Die Glückspost, das Bravo für Erwachsene

Die Glückspost ist der Schweizer Illustrierten auflagemässig dicht auf den Fersen. Trotzdem hat sie es in der öffentlichen Wahrnehmung viel schwerer. Eine Blattkritik des offiziellen Schweizer Klatschheftli.

Es gibt «Die neue Welt», die «Freizeit-Revue», die «Frau mit Herz» – und es gibt die «Glückspost». Während erstere deutscher Provenienz sind, ist die «Glückpost» das erste und einzige Klatschheftli der Schweiz. «Erste», weil es die Glückspost seit sage und schreibe 136 Jahren gibt. Gut, zuerst hiess sie Schweizerische Allgemeine Volkszeitung, erst 1977 erhielt sie den treffenden Namen «Glückpost». Aber immerhin.

«Einzige», weil sich keine Konkurrentin länger halten konnte. Und das etwas edlere Gala? Es hat eine Auflage in der Schweiz von etwas über 30’000 und einen speziellen Schweizteil, aber nur wenige Seiten. Zudem erscheint die Gala nur alle zwei Wochen, im Gegensatz zur «GlüPo». Keine ernste Konkurrenz also. Doch genug mit Vorspiel. Jetzt geht’s zur Sache, zur Glückspost.

Von der Titelseite des respektabel dicken Hefts (74 Seiten, Ausgabe vom 17.9.) strahlen einen gleich vier Menschen an. So sieht Glück aus. Doch aufgepasst: Zum Bild von Mike Shiva heisst es: «Die grosse Trauer seiner Mama». Und auch beim zweiten Anriss geht’s um ein Mutter-Tochter-Verhältnis: Das erwachsen gewordene Meitli von Entertainer Vico Torriani hat «Papa immer noch im Herzen».

Die Titelstory gehört Komiker Jonny Fischer. Er hat sich «mit der schweren Vergangenheit versöhnt». Dazu kommt unten ein Textbalken: «Viele Rätsel und Schicksalsgeschichten!». Fazit: alle Zutaten sind da, dass man oder besser frau für 3 Franken 90 einen Gegenwert für viele Stunden Unterhaltung hat.

Chefredaktor Leo Lüthy schreibt in seinem Editorial salbungsvolle Worte über Mike Shiva (gestorben mit 56). Kein Wunder, war Shiva einer der wenigen schillernden CH-Promis, die immer mal für eine Schlagzeile gut sind.

Für Lüthy ist und bleibt  klar: «Der Basler Mike Shiva war der lebende Beweis, dass einander zuhören (…) viel wertvoller sein kann als Fr. 4.50 pro Minute». Sprich, Shiva war seine Abzocke wert.

In der Rubrik «Leute heute» kommen vor allem Uralt-Promis vor. Al Bano, Peter Maffay, Costa Cordalis, Heino. Die Glückspost scheint sich dem Alter des Publikums anzupassen. Doch genug geschnödet. Nun folgt die Titelgeschichte über Jonny Fischer – und seinem Partner Michi Angehrn. Ein Geschmäckle hat der Bericht aber: Er kommt passend zur Premiere von Fischer als Moderator einer neuen SRF-Spielshow (Game of Switzerland) gestern Abend. Aber so läuft das halt. Ein neues Buch, eine neue Show. Schon ist man in den Schlagzeilen.

Die nächste Doppelseite bietet Platz zum Schwelgen. Blättern «im ganz privaten Familienalbum» von Nicole Kündig-Torriani. Grund: Vater Vico wäre am 21. September 100-jährig geworden.

Und noch eine Rühr-Story: Franco Marvulli schreibt einen offenen Brief an die eben verstorbene Tele-Bärn-Moderatorin Anne-Cécile Vogt (39). Sie erlag einer schweren Krankheit, viel zu früh.

Tobias Heinemann scheint ein berühmter Gedankenleser zu sein. Jedenfalls geht seine «eindrückliche Show» nach der Corona-Pause am 14.10. wieder weiter. Fast eine Doppelseite widmet die Glückspost dem Mystiker. Definitiv eine der Zielgruppen der Glückspost, wenn man kurz in den hinteren Teil des Hefts blättert. Denn dort wimmelt es von Inseraten ähnlicher Richtung: Kartenlegen, keltisches Baum-Tarot, Kontakt mit Engeln, Zukunfstorakel, hellfühliges Orakel, Pendel, Hilfe bei Liebes-Aus, Kaffeesatz lesen. Mike Shivas Erbe lebt! Na gut, die meisten Telefonnummern kosten zwischen 1 Franken 99 und 2.50. Also nicht 4 Franken 50. Aber es ist halt auch nicht das Original.

Doch zurück zum redaktionellen Teil. Nach den Schweizer Promis folgt nun Hollywood (als Rubrik) mit Sharon Stone. Sie hatte traumatische Erlebnisse zu verkraften. Zuletzt mehrere Corona-Todesfälle in der Familie. Ganz nach dem Motto: Schaut her, Promis geht’s auch verschissen, obwohl sie vermeintlich glücklich über den roten Teppich schweben.

Auffällig: erst auf Seite 19 folgt das zweite Inserat nach einem «Allergiker-Inserat» von Migros weiter vorne. Erstens: Was will uns Migros über seine Glückspost-Leser-Einschätzung sagen? Zweitens: Das erwähnte Inserat ist Werbung für Blick-TV. Blick-TV wie die Glückspost gehören zum Ringier-Konzern.

Nun wird die Glückpost noch ernster. Schicksale, Liebesbetrüger, Asperger-Syndrom. Die Welt scheint es nicht gut zu wollen mit gewissen Leuten. Doch zum Glück gibt’s die nun folgende Glückspost-Rubrik «Spass & Spannung». Acht Seiten Sudoku und Kreuzworträtsel. Klever: die Lösungen findet man immer ein Heft später. Eine perfekte Leserbindung!

Doch es kommt noch perfekter: 24 Seiten über die Gesundheit, Beauty und Reisen. Der Rubrik  Doktor Sommer im Bravo nachempfunden ist jene von einem Infektiologen. Er sagt, dass man vom Küssen krank werden kann. Immerhin nicht schwanger.

Ein ganz bisschen politisch wird die Glückpost nun mit der Tier-Seite. Grund: eine Reportage über die gefährdeten Auerhühner. Da muss man am 27. September doch Nein stimmen zum neuen Jagdgesetz! Das scheint irgendwie durchgerutscht zu sein bei der Blattplanung. Denn es ist ein eiserner Gesetz. Die Glückpost ist neutral.

Beim Reisebericht über die südsteirische Weinstrasse vermisst der kritische Leser einen Hinweis, dass die Reise der Reporterin (und freien Reisejournalistin) Barbara Blunschi irgendwie mitfinanziert wurde. Und zwar von der sehr positiv porträtierten Gegend und dem erwähnten «Boutique-Hotel Wurzenberg». Aber das Foto mit der Herbstimmung ist wirklich gelungen.

