News aus dem Newsroom

Käfigtierhaltung wäre so nicht erlaubt.

Der Newsroom ist eine teuflische Erfindung. Wenn er auf dem Greenscreen hinter dem Sprecher der «Tagesschau» emsig arbeitende Journalisten zeigen soll, mag das als Dekoration noch angehen.

Aber die real existierenden Newsrooms, sei das bei Ringier, bei Tamedia, bei CH Media oder auch im Schweizer Farbfernsehen, würden Tierschützer auf die Barrikaden steigen lassen. Da dort aber nur Journalisten gehalten werden, bleiben sie untätig.

«Wir sprechen am Telefon und zu zweit so leise wie möglich», dekretierte SRF für den ersten, provisorischen Newsroom. Für Erbsenzähler und Manager sind Newsrooms wunderbar. Synergie, kurze Amtswege, weniger Platzbedarf, mehr Kontrolle, bessere Messung der Leistung.

Selbst Verrichtungsboxen waren noch besser

Für Kindersoldaten und altgediente Redaktoren waren selbst ihre vorherigen Verrichtungsboxen, links und rechts mit einer Stellwand abgetrennt, noch besser. Sie ermöglichten noch einen letzten Rest von Privatsphäre, von vertraulichen Gesprächen, von kleinster Abgeschiedenheit beim Ringen um die richtige Formulierung, den richtigen Einstieg.

Um die Privatsphäre zu vergrössern, war es nicht unüblich, schalldämpfende Kopfhörer zu tragen, als wäre man auf einer Baustelle neben dem Presslufthammer. Sitzung war gestern, heute ist Stehung, direkt vor Ort, Nicht-Beteiligte sollen einfach weghören. Klare Abläufe war gestern, heute wird mit absurd vielen Hierarchiestufen versucht, wieder Ordnung in das Chaos zu kriegen, das der Newsroom ausgelöst hat.

Journalisten können nicht organisieren

Chef vom Dienst war gestern, heute heisst das zum Beispiel bei SRF «Decision Desk». Englisch knallt doch einfach mehr als Entscheidungstisch. Denn der Newsroom hat nicht nur alte Strukturen aufgebrochen, was gar nicht so schlecht ist. Sondern Journalisten vor das Problem gestellt, etwas zu machen, was sie nur schlecht können: organisieren.

Ein Textroboter kann heutzutage problemlos ein Sportereignis wiedergeben, wobei ihm, im Gegensatz zu Boris Becker, allerdings die Attraktivität der Schiedsrichterin entgeht. Aber ein Journalist aus Fleisch und Blut neigt zur Unordnung, zum schöpferischen Chaos, zum Improvisieren, immer getrieben von Deadlines und Konkurrenzdruck. Ausserdem sind sie ausgesprochene Individualisten.

Mehr Häuptlinge, weniger Indianer

Dem wird nicht nur bei SRF mit einer Unzahl von Häuptlingen begegnet. Die versuchen nun, ihre Indianer in wechselnden Formationen, genannt Themen, zusammen- und anzutreiben. Denn die Zeiten, als Redaktoren festen Gefässen zugeteilt waren, sind vorbei. Einigermassen sicher ist nur noch der Posten des Präsentators der Sendung.

Der Journalist ist auch, trotz trüben Zeiten, ein aufmüpfiges Wesen, sonst hat er seinen Beruf verfehlt. Zudem ist er meistens in der Lage, einigermassen verständlich zu formulieren. Und er weiss auch, wann ein interner Protest zur News wird. Indem man ihn durchsickern lässt, wie sonst. Und da sich Journalisten für nichts so sehr interessieren wie für Journalisten, ist grosse Aufmerksamkeit gewiss.

Mitarbeiter des SRF-Newsrooms beschweren sich

So beschweren sich die Mitarbeiter des SRF-Newsrooms über naheliegende Probleme: Zu viel Gequatsche, zu viel Koordinationsaufwand, zu viele Häuptlinge. Zu wenig Freiräume, zu wenig Mitentscheidungsmöglichkeiten. Das führe zu Frust und Abgängen, ausserdem klappe die Zusammenarbeit zwischen TV und online nicht wirklich.

Der «Blick» hat in seinem Newsroom die Schlagzeile basteln lassen: «Aufstand im Newsroom». Dabei dürfte die dortige Häuptlingsriege einen Moment leer geschluckt und über die Schulter geblickt haben. Aber keine Bange, ist nichts passiert.

Rund 30 Tapfere haben ein Protestschreiben an die Chefetage von SRF gerichtet, in einer anonymen Umfrage sollen 75 Prozent der Newsroom-Insassen gemeckert haben, dass ihre Standpunkte nicht genügend berücksichtigt würden. Ob das wohl daran liegt, dass von den immerhin 200 Mitarbeitern nicht mal 30 den Mut fanden, ihren Namen unter die Beschwerde zu setzen?

Keine neue Erfindung, lösbare Probleme

Das Grossraumbüro ist wahrlich keine neue Erfindung. Seitdem das Klappern von Schreibmaschinen durch das leise Klicken der Computertastatur abgelöst wurde, also vor rund 40 Jahren, wurden die vorher schon existierenden Büros ohne Trennwände noch grösser und grösser. Das bedingte eine andere Art der Organisation, der Abläufe, der Hierarchien.

Im normalen Bürolistenleben funktioniert das, selbst der Büroarbeiter als Nomade, der sich jeden Tag einen Arbeitsplatz suchen muss, funktioniert leidlich. Vom Home-Office ganz zu schweigen. Aber in der Medienwelt gibt es immer wieder gröbere Probleme. Eine klare Kampflinie zwischen alten Medien und neuen. Zwischen schnell und langsam. Zwischen multimedial, multichannel und alten Gewohnheiten.

Ein Managementproblem, das eigentlich zu lösen wäre. Wenn es begabte Medienmanager gäbe. Statt immer mehr Häuptlinge und immer weniger Indianer.

Corona-Leugner gegen Zeugen Coronas

Eigentlich sind sogar Zeitungen farbig. Ausser bei Corona.

Der Medienchoral, der unablässig Hosianna sang, wenn die BAG-Schlafpille Daniel Koch oder der fach- und sachfremde Gesundheitsminister Alain Berset etwas von sich gaben, hat sich aufgelöst.

Die eine oder andere Kritik an der Weisheit von Beschlüssen der Obrigkeit oder an mit wissenschaftlichem Gestus vorgetragenen Befürchtungen sind erlaubt. Aber ansonsten sind die Meinungen in den Leitmedien gemacht.

Gibt es wirklich Corona-Leugner?

Drei Dinge sind sicher auf dieser Welt: Donald Trump ist auch bei der Pandemie ein Vollversager. Der «schwedische Weg ist gescheitert», wusste schon Ende Juni der Corona-Kenner aus dem Hause Tamedia. Also eigentlich der Auslandredaktor Sandro Benini.

Aber wenn darüber vielleicht noch diskutiert werden könnte, allerdings nicht ergebnisoffen, bitte schön, eines ist unumstösslich: Es gibt Corona-Leugner. Und die haben einen Sprung in der Schüssel. Tragen zu Hause oder sogar öffentlich einen Aluhut. Glauben daran, dass es eine weltweite Verschwörung der Reichen gibt. Oder an UFOs.

