Bösartigkeit ist die höchste Form der Anerkennung

Seit Dienstag ist ZACKBUM unablässigen Versuchen ausgesetzt, die Plattform zu hacken.

Wir nehmen’s als Kompliment. Von gefälschten IP-Adressen aus aller Welt (China, Europa, USA, Lateinamerika) aus wird versucht, sich Zugang als Administrator auf die Webseite ZACKBUM.ch zu verschaffen.

So schaut’s aus bei einem Stupid-Hack.

Im weiten Feld der schmutzigen Kriegführung ist das eine eher harmlose Variante. Eine gute Firewall wird damit fertig. Wir haben eine gute Firewall. Einen solchen Angriff kann nun nicht gerade der IT-affine Sprössling eines der vielen beleidigten Leberwürste starten, die sich von ZACKBUM schon verunglimpft fühlten.

Gerne und immer wieder wird gegen uns das Argument ins Feld geführt, dass wir zu polemisch, unanständig, kritisch, ausfällig, ja bösartig seien. Das ist alles Unsinn. Ermüdender Unsinn. Immer der Offenbarungseid, dass einem inhaltlich nichts einfällt. Kein Gegenargument, keine Erwiderung, einfach nur flatlining. So bezeichnet man auf Englisch den Zustand, wenn die Messung der Hirnaktivitäten eine flache, gerade Linie ergibt.

Flatlining ist leider überall

Zuletzt widerfuhr uns das an der wohl letzten Veranstaltung des Clubs der Zürcher Wirtschaftsjournalisten. Dort stellte sich Markus Somm einer Podiumsdiskussion und verriet nichts über die Performance seiner Internetplattform «Nebelspalter». Abozahlen, Klicks, Single Visitors, Werbung? Nichts.

ZACKBUM gestattete sich dann die höflich gestellte Frage, wieso der Verlagsleiter, CEO und Hersteller der IT-Insellösung für den «Nebelspalter» vor einiger Zeit nicht geruht habe, auf einen Katalog konkreter und naheliegender Fragen zu antworten, sondern es bei «kein Kommentar» bewenden liess. Ob die Fragen ehrenrührig waren oder nicht, kann man hier nachlesen.

Auch Markus Somm ging sofort in den ausweichenden Verteidigungsmodus, dass die Fragen dermassen polemisch und unanständig und aggressiv gestellt worden seien, dass man darauf gar nicht habe antworten können. Ein weiteres Armutszeugnis des modernen Journalismus.

Direkte Konfrontation möglichst vermeiden. Sich gegenseitig lobhudeln oder zumindest nicht zu sehr ins Gärtchen trampen. Austeilen ja, einstecken nein. Ausrufen ja, auf Fragen antworten, die Möglichkeit zur Stellungnahme ausnützen? Nein.

Konfliktfähig? Diskursfähig? Debattenfähig?

ZACKBUM gibt immer allen Kritisierten die Gelegenheit, auf unsere sachliche Kritik zu reagieren. Natürlich vor Erscheinen des Artikels. Oder auch danach. So sind wir wohl das einzige Medium der Schweiz, das mehrfach allen Unterzeichnern des Tagi-Protestschreibens (und auch alle Nicht-Unterzeichner) Gelegenheit gab, auf einen Fragenkatalog zu antworten. Reaktion: null.

Für journalistisch tätige Kritiker, die mit ziemlich massiven Anschuldigungen gegen ihren Arbeitgeber angetreten sind, ist das ein Armutszeugnis sondergleichen. Das gilt auch für andere öffentliche Personen, die weltmeisterlich austeilen, aber sich wie eine Mimose zusammenfalten, wenn es darum ginge, zu kritischen Fragen Stellung zu nehmen.

Was das alles mit dem Versuch zu tun hat, ZACKBUM zu sabotieren? Es kann natürlich sein, dass es zufällig einem Hacker, einem Black Hat aus Spass an der Tollerei eingefallen ist, mal ein wenig an ZACKBUM rumzupickeln.

Warum die Attacke, warum gerade jetzt?

Wir verbergen allerdings keine Geschäftsgeheimnisse oder einen Giftschrank an internen Dokumenten. Wir sind werbefrei und daher auch hier nicht anzupinkeln. Da wir von Anfang an mit Griffen unter die Gürtellinie rechneten, haben wir ein wenig in IT-Sicherheit investiert, was die Angreifer offenbar unterschätzten.

Wir selbst unterschätzen die weltweite Bedeutung von ZACKBUM keineswegs. Wir wissen aus gut unterrichteten Quellen, die vertraut mit diesen Abläufen sind, dass sich alle deutschsprachigen Regierungsmitglieder jeden Morgen im Medienbriefing zuerst die Artikel von ZACKBUM vorlegen lassen. Das gilt natürlich auch für alle Chefredaktoren, Verlagsmanager und Besitzer von Medienkonzernen. Wir respektieren den Wunsch nach Anonymität unserer Quellen.

Auf der anderen Seite wollen wir unsere Bedeutung doch nicht überschätzen. Was die Erklärung «Zufall» für den Angriff ausschliesst. Da es müssig ist, den Verursacher ausfindig zu machen (zumindest eher teuer), sagen wir ruhig: es schon mal mit einem Gegenargument versucht?

Statt solchen Pipifax zu unternehmen, zu finanzieren, wäre doch viel sinnvoller, sich zu einem Kommentar, zu einer Replik gar aufzuraffen. Da ist unsere Firewall sehr, sehr niedrig. Alles, was keinen juristischen Ärger gibt, alles, was nicht nur aus Beschimpfung oder persönlichen Angriffen besteht, wird gebracht. Denn bei uns hört Liberalität nicht dort auf, wo sie anfangen sollte: bei der Meinung des anderen. Und der erkenntnisfördernden Auseinandersetzung damit.

 

 

Die Genus-Vollklatsche

Vorläufig letzter Versuch. Genus ist nicht gleich Geschlecht. Kann doch nicht so schwer sein …

Wenn man ein ganzes Weltbild, eine ganze Kriegsführung auf einem Grundlagenirrtum aufbaut, ist das nicht etwas peinlich? Das ist oberpeinlich, blutrotpeinlich, zum Heimgehen und Schämen peinlich. Desasterpeinlich.

Wir erklären es nochmal gaaaaanz laaangsam. Es gibt das Geschlecht. Das sieht beim Menschen so aus:

In künstlerischer Freiheit und nicht proportional richtig dargestellt …

Normalerweise. Das nennt man auch Geschlechtsorgane. Davon abgeleitet unterscheidet man zwischen Männlein und Weiblein. Zum Geschlechtsakt vereinigen die sich. Üblicherweise. Es gibt auch Männlein, die sich zu anderen Männlein hingezogen fühlen, das kommt auch bei Weiblein vor. Ist nicht schlimm.

Es gibt auch asexuelle Wesen, die sich aus Sex und so nichts machen. Ist auch nicht schlimm. Ausser, es sind Priester, aber das wäre ein anderes Thema. Es gibt Menschen, die sich im falschen Körper geboren fühlen, sich keinem Geschlecht eindeutig zuordnen wollen. Gibt’s.

Es gibt ein paar Unterschiede zwischen Wirklichkeit und Widerspiegelung

Das ist die reale Welt. Nun fiel schon einem genialen Mönch im Mittelalter auf, dass es zwischen der realen Welt und den sie beschreibenden Worten einen gewaltigen Unterschied gibt. Daraus bastelte Umberto Eco einen Bestseller: «Der Name der Rose». Damit ist gemeint, dass eine reale Rose verwelkt, während ihr Name unverändert bleibt.

Noch alle an Bord, inklusive Tagi-Protestfrauen oder den Deppen Philipp Albrecht von der «Republik»? Wunderbar. Der freut sich nämlich «sehr, dass der Club der Zürcher Wirtschaftsjournalisten neu die weiblichen Mitglieder in seinen Namen integriert». Trauen sie so einem Irrläufer zu, eine Bilanz lesen zu können? Obwohl die weiblich ist?

Nun kommen wir zu einer ganz, ganz, ganz anderen Baustelle. Nämlich zum Genus. Damit ist eine Unterteilung von Substantiven nach Gattung gemeint. Leider hat das irgendwann einmal ein Idiot mit «Geschlecht» übersetzt, damit das auch einfache Gemüter verstehen. Und seither haben wir den Salat. Wobei ja niemand, der ernstgenommen werden will, daraus schliessen würde, dass es Salat nur in männlicher Form gibt, daher die weibliche ausschliesst, daher mit «die Salatin» ergänzt werden müsste, oder als «Salat*, Salat:in, Salat_in, Salat!in» geschrieben werden müsste.