Bei der Rubrik «Genuss» kommt Volg zum Handkuss. Ich wusste nicht, dass Volg auch eine Kulinarik-Abteilung hat, ähnlich wie Betty Bossi. Aber das ist irgendwie authentisch. Rezepte und ein Portrait einer Nusstörtli-Bäckerin, die ihre Produkte im Dorfladen verkauft. Bei 3000 Lieferanten schweizweit scheint das mehr als ein Marketingtrick. Aber dass die vier Seiten nicht als Publireportage gekennzeichnet sind, das geht eigentlich gar nicht.

Positiv dafür die Doppelseite über das Rote Kreuz mit anderer Schrift und deklariert als Gute-Tat-Story («Unterstützen Sie das SRK»).

Dass beim Impressum auf Seite 56 der Titel vergessen ging, hat wohl nur der pingelige ZACKBUM.CH-Kritiker bemerkt.

Aufgefallen ist bei der dreiseitigen Rubrik «Rendez-Vous, Finde mich!» der hohe Preis fürs Anrufen. Bei den Kleininserätli («Sie sucht ihn», Männer suchen offensichtlich nicht) läuft das so, dass man Fr. 3.13 pro Anruf und dann Fr. 3.13 pro Minute bezahlen muss. Da ist zu hoffen, dass einem der potenzielle Partner nicht gefällt. Sonst geht so ein Telefon brutal ins Geld. Gut für die Glückspost: Das lusche Geschäft ist an die Firma Datapoint ausgelagert. Dort soll man auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen finden. Auf www.datingpoint.ch kommt aber nur die Meldung «Error, Database activation falled». Pech gehabt. Vielleicht mal was für den Kassensturz oder das Saldo.

Auf Seite 69 strahlt einen nun Luca Hänni entgegen. Er findet trotz abgesagter Tour Trost bei seiner neuen Freundin Christina. Kein Wort mehr , dass er sich von seiner Michèle getrennt hat. Aber das gehört wohl zum Promijournalismus in Klatschheftlis. Lieb und nachsichtig sein, dann bekommt man sicher wieder mal eine Homestory.

Auffällig: eine der raren Inserate hat Tamedia geschaltet, also die Konkurrenz. Thema: Feuerstellen online finden. Lerne: Die Glückspost scheinen auch Familien zu lesen. Oder sind es die Grossmütter?

In der Rubrik «in letzter Minute» darf Brigitte Nielsen nicht fehlen. Das Busenwunder bringt ein ganz klein wenig Erotik ins sonst stockprüde Heft.

Einigermassen versöhnlich punkte Abzocke ist dann das Inserat auf der zweitletzten Seite. Wenn man die Beauty-Linie («mit Blattgold!») bestellen will, ist der Anruf kostenlos. Und der Preis für die «2 x Tagescreme + 2 x 7 Ampullen» ist mit Fr. 69.90 für GlücksPost-Leser statt Fr. 134.80 wirklich verlockend. Da bezahlt man auch die Versandkosten von Fr. 9.95 gerne.

Doch genug kritisiert. Mit 3 Franken 90 bekommt man wirklich viel fürs Geld. Viel Swissness, viele Lebenstipps, dazu Rätsel für einsame Stunden. Und wenn man einen Partner sucht, einen der Finger juckt und man bei «Rendez-Vous» anruft? Wie schon der verstorbene Mike Shiva sagte, bei den Ausgaben ist alles klar deklariert.

Mit einer Auflage von 121532 Exemplaren jede Woche ist die Glückspost solide unterwegs. Ja sie ist dem Ringier-Flaggschiff, der «Schweizer Illustrierten», sogar dicht auf den Fersen. Diese hat eine Auflage von nur noch 130843. Grund, die «SI» demnächst unter die Lupe zu nehmen.

Corona-Leugner gegen Zeugen Coronas

Eigentlich sind sogar Zeitungen farbig. Ausser bei Corona.

Der Medienchoral, der unablässig Hosianna sang, wenn die BAG-Schlafpille Daniel Koch oder der fach- und sachfremde Gesundheitsminister Alain Berset etwas von sich gaben, hat sich aufgelöst.

Die eine oder andere Kritik an der Weisheit von Beschlüssen der Obrigkeit oder an mit wissenschaftlichem Gestus vorgetragenen Befürchtungen sind erlaubt. Aber ansonsten sind die Meinungen in den Leitmedien gemacht.

Gibt es wirklich Corona-Leugner?

Drei Dinge sind sicher auf dieser Welt: Donald Trump ist auch bei der Pandemie ein Vollversager. Der «schwedische Weg ist gescheitert», wusste schon Ende Juni der Corona-Kenner aus dem Hause Tamedia. Also eigentlich der Auslandredaktor Sandro Benini.

Aber wenn darüber vielleicht noch diskutiert werden könnte, allerdings nicht ergebnisoffen, bitte schön, eines ist unumstösslich: Es gibt Corona-Leugner. Und die haben einen Sprung in der Schüssel. Tragen zu Hause oder sogar öffentlich einen Aluhut. Glauben daran, dass es eine weltweite Verschwörung der Reichen gibt. Oder an UFOs.

Neigen auch durchaus zu Rechtsradikalismus, glauben auch an Homöopathie und andere obskure Heilungswege. Aber sie leugnen, dass es eine Pandemie namens Corona gibt. Sie sind allerdings auf ihrem Irrweg brandgefährlich. Deshalb ergibt das Suchwort «Corona-Leugner» in den letzten sechs Monaten sagenhafte 330’000 Treffer im Medienarchiv SMD.

Mehr Treffer für Corona-Leugner

Selbst «COVID-19» stinkt mit 213’000 Treffern dagegen ab. Was komisch ist: Ich kenne keinen einzigen Corona-Leugner. Ich kenne auch keinen, der einen kennt. Ich kenne nicht mal einen, der einen kennt, der einen kennt.

Aber vielleicht kann ich diese Lücke am Samstag schliessen. Da ist anscheinend eine Demonstration der «Corona-Skeptiker» angekündigt, wie der «Tages-Anzeiger» etwas abtemperiert schreibt. Das ist immerhin ein neuer Begriff, nachdem auch Tamedia das idiotische Wort vom Corona-Leugner in den letzten 6 Monaten über 4500 Mal verwendte.

Also ist das nun gut, ein Ausdruck demokratischer Meinungsvielfalt, das Ausüben eines Grundrechts, indem man demonstriert? Nun ja.

Framing ist auch bei Corona alles

Es besteht doch Anlass zur Sorge. Denn zunächst einmal gibt es zwei «Stargäste» an dieser Demo. Zum einen Comedian Marco Rima, der sich allerdings schon «bei Schawinski selbst demontierte».  Und Andreas Thiel, der sich «auch mit Talkmaster Schawinski öffentlich gestritten» habe. Dass damals das Thema überhaupt nichts mit Viruserkrankungen zu tun hatte, was soll’s.

Was Tamedia aber von den deutschen Kollegen gelernt hat, die fast die gesamte Auslandberichterstattung bestreiten: Framing ist alles, wer den Luftkampf um die verbale Etikettierung gewinnt, ist Sieger. Deshalb wird in Deutschland bei jedem Bericht über eine Demonstration gegen die Corona-Politik der Regierung darauf hingewiesen, dass sich unter den oft hunderttausend Teilnehmern auch Rechtsradikale, Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker und überhaupt verantwortungslose Irre befänden.

