Ultra-kurz winseln

Die Gräben sind ausgehoben, die Kampfhandlungen eröffnet. Wird UKW gerettet oder ist’s eine Dampflock fürs Museum?

Das nennt man eine Kampagne wie aus dem Bilderbuch. Wer hat’s erfunden? Diesmal zweifellos Roger Schawinski. Seine Petition «Rettet UKW» hat in kurzer Zeit mehr als 20’000 Unterschriften gesammelt.

Als Multiplikatoren hat er im Wesentlichen sein «Radio 1», durfte einige Gastauftritte in den Mainstream-Medien wie NZZaS absolvieren – und wurde ansonsten so angehässelt wie in seinen besten Zeiten.

«Unsinnige Lösung eines nicht-existierenden Problems», keilt «Blick».

Das ist die eigensinnige Lösung eines nicht-existierenden Problems …

Mit Arroganz versuchte es Florian Wanner, von Beruf Sohn und «Leiter Radio» bei CH Media: «Ich musste schmunzeln und war nicht überrascht. Es ist eine schöne Geschichte für ihn. Er war der Erste unter den Privaten – und möchte offensichtlich auch der Letzte sein.»

Auch die NZZ ist nach längerem Nachdenken zu einer Position gekommen: «UKW-Abschaltung: Roger Schawinski zieht in eine Schlacht, die längst geschlagen ist.» Auch hier wird mit «Nostalgie»* gearbeitet, und «Entgegen der landläufigen Meinung ist die UKW-Abschaltung keine Schnapsidee weltfremder Beamter.» Auch dem Blatt der tiefen Denker fällt kein platter Vergleich als dieser ein, um Schawinskis Forderung  nach Fortsetzung der staattlichen UKW-Unterstützung (ein Klacks gegen die Multimillionen, die in die zum Untergang verurteilte DAB+-Technologie verbraten wurden) sei «absurd». «Das wäre vergleichbar mit der Förderung von Dampflokomotiven nach der Elektrifizierung der Eisenbahn.»

Bedenklich, wenn auch der NZZ nichts Besseres als dieser ausgelutschte Vergleich einfällt.

Flache Slogans statt Recherchen

Mit flachen Slogans probiert es Nik Lüthi in der «Medienwoche»: «Radio-Zukunft liegt nicht in der Vergangenheit». Sagt nichts aus, ist flachsinnig, aber hört sich irgendwie gut an.

Auch viele Schawi-Hasser kommen natürlich aus den Löchern, so wie der Radio-Bankrotteur Giuseppe Scaglione. Dass er’s nicht kann, hat er unter Beweis gestellt; aber ein gutes Selbstbewusstsein rette über vieles hinweg: «UKW ist Vergangenheit. Das ist eigentlich jedem halbwegs vernünftigen Menschen klar. Offenbar fällt Schawinski in seinem Alter nicht Besseres mehr ein, als an einer Uralttechnologie festzuhalten. Er führt ein Scheingefecht mit populistischen Slogans. Schawinski kommt halt noch aus einer Zeit, in der man Radio praktisch ohne Konkurrenz machen konnte.»

Während Scaglione aus einer Zeit kommt, in der man einen krachenden Bankrott mit einem Radio hinlegen kann und trotzdem das Gefühl hat, man hätte Ahnung vom Radiomachen.

Auch hier zeichnet die Debatte zunächst eine ärgerliche Unredlichkeit aus. Dass eigentlich alle privaten Radiomacher der Abschaltung der UKW-Frequenzen zustimmten, weil sie sich damit eine stillschweigende Verlängerung ihrer Lizenzen erkauften – Schwamm drüber.

Dass also ihre Zustimmung in letzter Linie keineswegs aus wohlüberlegter Strategie und den Glauben in die Zukunft erwuchs. Sondern wie meist bei Managern, die von ihrem Medien oder Kerngeschäft nicht die geringste Ahnung haben, aus oberflächlichen Profitüberlegungen. Dass damals Schawinski als Einziger sein Einverständnis verweigerte – na und, dachten diese Kurzdenker, ist halt schon immer ein Querulant gewesen.

Schwachbrüstige Gegenargumente

Das rächt sich nun aber schwer, denn während Schawinskis Kampagne Fahrt aufnimmt, mussten eilig ein paar Gegenargumente zusammengenagelt werden. Und so schwach sind auch bislang.

Im Wesentlichen gibt es die unanständige persönliche Ebene: ein alter Sack, der als Rebell begann, will in einem Egotrip im Herbst seiner Karriere nochmal den Nonkonformisten raushängen lassen.