Neigen auch durchaus zu Rechtsradikalismus, glauben auch an Homöopathie und andere obskure Heilungswege. Aber sie leugnen, dass es eine Pandemie namens Corona gibt. Sie sind allerdings auf ihrem Irrweg brandgefährlich. Deshalb ergibt das Suchwort «Corona-Leugner» in den letzten sechs Monaten sagenhafte 330’000 Treffer im Medienarchiv SMD.

Mehr Treffer für Corona-Leugner

Selbst «COVID-19» stinkt mit 213’000 Treffern dagegen ab. Was komisch ist: Ich kenne keinen einzigen Corona-Leugner. Ich kenne auch keinen, der einen kennt. Ich kenne nicht mal einen, der einen kennt, der einen kennt.

Aber vielleicht kann ich diese Lücke am Samstag schliessen. Da ist anscheinend eine Demonstration der «Corona-Skeptiker» angekündigt, wie der «Tages-Anzeiger» etwas abtemperiert schreibt. Das ist immerhin ein neuer Begriff, nachdem auch Tamedia das idiotische Wort vom Corona-Leugner in den letzten 6 Monaten über 4500 Mal verwendte.

Also ist das nun gut, ein Ausdruck demokratischer Meinungsvielfalt, das Ausüben eines Grundrechts, indem man demonstriert? Nun ja.

Framing ist auch bei Corona alles

Es besteht doch Anlass zur Sorge. Denn zunächst einmal gibt es zwei «Stargäste» an dieser Demo. Zum einen Comedian Marco Rima, der sich allerdings schon «bei Schawinski selbst demontierte».  Und Andreas Thiel, der sich «auch mit Talkmaster Schawinski öffentlich gestritten» habe. Dass damals das Thema überhaupt nichts mit Viruserkrankungen zu tun hatte, was soll’s.

Was Tamedia aber von den deutschen Kollegen gelernt hat, die fast die gesamte Auslandberichterstattung bestreiten: Framing ist alles, wer den Luftkampf um die verbale Etikettierung gewinnt, ist Sieger. Deshalb wird in Deutschland bei jedem Bericht über eine Demonstration gegen die Corona-Politik der Regierung darauf hingewiesen, dass sich unter den oft hunderttausend Teilnehmern auch Rechtsradikale, Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker und überhaupt verantwortungslose Irre befänden.

Zweifelhafte Organisatoren, zweifelhafte Absichten

Organisiert wird die Demonstration in Zürich vom «Bürgerforum Schweiz», zusammen mit «weiteren Corona-skeptischen Gruppen und Impfgegnern». Schlimmer noch: Dessen Präsident Daniel Regli sei «als Gemeinderat mit homophoben Aussagen aufgefallen» und tue sich ebenfalls bei «Antiabtreibungs-Demos» hervor, weiss der «Tages-Anzeiger».

Das mag ja alles so sein, nur: Was hat das mit dem Ausüben eines urdemokratischen Rechts zu tun? Nämlich gegen eine vermeintlich falsche, schädliche Regierungspolitik zu demonstrieren? Wieso sind das dann Corona-Skeptiker, gar Leugner? Das ist so absurd wie der Begriff Kreml-Kritiker. Oder Umweltsünder. Oder Klimaleugner.

Eine ganze Nomenklatur falscher Begriffe

Niemand, der alle Tassen im Schrank hat, ist skeptisch, dass es ein COVID-19-Virus gibt. Geleugnet wird es erst recht nicht. Wenn ein Oppositioneller in Russland ein Kreml-Kritiker ist, wieso gibt es dann in der Schweiz keine Bundeshaus-Kritiker? Oder in Deutschland Reichstags-Kritiker? Ist jede Form von unachtsamem Umgang mit der Umwelt gleich eine Sünde? Bedeutet jede abweichende Meinung zu Klimafragen, dass da jemand das Klima leugnet?

Werden sich also am Samstag in Zürich nur homophobe, sich selbst schon öffentlich bei Schawinski demontiert habende Verschwörungstheoretiker, Corona-Skeptiker, gar Corona-Leugner, allenfalls auch Abtreibungsgegner, Fremdenfeinde, Rassisten, Hetzer, mit einem Wort: Vollirre versammeln?

Und muss nicht jeder, der nicht in diese Gesellschaft geraten will, die Teilnahme tunlichst meiden? Oder ganz einfach gefragt: Ist das die Art von Berichterstattung, die einer Monopolzeitung ansteht, die doch behauptet, mangels anderen Plattformen offen für Divergierendes zu sein, zudem nach hohen Standards des journalistischen Handwerks zu berichten?

Aber vielleicht ist man dann ein Zeitungsleugner, wenn man nur schon diese Frage stellt.

René Rhinow lebt

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Er ist Ombudsmann von CH Media.

Der «Träger des Grossen Goldenen Ehrenzeichens am Bande für Verdienste um die Republik Österreich», der ehemalige Präsident des Roten Kreuzes, der Alt-Ständerat zählt auch schon 77 Jahre. Also voll in der Hochrisikogruppe der Pandemie.

Das hindert ihn natürlich nicht, seinem Amt als Ombudsmann von CH Media nachzugehen. Eines der vielen Abklingbecken für Ehemalige, die immer noch gerne mal wieder mit «Prof. René Rhinow» unterschreiben wollen.

In diesem Fall tat er das nach rund einem Monat auf eine Beschwerde von mir. Ich hatte zwei Dinge zu meckern gehabt:

 

«1. Der «publizistische Leiter» von CH Media hat eingestandenermassen die Sperrfrist des Zuger Obergerichts zur Bekanntgabe seines Urteils in Sachen Spiess-Hegglin gegen Ringier nicht eingehalten. Wie lässt sich dieses Verhalten Ihrer Meinung nach mit dieser Position vereinbaren? Welche Sanktionen sind im Hause CH Media für einen solchen groben Verstoss gegen fundamentale Anstandsregeln vorgesehen?

2. Die Hauskolumnistin Simone Meier schreibt in einer ihrer letzten Kolumnen: «Unter Hitler wurden Juden, Menschen mit einer Behinderung, Fahrende, Kommunisten und Homosexuelle gecancelt.»

Halten Sie es nicht für angemessen, dass sich Frau Meier für diese unglaubliche Geschmacklosigkeit öffentlich entschuldigen sollte? Welche Sanktionen sind im Hause CH Media für solche haarsträubenden Verniedlichungen eines millionenfachen Massenmords vorgesehen?»

 

Soll ich behaupten, dass ich von Rhinows Antwort überrascht war? Nein, denn das wäre gelogen. Und das tut man nicht. Oder doch?

Gar kein Fall für den Ombudsmann?

Nun, der publizistische Leiter Pascal Hollenstein hat sich vernehmen lassen. Zunächst behauptet er im pluralis majestatis, «wir stellen uns auf den Standpunkt», dass das gar kein Fall für den Ombudsmann sei.

