlen, dass sie das nicht tut?
  3. Was will sie uns mit «Monika zulassen» sagen?

Das entsteht, wenn der Blattmacher insistiert und insistiert: Wir brauchen noch eine Story mit Nutzwert. Aber auch für Blödis. Nein, ja nicht Corona. Irgendwas, was jeden interessiert. Strassenverkehr? Sehr gut, dann einfach mal machen, will dann nur noch das Resultat sehen. Übrigens, wer kann – natürlich ohne Lektüre dieses Aufklärungsstücks – fünf Fehler aufzählen? Ja, bitte?

Wir finden, diese beiden Meldungen haben einen inneren Zusammenhang. Unsere Immobilien, teurer, reiche Ausländer. Sagt Christian Dorer. Schön, dass man sich seinen Kommentar dann gar nicht antun muss. Kapiert. Rechts hingegen, das ist ein Lenovo. Das wiederum ist eine chinesische Marke. Schlappe 50 Milliarden Dollar Umsatz, kaufte mal schnell grosse Teile von IBM, Motorola, und so weiter. Damit verdient Lenovo happig Geld. Macht Gewinn. Macht ihre Aktionäre froh. Die sind dann reiche Ausländer. Der Kreis zur Beschwerde Dorers schliesst sich. Aber: er fäustelt dagegen, rechts sorgt sein «Blick» dafür, dass es Lenovo noch besser geht …

Das hier nennt man den klassischen Nachzug. Ein Hundeschicksal, jöh, vor zwei Jahren im Kino (das sind so diese Lichtspielanstalten, in denen vor vielen Zuschauern, aber googelt es Euch doch). «Heute» im SRF, das nennt man den Aufhänger für einen Nachzug. Was Streuner Cody (Bildmitte) davon hält, entzieht sich aber den Kenntnissen des Hern rechts und auch links von ihm. Aber jöh ist immer, unter allen Umständen, auf jeden Fall im Boulevard-Journalismus gut. Jöh mit Tieren ist sehr gut. Jöh mit Hunden besser. Jöh mit Hunden und Happyend, eigentlich nicht zu schlagen.

Selbst für geübte Künstler in Übergängen wird’s hier ganz schwierig. Das ist nämlich eine Story, für die man den «Blick» über den Kopf streichen und abknutschen möchte. Gut, sie ist nicht auf dem Zürcher Mist gewachsen, aber immerhin musste man an der Dufourstrasse auf die Idee kommen, die Reportage des polnischen «Blick»-Partners Onet aufzunehmen.

Dieser Mann hat nämlich einen unvergleichlichen, einmaligen unfassbaren Mut bewiesen. Witold Pilecki tat in seinem leider viel zu kurzen Leben unvergleichlich mehr als die vor Kurzem hochgejubelte Widerstandsgruppe «Weisse Rose» mitsamt Sophie Scholl. Alleine deshalb muss seine Geschichte erzählt werden. Immer wieder. Pilecki wurde 1901 geboren, gründete im Zweiten Weltkrieg eine Widerstandsbewegung, kämpfte in der polnischen Untergrundarmee – und ging freiwillig ins KZ Auschwitz, um die Alliierten und die Welt über die dort begangenen Greueltaten zu informieren. Während seines Aufenthalts versuchte er, den Widerstand der Insassen zu organisieren. Als das keine Früchte trug und auch die Alliierten offensichtlich nicht daran interessiert waren, diese Vernichtungsmaschine zu zerstören, floh Pilecki 1943 aus dem KZ.

Anschliessend beteiligte er sich am Warschauer Aufstand gegen die Nazi-Besetzer, der in einem Gemetzel und Blutbad endete. Nach dem Sieg über den Hitler-Faschismus und der Befreiung Polens durch die Rote Armee hätte er alle Ehren der Welt verdient. Hätte er zur Legende für unvorstellbare Tapferkeit werden müssen, für unbedingte Hingabe und eine Todesverachtung im Kampf gegen das Böse, die unfassbar war.

Stattdessen wurde er 1948 wegen «Spionage» erschossen. Ein weiteres Opfer stalinistischer Greueltaten, dessen Paranoia und Mordlust. Ein Mann geht freiwillig ins KZ, überlebt das, kämpft unermüdlich weiter gegen die Faschisten – und wird dafür von den Kommunisten erschossen.

Schrecklich.

Witold Pilecki. Links als polnischer Offizier, rechts als KZ-Häftling.