Zweifelhafte Organisatoren, zweifelhafte Absichten

Organisiert wird die Demonstration in Zürich vom «Bürgerforum Schweiz», zusammen mit «weiteren Corona-skeptischen Gruppen und Impfgegnern». Schlimmer noch: Dessen Präsident Daniel Regli sei «als Gemeinderat mit homophoben Aussagen aufgefallen» und tue sich ebenfalls bei «Antiabtreibungs-Demos» hervor, weiss der «Tages-Anzeiger».

Das mag ja alles so sein, nur: Was hat das mit dem Ausüben eines urdemokratischen Rechts zu tun? Nämlich gegen eine vermeintlich falsche, schädliche Regierungspolitik zu demonstrieren? Wieso sind das dann Corona-Skeptiker, gar Leugner? Das ist so absurd wie der Begriff Kreml-Kritiker. Oder Umweltsünder. Oder Klimaleugner.

Eine ganze Nomenklatur falscher Begriffe

Niemand, der alle Tassen im Schrank hat, ist skeptisch, dass es ein COVID-19-Virus gibt. Geleugnet wird es erst recht nicht. Wenn ein Oppositioneller in Russland ein Kreml-Kritiker ist, wieso gibt es dann in der Schweiz keine Bundeshaus-Kritiker? Oder in Deutschland Reichstags-Kritiker? Ist jede Form von unachtsamem Umgang mit der Umwelt gleich eine Sünde? Bedeutet jede abweichende Meinung zu Klimafragen, dass da jemand das Klima leugnet?

Werden sich also am Samstag in Zürich nur homophobe, sich selbst schon öffentlich bei Schawinski demontiert habende Verschwörungstheoretiker, Corona-Skeptiker, gar Corona-Leugner, allenfalls auch Abtreibungsgegner, Fremdenfeinde, Rassisten, Hetzer, mit einem Wort: Vollirre versammeln?

Und muss nicht jeder, der nicht in diese Gesellschaft geraten will, die Teilnahme tunlichst meiden? Oder ganz einfach gefragt: Ist das die Art von Berichterstattung, die einer Monopolzeitung ansteht, die doch behauptet, mangels anderen Plattformen offen für Divergierendes zu sein, zudem nach hohen Standards des journalistischen Handwerks zu berichten?

Aber vielleicht ist man dann ein Zeitungsleugner, wenn man nur schon diese Frage stellt.

Copy/paste bei der «Weltwoche»

Ein Wiederholungstäter kann’s nicht lassen.

Schon 2015 wurde es ziemlich eng für den Auslandchef der «Weltwoche». Schlag auf Schlag wurden ihm Plagiate aus dem englischen «Telegraph», der FAZ und dann noch der «Welt» nachgewiesen.

Chefredaktor Roger Köppel liess es dabei bewenden, sich dafür zu entschuldigen und «Massnahmen und Sanktionen» anzukündigen. Neben Urs Gehriger bekam auch der Kummerbub des Journalismus «eine zweite Chance» in der «Weltwoche». Die Tom Kummer natürlich wie alle vorherigen versemmelte.

In diesem Reigen darf Claas Relotius nicht fehlen, der den «Spiegel» in eine Glaubwürdigkeitskrise stürzte und auch in der «Weltwoche» diverse Stücke veröffentlichte. Hier wurde eine genaue Untersuchung angekündigt.

Die Häme in der Branche ist gross

Als vor vielen Jahren eine Edelfeder im «Vogue»-Konzern überführt wurde, kräftig abgeschrieben zu haben, meinte der Chefredaktor des betroffenen Blatts nur: «Abschreiben? Na und. Was ich ihm vorwerfe: Er hat den Text nicht mal so durchgeschüttelt, dass man es nicht merkt.»

Bei aller Sorgfalt, mit oder ohne Dokumentationsabteilung, es kommt im Journalismus immer wieder vor, dass Redaktionen mit teilweise abgeschriebenen, erfundenen oder deutlich an der Realität vorbeigeschriebenen Texten reingelegt werden. Die Häme in der Branche ist ihnen jeweils gewiss.

Wobei jede Redaktion, ob gross oder klein, wohldotiert oder schmal aufgestellt, immer Schiss davor hat, einem Hoax, einer Ente, einer Erfindung aufzusitzen. Besonders, wenn es sich um unterhaltsame Blödsinnstücke handelt. So wie das vom Taxipassagier, der in Zürich zum Flughafen, der damals «Unique» hiess, gefahren werden wollte, im Taxi einnickte und ein paar Stunden später vor dem Flughafen Munich aufgewacht sein soll.

Die Story gab’s in verschiedenen Varianten und Abfahrtsorten, sie hatten nur eines gemeinsam: alles erfunden, Quatsch, Unsinn.

Bei Dissertationen ist Titel und Ansehen futsch

Solche Veräppelungen der Medien kann man noch als eine lässliche Sünde betrachten; so wie Fake-Anrufe, um den Gesprächspartner aufs Glatteis zu führen. Etwas anders sieht es allerdings aus, wenn der eigene Redaktor, zudem noch Auslandchef, zum wiederholten Male kopiert, ohne das auszuweisen.

Bei Doktorarbeiten kostet das schnell einmal, modernen Textsuchprogrammen sei Dank, Titel und Ansehen. Gehriger überlebte diese Plagiate und revanchierte sich dafür mit einer lobhudelnden Berichterstattung über Donald Trump, bei der es einem regelmässig ganz anders wird. Wer seine Fast-Begegnung mit Trump in dessen Angeber-Ressort Mar-a-Lago gelesen hat, musste anschliessend unter die Dusche.

Nun ist ein neues Plagiat von Urs Gehriger ans Licht befördert worden. Allerdings eines der besonderen Art: Wer bei anderen abschreibt, kann das auch bei sich selbst nicht lassen.

Neu diesmal ein Eigenplagiat

So will Urs Gehriger im April 2016 den Philosophen, Autor und Anwalt Nicolas Baverez in Paris besucht haben. Und gibt ehrfurchtsvoll dessen Philippika gegen das politische System, gegen den damals aufsteigenden Star Macron und gegen die Fehler linker Regierungen wieder.

«Staatsausgaben ohne Grenzen: Auf die Wirtschaftskrise der Blasen und den Einbruch des Wachstums auf Kredit 2008 habe Frankreich mit einer beispiellosen Beschleunigung der Staatsausgaben und -schulden reagiert. Die Staatsausgaben schrauben sich seither in schwindelerregende Höhen. 53 Prozent des Bruttoinlandprodukts betragen sie heute, mehr als in jedem anderen Land in der entwickelten Welt.»

Gehriger am 21. April 2016, Ausgabe 16 der «Weltwoche». Weil’s so schön war, gleich nochmal:

«Staatsausgaben ohne Grenzen: Auf die Wirtschaftskrise der Blasen und den Einbruch des Wachstums auf Kredit 2008 habe Frankreich mit einer beispiellosen Beschleunigung der Staatsausgaben und -schulden reagiert. Die Staatsausgaben schrauben sich seither in schwindelerregende Höhen. 57,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts betragen sie heute, mehr als in jedem anderen Land in der entwickelten Welt.»

Gehringer am 25. April 2019, Ausgabe 17 der «Weltwoche». Man beachte allerdings den feinen Unterschied in der Prozentzahl.