Dann lässt Hollenstein aufblitzen, dass er sich für seine Antwort auch rechtliche Unterstützung besorgt hat: «Eventualiter» äussert er sich «materiell» zum Vorfall. Der Artikel sei aufgrund einer «Fehlmanipulation» zu früh publiziert worden. Sobald man das bemerkt habe, sei er sofort wieder gelöscht worden. Aber, dumm gelaufen, dann sei er schon vom Medienarchiv SMD «abgegriffen» worden, und das habe man ja auch nicht ahnen können.

Auf jeden Fall: keine Absicht, und Hollenstein war’s nicht, wusste nichts. Das mag ja alles so sein, aber: Ist es nicht eine Verkettung merkwürdiger Umstände, dass ich rund 4 Tage vor Ablauf der Sperrfrist am Montag, also an einem Donnerstag, bezüglich Urteilsverkündung in Sachen Spiess-Hegglin – wie es sich im seriösen Journalismus gehört – ihr und ihrem Mediensprecher ein paar Fragen zur Stellungnahme schickte?

Bei Anfrage Publikation

Ich gab bis Freitag Frist für eine Antwort. Stattdessen erschien dann am Donnerstagnachmittag holterdipolter sein Artikel, indem er das Urteil als Erster publizierte, mitsamt Stellungnahme von Spiess-Hegglin. Auf meine Anfrage reagierten weder er noch sie. Könnte es unter Umständen, allenfalls, man denkt sich nur so, etwa sein, dass Hollenstein aufgrund meiner Anfrage plötzlich Schiss kriegte, dass er nicht der Erste sein könnte, der das Urteil publiziert? Aber nein, das könnte nicht sein, denn wenn es so wäre, hätte er das sicher eingeräumt.

Aber gut, im Zweifel für den Angeschuldigten. Wie windet sich Rhinow nun aus dieser Lage? Na, wozu hat man Juristerei studiert. Geht ganz einfach:

«Im vorliegenden Fall rügen Sie die (offenbar unbeabsichtigte und kurzfristige) Nicht-Einhaltung einer Sperrfrist des Zuger Obergerichts sowie die „Geschmacklosigkeit» einer Kolumne von Frau Meier. Aus Ihrer Beanstandung geht nicht hervor, ob und inwiefern Sie durch diesen Umstand resp. die Publikation unmittelbar negativ betroffen sind. So ehrenwert das Engagement für medienethische Grundsätze in der Praxis auch erscheint, so dient das Verfahren vor der Ombudsstelle dazu, persönlich berührten Lesern und Leserinnen unkomplizierte und informelle Beanstandungsmöglichkeiten zu verschaffen.»

Da ich in beiden Fällen keine persönliche Betroffenheit geltend machen könne, kann Rhinow deshalb «auf Ihre Beanstandung nicht eintreten».

Wer ist denn dann persönlich berührt?

Dazu möchte ich im Rahmen meines Engagements für medienethische Grundsätze bemerken: Nach dieser Logik hätte sich nur das Gericht oder Spiess-Hegglin bei Hollenstein beschweren dürfen. Alle Journalisten, die sich – wie ich – an die Sperrfrist gehalten haben, sind von diesem Praecox-Artikel nicht betroffen? Selten so gelacht.

Ich gebe zu, ich kein Jude, auch nicht behindert, kein Fahrender und ebenso wenig homosexuell. Müsste ich eines davon wirklich sein, um «persönliche Betroffenheit» geltend machen zu können, wenn eine geschichtsvergessene, geschmacklose, uneinsichtige Kolumnistin den industriellen Massenmord des Nazi-Regimes so bezeichnet, dass die unter Hitler «gecancelt» wurden? So wie man einen Flug, eine Reservierung, eine Reise cancelt?

Mit Verlaub, offenbar sind davon weder der publizistische Leiter, noch der Ombudsmann, noch die dumme Autorin betroffen. Ich hingegen schon; ich finde das etwas vom Übelsten, was ich letzthin zum Thema Massenmord durch die Nazis gelesen habe.

Wer hat Angst vor Jolanda Spiess-Hegglin?

Der Blick.

4. September: Das Zuger Kantonsgericht verbietet Michèle Binswanger, ein Buch über die Landammannfeier (aus der Sicht von Hürlimann) zu schreiben.
13. September: Markus Hürlimann nimmt nach langem Schweigen Stellung zu Jolanda Spiess-Hegglin.

Von der Aargauer Zeitung bis zur NZZ: Die Medien schreiben darüber. Jeder nach seiner Fasson. Alle? Nein, die stärkste Zeitung der Schweiz, der Blick, schweigt eisern. Auch nicht SoBli oder Blick.ch.

Keine Kurznachricht, keine Analyse, nichts. Das hat es so wohl noch nie gegeben. Seit der Entschuldigung von Ringier-CEO Marc Walder an Jolanda Spiess-Hegglin herrscht Funkstille in der Dufourstrasse. Walder schrieb damals im Stil eines Messdieners:

Wir können das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Wir können aber Tag für Tag dazulernen und immer und immer wieder versuchen, es besser zu machen.

So heule ich zur Frau, wenn etwas wirklich, wirklich Schlimmes vorgefallen ist (falsches Waschpulver gekauft, Socken nicht umgestülpt, Seitensprung). Der Fall erinnert an Erwin Kessler. Auch über ihn zu schreiben, lehnen viele Schweizer Medien ab. Zu heikel, zu gefährlich, zu eklig. Aber, Blick? Die Boulevardzeitung hat Schiss? Ringier beschreibt sein Flaggschiff «Blick» so:

Als Boulevard-Zeitung der Schweiz setzt Blick Massstäbe und berichtet täglich über Themen, die die Menschen in unserem Land bewegen. Blick ist unabhängig, schaut da hin, wo andere wegschauen – und hat eine Meinung.

Keine Meinung ist keine Meinung. Ringier antwortet allerdings auf Nachfrage: «Herr Hürlimann hat sich in der SonntagsZeitung geäussert. Die Blick-Gruppe sah keine Veranlassung, diese aufzunehmen. Ebenso verhält es sich mit der Analyse der Verfügung zum Buchprojekt von Michèle Binswanger.»

Das kann nur ein Inserat

Im gestrigen Tagblatt der Stadt Zürich wurde einem wieder einmal bewusst, was ein Inserat auslösen kann.

Das gestern Mittwoch erschienene «Tagblatt der Stadt Zürich» ist immerhin 68 Seiten dick. Davon sind gut 20 Seiten Inserate, dazu kommen mindesten sieben Seiten amtliche Nachrichten.  Kein schlechter Inserate-/Text-Mix. Vor allem nicht in Corona-Zeiten.

Polittext,Politwerbung?