Das ist Festhalten an der Steinzeit, während die Musik in der Zukunft und im Internet spielt. Bei diesem Argument fällt niemandem der Widerspruch auf, wieso dann auch wieder alle Privat-Radiobetreiber zuerst DAB und dann mit DAB+ einverstanden waren.

Streng nach argumentativen Notstand riecht auch die Behauptung, dass der Weiterbetrieb von UKW halt zu teuer sei. Das brächte die Privat-Radios an den Rand des Bankrotts, wenn sie weiterhin UKW, DAB+ und erst noch Internet-Streaming anbieten müssten.

Hier ist das Problem, dass niemand diese angeblich exorbitanten Kosten quantifizieren mag. Einzig Schawinski legt seine Kosten offen, die rund 1 Prozent des Gesamtbudgets ausmachten, also vernachlässigbar seien. Abgesehen davon, dass die Infrastrukturkosten längst amortisiert seien und alleine die Abschaltung überflüssiger UKW-Stationen genügend Einsparungen bewirkten, wenn’s hier wirklich ums Geld ginge.

Schliesslich versucht man noch, aus der Unterstützung seitens SVP-Aeschi Profit zu schlagen; mit wem sich Schawinski da eingelassen habe. Dass auch «Mitte»-Pfister in die gleiche Kerbe haut, das wird als nicht so toll zu Thesenjournalismus gehörend ausgeblendet.

Zwischenbilanz: Mehrfach zu null für Schawi

Also lautet die Zwischenbilanz aus publizistischer Sicht: Schawinski führt wie aus dem Lehrbuch vor, wie man mit wenige Geld, aber ausreichend Grips eine Kampagne aus dem Boden stampfen kann. Dabei hilft ihm auch, dass wenigstens er weiss, wovon er spricht.

Auf der Gegenseite wird geheuchelt, dass sich die Wellen biegen. Warum verteidigen die grossen Verlagshäuser die Abschaltung? Weil sie nach sorgfältiger Tiefenanalyse zum Schluss gekommen sind, dass das richtig sei? Nun, wer an den Weihnachtsmann glaubt und an Märchen, der mag auch das glauben.

An inhaltlichen Gegenargumenten wurde auch nach der ersten Schrecksekunde nichts Nennenswertes aufgefahren. Alter Sack, Selbstdarsteller, Nostalgiker, aus geschäftspolitischen Erwägung bezüglich Kosteneinsparung unvermeidlich. Ohne dass bislang auch nur der Hauch einer untermauernden Zahlen geliefert wurde.

Wenn das so weitergeht, wird Schawinski wegen des Drives, den er immer noch hat gewinnen – und dank der abgründigen Unfähigkeit seiner Gegner.

 

*Anm. der Redaktion. Stefan Häberli, der Autor des NZZ-Kommentars, findet diese Darstellung etwas verkürzt. Er hat geschrieben: «Der Widerstand dürfte auch von Nostalgie getrieben sein.» Und die Absurdität der Position Schawinskis zeige sich seiner Meinung nach darin, dass der Staat, nachdem er zwecks Abschaltung von UKW rund 85 Millionen in DAB gesteckt habe, nun laut Schawinski dennoch UKW weiter subventionieren solle.

Da das zudem freundlich formuliert vorgetragen wurde, sind wir gerne bereit, diese Präzisierung anzufügen.

Hilfe, mein Papagei onaniert IX

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch. Heute: Wenig Leistung für viel Geld

Die «Sonntagszeitung» vermeldet stolz: «Bank wusste, dass Versicherungsschutz endet». Damit ist gemeint, dass die CS frühzeitig darüber informiert war, dass eine grosse Versicherung die Absicherung der Greensill-Fonds offiziell und fristgerecht Monate vor dem Zusammenbruch gekündigt hatte. Und die CS nicht erst wie behauptet eine Woche vor dem Desaster davon erfuhr.

Das «erklären zwei voneinander unabhängige Personen mit Kenntnis der Vorgänge», tut die SoZ geheimnisvoll, als sei ihr ein kleines Recherchierkunststück gelungen.

Ist aber mal wieder ein eher peinliche Flop. Denn erstens hat diese «neue Information» eine tatsächlich mit Kenntnis ausgestattete Person bereits in aller Öffentlichkeit bekannt gegeben: nämlich der Besitzer und Namensgeber der zusammengekrachten Fonds – in einem Interview.

Dieses Interview von Lex Greenshill wiederum hat «Inside Paradeplatz» am 14. Mai genüsslich aufgenommen. Aber das alles ist doch kein Grund für SoZ, nicht etwas angeberisch zu tun und am 16. Mai von einer «News» zu sprechen. Die aber ungefähr so neu ist wie die Meldung: gestern hat es geregnet.