Auch die Tradition des Sonnenkönigs Louis XIV lebt bei Gehringer fort und fort:

«L’etat c’est moi.» «Als Louis starb, sagte er: «Ich sterbe, aber der Staat bleibt»», erwähnt Baverez. Anders als das Vereinigte Königreich – eine mit demokratischen Institutionen ausgestatte Klassengesellschaft – sei Frankreich eine von monarchistischen Institutionen regierte Ständegesellschaft geblieben. Die extreme Zentralisierung Frankreichs habe zu einer starken Konzentration der Eliten geführt. All das habe Frankreich in eine Starre versetzt, die Reformen verunmögliche.»

So fasst Gehriger in seinem Artikel von 2016 zusammen. Offenbar ist aber auch Baverez zwischen 2016 und 2019 in eine Starre verfallen; denn wortgleich paraphrasiert ihn Gehringer auch in seinem Stück vom April 2019.

Schon 2016 wusste Baverez:

«Mit der Ära Mitterand habe das das Malaise begonnen, das sich grob in vier Stufen des Niedergangs einteilen lasse. 1. Die Entgleisung. «1981 hat Frankreich entschieden, dem Ende der Keynes-Ära mit einer Strategie der wirtschaftlichen Belebung (stratégie de relance) zu begegnen und mit kapitalistischen Wirtschaftsordnungen zu brechen.» Davon hätten sich der französische Produktionsapparat und die Staatsfinanzen nie wieder erholt.»

Auch 2019 ist Baverez im Artikel von Gehriger noch  derselben Ansicht; allerdings gibt es einen klitzekleinen Unterschied; nach dem wortgleichen Text heisst es dann:

 

«Auf diese «Entgleisung» sei Frankreich über drei Stufen in den Hades abgesunken.»

Aber eigentlich sind es ja doch, inklusive «Entgleisung», immer noch vier Stufen. Lassen wir es bei diesen Beispielen bewenden.

Entweder ist dem Autor Baverez oder Gehriger selbst in diesen drei Jahren nicht viel Neues eingefallen. Denn rund 30 Prozent der beiden Texte sind identisch oder inhaltlich sehr ähnlich.

Eine unselige Tradition

Nun könnte man sagen: Na und, ich darf doch bei mir selbst abkupfern, wo ist da das Problem? Das Problem ist, dass es sich eben in eine unselige Tradition einreiht. Aus diesem Grund soll 2019 Gehriger dazu veranlasst worden sein, seinen Rücktritt einzureichen. Die Redaktionsleitung fürchtete einen Reputationsschaden, wenn das herauskäme.

Bis heute kam es nicht heraus, und auch der Abgang von Gehriger blieb aus. Warum?  Chefredaktor Roger Köppel lobt Gehriger auf Anfrage als «ausgezeichneten Journalisten» und fährt fort: «Den besagten Artikel habe ich mit ihm besprochen, aber über den Inhalt meiner Mitarbeitergespräche führe ich keine öffentliche Korrespondenz.»

Was meint der Autor?

Urs Gehriger selbst kann die Vorwürfe «nicht nachvollziehen»: «Ich habe zweimal ausführlich mit Herrn Nicolas Baverez über den Sanierungsfall Frankreich gesprochen. Die von Ihnen erwähnten Passagen beziehen sich ausdrücklich auf frühere Aussagen, die Herr Baverez mir gegenüber genauso so gemacht hat und die ich wiederhole.»

Die «weiteren Spekulationen», also sein Abgang, der dann stillschweigend gestrichen wurde, «kann ich nicht bestätigen». Wie man sich doch täuschen kann. Also hat Köppel beim Mitarbeitergespräch über diese beiden Artikel nur gelobt, dass die «Weltwoche» angesichts ihres alternden Publikums auf die Sorgen von mit Alzheimer Geschlagenen eingeht und deren Vergesslichkeit durch Wiederholung begegnet?

Doppelter Reibach für SRG-Serien


Nur noch wenige Tage kann man den gelungenen SRG-Krimi-Mehrteiler «Helvetica» gratis im Netz anschauen. Dann kostet er trotz Gebührenmitfinanzierung.

Serienfans aufgepasst. Lediglich noch bis zum 22. September kann man den Sechsteiler Helvetica gratis im Netz anschauen. Nachher verschwinden alle je gut 50 Minuten langen Teile aus dem kostenlosen SRF-Replay-Angebot. Dann muss man sie als DVD kaufen oder via Teleclub und Swisscom-TV kostenpflichtig herunterladen. Dabei ist Helvetica eine der besten von SRG produzierten Serien, da sind sich Kritiker einig. Auch der ZACKBUM-Chronist findet die Serien erfrischend unterhaltend und ziemlich spannend. Ursina Lardi als Bundespräsidentin zeigt eine Magistratin mit Schwächen und Launen, die Hauptdarstellerin ist eine Wucht. Flonja Kodheli spielt ihre Rolle noch besser als Sara Spale in Wilder.

Roland Vouilloz agiert überzeugend als Antiterrorchef.

Roland Vouilloz (der mit der Glatze) hat als Angestellter des Bundesnachrichtendienstes eine nuancierte, untypische Staatsdiener-Funktion. Die kritisierte Synchronfassung finde ich übrigens nicht missglückt. Sogenannte Filmkritiker aus der Deutschweiz können offensichtlich mit Bäärndüütsch einfach nichts anfangen.

Die Synchronfassung ist besser als in Kritiken dargestellt.

Doch der Krimi spielt nun mal in der Bundeshauptstadt. Die Handlungsstränge sind durchaus fesselnd, auch wenn die Geschichte wie bei der zweiten Staffel von Wilder allzu klischéhaft im kosovo-albanischen Milieu spielt.

ARD und ZDF können’s schon

Doch warum nimmt das durch grösstenteils öffentliche Gebühren finanzierte SRF Serien wie eben Helvetica so rasch vom Netz? Auf ARD und ZDF findet man alle deutschen Eigenproduktionen online. Schon die Medienwoche mokierte sich anfangs Jahr über den Schweizer Sonderfall: «Man würde es für eine Selbstverständlichkeit halten. Was die Öffentlichkeit über die Medienabgabe finanziert, steht ihr auch jederzeit, umfassend und unbeschränkt zur Verfügung. Dem ist aber nicht so. Filme und Serien, welche die SRG mitproduziert, verschwinden mehrheitlich nach kurzer Zeit aus dem Online-Angebot. Wer zu spät kommt, guckt in die Röhre. Oder muss noch einmal Geld in die Hand nehmen und die Werke auf kostenpflichtigen Plattformen erwerben».

Komisch mutet das vor allem dort an, wo SRG die Serie mitproduziert und grösstenteils finanziert. So kassiert der – pseudoprivat, weil allermeistens vom Staat, respektive via Lotteriefonds finanzierte – Hauptproduzent gleich doppelt. Für die SRG ist und bleibt trotzdem klar: «Die SRG ist am Erlös aus der kommerziellen Auswertung beteiligt und kann dieses Geld in neue Produktionen investieren.»