Auffällig: Auf Seite 14 waren zwei Artikel platziert, die von Interessengruppen geschrieben oder zumindest in Auftrag gegeben wurden. Ziel: Sie sollen die Wählerschaft beeinflussen. Im konkreten Fall weibelt eine «Allianz Z für eine lebenswerte Stadtentwicklung» . Man sagt «NEIN zu den Verdichtungstechnokraten» . Auf gut Deutsch: Man ist gegen das geplante Fussballstadion und die beiden 137-Meter-Hochhäuser. Abstimmungstermin dieser Stadtzürcher Vorlage: 27. September. Soweit, so gut. Doch neben dem Text, layouterisch gesprochen mit einer hässlichen Treppe, ist ein Inserat für die nationale Begrenzungsinitiative platziert. Der Text dieses SVP-Vorhabens: «Zu viel ist zu viel! Seit der Einführung der Personenfreizügigkeit wurden Naturflächen im Umfang von 57000 Fussballfeldern zubetoniert» . Autsch. Man hat es sehen kommen. Die SVP scheint nun doch gegen das Stadionprojekt in Zürich zu sein. Dabei ist eigentlich eine breite Allianz von SVP, FDP und dem Stadtrat für die Überbauung. Doch im «Tagblatt» wird dem Leser suggeriert, dass das  «Umweltkomitee gegen die Zubetonierung der Schweiz» – der Inserateabsender –  aber ganz sicher gegen das «Monsterprojekt»  in Zürich-West ist.

PR-Text und Inserat. Das passt nicht immer.

Fazit: Das Setzen von Inseraten ist manchmal Glücksache. Dass es noch schlimmer geht, bewies die Landeszeitung Lüneburg 2006. Sie hatte neben einem Artikel über Auschwitz ein Inserat eines Energieversorgers platziert. Der Slogan: «Eon sorgt schon heute für das Gas von morgen.» Chefredaktor Christoph Steiner schrieb in der nächsten Ausgabe: «Die Verknüpfung des Themas Völkermord in Auschwitz mit einem in diesem Zusammenhang missverständlichen Werbeslogan des Unternehmens war weder beabsichtigt noch wurde sie achselzuckend ignoriert.» Die Redaktion entschuldige sich «für diesen bösen Fehler, durch den die Intention des Artikels unterlaufen wird, ein fast vergessenes, barbarisches Kapitel unserer Geschichte zu beleuchten». (Quelle: persoenlich.com)

Wie steht’s den mit der Deklaration dieser PR-Texte?

Zurück zum «Tagblatt der Stadt Zürich»: Die mit «Politforum» beschriftete Seite beinhaltet noch einen weiteren Text, über Tierquälerei wegen der Jagd. Der Absender hier: Der Schweizer Tierschutz. Jeweils oben rechts steht unauffällig der Begriff «Paid Post» . Erst auf der nächsten Seite wird in einem unauffälligen Kästli erklärt, worum es sich handelt. Es sei eine Möglichkeit des «Tagblatt» , Parteien und Organisationen ihre Anliegen (…) zu speziellen Konditionen zu präsentieren. «Die bezahlten Kolumnen/Artikel sind mit «Paid Post» gekennzeichnet.» RED.

Abwertung des redaktionellen Teils

Eine eher umständliche Art, darauf aufmerksam zu machen, dass es sich um politische Werbung handelt. Den Auftraggeber wird es freuen, die Redaktion wohl weniger. Denn solche Verschleierungen werten den redaktionellen Text einer Zeitung definitiv ab.

Aber wie heisst es so schön: Das kann nur ein Inserat.

 

Wer vertraut noch den Medien?

Sie betreiben Raubbau an ihrem wichtigsten Gut.

Print, online, mit Buchstaben, dem gesprochenen Wort oder dem Talking Head im TV: die Transportwege von Nachrichten sollten eines gemeinsam haben. Das A und O, die Grundlage für alles.

Ist das die knallige Formulierung, die fetzige Schlagzeile, die elegante Schreibe, der Unterhaltungsfaktor? Das kann alles helfen, um Publikum zu finden. Aber das ist alles nichts, wenn Vertrauen fehlt. Vertrauen heisst ganz banal, dass die überwiegende Mehrzahl der Konsumenten glaubt, dass die Information zutrifft. Nach bestem Wissen und Gewissen erstellt wurde.

Denn das meiste, was der Konsument an Informationen via Medien aufnimmt, lässt sich von ihm selbst nicht überprüfen. Gibt es Massendemonstrationen gegen den Machthaber Lukaschenko in Belarus? Hat Trump in seiner Rede vor dem Parteitag wieder ständig gelogen? Hat der Politiker X tatsächlich Y gesagt?

Vertrauen auf Berichte aus fernen Ländern

Da muss der Newsempfänger darauf vertrauen können, dass in fernen Weltgegenden sich wirklich das abspielt, was ihm erzählt wird. Dass Berichte vielleicht eine Tendenz haben, Ausdruck der politischen Position des Autors sind, oder der Generallinie seines Organs. Aber im Faktengerüst, in der Beschreibung objektiver Tatsachen der Realität entsprechen.

Wenn der Berichterstatter zum Beispiel vermeldet, dass gerade zum Zeitpunkt einer Freiluftrede ein Gewitter niederging, dann muss das auch so gewesen sein. Wenn er dann noch Interpretationen liefert, das sei ein böses Omen, der Redner werde von Pech verfolgt, dann kann er das tun; es ist seine Meinung.

Nun gibt es aber ein Thema, das jeden in seinem eigenen Seinszusammenhang betrifft. Und zwar massiv: die Pandemie. Die von ihr ausgelösten Restriktionen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Hochrisikogruppen, die historischen Vergleiche. Und schlichtweg die Zahlen. Darüber haben die Medien so zu berichten, dass das Publikum den Angaben vertraut.

Vertrauensmissbrauch bis auf null

Leider tun die Medien vieles, um dieses Vertrauen so lange zu missbrauchen, bis es schwindet. Nachdem die Schweizer Behörden – notabene viel zu spät – auf diese Pandemie reagierten, verwandelten sich eigentlich alle grossen Publikumsmedien in staatstragende Sprachrohre der Regierung und der Behörden.

Weil im heutigen Elendsjournalismus Abstraktes immer personalisiert werden muss, wurde ein unbeholfen formulierender BAG-Beamter kurz vor seiner Pensionierung zum «Mr. Corona». Der gesamte Bundesrat, vor allem aber der fachfremde Berufspolitiker und Gesundheitsminister Alain Berset, wurde zu einem Heldenseptett, das energisch, aber mit ruhiger Hand die Schweiz durch die Krise führt. Und Marcel Salathé wurde zum einzig relevanten Wissenschaftler für Corona-Fragen.

Kritik, hinterfragen, zweifeln, auf Widersprüche, Folgen, Schäden hinweisen? Nicht jetzt, ganz falscher Zeitpunkt, beschlossen eigentlich alle Medien. Davon haben sie sich langsam wieder erholt, vor allem der Mr. Corona musste erleben, dass es im Fahrstuhl eines Medienhypes nach oben geht – oder zwangsläufig auch wieder nach unten.

Unbelehrbare Medien

Das könnte man noch als lässliche Sünde sehen, man kann ja dazulernen. Unbelehrbar sind die Medien aber auf anderen Gebieten. Haben sie es endlich geschafft, Zahlen zu liefern, anhand derer der Newsempfänger sinnvolle Vergleiche anstellen kann? Nein. Die Zahl der positiv Getesteten in der Schweiz. Auf den Tag genau; 200, dann 350, dann wieder 225.