Reflex-Kommentare aller Orten

Oder so neu wie Markus Somms Stehsatz-Kommentar: «Israel hat jedes Recht, sich zu verteidigen». Dieser Uralt-Kommentar, der stark nach ungewaschenen und eingeschlafenen Füssen müffelt, wäre nicht der Rede wert, wenn Somm ihn nicht in bester faschistischer Demagogie weiterentwickelte:

«Den neuen Antisemiten entlarven Sie, wenn Sie mit ihm über Israel reden.»

Und wie entlarvt man den «neuen Antisemiten»? Wenn sich einer kritisch über Israel äussert. Früher hätte man gesagt: «Den Volksschädling entlarven Sie, wenn Sie mit ihm über das Dritte Reich reden». Dass sich der Chefredaktor des «Nebelspalter» einen dermassen groben Ausrutscher leistet, ist wohl nur mit der gequälten Seelenlandschaft eines mehrfachen Renegaten zu erklären.

Denn heftige Verfechter einer Ideologie, die dann plötzlich ein Erweckungserlebnis haben und auf dem Absatz kehrt machen, sind immer suspekt. Weil sie sich gegen Vorwürfe wehren müssen, bei denen man ihnen frühere Positionen um die Ohren schlägt. Diese «ich bereue, ich habe es eingesehen, heute sehe ich das Licht»-Apologien sind schmerzhaft und peinlich.

Zudem scheint im Falle Israels bei Somm so ziemlich alles zusammenzuschiessen, was zu Kurzschlüssen führt. Die Begeisterung für Kibbuz und Heimat der Juden, das gequälte Verhältnis der Linken zu den Palästinensern, und die Eifrigkeit eines Renegaten, der viel linientreuer sein muss als ein nicht gewendeter Anhänger. Dem zuschauen zu müssen, ist kein schöner Anblick.

Da ruft einer «Doppelmoral», der doch mit sich selbst gedoppelt ist.

Money for nothing, dudel, dudeldei

Blicken wir doch mal wieder auf das Schaffen der «Republik». In letzter Zeit nicht mehr «Skandal» geschrien, daher nicht wieder selber zum Skandal geworden, weil sich halt mit anonymen Quellen und schludriger, einäugiger Recherche weder Staat noch «Republik» machen lässt.

Was bietet sie also an diesem Auffahrtssonntag? 50 Nasen, 6 Millionen Budget, das vorne und hinten nicht reicht, da sind wir mal gespannt. Und bleiben es auch, denn der Output am 16. Mai ist – null. Nada, nix. Nicht mal ein Dank an die «Verleger», Mäzene und Spender, dass sie es freundlicherweise so vielen tapferen Arbeitern im Weinberg der Demokratierettung erlaubt habe, einfach mal kollektiv die Füsse hochzulegen.

Das kann natürlich aus Erschöpfung über eine unglaubliche Leistung am Samstag geschehen sein. Nun ja, dieser Tag glänzte mit immerhin 4 Stücken. Da jeder Tag «Republik» rund 17’000 Franken kostet, müssen das ja vier Hochkaräter gewesen sein. Kann man so sehen, wenn man eine rosarote «Republik»-Brille trägt. Denn ein «Artikel» ist die übliche laberige Inhaltszusammenfassung an die «Ladies and Gentlemen and everybody beyond». Das sind 11’000 Anschläge über die anderen drei Stücke des Tages. 5500 Anschläge braucht der übliche Kunst-Artikel am Samstag. Ob das wirklich 5700 Franken wert ist, wenn man das Inhaltsverzeichnis nicht als journalistische Leistung zählt?

Aber es geht natürlich schlimmer; Auftritt Binswanger

Wie immer und verschärft stellt sich die Frage bei der schreibenden Schmachtlocke. Diesmal outet sich Daniel Binswanger zu all seinen weiteren Fähigkeiten hinzu als Spezialist in Patent-Fragen: «Wie viel Profit ist hoch genug?» Er sieht wie meist das Grosse und Ganze, Big Pharma, US-Präsident Biden, Impfstoffe, Welt, Wahnsinn. 10’000 Anschläge. Die aber leider am Stück oder einzeln keinen Rappen wert sind.