Doch im Leutschenbach und am Hauptsitz in Bern hat man selber gemerkt, dass das Ganze nicht ganz koscher ist. Schon anfang Jahr präsentierten die SRG und die Filmbranche eine neue Vereinbarung,  der die Kooperation bei Film- und Serienproduktion für die kommenden Jahre regelt. «So können wir Serien künftig bis zu sechs Monate lang zugänglich machen», sagte SRG-Filmchef Sven Wälti gegenüber der Medienwoche. Bezogen auf Helvetiva muss man freilich feststellen: Die SRG-Mühlen arbeiten eher langsam.

Bald in Originalsprache

Immerhin: Die SRG ist darüber hinaus über die Bücher gegangen. «Play Suisse», heisst die nationale Streaming-Plattform der SRG, die im November lanciert wird. Das Projekt fungierte intern bislang unter dem Projektnamen «Rio». Die neue Plattform wird ab Herbst Inhalte aus allen Sprachregionen mehrsprachig anbieten.
Die neue Plattform der SRG ersetzt zwar nicht die Player der Unternehmenseinheiten (wo man wie beschrieben zwischenzeitlich Serien wie Helvetica findet). «Play Suisse» ist laut SRG vielmehr eine Plattform mit Inhalten aus allen Spracheregionen. So biete «Play Suisse» eine Auswahl aus Eigen- und Koproduktionen der Unternehmenseinheiten, also Filme, Serien, Dokumentarfilme, Reportagen und Archivperlen. Einzigartig an «Play Suisse» ist laut SRG-Website, dass die Nutzerinnen und Nutzer die Inhalte über die Sprachgrenze hinweg entdecken können: Alle Inhalte sind in der Originalsprache mit Untertiteln in Deutsch, Französisch und Italienisch verfügbar, ausgewählte Titel auch auf Rätoromanisch. Aktuelll läuft ein SRG-interner Test. Im Oktober erfolgt dann der Pre-Launch mit rund 5000 externen Anwenderinnen und Anwendern, bevor im November der offizielle Startschuss fällt. Viva la Grischa! Forza Ticino! Allez les Romands!

Hier der kostenlose Link zur Serien Helvetica (bis 22.9.)

 

Wenn das Lokale geopfert wird

Über Printzeitungen als Abfallprodukt. Ein Leidensbericht ohne Larmoyanz.

Dies ist keine Anklage, sondern ein Ausdruck des Kummers. Kummer darüber, was geschieht, wenn Lokalzeitungen sich in den Windschatten eines grossen Medienkonzerns begeben und hoffen, der Atem möge länger reichen. Bis sie eines Tages merken, dass der Sog sie fortgetrieben hat von dem, was einst ihre Stärke war: Nähe zum Leser.

Als Redaktor der «Obwaldner Zeitung» habe ich am eigenen Leib erlebt, wie es sich im Windschatten eines Medienkonzerns fährt. Wie eine vormals kräftige und gesunde Lokalredaktion durch Fremdbestimmung und Sparmassnahmen zugrunde gerichtet wird. Es zerriss mir das Herz. So sehr, dass ich meine neuen Vorgesetzten – selbst gezeichnet von Überforderung und Ohnmacht – mit Kritik eindeckte, bis ihnen kaum mehr etwas anderes übrigblieb, als mich auf die Strasse zu stellen.

Früher brütete man über Recherchen

Was bleibt, ist Nostalgie. Die Erinnerung daran, wie es früher war. Wie Redaktoren mit messerscharfem Verstand und Leidenschaft über Recherchestücken brüteten. Wie die Artikel auf der Redaktion kritisch gegengelesen wurden, bis jeder Satz im Sattel sass. Wie Titel und Lead nochmals begutachtet wurden, auch wenn man bereits 10 Stunden im Büro verbracht hatte. Wie danach ein professionelles Korrektorat die letzten Falten ausbügelte und bei Unklarheiten am späten Abend hartnäckig nachfragte.

Publizierte Artikel ohne Nachprüfung

Heute? Die Redaktionsräume in Sarnen haben neue Mieter gefunden. Medienmitteilungen aus Obwalden werden ausserhalb des Kantons von Studenten und Praktikantinnen eiligst zu Artikeln zusammengeschustert und ins Netz gestellt. Nichts gegen junge Arbeitskräfte. Aber wenn sie einzig eingestellt werden, weil erfahrene Redaktoren zu teuer geworden sind, darf man sich nicht wundern, wenn niemand dafür zahlen mag. Das Korrektorat: 1000 Kilometer entfernt in Banja Luka. Die automatische Duden-Korrektur ist verlässlicher. Heute landen Artikel in der Zeitung und im Netz, deren Inhalt auch der Redaktionsleiter nicht genau versteht – wenn er sie überhaupt noch liest.

Die Zeitung ist zu einem Abfallprodukt geworden

Unlängst hiess es auf ZACKBUM.ch, der publizistische Leiter des Medienkonzerns bezeichne die Zeitung intern als «Abfallprodukt» und die Abonnenten als «Milchkühe», die noch solange gemolken werden, bis sie sterben. Oder selbst merken, dass Qualität und Preis in keinem Verhältnis mehr stehen. Ich darf solche Aussagen weder bestätigen noch dementieren. Dabei wäre es nur die Wahrheit: Die Zeitung ist zu einem Abfallprodukt geworden. Die Abonnenten haben dies allerdings längst bemerkt. Sie sind nicht dumm.

Kein Mensch abonniert eine Lokalzeitung – oder auch deren digitale Angebote –, weil er an internationaler und nationaler Berichterstattung interessiert ist. Wer die Obwaldner Zeitung abonniert, will über Obwalden lesen. Doch statt den Regionalteil zu stärken, wird er mit Sparmassnahmen erstickt, während den Abonnenten vorgegaukelt wird, dass dank «Umstrukturierungen» und der «Nutzung von Synergien» die Berichterstattung näher zum Leser rückt. Das Gegenteil ist der Fall.

Nicht Rettung, sondern Untergang

Darf man von einem Medienkonzern, der sich TV-Sender wie 3+ ins Portfolio holt und obendrein noch Champions-League-Rechte sichert, überhaupt erwarten, dass irgendwo ein Herzschlag übrigbleibt für die Abonnenten und Redaktoren einer Lokalzeitung? Natürlich nicht. Macht und Geld regieren hier die Medienwelt. Einen Vorwurf machen kann man höchstens jenen, die sich in den Windschatten des Medienkonzerns begaben und bis heute nicht einsehen wollen, dass er nicht Rettung bedeutet, sondern Untergang.

Kritisieren ist einfach. Kann denn Lokaljournalismus heute überhaupt noch eigenständig und rentabel bleiben? Ich glaube ja. Doch dafür bräuchte es Leidenschaft, Kreativität, Lesernähe, Bereitschaft und Mut, neue Wege zu gehen und bis zum Umfallen für eine Sache zu kämpfen, für die es sich zu kämpfen lohnt. Nur eines ist gewiss: Wenn die treusten Leser als alternde Milchkühe angesehen werden, ist das Spiel schon längst verloren.

 

Von Adrian Venetz, ehemals Chefreporter bei CH Media.