Aber, wir sind gerecht: alleine für diese Story darf der «Blick» nun eine Weile Dummheiten über Dummheiten stapeln. ZACKBUM verzeiht.

 

 

 

 

NZZaS: kleines Zwischenhoch

ZACKBUM ist unparteiisch und so objektiv wie ein Objektiv. Daher Lob, wem Lob gebührt.

Die ersten Bünde der aktuellen NZZaS kann man überblättern. Nicht schlecht, nicht wirklich gut. Besser als die übrige Sonntagspresse. Das ist allerdings ein Kompliment wie: ein Burger von McDonald’s ist besser als kein Burger.

Aber dann kommt der Kultur-Bund. Von erschreckendem 10-Seiten-Umfang. Auf der letzten Seite noch Leserbriefe, Wetter und Impressum. Wo ist Jonas Projer, fragt man sich dort. Aber wer kennt schon alle Sitten des Hauses.

Aber vorher, da geht die Post ab. Es sind zwar zwei Leihstücke, aber das macht ja nichts; man muss auch richtig auswählen können. Zunächst Sophie Passmann mit einem Essay über die sozialen Netzwerke. Sie seien so wie «früher das Fischessen am Aschermittwoch: Statt Freiheit herrschen Kontrolle und Gruppenzwang».

Kann man aus diesem nun doch nicht neuen Thema noch Neues herauskitzeln? Durchaus, wenn man kann. Schon alleine, um die Fallhöhe zu bestimmen, die hier zum Flachsinn existiert, der bei Tamedia, «Republik», CH Media das Wort Essay missbraucht, sollte man das lesen.

«Jede Botschaft auf Facebook, Twitter oder Instagram funktioniert als Ich-Botschaft. Es geht nicht um den Artikel, den ich teile, sondern die Gefühle, die ich beim Lesen des Artikels habe. Es geht auch nicht darum, wie der Inhalt des Artikels in der Welt funktioniert, sondern darum, wie die Tatsache dass ich den Artikel teile, mich im digitalen Raum positioniert. Ich, ich, ich.»

Ein Vorspiel zu einem grossen Essay

Das ist keine schlechte Ergänzung zu dem, was wir hier als das Betasten des eigenen Bauchnabels bezeichnen. Das Ich bekommt eine ganz neue, auch ausgeliehene Wichtigkeit. Früher war sich der Schreiber an «mein liebes Tagesbuch» bewusst, dass der Leserkreis doch sehr überschaubar bleibt. Er also etwas mit sich selbst ausmachen wollte. Heute, dadurch, dass diese Tagebücher öffentlich geworden sind, meinen leider allzu viele, dass ihre völlig unerhebliche, uninteressante persönliche Befindlichkeit zu irgendwas eine Bedeutung hätte. Indem andere Witzfiguren ein Smiley, einen Daumen oder gar einen Kommentar dazustellen.

Aber das ist nur ein Vorspiel zu einem wirklichen Essay. Das ist von Daniel Kehlmann (nur googeln, liebe Frau Zukker). Es ist gleichzeitig ein Vorabdruck, denn Kehlmann hat es zu einer Neuedition der «Stoffe» geschrieben. Nicht googeln, Frau Zukker, das ist oberhalb Ihrer Gehaltsklasse.

Als wär’s ein Stück von Dürrenmatt

Ich gebe zu: die «Stoffe» von Friedrich Dürrenmatt waren mir als Gesamtwerk zu monströs. Als er mir in seinem letzten Interview vor dem Tod sagte, dass ihn das Stoffe-Projekt irgendwie entwuchert war, er sich wohl noch länger, aber vergeblich darum bemühen müsse, es zu bändigen, es halt nicht zuletzt ein typischer, absurder Dürrenmatt geworden sei, da beschloss ich, «Turmbau» und «Labyrinth» so sein zu lassen.

Bis mir hier Kehlmann erklärt, dass das ein Fehler ist. Völlig überzeugt bin ich nach diesem Vergleich:

«Seine späte Prosa mit ihren Labyrinthen, Minotauren und unablässig lockenden Weltuntergängen hat wohl kaum einen engeren verwandten als den argentinischen Magier Jorge Luis Borges.»

Obwohl Borges in meinem privaten Götterhimmel der ganz Grossen hell leuchtet, wäre ich nie auf diesen Vergleich gekommen. Der aber sofort einsehbar und  richtig erscheint. Es wäre natürlich nicht ein Stück von Dürrenmatt und hier über Dürrenmatt, wenn es nicht eine Monstrosität enthalten würde.