Der Grat, der Rückgrat? Nein? Wieso dann das Rückgrat? Das sind doch interessante Fragen …

Das Genus ist einfach eine Unterteilung, die manchmal, aber nicht immer, mit dem Geschlecht zu tun hat. Der Mann, die Frau, da macht es Sinn, reales Geschlecht und Genus des Substantivs analog zu verwenden. Nun gibt es Sprachen (wie das Deutsche), die drei Genera haben. Andere haben zwei, einige haben – keins. Deshalb bleibt den Ungarn, den Türken oder den Indonesiern dieser ganze Quatsch erspart, der aktuell auf Deutsch die Sprache verhunzt, vergewaltigt, von ihrer wichtigsten Funktion abhalten will.

Wo es Genus gibt, gibt es Sammelbegriffe. Die gelten unabhängig von der geschlechtlichen Ausformung der Bezeichneten, kümmern sich auch nicht darum, zu welchem der inzwischen mehr als 160 Gender sie gehören. Da spricht man vom generischen Maskulinum. Was bedeutet, dass die Verwendung eines Genus keinerlei Diskriminierung der anderen beinhaltet. Genauso wenig, wie man (!) auf die bescheuerte Idee käme, sich bei Person nicht angesprochen zu fühlen, weil das Genus feminin ist.

Sprache als Kommunikationsmittel, nicht als falsches Kampffeld

Deutsch hat zudem die Besonderheit, dass es im Plural keine Genera gibt. Die Frauen, die Männer. Hier regierte, ginge es nach den Gender-Wahnsinnigen, nur das weibliche Geschlecht. Aber keine Bange, dem ist nicht so.

Es gibt eine ganze Reihe von Substantiven, die sogar – nein, das ist keine Analogie zu Menschen – unsicher sind, welchem Genus sie angehören wollen. Bzw., eine Veränderung des Genus führt zu leichten Bedeutungsverschiebungen.

Noch verwirrender, aber nur für Verwirrte: «die Eltern» hat keinen Genus. Potzteufel auch, denn das Wort existiert nur im Plural. Das nennt man Pluraletantum. Aber keine Bange, dieses Wort verwenden nur Menschen, die sich in der deutschen Sprache auskennen, darum müssen sich die meisten Journalisten oder Inklusion fordernde Verwirrte nicht kümmern. Oder Leute, für die Kosten der Plural von Kost ist. Oder «das, was andere für mich bezahlen müssen».

Es war in Europa längere Zeit herrschende Meinung, dass die Erde nicht nur das Zentrum des Universums sei, sondern auch flach wie ein Pfannkuchen. Wer diesem Irrtum widersprach, hatte gute Chancen, auf dem Scheiterhaufen oder auf der Streckbank zu enden, um dort seinen Irrtum zu bereuen. Das machte zwar die Todesqualen nicht angenehmer, bot aber die Hoffnung, doch wieder in die göttliche Gnade und das Paradies aufgenommen zu werden.

Wer meint, das seien längst vergangene Torheiten: auch heute gibt es Kreationisten, die aufgrund einer möglichst wortgetreuen Auslegung der Bibel felsenfest davon überzeugt sind, dass das Universum, die Erde erst vor wenigen tausend Jahren entstanden. Dieser Unsinn verkleidet sich in verschiedene Namen, wie beispielsweise das «Intelligent Design». Bleibt aber Unsinn.

Die Sprache ausschliesslich als Herrschaftsinstrument missverstehen

Genau wie die Grundthese unsinnig ist und bleibt, dass die deutsche Sprache Ausdruck einer männerdominierten, frauenunterdrückenden Gesellschaft sei, ein Herrschaftsinstrument (!). Ob sie in primitiver Form, als «feministische Linguistik» oder sonst wie vorgetragen wird. Abgesehen davon, dass all diese Ausformungen dem gleichen Grundlagenirrtum unterliegen: Sprache gehört immer auch den Unterdrückten, kann von ihnen genauso als Mittel zum Umsturz und zur Aufhebung von Herrschaftsystemen verwendet werden – wie von Herrschenden zur Stützung und Verteidigung existierender Strukturen.

Sonst könnte es wohl kaum sein, dass ein dermassen signifikatives Wort in diesem Zusammenhang, «die Herrschaft», als Genus feminin ist. So wie viele Abstrakta (Philosophie, Ideologie, Wissenschaft, Forschung, etc.).

Dialektisch gesehen, aber da wird die Luft dann für viele recht dünn, könnte man sogar die These wagen, dass all diese Sprachhampeleien, dieses aufgeregte Geschnatter, als ob durch die Verwendung von Sprachverhunzungen wie dem Genderstern der feministischen Sache auch nur der geringste Dienst erwiesen würde, von eigentlichen Unterdrückungsphänomenen abgelenkt wird.

Lohnungleichheit, grauenhafte Misshandlung von Frauen in der Dritten Welt, im Islam, Barbareien wie bis heute millionenfach betriebene Klitorisbeschneidung: das wären ein paar wirkliche Probleme. Zudem sind Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen auch, aber längst nicht nur geschlechtsspezifisch.

Anders absurd formuliert: Ajatollah ist bekanntlich die Bezeichnung für einen schiitischen Rechtsgelehrten. Mann. Würde es am frauenverachtenden Islam irgend etwas ändern, wenn man die Forderung aufstellte, diese Wort neuerdings als Ajatollah*In, als Ajatollah_In oder wie auch immer zu schreiben? Träte dann an die Seite des Gelehrten auch die Gelehrte? Oder wird die katholische Kirche femininer, wenn man neben Papst auch Päpstin schreibt? Was für ein Humbug.

Wieso bekommt ein solcher Luftkampf mit angetauchten Schlachten so viel Bedeutung?

Bleibt die Frage, wieso dann ein solcher Unfug eine dermassen überproportionale Bedeutung bekommen kann. Womit wir wieder beim Mittelalter wären. Nur wer überzeugt ist, den Schlüssel zum ewigen Seelenheil, zumindest aber das Wissen um das Gute und Bessere und Richtige und Humanistische und Fortschrittliche in den Händen zu halten, der kämpft wie ein Berserker um seine Ziele. Der beschimpft, beleidigt, bedrängt alle Abweichler vom vermeintlich richtigen Pfad. Mit dem flackernden Blick des Fanatikers, beratungsresistent. Für kein Argument zugänglich. Verschlossen gegenüber Logik, Verstand und Beweisführung.

Was früher Ketzer und Ungläubige waren, sind heute Sexisten, Frauenverachter, Diskriminierer. Natürlich gibt es solche (geschlechtsunabhängig, übrigens). Aber das kann doch nicht im Ernst Anlass zu Kampfesarien, Protesten, Glaubenskriegen sein. Oder doch?

Es lebe die Nostalgie

Vorher/nachher. Das macht beim Abnehmen besonders Spass. Im Journalismus ist’s Schrumpfen.

Vorher

Letztlich ging es immer um die Deadline. Ob der Journalist eine Woche Recherchierzeit hatte, gar einen Monat, oder ob er in der Tagesaktualität arbeitete – es wurde immer ein Kampf gegen die Uhr am Schluss.

Es gab einerseits die sogenannten Must-Themen. Also Ereignisse von nationaler oder gar internationaler Bedeutung, die berichtet werden mussten. Bei Magazinen war das die Nachrichtenabteilung, meist in strengem Schwarzweiss, um die Seriosität zu unterstreichen. Wenn das Magazin etwas auf sich hielt, kopierte es nicht einfach eine Agentur-Meldung, sondern ein das Gnadenbrot geniessender Redaktor nahm sich dieser Themen an.

Aber was zählte, war natürlich die Eigenleistung. Reportagen. Interviews. Enthüllungen, exklusive Storys. Denkstücke. Damit der Konsument, der Käufer, immer wieder einen Grund geliefert bekam, wieso er Geld dafür ausgeben soll.

Nach der Materialsammlung kam die schreiberische Bewältigung des Themas, die Erfüllung gewisser Minimalstandards. Um eine Trend-Story zu machen, brauchte es mindestens drei konkrete Beispiele, identifizierbar, real. Anonymes, Angefüttertes war zunächst suspekt, wurde auf die Streckbank der einfachen Frage gelegt: cui bono? Wer hat was davon, was sind die Motive dahinter?

Dann ging der Text durch verschiedene Prüfstationen. Ressortleitung, Textchef, Produzent, schliesslich die Chefredaktion. Überall auf diesem Weg war es möglich, dass das hoffnungsvolle und zarte Pflänzchen eines neuen Artikels den plötzlichen Kindstod erlitt. Zu schwach, zu dünn, zu schlecht, zu wenig belegt, zu oberflächlich, zu wenig Newsgehalt, gewollt, aber nicht gekonnt.