Züritipp mit Bart

Der neue Züritipp überrascht mit lahmen Texten

Priska Amstutz irrt sich. Die Co-Chefredaktorin des Tagi schreibt im Editorial zum neuen «Züritipp»: «Wir wollen mit dem neuen Züritipp in dieser Zeit Mut machen.» Im Grundkonzept des Veranstaltungshinweiser sollten aber spannende Tipps und lockere Texte vorkommen, keine lieben Botschaften.

Den Artikeln in der ersten Ausgabe sieht man an, dass sie sechs Monate lang in den Redaktionsräumen lagen. Sie haben ziemlich Bart bekommen:

«Die Idee, eine Informations- und Netzwerkplattform für einen ganzheitlichen Start in den Tag zu entwickeln, sei schon letztes Jahres entstanden (…)»

«Diese Reduktion auf das Wesentliche sieht Frei vor allem in der aktuellen Corona-Situation auch als Chance (…)»

Michèle Roten konnte als Kolumnistin gewonnen werden. Ihr erster Text ist eine Enttäuschung. Früher, im «Magazin», schrieb sie freche Texte. Jetzt ist sie halt auch älter, weiser und überlegter geworden:

«Mein wichtigster Tipp: Begeben Sie sich in Umstände, in denen Sie mit anderen Menschen gemeinsam etwas tun.»

Wir blättern weiter und informieren uns über Tipps zu billigem Essen (Pommes, Pizza, Dessert). Die Veranstaltungshinweise sind okay, aber auch nicht überraschend: Rigiblick, Plattenbörse, Sophie Hunger»

Gefreut haben mich die Rubriken «Die Karte» (inspiriert vom Magazin der «Zeit») und «Stil & Shopping» (inspiriert vom Magazin der «Süddeutschen»). Nun, ich hoffe, dass die nächste Ausgabe (in zwei Wochen) etwas frischer und mutiger auftritt.

P.S. Der Züri-Tipp war heute früh im Digital-Abo nicht abrufbar. Komisch.

Als SRF noch Selbstkritik übte

Das Fernsehen SRF stellt zwei weitere Selbstreflexionen ins Netz. Sie stammen aber fast aus der Steinzeit. Spannend sind sie trotzdem.

Selbstkritik ist mühsam zu ertragen. Vielleicht darum findet die Medienkritik in vielen Zeitungen nicht mehr statt. Der Tages-Anzeiger hat seine Medienseite schon längst gestrichen und auch der TA-Medienblog «Off the Record» ist seit vier Jahren «auf Eis gelegt», wie es offiziell heisst. Rainer Stadler, NZZ-Medienredaktor und seit 31 Jahre an der Falkenstrasse, verlässt seine Stelle Ende September. «Freiwillig», wie er gegenüber persönlich.com sagte.
Kritik galt als karrierefördernd
Dabei gab es punkto Medienkritik durchaus andere Zeiten. Das Fernsehen SRF, damals das Fernsehen DRS, gab in den 1970er und 1980er Jahren intern vier Reportagen in Auftrag. Sie porträtierten das eigene Haus durchaus kritisch. «Alles riecht nach Mittelmass» ist eine der Kernaussagen der ersten beiden Reportagen. ZACKBUM.ch hat darüber berichtet.
Eine davon wurde vom späteren Fernsehdirektor Peter Schellenberg gedreht. Damals  war ein gewisses Mass an geäusserter Kritik also durchaus karrierefördernd.
Alle Folgen der kleinen Serie
Nun hat sich SRF bei uns gemeldet. Man nehme Bezug auf unsere Meldung und habe jetzt  auch die beiden späteren Folgen der «kleinen Serie» ins Netz gestellt. Und tatsächlich. Es sind durchaus Trouvaillen.
Beni Thurnheer sieht man in jugendlicher Frische und selten gesehener Frechheit, wie er die Generalprobe eines Tell-Star-Quiz sehr locker moderiert.

Ein Reporter der damaligen Regionalsendung «DRS Aktuell» (Vorläufer von «Schweiz aktuell») muss 12-mal ansetzen, bis die Moderation gelingt. Die Kamera bleibt schonungslos dran. Die 80er-Kult-Sendung und Kaderschmiede Karussell moderiert ein junger Kerl namens Hannes Britschgi, heute Leiter der Ringier-Journalistenschule. Matthias Hüppi erlebt man als Nachwuchskraft beim Lauberhornrennen. Er ist aktuell Präsident des FC St. Gallen, nach einer Bilderbuchkarriere als Sportmoderator bei SRF.
Auch nicht ohne, der Live-Auftritt von Nena mit ihrem Hit «99 Luftballons» – im «Karussell».
Ebenfalls porträtiert: Erich Gysling mit seiner fast reinen Männercrew, wie er die Tagesschau vorbereitet. Damals mit von der Partie auch Robert Ruoff, den man heute zum Beispiel auf Infosperber wahrnimmt als mahnende Stimme, wie früher vieles, ja fast alles besser war.
Beim ersten gut 20-minütigen Film («Die Fernsehfabrik 3») hatte Alfred Fetscherin die Leitung. Diese Reportage von 1983 kommt eher zahnlos daher. Kein Wunder: Fetscherin wurde nach seiner Redaktions- und Moderationtätigkeit Medienchef von Radio und Fernsehen DRS. Dann  wechselte er in die Privatwirtschaft und gründete das sehr bürgerlich ausgerichtete Radio Z. Radio Z, das ist der Vorläufer von Radio Energy. Seit 30 Jahren betreibt Fetscherin eine eigene PR-Agentur. Sein Sohn Adrian Fetscherin ist ebenfalls einigermassen bekannt und arbeitet heute als Marketing-Chef bei der Fussballsektion des Grasshopperclub.
Ein fast schon marxistischer Titel
Die vierte Folge unter dem Namen «1000 Menschen – ein Programm» aus dem Jahr 1987  ist dann wieder um einiges frischer. Hier hatte wieder Peter Schellenberg seine Hände im Spiel –  als Redaktionsleiter. Ein Jahr später wurde er dann endlich Chef. Der Regisseur des vierten Teils: Ludwig Hermann, der 1965 das legendäre «erste unabhängige Pressebüro der Schweiz» – das Büro Cortesi in Biel – mitgründete. Der Film mit dem  leicht marxistischen Titel (1000 Menschen – ein Programm) dauert 47 Minuten und endet mit einer originellen Einstellung des DRS-Hochhauses im Leutschenbach. Die Büros sind zu einem fröhlichen Lächeln beleuchtet. Der späteren Führung von SRF scheint dieses schon länger vergangen zu sein. Der 4. Film war der letzte dieser besonderen Serie.

Die Privaten können’s auch nicht besser

Was ist anders, wenn SRF nicht mehr Championsleague-Spiele überträgt?

Es war wie früher. «…. Und am Ende gewinnen immer die Deutschen», wie Gary Lineker zu sagen pflegte. Tatsächlich. 1 zu 0 für den mitgliederstärksten Sportverein der Welt (FC Bayern) gegen den FC Katar Finanz (Paris Saint-Germain). Das knappste Fussballresultat reichte also aus im gestrigen Champions-League-Final.