Zudem: Wahrscheinlich hing ihm mal wieder eine Strähne vor dem Auge, als er den Titel komponierte. Profit, hoch genug? Der hohe Profit im Gegensatz zum niedrigergelegten? Ist ein 2 Meter hoher Profit hoch geug? Oder fängt das erst bei 3,5 Meter an? Aber etwas Gutes hat so ein Titel: der nicht sonderlich gewitzte Leser weiss: wer sich schon da ins Gebüsch fährt, bei dem kommt nichts Besseres hinterher. Also muss man den Quatsch gar nicht lesen.

Dieses Stichwort kann nur zu einem führen. Genau. Seine erst spät entdeckte Krankheit konnte Constantin Seibt mal wieder nicht davon abhalten, ganz kräftig in die Tasten zu greifen. Und nicht mehr aufzuhören, bis 26’000 neue Buchstaben das Licht der Welt erblickt hatten. Inkl. Abstände. Aber, das scheint eine neu, begrüssenswerte Leserhilfe zu sein, auch Seibt fängt etwas eigen an:

«Nicht von dieser Welt. War der 14. Oktober 2017 ein ziemlich normaler Tag, der wichtigste Tag der Geschichte – oder der Anfang vom Ende der Menschheit? Oder anders gefragt: Was zur Hölle ist Oumuamua?»

Spätestens die letzte Frage überzeugt auch hier den gewitzten Leser: lass es, ein wenig Ufo, ein wenig Weltraumlatein, wozu, wofür, warum? Auch diese Fragen wird Seibt mit ins Grab nehmen.

Welche Orientierungshilfen liefert diesmal der «SonntagsBlick»? Zunächst einmal vier Seiten zur rasend originellen Idee, dass man auf Gesichtsmasken doch auch was draufdrucken könnte.

Aber Frank A. Meyer rettet sicher, labt mit geistiger Erbauung? Na ja:

«Wer sich bemüssigt fühlt, empörte Kritik an der israelischen Politik zu üben, der setze sich in Zürich, Paris, Berlin, London oder New York vor ein Café und stelle sich vor – eine Hamas-Rakete schlägt ein. Und noch eine und noch eine und noch eine. Er stelle sich ferner vor, Gewalt und Hass bedrohten sein Land seit drei Generationen.»

Das ist zwar ein Mü intelligenter argumentiert als Markus Somm in der SoZ. Aber: Was soll dem bemüssigten Kritiker dies Vorstellung sagen? Dass er, statt Kritik an Israel zu üben, besser die Schnauze halten sollte?

 

 

 

 

Minenfeld Israel

Linke winden sich, die Tempelwächter des Staates Israel verbellen jede Kritik an seinen Taten.

Alle israelfreundlichen Kreise, aus welchen Motiven auch immer, versuchen nicht ohne Erfolg, jede Kritik an Handlungen dieses Staates durch Denunziation zum Schweigen zu bringen.

Als die US-Politwissenschaftler John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt 2006 die Untersuchung veröffentlichten: «Die Israel-Lobby und die US-Aussenpolitik», wurden sie niedergeschrien und niedergemacht.

Denn ihr These lautete, dass die weitgehend vorbehaltlose Unterstützung Israels durch die USA den Interessen der Vereinigten Staaten zuwiderlaufe und letztendlich beiden Staaten schade.

Den Artikel hatte «Atlantic Monthly» 2002 in Auftrag gegeben – und verweigerte den Abdruck. Erst 2006 wurde er in der «London Review of Books» publiziert. Eine erweiterte Fassung als Buch.

Es ist ein streng wissenschaftlicher Text, der mit der üblichen Methodik der Politwissenschaften dieses Verhältnis umfangreich dokumentiert darstellt. Und zu dieser These kommt.

Die englische Ausgabe ist noch lieferbar, die im Campus-Verlag erschienene deutsche Version nicht mehr. Das muss nun nicht den langen Arm der Israel-Lobby in Deutschland belegen, und die These der Wissenschaftler ist eine diskutable Position.

Spielen auf der Denunziations-Klaviatur

Die aber fast überhaupt nicht diskutiert wurde, sondern die beiden Wissenschaftler wurden aufs übelste beschimpft, ihnen wurde die übliche Klaviatur von Antisemit bis Anti-Zionist vorgespielt.

Genau gleich verhalten sich aktuell viele Meinungsbildner auch in den Schweizer Medien. Es geht dabei gar nicht darum, Partei zu ergreifen oder sich für eine der beiden Seiten im wiederaufgeflammten Krieg zwischen Palästinensern und dem israelischen Staat zu entscheiden. Und nur die Greueltaten der jeweils anderen Seite zu beklagen.