 

Sorgfältige Qualitätskontrolle war früher ein Must.

Je nach Thema warf dann noch der Hausjurist einen Blick drauf, auf jeden Fall ging es zweimal durchs Korrektorat, in dem noch Koryphäen von Heuerschem Format sassen. Für Nachgeborene: Walter Heuer war lange Jahre Chefkorrektor der NZZ. Allgemein akzeptiert in der Schweiz als oberste Instanz in allen Sprachfragen. Als es noch darum ging, möglichst verständlich, genau und korrekt zu formulieren.

Das Ergebnis all dieser Mühen wurde dann täglich, wöchentlich, monatlich dem Leser serviert. Wenn der – trotz aller Bemühungen – einen Fehler entdeckte und monierte, dann gab das rote Köpfe auf jeder Hierarchiestufe.

Nachher

Es geht immer noch um die Deadline. Nur hat die sich virtuell aufgelöst, bzw. sie ist zu einer ständigen Einrichtung geworden. Als ob das für den Leser irgend eine Rolle spielen würde, gibt es absurde Wettkämpfe, welches Organ eine News ein paar Minuten vor der Konkurrenz hat. Rücksichtnahme auf jeglichen sprachlichen Anspruch ist dabei nicht mehr möglich.

Inzwischen gilt im Journalismus das alte kaufmännische Prinzip «put the shit on the shelves», hau den Scheiss ins Regal, damit er sich verkauft. Überwacht wird der Output mittels brandgefährlicher Software wie zum Beispiel Gotham und Apollo von Palantir. Die Firma wurde 2004 mit finanzieller Unterstützung durch die CIA gegründet und gilt heute als die Benchmark für Kontroll- oder Überwachungssoftware.

Indem grössere Teile des Journalismus zu einem reinen Sprintwettbewerb denaturiert sind, fallen natürlich fast alle Kontroll- oder Verbesserungsinstanzen weg. Recherche war gestern, heute ist Performance. Genommen wird (fast) alles, wenn es Clickzahlen verspricht. Gestohlene Geschäftsunterlagen, vertrauliche Papiere, Funde im Rahmen einer Strafuntersuchung, die zum Schutz des als unschuldig geltenden Involvierten strikt vertraulich bleiben sollten – alles wird genommen, ohne zu zögern.

Hörensagen, weitersagen, nochmal sagen, aufplustern.

Statt Leistung geht es meistens ums Aufpolieren von Ungenügendem. «Wie Recherchen dieser Zeitung ergaben», in diesem Nonsens-Satz ist alles Moderne drin. Die «Recherchen» können ohne Weiteres ein Telefonat, eine Google-Suche oder einmal copy/paste aus einer Quelle sein, von der der Autor hofft, dass sie dem Publikum nicht bekannt ist.

«Dieser Zeitung» heisst es, weil die gleiche Sosse aus einer Zentralredaktion in ein Dutzend, in zwei Dutzend Kopfblätter ergossen wird. Der Anteil selbst dieser geschrumpften Eigenleistung wird auch immer kleiner. Man achte auf das Kürzel SDA, verschämt und klein in Klammern nach Artikeln. Das heisst, dass schlichtweg die Agenturmeldung übernommen wurde.

Es gibt natürlich auch die Variante «sda/sj». Das bedeutet dann, dass die Tickermeldung übernommen wurde, aber der Redaktor sj seinen Senf dazugab. Er kürzte vielleicht einen Satz, ergänzte sogar einen anderen, amputierte einen ganzen Absatz, womit zwar Logik und Aufbau flöten gingen, aber he, im Internet soll’s kurz und knackig sein.

Reputationsmanagement ist vermeintlich alles.

Fehlerkultur? Aber sicher, in dieser Schrumpf-Kultur entstehen jede Menge Fehler. Nein, andersrum. Da alle anderen Instanzen weggefallen sind, produziert der Schreiber sein Stück gleich selbst, setzt also Titel, Vorspann, Zwischentitel und alle weitere Ausstattung, um sein Kind möglich aufzuhübschen.

Bei dem verlangten Output in kurzer Zeit kann sich der Autor natürlich auch nicht um so Pipifax wie Rechtschreibung, Stil, Aufbau usw. kümmern. Das nennt man moderndeutsch «digital first». Das bedeutet, dass die verbleibenden Medienhäuser ins Rattenrennen mit den sozialen Plattformen eintreten. Das sie natürlich nie gewinnen können. Aus diesem Grund steigt der prozentuale Anteil von Konsumenten, die sich überhaupt nicht mehr über die klassischen Newsmedien informieren, auf über 50 Prozent, umso jünger die Zielgruppe ist.

Fazit

Statt sich mit solchen, gravierenden Problemen zu befassen, akzentuiert noch durch die Unfähigkeit, sich gegen Google, Facebook, Amazon & Co. im Online-Marketing durchzusetzen, herrscht hilflose Nabelschau, Kolumnitis, werden Journalierende zu Kommentierenden, beschäftigen sich am liebsten mit ihrem eigenen Bauchnabel oder welterschütternd wichtigen Problemen wie der richtigen Anwendung des Gendersternchens und einem möglichst inkludierenden Schreibstil. Ohne dabei zu merken, dass sie damit vielleicht absurden Korrektheitsfantasien genügen, aber ihr verbleibendes Zielpublikum exkludieren.

Oder auf Deutsch: Texte auf Debilitätsniveau, null verarbeitete und eingeordnete Berichterstattung, weder sprachlich noch inhaltlich originell, an den Interessen der Zielgruppe teilweise brutal vorbeigeschrieben, gibt der moderne Journalismus nur sehr mangelhaft eine überzeugende Antwort auf die banale Frage: wieso soll man für diesen Schrott überhaupt etwas bezahlen?

Kein Wunder, dass das nicht klappt.

Um sich die weinerlichen Weltkommentare von voreingenommenen Flachköpfen anzutun? Von rechthaberischen Möchtegern-Weltverbesserern? Von erhobenen und wild fuchtelnden Zeigefingern? Von in den Genderwahn, die Antirassismus-Manie und diverse Ticks, Marotten, persönliche Steckenpferde abreitenden Textanbietern, die sich keine Gedanken mehr darüber machen, dass ihre persönliche Weltsicht nicht unbegrenzt jeden interessiert? Noch weniger ihr Leiden, ihre Phantomschmerzen, ihre geliehenen Schicksale, mit denen sie sich über die Banalität des eigenen Lebens hinwegtrösten wollen?

Nicht technologische Veränderungen. Nicht andere Businessmodelle. Nicht andere Distributionsformen. Nicht neue Konkurrenz. Nicht mal die Verlogenheit der Medienmanager, die Schrumpf- und Sparmassnahmen als Verbesserung des Angeboits schönschwätzen wollen. Das alles sind kleine Sargnägel.

Der grosse ist: wer will Geld dafür ausgeben, schlecht bedient zu werden? Wenn die Küche angekokelte Tiefkühlpizza anbietet, von übellaunigem Personal ohne Rücksicht auf Gästewünsche auf den Tisch geknallt, das zu exorbitanten Preisen, während der Belag immer frugaler, mediokrer und kleiner wird: wundert sich da einer, wenn das Lokal pleite macht?

«Republik»: Money for nothing

Sorry, liebe Dire Straits, den Songtitel auf die «Republik» anzuwenden, ist gemein, aber unvermeidlich.

Der «Republik»-Redaktor Philipp Albrecht spielte sich an der GV des Clubs der Zürcher Wirtschaftsjournalisten als der grosse und strenge Anhänger von Transparenz auf. Als knallhartem Rechercheur war ihm nicht entgangen, dass der Anlass – wie jedes Jahr – finanziell von einem Sponsor unterstützt wurde.

Erschwerend kam für Albrecht hinzu, dass der CEO des Sponsors Syngenta tatsächlich beim Abendessen anwesend sein würde. Offenbar dachte Albrecht, dass der so unantastbar im Hintergrund bliebe wie die Sponsoren, die ihm selbst Lohn und Brot bei der «Republik» garantieren. Also fragte er inquisitorisch, ob der Mann dann abgeschirmt werde oder man ihn mit Fragen belästigen dürfe. Zu seiner Enttäuschung lautete die Antwort: aber ja, natürlich, dafür ist er doch da.