Die Milliarde aus Katar machte Paris nun doch nicht zu Europas Nummer 1. Für die Sportabteilung vom Farbfernsehen SRF ein Frust. Denn jetzt siegte tatsächlich der Underdog. Die Theorie aus Leutschenbach, dass man die Preistreiberei bei Einkauf der Übertragungsrechte nicht mehr mitmache, wirkt nur noch halb so gut. Auf SRF hatte man gestern die Wahl zwischen einem Absturzdrama eines Kleinflugzeugs in der Eiswüste und einem Politthriller aus dem Bundeshaus. Online gab’s von der SRF-Redaktion immerhin den Liveticker serviert.

Direkt im Free-TV wurde das Spiel übertragen von Teleclub Zoom (Gratiskanal) und von 3+. Gewöhnungsbedürftig: Der eingespielte künstliche Fansound. So erinnerten nur die leeren Sitze daran, dass das Spiel in Lissabon wegen Corona ohne Zuschauer stattfand.

120 oder 160 Millionen?

Der Sender Sender 3+ gehört seit Oktober 2019 der CH Media Gruppe. Dominik Kaiser soll, je nach Quelle, zwischen 120 und 160 Millionen für sein Lebenswerk bekommen haben. Neu überträgt 3+ (sowie der ebenfalls zur Gruppe gehörende TV24-Kanal) zumindest einige Spiele der Champions League. SRF, das schon in den vergangenen Jahren nur noch die Mittwochsspiele sendete, verzichtet ganz, wie bekannt wegen zu teuer.

So ist fussballtechnisch der Privatsender aus Aarau die neue Nummer eins. «Inoffiziell gestartet», wie es von 3+ heisst, wurde die «künftige Zusammenarbeit mit der Uefa» bereits vor Beginn der neuen Saison. Eben gestern.

Kommentator aber war Marcel Reif. Man kennt ihn von jenem Spiel, das durch ein umgefallenes Tor um 76 Minuten verzögert wurde. («Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan»). Nur ist das 22 Jahre her und Reif, mittlerweile 71-jährig, ist im Kommentieren leider nicht besser geworden. Neue Zuschauer, die dann bei Teleclub ein Abo lösen, gibt es deshalb wohl nur wenige.

Im Studio für die Vorschau, die Pausenanalyse und das Fazit sassen zudem die üblichen Verdächtigen, genau wie bei SRF. Etwa der ehemalige Nati-Trainer Rolf Fringer («Die schwarze Nacht von Baku») und Ex-Schiedsrichter Urs Meier (er bekam 2004 Morddrohungen nach einem Hetzartikel von «The Sun»). Das ist SRF pur. Solche Experten-Gruppen sind darum so langweilig, weil die so genannten Experten auch nicht viel mehr wissen, als die sportinteressierten Zuschauer. Zumindest nicht im wohltarierten Studio in Volketswil, wo man sich dann doch nicht wehtun will.

Da bleibt eigentlich nur der Klassiker. Das ZDF mit dem Kommentar von Urgestein Béla Réthy.

Auch Kurt W. Zimmermann macht Fehler

Dass Christoph Blocher im «Tagblatt der Stadt Zürich» schreibt, ist eine Falschmeldung.

Der Medienkritiker und Journalist Kurt W. Zimmermann behauptet, dass die Kolumnen von Christoph Blocher auch im «Tagblatt der Stadt Zürich» erscheinen. «Zimi», wie er von Kollegen genannt wird, beweist mit dieser Zeitungsente, dass er das Wesen der amtlichen Anzeiger nicht verstanden hat. Doch der Reihe nach: Die wöchentlichen Kolumnen von Zimmermann in der Weltwoche sind immer lesenswert, auch wenn sie meist altklug erscheinen und politischen Rechtsdrall haben. Zudem schreibt der passionierte Golfer und ehemalige Chefredaktor des Schweizer Journalisten oft über früher. «Keine Nostalgie, aber das meiste war früher besser», urteilt er dazu treffend in einem lesenswerten Fragebogen auf dem Blog matthiaszehner.ch

«Zum Spass einen Zeitungsverlag»

In seiner jüngsten Kolumne in der neu gestalteten Weltwoche lobt er all die Milliardäre, die sich «zum Spass einen Zeitungsverlag leisten». An erster Stelle nennt Zimmermann alt-Bundesrat und SVP-Chef Christoph Blocher, Eigentümer von 28 Gratisanzeigern. Zu dieser Swiss Regiomedia AG gehören etwa die neue Oltner Zeitung, die Wiler Nachrichten, der Rheintaler Bote und eben das Tagblatt der Stadt Zürich. «Der Verleger hat das Wort», heisst die Kolumne von Christoph Blocher (79). Doch der kleine, aber feine Unterschied: Blocher verkündet seine Botschaft nur in den nichtamtlichen Zeitungen.

Im Polit-Zürich unmöglich

Aussen vor bleiben hier der «Furttaler», der «Rümlanger» und eben das  «Tagblatt der Stadt Zürich». Gerade im Tagblatt wäre das Verbreiten von Blochers Zeilen ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest, solange noch ein Vertrag mit der linksgrün dominierten Stadtregierung von Zürich besteht. Dort ist genau geregelt, was und wie im Tagblatt erscheinen darf. Dazu gehören sicher nicht Kolumnen von SVP-Übervater Blocher. Dafür aber mehr oder weniger originelle Weisheiten der neun, meist rot-grünen Stadträte. Dem Vernehmen nach wird stadtintern schon gemurrt, wenn auf der letzten Seite unter «Klartext» etwa Christian Saggese seine autofreundlichen Äusserungen publizieren darf.

Die nächsten Wahlen kommen bestimmt

Kurzum: Ein Amtsblatt ist redaktionell etwas komplett anderes als eine Gratiszeitung. Denn die Vorgaben des Vertragspartners sind strikte. Dazu kommen oft persönliche Vorlieben der jeweiligen Exekutive. Man will möglichst gut dastehen und bei den nächsten Wahlen wiedergewählt werden. Weil das Tagblatt der Stadt Zürich unter der Geschäftsleiterin und Chefredaktorin Lucia M. Eppmann vorsichtig agiert und politisch eher belanglos unterwegs ist, scheint eine Vertragserneuerung im Jahr 2022 aber möglich. Aktuell zahlt die Besitzerin der Stadt Zürich jährlich 850’000 Franken. Dafür darf sich die Wochenzeitung «Städtisches Amtsblatt» nennen. Da bringt ihr Inserate in Millionenhöhe, davon ein Grossteil amtliche Nachrichten.

Oft nur noch digital

Trotzdem ist das Geschäftsmodell mit Amtsblättern gefährdet. Denn immer häufiger verzichten Kantone, Städte und Gemeinden auf ein Amtsblatt in Papierform. Das jüngste Beispiel: Seit dem 3. Juli 2020 gibt’s amtliche Bekanntmachungen aus Ausserrhoden nur noch digital. Das Amtsblatt Appenzell Ausserrhoden wurde nach 186 Jahren eingestellt. Das Tagblatt der Stadt Zürich ist schon 290-jährig. Im Blocherbesitz ist es aber erst seit 2018.

Packungsbeilage: ZACKBUM.ch-Redaktor Lorenz Steinmann arbeitet bei der Lokalinfo AG. Diese gibt im Raum Zürich ebenfalls einige Amtsblätter heraus.

 

Wie beginnt man ein Interview? (Teil 1)

Interviews sind die Billy-Regale des Journalismus.