Das ist der Anlass des Essays; eine Neu-Edition des Stoffe-Projekts. Fünf Bände, 2208 Seiten, erweiterte Online-Version. 483 Franken. Danke, Diogenes. Aber es gibt auch weniger umfassende Ausgaben der Stoffe. Und die müssen nun natürlich gelesen werden. Danke, NZZaS.

Jetzt alle: Rettet UKW

ZACKBUM darf das: unterschreibt diese Petition! Dann seid Ihr auf der richtigen Seite.

Wenn alte, weisse Männer Gas geben, dann bleibt all den Weltenrettern auf Twitter, den Rechthabern auf Facebook, den übrigen Privatradio-Verwaltern mal kurz der Mund offen.

In (natürlich nur altersmässig) absteigender Reihenfolge:

 

  1. Adolf Muschg mischt sich kraftvoll in die zunehmend inquisitorische öffentliche Debatte ein. Sagt einmal Auschwitz, und schon tobt der Bär, summen aufgeregt die Fliegen, ist keiner zu klein, Denunziant zu sein. Und niemand von diesem Pack merkt, dass es genau das tut, was Muschg kritisiert. Diese Dauererregten darauf aufmerksam zu machen, das ist ungefähr so sinnvoll, wie eine Eintagsfliege zu fragen: und was machst du morgen?
  2. Roger Schawinski ist der einzige Radiomacher in der Schweiz, der wieder eine Idee hatte. Seither macht er sein Talk Radio. Jeweils am Morgen die interessantesten Stunden des Tages. Mit Gästen, Experten, Politikern, Meinungsträgern – und seinen Hörern. Live, schnell, und Roger weiss jeweils nicht, was auf ihn zukommt. Das ist Radio. Alles andere ist Dudelfunk. Und nun hat Schawinski noch eine Idee: «Rettet UKW». Früher war Wimpel an der Auto-Antenne, heute ist virtuelle Unterschrift. Tut nicht weh, ist einfach, muss man machen.
  3. Da muss noch fragwürdiges Eigenlob drangeklebt werden, warum nicht. Am 11. März erschien der letzte Beitrag meiner zwei Mitstreiter, die sich dann vom Acker machten. Seither – mit nur zwei gelegentlichen Guest Stars – macht René Zeyer hier alles alleine. Im Schnitt drei Artikel pro Tag. Jeden Tag. Andere verbraten dafür Millionen. Ich mach’s aus Spass an der Freud. Grüngelber Neid und finsteres Schweigen ist mein Lohn. Aber Kollege Jürg Altwegg nimmt in der FAZ Notiz, was will man mehr:

 

«Für den Publizisten René Zeyer, der das medienkritische Portal „Zackbum“ betreibt, ist der Vergleich dagegen weder skandalös noch falsch. Zeyer springt dem Schriftsteller mit Raul Hilberg, dem Verfasser des Standardwerks über „Die Vernichtung der Juden in Europa“, zur Seite. Muschgs Argumentation entspreche Hilbergs Beschreibung von der Entstehung des Holocausts. Zeyer unterstreicht, dass Muschg die „schrecklichen Vereinfachungen“ der Cancel Culture kritisiert habe. Er zitiert den Schriftsteller differenzierter als die Ankläger: Es sei „das Interessenlose an den eigenen Widersprüchen“, das Muschg der Cancel Culture anlaste.»

So, das Karussell im Jahrmarkt der Eitelkeit steht wieder still. Dann tut was. Unterschreibt, verbreitet, spendet.

  • Wird ein schönes Gefühl werden: endlich mal bei den Siegern zu sein.

Der Mann, der das aufräumte

Markus Diethelm sagt beim Abschied leise tschüss. Mit ihm geht ein ganzer Giftschrank voller nicht erzählter Storys.

Er ist das dienstälteste Mitglied der Geschäftsleitung der UBS. Er ist seit 13 Jahren Chief Legal Councel, wie das im Banker-Sprech heisst. Der Chefjurist der Bank. Der Auf- und Abräumer. Wohl das einzige Mitglied der GL, das sein Salär wert ist.