Aber Albrecht hatte sein Pulver noch nicht verschossen. Wieso diese Anwesenheit denn nicht auf der Einladung zur GV vermerkt worden sei. Weil das erst drei Tage zuvor bestätigt wurde und die Einladung mit drei Wochen Vorlauf verschickt werde, lautete die geduldige Antwort. Aber, so setzte Albrecht nach, dann hätte man dieses Wissen ja nicht drei Tage für sich behalten müssen.

Das war der Moment, wo der Autor erschöpft einen Ordnungsantrag auf Abstimmung und Beendigung dieser sinnlosen Quälerei stellte. Dann wollen wir doch mal in aller Transparenz schauen, wie denn die «Republik» die Kohle von zwei Multimillionären und von ein paar tausend Abonnenten verballert. Dass und wie die Gebrüder Meili, gefolgt von Adrian Gasser, Hauptaktionäre bei der «Republik» sind, wird zwar ausgewiesen, aber dermassen verklausuliert, dass es wohl nicht mal «Wirtschaftsjournalist» Albrecht ohne zu stottern erklären könnte.

Kompliziert, aber einfach gemacht …

Projekt R Genossenschaft, Republik AG, Holding-Struktur, es fehlt nur noch ein Briefkasten auf den Virgin Islands. Aber lassen wir das und konzentrieren uns darauf, wofür genau die «Republik» Tag für Tag rund 20’000 Franken verballert. Sonntage sind nicht mitgezählt, denn da ruhen die Herren (und Damen und divers und beyond und non-binär usw.).

Er mahnt wieder. Schon wieder. Immer wieder.

Nun, gleich drei Fachkräfte werden in die Schlacht geworfen, um die deutsche Corona-Unke Christian Drosten zu interviewen. Die knallharte Titelfrage: «Woher kam dieses Virus?» Nun ist Drosten dafür bekannt und berüchtigt, dass mehr als das statistische Mittel seiner Prognosen und Aussagen falsch, kreuzfalsch oder ziemlich falsch waren und sind. So auch seine Behauptung:

«Diese Idee eines Forschungs­unfalls ist für mich ausgesprochen unwahrscheinlich, weil es viel zu umständlich wäre

Wir wollen uns hier nicht auf eine detaillierte Debatte einlassen, sondern verweisen auf die kritischen Anmerkungen, die hier zu diesem Interview von Dilettanten gemacht werden.

Immerhin 9 Artikel in zwei Tagen

In den der GV folgenden zwei Tagen hat die «Republik» insgesamt 9 Stücke rausgehauen. Das sind immerhin 3 mehr als im Schnitt, dafür schon mal ein Lob. Aber was genau bekommt man hier für 40’000 Franken Aufwand? 2 Artikel sind schon mal einfach eine längere Anpreisung der anderen an diesem Tag erscheinenden Werke, womit wir bei 7 Storys wären. Rund 23’500 Anschläge verwendet die «Republik» darauf, die Nachfolgefrage von Petra Gössi durch den Fleischwolf zu drehen. Erstaunlicherweise widmet sich das Organ zur Rettung der Demokratie dann dem Fall Britney Spears. Das Pop-Sternchen steht bekanntlich seit einigen Jahren und vorangehendem etwas erratischen Verhalten unter Vormundschaft. Damit ein solcher Pipifax als «Republik»-würdig gelten kann, muss er natürlich etwas aufgepumpt werden. Der Fall sei «ein Lehrstück über den bösartigen Umgang mit Künstlerinnen, die aus der Reihe tanzen».

Dann gibt es noch zwei für «Republik»-Verhältnisse Kurzstoffe, ein eingekaufter Bericht eines «Regimekritikers» über die Haftbedingungen, unter denen die Schweizerin Natallia Hersche in Belarus leide. Schliesslich eine Klage, dass Mario Fehr, ein Lieblingsfeind der «Republik», ein Bundesgerichtsurteil missachte, das ihn zur Herausgabe gewisser Dokumente verurteilt habe. Damit wären 20’000 Franken verröstet.

Aktualität ist nicht so das Ding von der «Republik». Am anderen Tag sind es nur drei Stücke, allesamt von brüllend gähnender Beliebigkeit. Baukartell? Graubünden? Whistleblower? Man erinnert sich noch dunkel? Genau, das war die erste grosse «Skandalstory» der «Republik», die bei näherer Betrachtung zum Skandälchen schrumpfte. Und inzwischen verschwunden ist. Aber, solange die Leiche noch nicht völlig verwest ist, kann man doch noch etwas damit machen. Zum Beispiel ein urlanges Interview zum Thema «Polizeistaatmethoden» im Umgang mit dem Whistleblower. Newswert: null. Gähnfaktor: 100.

Schliesslich der dritte Teil der Serie: «Was kann oder muss sich verändern im Bewerbungsprozess und im Umgang mit Stellensuchenden?» Vielleicht ein präventives Stück in eigenem Interesse, wenn die nächste Drohung mit Selbstmord – ausser, es gibt mehr Batzeli – nicht mehr funktioniert.

Schliesslich ein gelinde ausgedrückt mehr als merkwürdiger Artikel. Bei der Lektüre weiss man nicht, ob man befremdet, beelendet oder geradezu angewidert sein soll. Die Autorin porträtiert eine Autistin, um unter anderem Aufschlüsse zu bekommen, wie sie selbst mit ihrer möglicherweise ebenfalls autistischen Tochter umgehen soll.

Wo hört ein Artikel auf und fängt Eigentherapie an?

Dass sich eine Mutter überall Hilfe sucht, wo sie sie vermutet, ist natürlich unbenommen, und ihr persönliches Schicksal verdient Mitgefühl. Aber daraus einen Artikel zu machen, das ist eine befremdliche Steigerung der Bekenntnis- und Geständnisstorys. Wie auch immer, damit wären auch die zweiten 20’000 verballert worden.

Wahrscheinlich hat sich der «Republik»-Redaktor Albrecht von seinen investigativen Fragen am Montag erst mal ein paar Tage erholen müssen, verständlich. Oder, er hat dann trotz Sponsoring und trotz der ihm nicht rechtzeitig angekündigten Anwesenheit des Syngenta-Bosses die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, noch ein letztes Mal einen anständigen Dreigänger, begleitet von angenehmen und ausreichend fliessenden Weinen, spachteln und saufen zu können. Was dann doch vielleicht die üblichen Folgen auf Kopf und Magen gehabt haben könnte.

Angesichts dieses Outputs kann man aber wieder mal sagen: dafür 40’000 Franken? Echt jetzt? Wahrlich money for nothing.

 

Der Gender-Todesstern

Es passiert wieder Ungeheuerliches. Das ist dem Zentralorgan des Genderns fast eine Seite wert.

Aleksandra Hiltmann musste die schwere Bürde der Berichterstattung tragen. «Die Bundeskanzlei sagt Nein zum Genderstern», «Betroffene sind schockiert», bebt Hiltmann mit. Obwohl: «Sprachexperte nennt die neue Regelung «vernünftig»», aber das ist ja auch offensichtlich ein Mann.

Geschmackvoll präsentierte Aufforderung zur Sprachvergewaltigung.

Es war wieder einmal eine längere Zeit der Schockstarre zu überwinden, denn die «Weisungen und Erläuterungen der Bundeskanzlei» wurden bereits am 15. Juni 2021 veröffentlicht. Auf knappen 6 Seiten wird hier ausgeführt:

«Die Bundeskanzlei lehnt die Verwendung des Gendersterns und ähnlicher typografischer Mittel zur Markierung von Genderdiversität aus sprachlichen, sprachpolitischen und rechtlichen Gründen ab.»

Anschliessend werden 8 Gründe aufgeführt, von denen jeder einzelne schon reichen würde, diese Sprachvergewaltigung, diese neuste Marotte, diesen Missbrauch, diesen Stellvertreterkrieg für obsolet zu erklären.

Zunächst nur Hiobsbotschaften

Hier muss man sagen, dass die Bundeskanzlei ihre sprachlichen Hausaufgaben gemacht hat. Das gibt Hiltmann zähneknirschend und unvollständig wieder. Dann muss sie gleich mit einem weiteren Nackenschlag fortfahren: «Jürg Niederhauser, Präsident des Schweizerischen Vereins für Deutsche Sprache, findet die Weisungen zum Genderstern «vernünftig».»

Der Hiobsbotschaften nicht genug: «Das sieht auch Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung des Kantons Zürich, so – solange es um die strikt behördliche Kommunikation geht. «Mit Einwohnenden hingegen kommunizieren wir möglichst inklusiv», sagt Trachsel.»