Einfach und schnell zusammengebaut, wenig Fachkenntnisse erforderlich, kein bleibender Wert. Im deutschsprachigen Raum sind 95 Prozent der Interviews darum überflüssig, in der Schweiz sind es sogar 98 Prozent. Die wenigen Interview-Perlen erkennt man an der Einstiegsfrage. Hier scheitern die meisten Journalisten, zum Teil kolossal. Die erste Frage ist deswegen so schwierig, weil der Interviewer eine ganze Menge reinpacken muss: Interesse, Distanziertheit, Vorwissen, Neugierde. Der Leser muss gleich zu Beginn gefesselt werden. Die erste Frage ist so wichtig wie die Anmachfrage in einem Club.

Wir präsentieren hier in loser Folge gute und schlechte Fragen. Bei den schlechten Beispielen wollen wir die Journalisten aber nicht an den Pranger stellen. Wir alle haben ein paar gute, aber leider mehr schlechte Tage. Uns geht es darum, die misslungenen Fragen zu analysieren und daraus zu lernen. Für Beispiele in beiden Richtungen sind wir dankbar: redaktion@zackbum.ch.

Sex auf Deutsch

Quelle: Süddeutsche (14./15./16. August 2020)
Journalistin: Julia Rothhaas
Gesprächspartnerin: Erica Jong (Sex-Autorin)
Info: Das Gespräch wurde telefonisch geführt.

Einstiegsfrage:

Frau Jong, Ihr erster Roman «Angst vorm Fliegen» erschien 1973 und wurde gleich ein riesiger Erfolg. Die Geschichte erzählt von einer jungen Frau, die sich von ihrer Ehe gelangweilt in eine Affäre stürzt. Seit 47 Jahren werden Sie deshalb als «Königin der Erotik» bezeichnet, der von Ihnen geschaffene Begriff des «zipless fuck», auf Deutsch «Spontanfick», wird in jedem Zusammenhang mit Ihnen erwähnt.

Kritik: Welche Pornos sind gut? Doch nur die vorstellbaren. Welche Interviews sind gut? Auch nur die vorstellbaren. «Ihr erster Roman «Angst vorm Fliegen» erschien 1973 und wurde gleich ein riesiger Erfolg.» – Welcher Mensch stellt aber solche Fragen? Eigentlich stellt Julia Rothhaas gar keine Frage. Sie quetscht Kurzbio, Buchkritik und Etymologie brutal in drei Sätze. Was fehlt, ist eine Frage. Will Rothhass, dass sich die «Königin der Erotik» wegen des Spontanficks schämen soll? Dann raus mit der Sprache: «Frau Jong, schämen Sie sich kein bisschen?» Bei diesem Interview scheppert aber nicht nur die erste Frage. Jong werden zusammenhanglos eigene und fremde Zitate vorgelegt. Es ist ein Jammer. Und es ist nicht nachvollziehbar, warum die  «Süddeutsche» das Gespräch als «grosses Interview» anpreist. Das stimmt weder von der Länge (26 Fragen) noch vom Inhalt.

Auch sonst erfüllt der Text die Formalien nicht. Die Einstiegsfrage wiederholt Infos aus dem Lead («in den Siebzigerjahren mit dem Roman «Angst vorm Fliegen» (…)»»), die kurioserweise in einer Personenbox zum dritten Mal wiederholt werden («zwei Jahre später ihr erster Roman «Angst vor Fliegen», der (…)») Der Lead selbst beschreibt eine Szene (zwei Pudel in der Küche), die in einen Fliesstext gehören.  Verständlich,  dass Jong hilflos antwortet: «Ich erfinde nun mal gerne Wörter.»

Lösungsvorschlag: Die ersten beiden Sätze in einen anständigen Vortext ausgliedern und dann gleich mit dem dritten Satz beginnen:

Sie haben das Wort «Spontanfick» geprägt. Stolz?

 

Die Zauberhand

Quelle: Gastro-Journal (16. Juli 2020)
Journalist: Benny Epstein
Gesprächspartner: Marc Bär (Hotelier im Fextal)

Einstiegsfrage:

Marc Bär, wer Ihr Hotel Fex im Engadin betritt, erlebt pure Magie: Wie durch Zauberhand verfliegt der Alltagsstress. Wo liegt das Geheimnis versteckt?

Kritik: Hier handelt es sich um eine schlechte Einstiegsfrage. Das Gastro-Journal ist natürlich eine Verbandszeitschrift und kein journalistisches Medium. Trotzdem gilt auch hier: Die erste Frage muss sitzen, der Leser darf nicht verarscht werden. Journalisten müssen ihre Hose bis zur letzten Fragen anbehalten. Epstein entledigt sich gleich bei der ersten Frage von seiner Unterhose. Hinzu kommt, dass die Frage gar keinen Sinn macht. Wenn etwas mit der magischen Zauberhand angerührt wird, ist es nicht erklärbar. Magie pur. Epstein fragt hoffentlich auch kein Mädchen: «Du hast so einen magischen Busen. Wo liegt das Geheimnis versteckt?»

Lösungsvorschlag:

Marc Bär, wie schaffen es Hoteliers, dass der Alltagsstress gleich beim Check-In verfliegt?

 

Andreas W. Schmid  – der Beste

 

Quelle: Coopzeitung, 14. Juli 2020
Journalist: Andreas W. Schmid
Gesprächspartner: Martin Suter

Martin Suter, Sie werden immer als der grosse Geschichtenerzähler unster den Schweizer Autoren bezeichnet. Ich wünsche mir deshalb für dieses Interview, dass Sie in jede Antwort eine Geschichte einbauen – und falls doch nicht, erinnere ich Sie daran und Sie müssen nachbessern. Einverstanden?

Kritik: Das ist eine schöne erste Frage. Andreas W. Schmid zählt überhaupt zu den besten Interviewer der Schweiz und vergeudet sein Talent in der Coopzeitung. Warum ist diese Frage gut? Nun, Martin Suter hat in der letzten Zeit unzählige Interviews gegeben. Anlass ist der neue Film über ihn. Die Journalisten, die mit ihm reden durften, konnten dabei ihr Glück nicht fassen. Schmid wahrscheinlich auch nicht. Ihm gelingt aber im Gespräch eine richtige Konversation und keine Lobhudelei. Die Einstiegsfrage gibt gleich den Takt an: Ich frage, sie antworten. Und wenn der Gesprächspartner nicht mitmacht, wird er von Schmid ermahnt: «Sie sollten von Ihrer Karriere als Werbetexter erzählen.»

Es gibt einige Journalisten, die seine häufigen Ich-Fragen anmassend finden, ich nicht. Soll er doch. Das Ergebnis ist fast immer ansehnlich. Der Leser erfährt Biografisches, das sonst nirgendwo steht. Schmid erinnert mich deshalb an Roger Schawinski, der in den Interviews auch viel Gesprächsanteil hat. Aber nicht jeder Journalist kann und soll Schmid oder Schawinski. Das ist nur den Fähigen reserviert.

Fortsetzung folgt

(Anmerkung zur LeserInnenbindung: ZACKBUM.ch freut sich über positive wie negative Beispiele, wobei keine Garantie besteht, dass diese auch erwähnt werden)