Er ist all das, was Urs Rohner gegenüber am Paradeplatz nicht ist. Daher wurde die UBS zwar auch stark gerupft, von der Finanzkrise eins bis heute. Aber sie hat’s überlebt, nicht zuletzt wegen diesem Mastermind. Nun beginnt Diethelm mit seinem Abgang. Überlegt, geplant, leise. Wie immer.

Man muss sich die damalige Situation nochmals vergegenwärtigen. Wegen den irren und hochfliegenden Plänen des damaligen UBS-Bosses Marcel Ospel, die UBS zur Nummer eins machen zu wollen, musste die Bank mit einer gewaltigen Staatshilfe vor dem Bankrott gerettet werden.

Während sich Journalisten schon mit Lobliedern lächerlich machten, wie die UBS elegant durch die Krise gesteuert sei, musste sie gleich die nächste Hiobsbotschaft verkünden. Ein rachsüchtiger Ex-Mitarbeiter hatte sich den US-Behörden als Whistleblower angeboten. Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Vor Ort, in den USA.

Nach der Krise ist vor der Krise. Alte Bankerweisheit

Jetzt reicht’s, sagten die Amis. Wir wollen alle Kundendaten von US-Steuerpflichtigen, die die UBS beherbergt. Sonst – ziehen wir der Bank den Stecker raus. Durch den Ausschluss aus dem Dollar-Clearing. Nach der schlimmen Krise die noch schlimmere.

Was tun? Diese Kundendaten waren durch das Schweizer Bankgeheimnis geschützt. Und durch heilige Schwüre der UBS. Selbst wenn die Bank wollte, jeder, der sich an einer solchen Datenherausgabe beteiligte, machte sich in der Schweiz gleich doppelt strafbar. Und ein Banker mit Vorstrafe, das ist dann doch undenkbar.

Nur Christoph Blocher hatte damals den Mut, die einzig richtige Lösung vorzuschlagen: ein führender UBS-Banker müsse in die USA reisen. Mit den Kundendaten im Gebäck. Sich anschliessend in der Schweiz verantworten. Das sei dann wenigstens einmal von Verantwortung nicht nur quatschen, sondern sie auch übernehmen.

Ein Fall für Diethelm.

Jetzt muss ich ausdrücklich festhalten, dass wir den Bereich der Fantasie betreten, dass von hier an Übereinstimmungen mit tatsächlichen Ereignissen oder Personen rein zufällig und nicht beabsichtigt wären.

Was alles so sicher nicht passiert ist …

Nehmen wir also an, der Chief Legal einer Schweizer Grossbank hat ein grosses Problem auf dem Schreibtisch. Gerade hat der Schweizer Steuerzahler ungefragt viele Milliarden Franken für diese Grossbank, nennen wir sie SUP, ins Feuer gestellt. Und nun muss sie bereits das zweite, ganz grobe Problem bekannt geben.

Was noch erschwerend hinzukommt: der dafür zuständige Bundeszwerg, der schon der Staatsnotrettung nur widerwillig zugestimmt hatte, machte Anstalten, diesmal der Bank zu sagen: «pfeift Euch eins, es reicht mit Hilfe von uns.» Selbstverständlich wollte keiner des Kaders es auf sich nehmen, Freiheit, Ruf und Karriere aufs Spiel zu setzen. Das Bankgeheimnis, das hatte der Bundeszwerg gesagt, das sei so stabil, daran würden sich alle die Zähne dran ausbeissen.

Die Bankführung um den allmächtigen Oberopel war gelähmt, was sie auch nach seinem Abgang blieb. Also die Aufgabe für einen wahren Mastermind. Seine Bank stand auf einem Spielfeld, das mit Verboten und Unmöglichkeiten gespickt war. Was tun? Da gab es nur einen Ausweg: die Spielregeln ändern.

Mit Fantasie läuft’s wieder wie geschmiert.

Der einer neuerlichen Rettung der SUP sehr ablehnend gegenüberstehende Bundeszwerg: nach einer Herzbaracke ausser Gefecht gesetzt. Das störende Bankgeheimnis: muss weg. Nun wurden die Amis aber leider ungeduldig und stiessen immer finsterere Drohungen aus. Also Notrecht. Damit konnte das Schlimmste verhütet werden. Ein reitender Bote überbrachte der US-Botschaft zu Bern die gewünschten Daten auf einem Memory Stick, gleichzeitig wurde den US-Behörden der Codeschlüssel übermittelt.