Einwohnende? Wer kein blosser «Teilhabender» an der deutschen Sprache ist, sondern sie beherrscht, dem dreht es den Magen um bei diesem Missbrauch des Partizips Präsens, durch diese Missbrauchende. Aber, sonst wäre Hiltmann sicherlich verzweifelt, also eine Verzweifelnde geworden, schliesslich spricht einer Klartext: «Alecs Recher vom Transgender Network Switzerland (TGNS) findet:

«Die neue Weisung ist ein Fehler. Sie ist schockierend, verletzend und widersprüchlich.»»

Was tun? Auch dazu hat Recher eine klare Meinung, ist also ein klar Meinender: «Die Expertise von nicht binären Menschen ist da, die Bundeskanzlei muss diese nun schnellstmöglich bei Organisationen wie TGNS abholen, von sich aus.» Bis dahin, so fordert Recher, solle die Bundeskanzlei ihre neu erlassene Weisung zum Genderstern zurückziehen.»

Wer ist eigentlich diese Organisation TGNS?

Wer ist eigentlich diese Organisation TGNS? Gegründet von ebendiesem Recher, der zudem dort angestellt ist, besteht sie aus einer unbekannten Anzahl Mitgliedern; ihr Vorstand präsentiert sich so:

  • May Freigang, Co-Präsidium (sie / ihr)
  • Eneas Pauli, Co-Präsidium (er / they)
  • Siméon Seiler (er / they / kein Pronomen)
  • Mi (kein Pronomen)
  • Louis Käser (er)
  • James Ackermann (er)
  • Iliri Rexhepi (kein Pronomen, they / them)
  • Henryk Amalia (hen)

Sagen wir mal vorsichtig so: gewöhnungsbedürftig. Oder schlichtweg Randgruppenprogramm, unwichtig, nebensächlich, bedeutungslos. Eigentlich würde es zu den Aufgaben einer kompetenten Journalistin gehören, für den Leser transparent zu machen, wie bedeutend die von ihr zitierten Personen sind, bzw. welche Bedeutung deren Positionen oder Organisationen haben.

Aber Hiltmann ist eben eine Journalierende, keine ernstzunehmende Journalistin. Sie arbeitet zudem weiterhin für den als sexistisch, frauenfeindlich, demotivierend und ungerecht gegenüber Frauen stigmatisierten Tamedia-Konzern: «Der Genderstern wird in journalistischen Texten nicht angewendet», muss sie die Position der «Redaktion Tamedia» wiedergeben.

Was sagt denn die Konkurrenz zum Thema?

Der Artikel ist hinter der Bezahlschranke von Tamedia verborgen, was also den Lesenden sagen will, dass dieser Text, auch als Textin, formuliert von einer Textenden, Geld wert sein soll. Das wagen wir zu bezweifeln. Die Konkurrenz aus dem Hause CH Media hat sich immerhin zu dieser Zusammenfassung hier aufgerafft:

  • Genderstern: Bürger*in. Das Sternchen – der Asterisk – steht für die geschlechtliche Vielfalt. Wird zusehends von Behörden, Firmen und Organisationen genutzt.
  • Gender-Doppelpunkt: Bürger:in. Diese Schreibweise ist gerade für Seheingeschränkte angenehmer zu lesen. Ebenso soll der maskuline Wortstamm weniger im Vordergrund stehen.
  • Gendergap: Bürger_in. Die Lücke steht für geschlechtliche Variationen. Auch als kleine Pause beim Sprechen zu hören.
  • Schrägstrich-Schreibweise: Bürger/in. Hat sich namentlich bei amtlichen Stellen als Variante in Kurztexten etabliert.
  • Binnen-I: BürgerIn. Seit über 30 Jahren etabliert, um Frauen und Männer in einem Wort zu nennen.
  • Ausrufezeichen: Bürger!n. Wird von Luise F. Pusch, der Begründerin der feministischen Linguistik, als Übergangslösung vorgeschlagen. Soll weniger Lückenfüller sein als der Gendergap.

Wer Nachhilfe will; wir verlangen keine Kommission …

Das Organ der vertieften Recherche fügt hinzu: In Zürich empfiehlt die Fachstelle für Gleichstellung, den Genderstern im Unterricht zu verwenden. Die oberste Schweizer Lehrerin ist darüber nicht erfreut. So raportiert «watson» einen Bericht im «Tages-Anzeiger». Besonders lustig dabei: der zuständige Stadtrat Filippo Leutenegger soll von diesem Anschlag auf unschuldige Schüler nichts gewusst haben.

Wir möchten eigentlich von solchem Unfug überhaupt und allgemein nichts mehr wissen …

Fassungslos, Part 1

Wir haben lange gezögert, aber es braucht ein neues Gefäss: FASSUNGSLOS.

Lesen, staunen, verzweifeln. Das sind die drei Stufen auf dem Weg zur Medienenthaltsamkeit.

Ja, das kann nur eine: Laura de Weck. Dafür zahlt der Tamedia-Lesende sicher gerne mehr als 700 Franken im Jahr, um so was hinter der Bezahlschranke zu finden.

Wandel ist gut, echter Wandel ist besser. Nur: wie? Weiss das Annik Hosmann?

Gleichberechtige Gesellschaft mit «echter» Chancengleichheit? Also wenn das bedeutet, dass solche Autorinnen gleichberechtigt würden: niemals!

Dass der «Republik»-Linke im Sinne der Unabhängigkeit von einem multimillionenschweren Brüderpaar gesponsert wird, das stört Philipp Albrecht überhaupt nicht. Dass er sich hier über den Untergang der Club-GV freut, sollte wenigstens seine Leser stören.

Das vierfache Grauen.

Wer den sympathischen Herrn nicht kennt: Nik Walter, Leiter «Wissen» bei Tamedia. Hier setzt er in aller journalistischen Unabhängigkeit ein Zeichen.

 

 

Hilfe, mein Papagei onaniert

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch.

Wenn der Wahnsinn regiert, werden Enten gerupft. Konkret handelt es sich um die Bewohner von Entenhausen. Auch vor ihnen macht der Genderwahnsinn mitsamt korrekter Verwendung der Sprache nicht Halt.

Besonders pervers ist das hier, weil es in der Person von Erika Fuchs eine kongeniale Übersetzerin der Abenteuer von Donald Duck und seinen Mitbewohnern gab. Fuchs hat nicht nur den deutschen Sprachschatz bereichert, sie ist nicht nur die Autorin unsterblicher Formulierungen wie «Dem Ingenieur ist nichts zu schwör», sie hat sich auch immer wieder bemüht, literarische Anspielungen und hochwertige Formulierungen zu verwenden.

Nun ist, wie der «Tages-Anzeiger» vermeldet, den «Lustigen Taschenbüchern» mit den unsterblichen Abenteuern von Donald, Dagobert und anderen Ducks, von Gustav Gans, den Panzerknackern und vielen weiteren Figuren, offensichtlich von einer Sprachpolizei Gewalt angetan worden.

«Der an der Universität Wien lehrende Literaturwissenschaftler Achim Hölter hat in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» nachgewiesen, dass in mehreren Bänden der «Lustiges Taschenbuch Classic Edition» seit dem vergangenen Winter über 100 Sprechblasen geändert wurden. Als besonders krasses Beispiel nennt Hölter die Donald-Duck-Geschichte «Im Lande der Zwergindianer». Obwohl im seltsamerweise unveränderten Titel klar ersichtlich ist, worum es geht, wurden im Text Begriffe wie «Indianer», «Zwerg», «Eingeborene», «Skalp» und «Bleichgesicht» gelöscht oder umformuliert.»

Nun kann man sicher einwenden, dass es schlimmere Auswüchse dieses geradezu faschistoiden Wahns nach Sprachreinheit und -gerechtigkeit gibt. Man muss dafür nur die entsprechenden Wahnsinnstaten in den Organen von Tamedia nachschlagen, wo ganze Seiten schon damit gefüllt wurden, was korrekterweise gesagt werden kann und muss, was nicht. Aber jedem Fan der von Anfang der 40er-Jahre an vom US-Zeichner Carl Banks entwickelten Storys dreht es nochmal den Magen um.

Als ob wild gewordene Sprachvergewaltigerinnen selbst in der «Duden»-Redaktion («die Gästin») nicht schon genug Unheil anrichten würden.

Der Zyklus als Schicksal

Aber nicht nur die Sprache ist immer wieder ein Opfer von im roten Bereich drehenden Stellvertreterkriegerinnen. Vielleicht ist es dem Fehlen männlicher Erfahrung zuzuschreiben, aber es gibt einen Beruf, der uns bei ZACKBUM bislang unbekannt war: die Tätigkeit der «Zyklusberaterin». Es soll Frauen geben, die sich nach Mondphasen richten wollen, beispielsweise nur zu bestimmten Momenten die Haare schneiden lassen. Aber das ist hier offenbar nur der Anfang vom Wahnsinn.