Schön, nur: Was soll das? Ohne Gewichtung der Anzahl Tests, die durchgeführt werden? Ist das viel oder wenig? Bezogen worauf? Kann man die Zahlen international vergleichen? Nein, dafür müssten sie pro eine Million Einwohner gerechnet werden.

Wenn es mehr Infizierte, aber weniger Tote gibt, woran liegt das? Sind jetzt endlich Hochrisikogruppen wie Alte mit Vorerkrankung besser geschützt? Wie steht es mit den Ferienrückkehrern aus sogenannten Risikogebieten? Werden die alle erfasst, wird die Einhaltung einer Quarantäne kontrolliert?

Wie ist es nun mit der Maskenpflicht? Nützt nichts, ist obligatorisch? Warum setzen einige Kantone ihre Einwohner dem angeblich hohen Risiko aus, ohne Maske einkaufen zu dürfen? Und in anderen werden solche Kunden aus dem Laden gewiesen?

Viele Fragen, kaum Antworten

Wie steht es mit den absehbaren wirtschaftlichen Folgen, in welches Desaster steuern wir? Macht es wirklich Sinn, alle Kritiker der staatlichen Massnahmen als «Corona-Leugner», Aluhutträger, Rechtsradikale, schlichtweg Halbschuhe zu beschimpfen? Und jeden einfach besorgten Bürger davor zu warnen, sich in eine solche Umgebung bei Demonstrationen zu begeben?

Schafft es Vertrauen, fast ausnahmslos den einzigen Fachexperten durchzureichen? Behörden und Regierungen tun schon genug, um die Bevölkerung langsam, aber sicher an der Weisheit ihrer Ratschlüsse zweifeln zu lassen, nur noch schwindendes Vertrauen in deren Weitsichtigkeit zu haben.

Wer misstraut, und tatsächlich kein Verschwörungstheoretiker ist, braucht Fakten, um sich seine Meinung zu bilden. Zahlen, Daten, Analysen, Informationen, die das ganze Spektrum der Betrachtungsweisen abbilden. Wieso machen sich die Medien nicht die kleine Mühe, Corona-Zahlen in verständliche und vergleichbare Werte umzurechnen?

Mainstream und Ausgrenzung

Wenn der völlig berechtigte Einwand formuliert wird, dass der Vergleich der Wochensterblichkeit in der Schweiz zwischen dem 1. Januar 2019 bis 1. September und dem gleichen Zeitraum 2020 ergibt: Kein Unterschied. Keine Übersterblichkeit. Beides im Band der statistisch zu erwartenden Zahlen. Mit der kleinen Ausnahme, dass es im April einen kurzzeitigen Ausreisser nach oben gab. Allerdings nur bei den Ü-65-Jährigen: ist das bereits Corona-Leugnung, fahrlässig, verantwortungslos? Oder warum wird bei allen Demonstrationen gegen die Restiktionspolitik die Anwesenheit von Rechtsradikalen, Verschwörungstheoretikern und anderen Irren ausführlich berichtet?

Einfach: weil’s weniger Mühe macht. Weil’s weniger Aufwand braucht. Weil man meint, mangels eigener Kompetenz, so auf der richtigen Seite zu stehen. Und das mit dem Vertrauen? Mit der Überlegung, dass man für sein Geld auch Leistung sehen will? Ach was, Vertrauen wird überschätzt, Leistung ist schwierig in diesen Zeiten. So stolpern die privaten Medien weiter Richtung Untergang.

Der schöne Godi

Wer schön sein darf und wer nicht.

Tennisspiele kommentieren kann ganz schön öde sein. TV-Experte Boris Becker streute kürzlich aus Träumerei einen verhängnisvollen Satz ein: «Wenn ich das auch mal erwähnen darf, eine ausgesprochen hübsche Schiedsrichterin.» Er meinte Tennis-Referee Marijana Veljovic, und er hatte objektiv gesehen recht. Trotzdem prasselte ein Schwall von Sexismus-Vorwürfen auf den Vierfachvater mit drei Frauen. Frau. Hübsch. Das geht gar nicht.

Unwort des Jahres: Grenzverletzungen

Szenenwechsel. Aline Wanner schreibt ein mehrseitiges Portrait über den gestrauchelten Chef der Reformierten Kirche der Schweiz, Gottfried «Godi» Locher. In ihrem Text in der NZZ-Samstagsausgabe vom 12. September stellt sie fest: «Er ist ein schöner Mann, ein begabter Redner, schnell im Kopf, überzeugend im Auftritt.» Dabei gibt Aline Wanner zu, dass Locher mit der NZZ nicht über die Hintergründe seines Rücktritts sprechen wollte. Fragen beantwortete er keine. Ein «kaltes» Portrait also, das Aline Wanner schreibt. Trotzdem scheint sie ziemlich beeindruckt vom 53-jährigen, verheirateten Dreifachvater. Mann. Schön. Begabt. Doch auch ihr gelingt nicht, das in fast jedem Medienbericht auftauchende Wort «Grenzverletzungen» gegenüber Frauen zu konkretisieren. Ist es Scham, Prüderie, reformiertes Denken? Grenzverletzung kann ein Lob über das Aussehen, ein Griff an den fremden Po, aber auch eine klassische Bettnummer sein. Doch niemand will konkret werden. Hat das rechtliche Gründe? Deckt Locher alle Kritiker mit Klagen ein? «Grenzverletzungen» scheint ein Kandidat zum Unwort des Jahres zu werden.

Auch geht Aline Wanner der Frage nicht nach, wie es denn der Familie von Gottfried Locher gehen könnte nach den vielen Seitensprüngen von «Godi». Eine Frage, die sich auch bei Geri Müllers sexuellem Aussetzer niemand fragte. Denn auch der damalige Badener Stadtammann pflegte eine aussereheliche Beziehung. Der Unterschied: Objektiv gesehen kann man bei Müller nicht von einem «schönen» Mann sprechen, im Gegensatz zu Locher.

Blick schiebt nach

Aline Wanner schliesst ihr Portrait mit der Feststellung: «Es bleibt eine teure Angelegenheit zwischen Anwälten und PR-Beratern, die versuchen werden, die Mitglieder der Kirche, Journalisten und schliesslich die Öffentlichkeit von ihrer Wahrheit zu überzeugen.» Wie teuer, hat Wanner nicht herausgefunden. Das schiebt Blick-Politik-Chefin Sermin Faki am Montag nach. An der Synode in Bern sei bekannt geworden, dass die «Aufarbeitung des Locherskandals teuer» werde. Allein für die Untersuchung seien 170’000 Franken veranschlagt, der Grossteil davon für Honorare der beauftragten Anwälte. Dass somit Steuergelder verbrannt werden, steht nicht im Bericht. Dem schönen Godi dürfte es egal sein.

P.S. Aline Wanner ist übrigens nicht die Tochter von Peter Wanner, wie Roger Köppel irrtümlich mal schrieb. Aline Wanner arbeitete bis vor kurzem beim Schweizteil der «Zeit» und seither beim NZZ-Folio. Weil dieses nur noch alle zwei Monate erscheint, springt Wanner auch bei der NZZ und bei der NZZ am Sonntag – dort mit einer Medienkolumne – ein.