Problem gelöst? Fast. Die fällige Busse wurde auf schlappe 780 Millionen Dollar runtergehandelt. Es blieb nur noch ein Problem. Die USA hatten nicht die etwas über 2000 ihnen ausgelieferte Kundendaten verlangt. Sondern alle, also über 50’000. Das ging nun beim besten Willen mit Notrecht nicht, und die offizielle Abschaffung des von der SUP geschleiften Bankgeheimnisses, das würde dauern.

Nach der Lösung ist vor dem Problem

Was tun? Die SUP stand schon wieder am Abgrund, und die Kräfte, die sie vor dem Fall bewahren könnten, wurden immer schwächer. Da kam der Mastermind auf seine nächste grosse Idee. Die SUP schmiss einfach alle ihre Ami-Kunden raus. Zwangsweise, und wenn Ihnen das nicht passt, schauen Sie mal ins Kleingedruckte.

Die anderen Schweizer Banken wunderten sich, wieso plötzlich Amikunden kleine Schlangen vor dem Kontoeröffnungsschalter bildeten. Aber während das Einwerben eines Schwarzgeldkunden locker mal über 100’000 Franken kosten konnte, hier schaute man einem geschenkten Gaul doch nicht ins Maul. Hätte man aber vielleicht tun müssen.

Den gleichzeitig mit dem Rausschmiss bei der SUP wurde eine sogenannte Leaver-List erstellt. Also Namen, Anschrift, Höhe des saldierten Betrags, wohin er überwiesen wurde. Teuflisch, aber effektiv. Die US-Steuerämter konnten ihr Glück kaum fassen. Die bei der SUP Schwarzgeld bunkernden Amis konnten ihr Pech nicht fassen.

Das geniale Sahnehäubchen war: so konnten die Amis die Wanderung der Schwarzgelder auf andere Schweizer Banken genau verfolgen. Der ganze Finanzplatz war kontaminiert, ohne es zu wissen. Schliesslich musste der letzte Konkurrent der SUB eine Multimilliardenbusse zahlen, die Waffengleichheit war wieder hergestellt.

Zurück aus der Fantasie in die reale Welt. Diethelm, wir werden Sie schmerzlich vermissen.

Schawinski und die Radio-Zwerge

Wer keine guten Argumente hat, verspritzt Häme und zielt auf den Mann. Ein weiteres Trauerspiel der Medienmanager.

Eine Ausnahme sei lobend erwähnt. Sandro Benini bemühte sich bei Tamedia um eine einigermassen ausgewogene Darstellung des Problems, der beiden Positionen und liess nur eine leise Präferenz erkennen, dass doch nicht alle anderen falsch lägen, nur Roger Schawinski recht habe.

Das brachte ihm dann am Sonntag eine Einladung in Roger Schawinskis «Doppelpunkt» ein, wo er den entschiedenen Gegner der Abschaltung aller UKW-Sender in der Schweiz befragen, kritisieren, beharken durfte, und natürlich auch selber einige Körpertreffer einstecken musste.

Dass die federführende SRG und die BAKOM-Bürokraten keinen Anlass zur Beunruhigung sehen, ist klar. Nachdem sie 20 Jahre lang ziemlich viel Geld ausgegeben haben, um DAB sowie DAB+ den Schweizern beliebt zu machen, probieren sie es nun mit Gewalt. Denn immer noch verfügen 58 Prozent aller Autos nicht über DAB, benützt nicht einmal die Hälfte aller Radioempfänger diese Übertragungstechnologie.

Die Zukunft ist völlig klar. Natürlich VOIP, Streaming und Internet

Die Zukunft liegt im Internet; sobald 5 G überall erhältlich ist, kann man auf DAB wohlgemut verzichten. UKW benützen auch noch die Mehrheit der Automobilisten in Zentraleuropa, die wären dann in der Schweiz plötzlich in einem schwarzen Loch. Verkehrsdurchsagen, Unterhaltung? Sendepause.

Noch putziger: laut europäischen Vereinbarungen muss jedes Land, auch die Schweiz, in längeren Tunneln die Versorgung sicherstellen – mit UKW. Also, es gibt schon ein paar Argumente auf der Seite von Schawinski. Weniger, dass der alte Radiopirat in der Abendsonne seiner Karriere nochmal Pizzo Goppera wiederholen möchte. Nochmal einer gegen alle geben.

Die Radio-Zwerge haben keine Botschaft.