Was lernt man, Pardon, frau, denn bei einer Zyklusberaterin?

«Was auch gut funktioniert: Vorkochen! Während eines Eisprung-Energieschubs zwei Lasagnen machen und eine in den Tiefkühler stecken. Das ist später Gold wert, wenn das Stehen am Herd anstrengend ist.»

Das mag ja so sein, aber obwohl wir nicht kampffeministisch gestimmt sind: will es nicht scheinen, dass hier die Frau auf ihre Funktionen als Heimchen am Herd reduziert wird?

Das scheint uns auch beim nächsten Beispiel der Fall zu sein: «Kurz vor der Menstruation fällt vielen Frauen plötzlich alles auf, was nicht funktioniert. Von der schmutzigen Kaffeemaschine über das quietschende Tram bis zu Fehlern in einem Text – wir sind dann einfach viel sensibler und zugleich intuitiver.»

Angesichts dieses Texts, bzw. dieses Interviews können wir also vermuten, dass er nicht kurz vor der Menstruation entstand … Aber item, frau könnte hier lernen, dass sich der weibliche Zyklus als «die vier Jahreszeiten der Frau» beschreiben lässt.

Glücklicherweise bietet die interviewte «Zyklusberaterin» Hilfe bei der «Zyklusbeobachtung» an. Man könne zum Beispiel von ihrer Webseite ein «Zyklusrad» herunterladen, ausdrucken und ausfüllen. Bei dieser Tätigkeit wollen wir Männer natürlich nicht stören.

Vielleicht nur noch als Warnung; so wird der «innere Herbst» im Zyklus der Frau beschrieben: Der Herbst, den «viele Frauen wegen des prämenstruellen Syndroms (PMS) als mühsamste Zeit empfinden, steht für Klarheit, Fokus, Kreativität. Es ist auch eine «No bullshit»-Zeit: in dieser Phase des Zyklus können viele Frauen Small Talk und oberflächliche Menschen nur schwer ertragen.»

Da schweigen wir stille und lassen diesen Herbst an uns vorübergehen.

Keine Schnäppchen erhältlich

Gibt es denn nichts Positives zu melden, so im Frühsommer, wenn es nicht gerade der Herbst des Menstruationszysklus ist? Vielleicht doch, obwohl diese Probleme auch diesem Herrn eher fremd sind. Urs E. Schwarzenbach, der nominale Besitzer des Hotels Dolder, der angebliche Milliardär, der aber leider immer so klamm ist, was Cash betrifft, stand wieder einmal vor dem Nichts.

Also das schon nicht, aber heute hätten in der angesehenen Galerie Koller 158 Werke aus seiner Kunstsammlung zwangsversteigert werden sollen. Das hatte die Eidgenössische Zollverwaltung angeordnet. Sie hatte diese Kunststücke beschlagnahmt, weil ihr Schwarzenbach Steuerschulden in der Höhe von rund 6 Millionen Franken klamm blieb. So kann man doch nicht arbeiten.

Aber im letzten Moment überwies Schwarzenbach die Kohle, die Versteigerung wurde abgesagt. Ein Filou halt, der Mann am Fenster für ziemlich reiche asiatische Clans.

Ein jämmerlicher Club

Es traf sich unerschrocken, dafür einmal im Jahr, der Club der Zürcher Wirtschaftsjournalisten.

Dieses Problem konnte gelöst werden, das hier nicht:

«Antrag Isabel Strassheim.

  1. Umbenennung in «Club Zürcher Wirtschaftsjournalist*innen».
  2. Mitglieder setzen sich zum Ziel, in ihrer Berichterstattung, zu 50 Prozent Akteurinnen der Wirtschaft zu Wort (und Bild) kommen zu lassen.

Lassen wir mal den Antrag b) als völlig bescheuert weg. Echt jetzt? Die Umbenennung? Auch hier («Zeichen setzen», «Der innere Herbst, den viele Frauen wegen des prämenstruellen Syndroms (PMS) als mühsamste Zeit empfinden, steht für Klarheit, Fokus, Kreativität. Es ist auch eine «No bullshit»-Zeit: In dieser Phase des Zyklus können viele Frauen Small Talk und oberflächliche Menschen nur schwer ertragen.»)

Auch ohne diesen vier Jahreszeiten unterworfen zu sein: man bemüht sich mit fortschreitendem Alter, so wenig lächerlich wie möglich zu sein oder zu werden. Der Antrag wurde angenommen, der Club hat ein Mitglied weniger.

Allerdings wird er sowieso kaum mehr wie zuvor funktionieren. Denn ein weiterer Antrag verlangte, dass er das Sponsoring seiner Generalversammlung sein lässt. Ein von zwei Millionären gesponserter «Republik»-Journalist meinte, das diene der Transparenz und setze ein Zeichen der Unabhängigkeit, mindere zudem die Gefahr, deswegen kritisiert zu werden, wie die Antragstellerin Maren Meyer ausführte. Obwohl in der 50-jährigen Geschichte des Clubs kein einziges Mal eine solche Kritik laut wurde. Auch dieser Antrag wurde angenommen.

So ist es gelungen, mit zwei geschickten Handbewegungen eine erfolgreiche, vergnügliche Veranstaltung zu ermorden. Und durch ein «da muss es doch Alternativen geben» zu ersetzen. Schade auch, der Club war ein netter Anlass mit guten Diskussionen, hochkarätig besetzten Podiumsdiskussionen und anschliessend vergnüglichem Zusammensein.

Aber wenn die nach Kernseife, Lustfeindlichkeit und Verkniffenheit riechende geheuchelte Rechtschaffenheit die Macht ergreift, wird es grau und öde. Ohne uns.

 

 

Schawis UKW-Schlacht: 2 zu 0

Der Radio-Pionier macht weiter Boden gut – UKW-Abschalter schnallen ab.

«Dass man umdenken kann, auch wenn man zuvor etwas im Enthusiasmus beschlossen hat», das sei das Wichtigste. So lobt der Ex-Medienminister Moritz Leuenberger seine Nachfolgerin Doris Leuthard.

Unter deren Federführung war die Abschaltung der Radio-Übertragung auf UKW beschlossen worden. Inzwischen hat die Alt-Bundesrätin eingeräumt, dass das wohl eine übereilte Entscheidung war, die sie aus heutigem Kenntnisstand nicht mehr so treffen würde.

Moritz Leuenberger: da denkt was unter dem Hut.

Applaus von Leuenberger, der sich ebenfalls gegen diese «von oben herab befohlene Eile» ausspricht. Alleine schon, weil die Entsorgung von Millionen von UKW-Geräten jede Menge graue Energie verschwenden würde. Und weil auch Leuenberger der Auffassung ist, dass UKW als Übertragungskanal bleiben muss.

Das sind schon zwei Fach-Bundesräte, die Roger Schawinski in seinem Kampf um die Erhaltung des UKW-Kanals hinter sich weiss. Plus über 55’000 Unterschriften unter der Petition «rettet UKW», die er vor Kurzem gestartet hat. Was bemerkenswert ist, weil Schawinski im Wesentlichen sein «Radio 1» als Multiplikator und Lautsprecher hinter sich weiss.

Stand Montag, 21. Juni 2021 …

Nach einigen seiner Prominenz geschuldeten Gastauftritten in anderen Medien herrscht inzwischen bei den Befürwortern der Abschaltung – Funkstille. Man spielt die Sendepause rauf und runter. Vielleicht besser so, denn für den mit Abstand dümmsten Spruch sorgte bislang Florian Wanner, Leiter Radio bei CH Media. Der Wanner-Clan hat sich die grösste Sammlung von privaten TV-und Radiostationen zusammengekauft, darunter das von Schawinski gegründete «Radio 24» und «Tele Züri».

Wanner, von Beruf Sohn und von Qualifikation eine Null, meinte am Anfang der Kampagne von Schawinski noch arrogant auf die Frage, was ihm durch den Kopf gegangen sei:

«Ich musste schmunzeln und war nicht überrascht. Es ist eine schöne Geschichte für ihn. Er war der Erste unter den Privaten – und möchte offensichtlich auch der Letzte sein.»

Sendepause, Hinterzimmerdeals und Kungeleien

Inzwischen nimmt es Wanner Junior etwas ruhiger, ebenso der Präsident des Verbands Schweizer Privatradios. Jürg Bachmann war dabei, als damals ein Hinterzimmerdeal ausgehandelt wurde. Die Privatradios stimmen der Abschaltung von UKW zu, dafür müssen sie sich in der Restlaufzeit nicht nochmal um die Sendelizenzen bewerben.