Bonne nuit, bajour

Rund 2750 Stutz verrösten. Tag für Tag.

Es gibt Menschen, die zu viel Geld haben. Schön, wenn sie es unter die Leute bringen.

Dazu gehört in Basel eine Pharma-Erbin. Die verpulverte einen zweistelligen Millionenbetrag in das gescheiterte Experiment, eine Zeitung zu machen, die als Existenzberechtigung nur hatte, gegen eine andere Zeitung zu sein.

Nach Skandalen um eine aufgepumpte Auflage, internen Intrigen und null Relevanz verröchelte die «TagesWoche».

Aus Schaden nicht klüger geworden, wurden dann etwas bescheidener drei Jahre lang je eine Million ausgelobt. Für ein neues Experiment.

Eine Million und ein Voigt, ein ungleiches Paar

Wo eine Million ist, ist Hansi Voigt nie weit. Da er gut vorträgt, überzeugte er schon Peter Wanner, viel Geld ins Millionengrab «watson» zu versenken.

Als Wanners nicht länger zuschauen wollten, wie ihr Vermögen verkleinert wird und Voigt einen Geschäftsführer an die Seite stellen wollten, der nicht nur weiss, wie man Geld ausgibt, endete Voigts Karriere dort abrupt.

Also trug er wieder gut vor und ergatterte die drei Millionen aus Basel. Was die arbeitslosen Ex-Mitarbeiter von «TagesWoche» nicht wirklich mit Freude erfüllte, da sie sich auch um diesen Futtertrog beworben hatten.

Das Loch zwischen wollen und können

Aber zwischen gut vortragen und liefern, zwischen Ankündigung und Umsetzung, zwischen wollen und können, da klaffen halt immer Welten bei Voigt. Angekündigt war ein neues Online-Magazin der besonderen Art. Angekündigt war nicht nur das. Das sei ja nur ein erstes Beispiel für einen viel grösseren Plan.

Eine Plattform zum Austausch von Artikeln zwischen verschiedenen lokalen Anzeigern. Oder überhaupt jedem. «We.publish» heisst das Wunderwerk. Aber es besteht bislang nur aus einer Webseite, auf der ein Kreis einsam seine Runden dreht, auch über der Ansage «coming soon».

Grosse Dinge brauchen vielleicht etwas länger; wie steht’s dann mit den kleinen? Das Stichwort für bajour, denn das ist sehr, sehr klein. Auch hier gibt es eine Webseite auf der, nun ja, nicht gerade der Basler Bär tanzt; der Output von immerhin zehn Mitarbeitern hält sich doch in sehr überschaubaren Grenzen.

Am Dienstag zum Beispiel erschütterte bajour die Stadt am Rheinknie mit der News «Pilzli ade». Ein Lädeli stirbt, Kündigung nach 40 Jahren. Schon etwas veraltet sind die weiteren Stücke zum Thema «Ach, diese Studie-Sorgen» und «Soll der Staat die Regel regeln?»

Keine Frühaufsteher mehr

Womit wir schon den Bereich der News der letzten 24 Stunden verlassen hätten. Gibt es denn noch mehr? Aber hallo, jede Menge. Es gibt auch den «Piepston», einen Podcast. Die neuste gesprochene News ist allerdings vom – 31. März. Aber immerhin dieses Jahres. Okay, letztes Jahr gab’s bajour noch gar nicht. Damit ist bajour aber noch nicht ausgeschossen. Es gibt auch noch das «Basel Briefing». Wahnsinn, jeden Werktag stehe die Redaktion um 4.30 Uhr auf, fasse die wichtigsten News und Ereignisse zusammen und schicke das um punkt 7 Uhr per Mail an alle Interessenten.

Menschlich verständlich, dass diese unmenschliche Arbeitszeit ihren Tribut forderte. Soweit erkennbar, gibt es das Briefing inzwischen nur noch einmal. In der Woche. Oder so.

Was gibt es noch? Nun, gut vertreten ist das Thema «Kohle her». Dafür gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Man kann Gönner werden, einen Recherchierfonds füllen, Kulturberichterstattung unterstützen. Oder, man kann ganz einfach «Member» werden. 40 Stutz, und man ist dabei. Wobei? Nun, «tägliche Hintergrundinformationen, die Basel wirklich beschäftigen». Vielleicht wäre «tägliche Hintergrundinformation» wirklichkeitsnäher gewesen.

Wie viele «Member» bei 170’000 Baslern?

Oder man muss annehmen, dass die Schliessung des «Pilzli», Studentensorgen und das Thema Menstruation die Basler wirklich bewegt. Aber für diese 40 Franken gibt’s noch viel, viel mehr. «Das Basel Briefing jeden Morgen um 7»; vorausgesetzt, der Morgen ist ein Freitag. Oder so. «Ermässigung bei Partner*innen von bajour (in Planung)». Geplant sei ebenfalls noch «ein zukünftiges wöchentliches Mail mit exklusiven Veranstaltungstipps». Sicher als Ergänzung zum täglichen Basel Briefing.

Kann es einen wundern, dass von den rund 170’000 Einwohnern Basels bislang schlappe 1591 laut Zählwerk der Webseite den kühnen Entschluss gefasst haben, «Member» zu werden? Von Groucho Marx gibt es den wunderbaren Spruch, dass er bei einem Club, der einen wie ihn aufnehmen würde, niemals Member würde.

Bei bajour hingegen müssen sich die Member fragen, wovon sie eigentlich Mitglied sind. Die richtige Antwort: Von einem Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, jedes Jahr eine Million zu verrösten. Plus bislang 63’640 Franken Mitgliederbeiträge. Falls die Zahl stimmt.

Follower nicht kriegen, sondern kaufen

In erkennbarer Verzweiflung wollte bajour die 4000 Facebook-Follower des eingestellten Regionaljournals Basel von SRF kaufen. Einen Stutz war bajour das pro Nase wert; das sei jetzt mal eine ganz originelle Marketing-Methode, lobte sich die Webseite selbst. Lieber das Geld für SRF als für den US-Riesen, lockte sie.

Aber leider hatten die Internet-Cracks bei bajour übersehen, dass da ein paar blöde Datenschutzregeln entgegenstehen, die eigentlich jeder kennt. Ausser, er arbeitet für bajour.

Voigt generiert schon die nächste Million

Noch zweieinhalb Jahre ist die Kohle garantiert, aber was dann? Wenn es heisst «bonne nuit, bajour»? Nun, wenn eine Million nicht gerade abholbereit im Raum steht, dann erfindet sie sich Voigt halt. Also «gutachtet» er, basierend auf seiner anerkannten Fähigkeit, online Geld zu verrösten, Pardon, zu verdienen, dass der «Blick» alleine online über eine Million mit seinen Berichten über die Zuger Affäre verdient habe.

Und die müsse natürlich als Gewinnherausgabe den Opfern der Affäre, nein, einem Opfer abgetreten werden. Wobei dann für den Gutachter sicherlich auch etwas abfallen würde, denn Voigt kann endlich auch mal sagen: Wer hat’s erfunden? Ich.