Aber diesmal im Kampf für eine veraltete Technologie, gegen eine neue, moderne, die halt ein 75-Jähriger nicht mehr so ganz versteht. Nun ist dieser 75-Jährige aber noch viel fitter bei solchen Fragen als die managenden Durchschnittslangweiler, die bei den inzwischen verklumpten privaten Sendestationen das Sagen haben. Oder – durchaus Nordkorea ähnlich – qua Geburt in diese Position gerutscht sind. Da wird’s dann richtig peinlich.

Wer etwas sagt, aber nichts zu sagen hat …

So machte Florian Wanner, von Beruf Sohn, aber auch Leiter Radio von CH Media, den Fehler, ein Interview zu geben. CH Media hat sich den grössten Brocken an Privat-Sendern zusammengekauft. Also ist sein Wort sicherlich wichtig.

Gleich mit seiner ersten Antwort auf die Frage, was er denn von Schawinskis Kampf gegen die Abschaltung von UKW halte, machte er sich’s im Fettnäpfchen bequem: «Ich musste schmunzeln und war nicht überrascht. Es ist eine schöne Geschichte für ihn. Er war der Erste unter den Privaten – und möchte offensichtlich auch der Letzte sein.»

Da hat er’s ihm aber gegeben. Nun kommt jedoch der wirklich blöde Teil für Wanner Junior; was hat er denn für Argumente gegen Schawinski? DAB+ sei eine gigantische Fehlinvestition, sagt der. «Kann man sicher kritisch hinterfragen», sagt Wanner. Man spare kaum etwas durch die Abschaltung, da die Infrastruktur längst abgeschrieben ist: «Der Unterhalt ist günstig, aber es würden Neuinvestitionen kommen», sagt Wanner. In Irland betrage der Anteil von DAB+ kümmerliche 0,5 Prozent. «Ich kenne die Situation in Irland nicht», sagt Wanner, er sehe das auch nicht aus der Perspektive «kleiner Regionalsender wie Radio 1».

DAB sei sowieso höchstens eine Übergangstechnologie. «Diese Aussage hat einen Wahrheitsgehalt», sagt Wanner. Aufschrei in der Bevölkerung, ausländische Automobilisten? Ja, das seien sicher Themen, meint Wanner. Und nachdem er das Interview frei von Argumenten durchgestanden hat, kommt noch der Knaller am Schluss. Ob er denn einer der Manager und Bürokraten sei, über die Schawinski herzieht.

Seine Antwort fürs Poesiealbum:

«Nein. Ich sehe mich als vorwärtsgerichteten Medienmanager, welcher Chancen nutzt.»

Das muss ihn offenbar dermassen auslasten, dass er vor der Debatte mit Schawinski im Clubhouse von persoenlich.com kniff. Vielleicht wurde ihm doch gesagt, dass ein HSG-Studium und Mitglied eines Familienclans zu sein, nicht unbedingt ausreiche, um eine Debatte mit Schawinski zu bestehen.

Wer etwas sagt, aber vieles ungesagt lässt …

Wenn es um Untergriffe geht, ist Kurt W. Zimmermann immer vorne dabei. Wie er schon gegen den designierten NZZaS-Chefredaktor Jonas Projer mit erfundenen und ausschliesslich auf «anonymen Quellen» beruhenden Verleumdungen zu Felde zog, erfindet er in seinem Nachruf für Peter Schellenberg in der «Weltwoche» ein Zitat von Schawinski. Schelli und Schawi hätten sich nicht leiden können, holt Zimmi aus. Schawinski habe Schellenberg «grossspurig» mit seinem Tele 24 herausgefordert und getönt, «dass «der Schellenberg hier bald einmal auf Knien angekrochen kommt». Bald darauf war aber Schawinski auf den Knien und sein Sender gescheitert.»

Das ist etwas launig vom ehemaligen Tages-Anzeiger-Manager Zimmermann, der als frischgebackenere WeWo-Kolumnist über das «gescheiterte Privat-TV-Projekt» von Tamedia herzog. Wobei er es unterliess, zu erwähnen, dass er höchstpersönlich für das Scheitern von TV3 verantwortlich war, ebenso für alle Flops, die er in seiner Kolumne dafür verantwortlich machte.

Offenbar besteht spätestens seither eine Antipathie gegen Schawinski, gespeist aus grüngelbem Neid. Bei diesem Niveau der wenigen verbleibenden Medienkritiker, das wollen wir nicht unterdrücken, kann es eigentlich zukünftig nur noch …