Da hatte es nämlich blöde Unfälle gegeben, weil einige Radiomanager sogar zu unfähig waren, ein fürs BAKOM akzeptables Gesuch einzureichen. Den Stress wollte man sich nicht mehr so schnell antun. Also kein Stress, Zustimmung, merkt doch keiner. Oder höchstens, wenn’s zu spät ist. Dass Schawinski schon damals diesem Deal nicht zugestimmt hatte, nahm man auf die leichte Schulter. Oh je, der schon wieder, will wohl immer aus der Reihe tanzen, will wohl weiter UKW senden, weil er noch nie vom Internet gehört hat.

Zudem waren die Verlage zunehmend damit ausgelastet, den nächsten Deal durchzukriegen, die Milliarden-Unterstützung durch den Steuerzahler. Für die milliarden- oder mindestens multimillionenschweren Medien-Clans wie Ringier, Wanner, Lebrument oder Coninx, bzw. Supino.

Also machen die Radiomacher, die Sender ohne Sendungsbewusstsein, damit weiter, was sie viel besser können. Kungeln, vernetzen, verfilzen. So liess sich Wanner Junior zum VR-Präsidenten des DAB+-Netzbetreibers SwissMediaCast wählen. Das ergänzt seine Mandate im VR der AZ Medien AG – sowie im Vorstand des  Privatradio-Verbands.

Dass DAB+ in Wirklichkeit das Auslaufmodell ist, das muss ihm mal jemand erklären. Aber bitte ganz langsam.

Gejammer hat genutzt – vorläufig

Alles Gejammer der Verlage, dass sie dringend auf noch mehr Staatskohle angwiesen seien, denn es wäre doch unerträglich, wenn die Coninx-Yacht nicht erneuert werden könnte, wenn Ringier sich nicht den neusten Aston Martin kaufen dürfte, hat zwar im Parlament genutzt. Die Milliarde ist durch.

Aber auch hier droht Ungemach. Ein munteres Referendumskomitee um den Verleger Bruno Hug, den Alt-FDP-Nationalrat Peter Weigelt und den Kommunikationsberater Philipp Gut ist angetreten, den Verlegern in die Suppe zu spucken. Die NZZ, von Anfang an skeptisch gegenüber mehr Staatskohle für Medien, zeigt inzwischen unverhohlen Sympathie für dieses Referendum. Das sicherlich kommen wird.

Schliesslich haben die Verleger bis fast am Schluss verpasst, dass der Ständerat die Schwelle fürs Verhindern von kritischer Berichterstattung niedriger legte; mit einer scheinbar harmlosen, aber brandgefährlichen Streichung eines einzigen Worts bei superprovisorischen Verfügungen.

Es läuft also nicht wirklich gut für die Verleger. Allerdings: 2020 war ein weiteres profitables Jahr mit Gewinnen satt. Aber jammern ohne zu leiden, das ist inzwischen die Lieblingsbeschäftigung dieser Clans.

Sieht so ein Siegertyp aus? Roger Schawinski.

Es darf gelacht werden: Cohoho. Corona. Kicher. Gröl.

Wir sind endgültig ins Zeitalter des Nonsens, des Slapsticks, der Lächerlichkeit eingezogen.

Immer noch keine Leichenberge. Keine italienischen Verhältnisse (die es so auch nie gab). Keine 20’000, 100’000 Tote in der Schweiz. Kein kollabierendes Gesundheitssystem. Keine herzzerreissenden Szenen vor den Intensivstationen oder Notaufnahmen.

Man hört und spürt förmlich, wie auf den Schrumpfredaktionen Verzweiflung ausbricht. Der Blattmacher schaut mit bösem Blick in die Runde: Na, will wirklich keiner die nächste Sparrunde verhindern? Wenn ich «Corona» sage, was sagt Ihr?

Betretenes Schweigen, als hätte man gerade den Verlust eines nahen Verwandten zu beklagen. Tiefes Schweigen, als hätte man bei der Testamentseröffnung gerade vernommen, dass das erkleckliche Vermögen dem Tierheim «Traurige Pfote» vermacht wird. In dieses Schweigen hinein donnert der Blattmacher: Wollen wir denn ewig Fussball, Cola-Flaschen und ähnlichen Quatsch auf der Front beschreiben? Was sollen wir denn zu unserer Nati noch sagen? Kollektiv-Selbstmord? Alle müssen sich Haare blond färben? Schon mal an eine zweite Karriere im Handball gedacht? Und das Bundesasylzentrum liegt auch schon im Koma, wird künstlich beatmet und alle Körperfunktionen werden extern durch Geräte erledigt

Claudia C. hebt mutig die Hand: «Wie wär’s, wenn ich einen Kommentar über Spielerfrauen schreiben würde?» Der Blattmacher denkt: wenn die nicht den hätte, den sie hat, würde ich sie nun vor versammelter Mannschaft fertigmachen. Stattdessen sagt er: guter Ansatz. Nur, da hatten wir gerade eine Seite drüber im Blatt. Aber ist notiert.

Corona, wo bleibt Corona?

Salome N. meldet sich: «Wieso heisst es eigentlich «der» Fussball? Wieso schreiben wir nicht Fussball*In-EM?» Der Blattmacher nickt matt. Aleksandra I. will die Dritte im Bunde sein: «Wie wäre es mit einem Wörterbuch, welche Ausdrücke beim Kommentieren eines Matchs erlaubt sind – und welche nicht?» Der Blattmacher denkt sehnsüchtig an seine Notfall-Flasche im Pult: ja, schön, mach das mal.

Corona, wirft er dann nochmal in die Runde. Nun meldet sich auch die Macho-Fraktion, also ein paar Männer. «Wie wär’s mit einer Serie: vor einem Jahr? Grenzzaun in Kreuzlingen, usw.» Letzthin mal Schweizer Farbfernsehen geschaut, schnaubt der Blattmacher. «Nebenwirkungen der Impfung?» Zufällig letzthin mal Tamedia-Blätter gelesen, schnappt der Blattmacher. «Hätte da eine schöne Grafik aus der Süddeutschen», sagt der nächste.

Guter Ansatz, leider für Deutschland.

Das ist über Deutschland, du Pfeife, keift der Blattmacher. «Ich hätte da einen Wissenschaftler, der sagt, dass …» Wenn ich noch ein Mal einen Wissenschaftler was sagen höre, dann kriege ich einen Blutrausch, schreit der Blattmacher. Der eine ist wieder besorgt, der andere ist optimistisch, unsere Leser glauben denen doch kein Wort mehr.

Der Mahner, der Warner, der Fehlprognostiker.

«Ich habe da aber einen, der sieht das Ende der Welt kommen», insistiert einer. Wenn selbst die alte Unke Brupbacher ein optimistisches Interview führt, was soll das dann, winkt der Blattmacher ab.

Immerhin: mit der Fotografie (aus der indischen Schweiz)
wird zu viel Optimismus eingefangen.

«Wieso diskutieren wir nicht das Verhältnis von Politik und Wissenschaft», fragt nun einer. Auch die «Republik» und den gähnlangweiligen Artikel eines ETH-Profax gelesen, ja, schüttelt der Blattmacher den Kopf.

Die Vorschläge werden immer verzweifelter

«Hinein in die Corona-Diktatur», wagt nun einer. Wie bitte, sagt der Blattmacher, wo hast du denn deinen Aluhut gelassen? Das sind alles bedauerliche, aber nötige Massnahmen; so steht’s im ungeschriebenen Gesetzbuch der Berichterstattung. Oder frag doch mal Rutishauser, was der von so einer Idee halten würde.

Oder vielleicht mal wieder ein Tweet und seine Folgen?

«Ich kenn da einen, der kennt eine, die wohnt in einer WG mit einer Mitarbeiterin im Bundesasylzentrum.» Und, fragt der Blattmacher. «Nichts und, ich könnte da ja mal recherchieren, aber ich müsste dann das Trambillett auf Spesen nehmen.» Vergiss es, sagt der Blattmacher, wieso nimmst nicht dein Velo. «Hat einen Platten» sagt der Redaktor beleidigt.

Kann man so oder so sehen, heutzutage.

«Ich könnte mal wieder einen Tweet raushauen», sagt Marc C., «dass der Stadtrat, der Kantonsrat, der Bundesrat alle unfähig, fahrlässig, verantwortungslos sind, ich mit denen fertig habe und fordere …», nein, verwirft der Blattmacher die Hände, Rutishauser tut heute noch das Ohr weh, so wurde er nach deinem letzten Quatsch angebrüllt.