Blöd nur, dass das zwar jeder sagen kann, aber nicht jeder bezieht sich damit auf Erfolge.

Copy/paste bei der «Weltwoche»

Ein Wiederholungstäter kann’s nicht lassen.

Schon 2015 wurde es ziemlich eng für den Auslandchef der «Weltwoche». Schlag auf Schlag wurden ihm Plagiate aus dem englischen «Telegraph», der FAZ und dann noch der «Welt» nachgewiesen.

Chefredaktor Roger Köppel liess es dabei bewenden, sich dafür zu entschuldigen und «Massnahmen und Sanktionen» anzukündigen. Neben Urs Gehriger bekam auch der Kummerbub des Journalismus «eine zweite Chance» in der «Weltwoche». Die Tom Kummer natürlich wie alle vorherigen versemmelte.

In diesem Reigen darf Claas Relotius nicht fehlen, der den «Spiegel» in eine Glaubwürdigkeitskrise stürzte und auch in der «Weltwoche» diverse Stücke veröffentlichte. Hier wurde eine genaue Untersuchung angekündigt.

Die Häme in der Branche ist gross

Als vor vielen Jahren eine Edelfeder im «Vogue»-Konzern überführt wurde, kräftig abgeschrieben zu haben, meinte der Chefredaktor des betroffenen Blatts nur: «Abschreiben? Na und. Was ich ihm vorwerfe: Er hat den Text nicht mal so durchgeschüttelt, dass man es nicht merkt.»

Bei aller Sorgfalt, mit oder ohne Dokumentationsabteilung, es kommt im Journalismus immer wieder vor, dass Redaktionen mit teilweise abgeschriebenen, erfundenen oder deutlich an der Realität vorbeigeschriebenen Texten reingelegt werden. Die Häme in der Branche ist ihnen jeweils gewiss.

Wobei jede Redaktion, ob gross oder klein, wohldotiert oder schmal aufgestellt, immer Schiss davor hat, einem Hoax, einer Ente, einer Erfindung aufzusitzen. Besonders, wenn es sich um unterhaltsame Blödsinnstücke handelt. So wie das vom Taxipassagier, der in Zürich zum Flughafen, der damals «Unique» hiess, gefahren werden wollte, im Taxi einnickte und ein paar Stunden später vor dem Flughafen Munich aufgewacht sein soll.

Die Story gab’s in verschiedenen Varianten und Abfahrtsorten, sie hatten nur eines gemeinsam: alles erfunden, Quatsch, Unsinn.

Bei Dissertationen ist Titel und Ansehen futsch

Solche Veräppelungen der Medien kann man noch als eine lässliche Sünde betrachten; so wie Fake-Anrufe, um den Gesprächspartner aufs Glatteis zu führen. Etwas anders sieht es allerdings aus, wenn der eigene Redaktor, zudem noch Auslandchef, zum wiederholten Male kopiert, ohne das auszuweisen.

Bei Doktorarbeiten kostet das schnell einmal, modernen Textsuchprogrammen sei Dank, Titel und Ansehen. Gehriger überlebte diese Plagiate und revanchierte sich dafür mit einer lobhudelnden Berichterstattung über Donald Trump, bei der es einem regelmässig ganz anders wird. Wer seine Fast-Begegnung mit Trump in dessen Angeber-Ressort Mar-a-Lago gelesen hat, musste anschliessend unter die Dusche.

Nun ist ein neues Plagiat von Urs Gehriger ans Licht befördert worden. Allerdings eines der besonderen Art: Wer bei anderen abschreibt, kann das auch bei sich selbst nicht lassen.

Neu diesmal ein Eigenplagiat

So will Urs Gehriger im April 2016 den Philosophen, Autor und Anwalt Nicolas Baverez in Paris besucht haben. Und gibt ehrfurchtsvoll dessen Philippika gegen das politische System, gegen den damals aufsteigenden Star Macron und gegen die Fehler linker Regierungen wieder.

«Staatsausgaben ohne Grenzen: Auf die Wirtschaftskrise der Blasen und den Einbruch des Wachstums auf Kredit 2008 habe Frankreich mit einer beispiellosen Beschleunigung der Staatsausgaben und -schulden reagiert. Die Staatsausgaben schrauben sich seither in schwindelerregende Höhen. 53 Prozent des Bruttoinlandprodukts betragen sie heute, mehr als in jedem anderen Land in der entwickelten Welt.»

Gehriger am 21. April 2016, Ausgabe 16 der «Weltwoche». Weil’s so schön war, gleich nochmal:

«Staatsausgaben ohne Grenzen: Auf die Wirtschaftskrise der Blasen und den Einbruch des Wachstums auf Kredit 2008 habe Frankreich mit einer beispiellosen Beschleunigung der Staatsausgaben und -schulden reagiert. Die Staatsausgaben schrauben sich seither in schwindelerregende Höhen. 57,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts betragen sie heute, mehr als in jedem anderen Land in der entwickelten Welt.»

Gehringer am 25. April 2019, Ausgabe 17 der «Weltwoche». Man beachte allerdings den feinen Unterschied in der Prozentzahl.

Auch die Tradition des Sonnenkönigs Louis XIV lebt bei Gehringer fort und fort:

«L’etat c’est moi.» «Als Louis starb, sagte er: «Ich sterbe, aber der Staat bleibt»», erwähnt Baverez. Anders als das Vereinigte Königreich – eine mit demokratischen Institutionen ausgestatte Klassengesellschaft – sei Frankreich eine von monarchistischen Institutionen regierte Ständegesellschaft geblieben. Die extreme Zentralisierung Frankreichs habe zu einer starken Konzentration der Eliten geführt. All das habe Frankreich in eine Starre versetzt, die Reformen verunmögliche.»

So fasst Gehriger in seinem Artikel von 2016 zusammen. Offenbar ist aber auch Baverez zwischen 2016 und 2019 in eine Starre verfallen; denn wortgleich paraphrasiert ihn Gehringer auch in seinem Stück vom April 2019.

Schon 2016 wusste Baverez:

«Mit der Ära Mitterand habe das das Malaise begonnen, das sich grob in vier Stufen des Niedergangs einteilen lasse. 1. Die Entgleisung. «1981 hat Frankreich entschieden, dem Ende der Keynes-Ära mit einer Strategie der wirtschaftlichen Belebung (stratégie de relance) zu begegnen und mit kapitalistischen Wirtschaftsordnungen zu brechen.» Davon hätten sich der französische Produktionsapparat und die Staatsfinanzen nie wieder erholt.»

Auch 2019 ist Baverez im Artikel von Gehriger noch  derselben Ansicht; allerdings gibt es einen klitzekleinen Unterschied; nach dem wortgleichen Text heisst es dann:

 

«Auf diese «Entgleisung» sei Frankreich über drei Stufen in den Hades abgesunken.»

Aber eigentlich sind es ja doch, inklusive «Entgleisung», immer noch vier Stufen. Lassen wir es bei diesen Beispielen bewenden.

Entweder ist dem Autor Baverez oder Gehriger selbst in diesen drei Jahren nicht viel Neues eingefallen. Denn rund 30 Prozent der beiden Texte sind identisch oder inhaltlich sehr ähnlich.