«Wie wäre es dann halt mit einem gnadenlosen Recherchierstück: die schönsten Badis? Die besten Glace-Stände? Die lauschigsten Plätze an Limmat und Sihl? Die besten Open-air-Anlässe?» Der Blattmacher applaudiert: danke, endlich was Sinnvolles. Wenn wir diesen Neuzugang vom «Blick» nicht hätten, das Blatt ist gerettet. Helm auf, ans Gerät, ausschwärmen, ihr dürft auch auf Kosten des Hauses eine Glace auf Spesen nehmen. Aber nur eine, und nicht teurer als 2 Franken.

«Dafür kriegt man in Zürich doch keine Glace»,

meckert noch einer. Aber wir können das als Ausdruck unserer sozialen Einstellung in die nächste Rede von Supino einbauen, denkt an eure Arbeitsplätze, hebt der Blattmacher die Sitzung auf.

Leichenfledderei beim Tagi

Schritt eins: erfinde einen Skandal. Schritt zwei: knutsch den toten Skandal, solange es geht.

Immerhin, von ihren Untaten im Zusammenhang mit dem Ausschlachten gestohlener Geschäftsunterlagen weiss Tamedia: eine Kampagne haut mehr rein als ein einzelner Artikel. Das gilt auch für Arthur Rutishausers Lieblingsthema: der Fall Vincenz.

Das galt auch für Salome Müller mit Dutt und Gendersternchen an den unmöglichsten Orten. Aber die ist ja verstummt, schade aber auch. Doch Mario Stäuble, den anderen halben Unterchefredaktor, den gibt es noch, und der will auch mal. Darf er.

Zunächst wurden im Bundesasylzentrum unerträgliche Zustände entdeckt. Fast noch schlimmer als auf jeder beliebigen Redaktion von Tamedia. Schikane, verletzte Menschenwürde von allen Beteiligten, furchtbar.

Ob das wirklich so ist, ist genauso unklar wie die Frage, ob auch nur eines der Beispiele für sexistische Grobheiten bei Tamedia tatsächlich stattgefunden hat oder nicht. Das ist möglich, genauso, wie es inakzeptable Zustände im Asylzentrum geben könnte. Konjunktiv. Aber Konjunktiv war früher im Journalismus.

Neue, erschütternde Bilddokumente aus der Tamedia-Redaktion (oben)
und dem Bundesasylzentrum (unten).

Heute ist Methode «Republik». Man sammle ein paar anonyme Denunziationen, drehe die zu einem Riesenskandal hoch – und lege nach. Solange es halt geht, bis die ganze Story mit einem Winseln verröchelt. Aber wer will am Anfang schon ans Ende denken.

Exklusiv: der neue Newsroom des «Tages-Anzeiger». Nachbau von der «Republik».

Schlag auf Schlag – ins Wasser

Wir haben nun bereits das «Zürcher Asylzentrum in der Krise». Ob es von seiner Krise weiss? Nicht so wichtig, Politiker haben bereits Lunte gerochen, nehmen Witterung auf, fangen wie der pavlovsche Hund an zu sabbern, wenn das Glöcklein «Skandal» klingelt, weiss Tamedia:

«Politikerinnen und Politiker fordern eine Aufarbeitung der Missstände im Zürcher Bundesasylzentrum.»

Das konnte nun der Kindersoldat in seiner Verrichtungsbox im Newsroom erledigen. Den Satz aus dem Archiv holen, abstauben und am richtigen Ort Bundesasylzentrum einsetzen.

Kollegen kümmern sich derweil um die Stimulation des Wettbewerbs: nur der Politiker mit dem schärfsten Quote kommt in die Kränze. Und der Sieger ist diesmal Willi Wottreng, AL-Gemeinderat: «Es darf nicht sein, dass mitten in der Stadt Zürich unter Oberaufsicht des Bundes ein rechtsfreier Raum entsteht.»

Wahnsinn, also doch Abu Ghureib in Zürich? Es steht zu befürchten, wenn man Wottreng folgen will:

«Die Nationale Kommission für Verhütung von Folter sollte dem Zentrum dringend einen Besuch abstatten.» Echt jetzt?

Echt jetzt. «In Schweizer Bundesasylzentren kommt es laut Amnesty International immer wieder zu Gewalt gegen Asylsuchende durch Sicherheitsleute.» Sekundiert das recherchierstarke Gassenmagazin «Surprise». Also recherchiert wurde nichts, aber Alicia Giraudel von Amnesty International habe ein Jahr lang geforscht. Ergebnis: «das Bild eines verbreitet respektlosen und gewalttätigen Umgangs mit schutzsuchenden Menschen. Die Übergriffe reichen von psychischer Gewalt und Diskriminierung bis hin zu Fällen von massiver körperlicher Misshandlung.

Bei den schwersten Misshandlungen könnten die Kriterien für Folter erfüllt sein.»

Sowohl AI wie «Suprise» wissen natürlich, dass der Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen nicht so wichtig ist. Wichtig ist, dass man damit 15 Minuten öffentliche Aufmerksamkeit erobert, Erregungsbewirtschaftung nennt sich das im Fachjargon. Darin sind AI, «Surprise», das auch schon mal einen «künstlerischen» Mordaufruf gegen Köppel abdruckte und sich dann dafür entschuldigte, Greenpeace oder die «Republik» sich einig: muss sein. Sonst kommt man doch gar nicht in die Schlagzeilen der anderen. Dass dann alle sogenannten «Skandale» bei der «Republik» jämmerlich verröcheln, was soll’s.

Zum Beispiel «Globegarden». Oder Angola. Oder Vincenz.

Das letzte Beispiel war «Globegarden». Unerträgliche Zustände beim grössten Betreiber von Kitas in der Schweiz. Kinder fallen vom Wickeltisch, gehen verloren, werden mangelernährt, von überforderten, schlecht bezahlten Mitarbeitern. Und? Nichts und. Politiker forderten, wie immer sprungbereit, Ämter amteten, und? Ein bei einer renommierten Kanzlei in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht ergab: nichts. Null, nada. Hatte die «Republik» wenigstens die Grösse, das zu vermelden? Ach was, wozu auch. Wäre zu sehr seriöser Journalismus. Stattdessen ein vor Arroganz und Unbelehrbarkeit triefendes Statement gegenüber ZACKBUM: «Es liegen keine Fehler vor, die wir nicht bereits am Ende des Textes richtiggestellt haben.»

In einer wahren Kampagne machte Tamedia einen schweizerisch-angolanischen Geschäftsmann nach Strich und Faden fertig. Bereichert sich an der korrupten Oberschicht Angolas, während dort Kinder mit Hungerbäuchen in Elendsvierteln vegetieren. Firmengeflecht, mögliche Steuerhinterziehung, Prozesse und Untersuchungen sind weltweit im Gange. Und? Nichts und. Alle Untersuchungen wurden ergebnislos eingestellt, alle Prozesse auch – oder vom Geschäftsmann gewonnen. Dessen Unternehmen ist futsch, die Angestellten entlassen, der Mann selber gebrochen. Wenigstens eine Entschuldigung? Ach was, wie sagte der verantwortlich-verantwortungslose Tamedia-Schreiber Brönnimann: ist doch nicht unsere Verantwortung, wenn aufgrund unserer Artikel Staatsorgane und andere tätig werden.

Ob sich Rutishauser bei Pierin Vincenz entschuldigen wird? Nicht im Traum. Gibt’s denn keine gute Nachricht aus dem Haus der schlechten Nachrichten? Leider nein:

Da zuckten Tamedia-Männer zusammen.

«Geliebter Tages-Anzeiger»? Ist das nicht ein wenig übergriffig, sexistisch, unangemessen für eine Mitunterzeichnerin des Protestbriefs? Aber viel erschreckender ist die Drohung: «mein vorerst letzter Artikel». Hartegesottene Reporter beim Tagi, die keinen Gang in die Elendsviertel der Schweizer Flüchtlingspolitik scheuen, sollen auf offener Werdstrasse zusammengebrochen sein, als sie das lasen. Mit Weinkrämpfen.

Will uns Blumer damit sagen, dass sie ihren Herzallerliebsten fragen könnte, ob er ihr statt des nächsten Handtäschchens als neues Spielzeug den Tagi kauft? Wäre doch super, Bindella inseriert, Blumer kommentiert. Der Leser? Der zieht sich mit einer doppelten Portion Tiramisu runter und ballert sich mit Bindella-Weinen den Kopf weg.