Eine unselige Tradition

Nun könnte man sagen: Na und, ich darf doch bei mir selbst abkupfern, wo ist da das Problem? Das Problem ist, dass es sich eben in eine unselige Tradition einreiht. Aus diesem Grund soll 2019 Gehriger dazu veranlasst worden sein, seinen Rücktritt einzureichen. Die Redaktionsleitung fürchtete einen Reputationsschaden, wenn das herauskäme.

Bis heute kam es nicht heraus, und auch der Abgang von Gehriger blieb aus. Warum?  Chefredaktor Roger Köppel lobt Gehriger auf Anfrage als «ausgezeichneten Journalisten» und fährt fort: «Den besagten Artikel habe ich mit ihm besprochen, aber über den Inhalt meiner Mitarbeitergespräche führe ich keine öffentliche Korrespondenz.»

Was meint der Autor?

Urs Gehriger selbst kann die Vorwürfe «nicht nachvollziehen»: «Ich habe zweimal ausführlich mit Herrn Nicolas Baverez über den Sanierungsfall Frankreich gesprochen. Die von Ihnen erwähnten Passagen beziehen sich ausdrücklich auf frühere Aussagen, die Herr Baverez mir gegenüber genauso so gemacht hat und die ich wiederhole.»

Die «weiteren Spekulationen», also sein Abgang, der dann stillschweigend gestrichen wurde, «kann ich nicht bestätigen». Wie man sich doch täuschen kann. Also hat Köppel beim Mitarbeitergespräch über diese beiden Artikel nur gelobt, dass die «Weltwoche» angesichts ihres alternden Publikums auf die Sorgen von mit Alzheimer Geschlagenen eingeht und deren Vergesslichkeit durch Wiederholung begegnet?

Doppelter Reibach für SRG-Serien


Nur noch wenige Tage kann man den gelungenen SRG-Krimi-Mehrteiler «Helvetica» gratis im Netz anschauen. Dann kostet er trotz Gebührenmitfinanzierung.

Serienfans aufgepasst. Lediglich noch bis zum 22. September kann man den Sechsteiler Helvetica gratis im Netz anschauen. Nachher verschwinden alle je gut 50 Minuten langen Teile aus dem kostenlosen SRF-Replay-Angebot. Dann muss man sie als DVD kaufen oder via Teleclub und Swisscom-TV kostenpflichtig herunterladen. Dabei ist Helvetica eine der besten von SRG produzierten Serien, da sind sich Kritiker einig. Auch der ZACKBUM-Chronist findet die Serien erfrischend unterhaltend und ziemlich spannend. Ursina Lardi als Bundespräsidentin zeigt eine Magistratin mit Schwächen und Launen, die Hauptdarstellerin ist eine Wucht. Flonja Kodheli spielt ihre Rolle noch besser als Sara Spale in Wilder.

Roland Vouilloz agiert überzeugend als Antiterrorchef.

Roland Vouilloz (der mit der Glatze) hat als Angestellter des Bundesnachrichtendienstes eine nuancierte, untypische Staatsdiener-Funktion. Die kritisierte Synchronfassung finde ich übrigens nicht missglückt. Sogenannte Filmkritiker aus der Deutschweiz können offensichtlich mit Bäärndüütsch einfach nichts anfangen.

Die Synchronfassung ist besser als in Kritiken dargestellt.

Doch der Krimi spielt nun mal in der Bundeshauptstadt. Die Handlungsstränge sind durchaus fesselnd, auch wenn die Geschichte wie bei der zweiten Staffel von Wilder allzu klischéhaft im kosovo-albanischen Milieu spielt.

ARD und ZDF können’s schon

Doch warum nimmt das durch grösstenteils öffentliche Gebühren finanzierte SRF Serien wie eben Helvetica so rasch vom Netz? Auf ARD und ZDF findet man alle deutschen Eigenproduktionen online. Schon die Medienwoche mokierte sich anfangs Jahr über den Schweizer Sonderfall: «Man würde es für eine Selbstverständlichkeit halten. Was die Öffentlichkeit über die Medienabgabe finanziert, steht ihr auch jederzeit, umfassend und unbeschränkt zur Verfügung. Dem ist aber nicht so. Filme und Serien, welche die SRG mitproduziert, verschwinden mehrheitlich nach kurzer Zeit aus dem Online-Angebot. Wer zu spät kommt, guckt in die Röhre. Oder muss noch einmal Geld in die Hand nehmen und die Werke auf kostenpflichtigen Plattformen erwerben».

Komisch mutet das vor allem dort an, wo SRG die Serie mitproduziert und grösstenteils finanziert. So kassiert der – pseudoprivat, weil allermeistens vom Staat, respektive via Lotteriefonds finanzierte – Hauptproduzent gleich doppelt. Für die SRG ist und bleibt trotzdem klar: «Die SRG ist am Erlös aus der kommerziellen Auswertung beteiligt und kann dieses Geld in neue Produktionen investieren.»

Doch im Leutschenbach und am Hauptsitz in Bern hat man selber gemerkt, dass das Ganze nicht ganz koscher ist. Schon anfang Jahr präsentierten die SRG und die Filmbranche eine neue Vereinbarung,  der die Kooperation bei Film- und Serienproduktion für die kommenden Jahre regelt. «So können wir Serien künftig bis zu sechs Monate lang zugänglich machen», sagte SRG-Filmchef Sven Wälti gegenüber der Medienwoche. Bezogen auf Helvetiva muss man freilich feststellen: Die SRG-Mühlen arbeiten eher langsam.

Bald in Originalsprache

Immerhin: Die SRG ist darüber hinaus über die Bücher gegangen. «Play Suisse», heisst die nationale Streaming-Plattform der SRG, die im November lanciert wird. Das Projekt fungierte intern bislang unter dem Projektnamen «Rio». Die neue Plattform wird ab Herbst Inhalte aus allen Sprachregionen mehrsprachig anbieten.
Die neue Plattform der SRG ersetzt zwar nicht die Player der Unternehmenseinheiten (wo man wie beschrieben zwischenzeitlich Serien wie Helvetica findet). «Play Suisse» ist laut SRG vielmehr eine Plattform mit Inhalten aus allen Spracheregionen. So biete «Play Suisse» eine Auswahl aus Eigen- und Koproduktionen der Unternehmenseinheiten, also Filme, Serien, Dokumentarfilme, Reportagen und Archivperlen. Einzigartig an «Play Suisse» ist laut SRG-Website, dass die Nutzerinnen und Nutzer die Inhalte über die Sprachgrenze hinweg entdecken können: Alle Inhalte sind in der Originalsprache mit Untertiteln in Deutsch, Französisch und Italienisch verfügbar, ausgewählte Titel auch auf Rätoromanisch. Aktuelll läuft ein SRG-interner Test. Im Oktober erfolgt dann der Pre-Launch mit rund 5000 externen Anwenderinnen und Anwendern, bevor im November der offizielle Startschuss fällt. Viva la Grischa! Forza Ticino! Allez les Romands!

Hier der kostenlose Link zur Serien Helvetica (bis 22.9.)