Eigentlich wäre hier, wenn das überhaupt möglich ist, Analyse und Erklärung gefordert. Ziemlich alleine auf weiter Flur steht zurzeit die NZZaS. Sie weist völlig zu Recht darauf hin:

«Der Auslöser für die Gewalt war die drohende Wegweisung palästinensischer Familien in Ostjerusalem. Ihre Häuser stehen auf Land, das einst Juden gehört hatte, bevor Jordanien Ostjerusalem nach dem israelisch-arabischen Krieg 1948 besetzte. Israel erlaubt den Erben dieser Eigentümer, ihren Besitz zurückzufordern. Palästinensern wird jedoch umgekehrt dieses Recht für ihre früheren Häuser in Westjerusalem, aus denen sie vertrieben wurden, nicht gewährt.»

Das war der Auslöser, der entweder überhaupt nicht oder nur am Rande erwähnt wird.

Barbarei und  Greueltaten gegen berechtigte Gegenwehr

Das zeugt einfach vom üblichen unterirdischen Kenntnisniveau der meisten Journalisten. Wer sich aber darin erschöpft, «gerechtfertigte Gegenwehr» zu erklären und zu verteidigen, treibt einen weiteren Sargnagel in das Ansehen des Journalismus. Denn eigentlich sollte er auch hier leisten: beschreiben, was sich dort abspielt. Versuchen, diese Ereignisse verständlich zu machen, analysieren, einordnen.

Vielleicht auch darauf hinzuweisen, dass der Konflikt existiert, existierte, weiter existieren wird, wenn keine Lösung dafür gefunden wird. Welche Methoden welcher Seite abscheulich, welche gerechtfertigte Notwehr, welche barbarisch, welche zivilisiert sind, das einzuordnen traue ich mir nicht zu.

Andere Art, die Analyse von Adolf Muschg zu bestätigen

Aber das Urteil schon, dass hier in einer Art negativer Dialektik die Argumentation gegen die Verwendung des Wortes «Auschwitz» durch Adolf Muschg durchexerziert wird. Denn auch hier wird sofort klargestellt, wes Geistes Kind jemand sei, der nicht eindeutig für Israel Partei ergreift. Der negiere die historische Schuld, sei deshalb nicht nur als Palästinenserfreund und damit auch gleich Anhänger von blutrünstigen Terrorgruppen zu denunzieren, sondern in enger Umarmung mit Rechtradialen, Holocaust-Leugner und ähnlichem Abschaum.

Dabei ist auch diese Debatte wieder ein Beleg für die Richtigkeit der Analyse von Muschg. Ausgrenzung und Stigmatisierung Andersdenkender, völlige Unfähigkeit zur Selbstrefelexion, weil man unter dem Gewicht der eigenen moralischen Überlegenheit kaum mehr laufen kann. Das sind Denkmuster, die zumindest unter Totalitarismus-Verdacht stehen. Und die absolute Überzeugung der Richtigkeit der eigenen Positionen, der Befähigung, moralisch und ethisch alles abkanzeln zu dürfen und müssen, das diesem Weltbild in der Weltblase nicht passt, das ist nun tatsächlich die road to Auschwitz.

Wundertüte «B∫ick»

Alles ist relativ. Im Vergleich zu «watson» ist die Zeitung mit dem Regenrohr ein Intelligenzblatt. Andererseits …

Auch hier wollen wir den Blick aufs Gesamtbild (Achtung, Kalauer) für sich selbst sprechen lassen.

Das nennt man wohl ein buntes Allerlei zum Thema Corona. Etwas drohender Trommelwirbel, gemischt mit Altbackenem (verödende Innenstädte), einem Sprutz Politiker, der mal wieder in die Medien möchte und daher irgend was fordert; nicht immer Tadel aus dem Ausland zur Schweiz, auch mal Lob. Und natürlich abgeschmeckt mit dem «Aufreger». Chaos, Behörden, Wahnsinn.

Nun müssen wir sensiblere Leser (das gilt für alle Geschlechter, Altersklassen, Hautfarben und sexuelle Orientierungen, sowie Migrations- oder Urschweizer Hintergrund) auffordern, darüber hinweg zu blicken:

Die Grenzen zieht sie auch klar. Die fünffache Mutter erklärt im Interview mit RTL, wo dabei ihre Grenzen liegen. «Die Möppis zeigen okay, aber die Monika zulassen. Das geht nicht.» Wir haben dazu gleich drei Fragen:

  1. Wer ist Danni Büchner?
  2. Wie viel muss man zahlen, dass sie das nicht tut?
  3. Was will sie uns mit «Monika zulassen» sagen?

Das entsteht, wenn der Blattmacher insistiert und insistiert: Wir brauchen noch eine Story mit Nutzwert. Aber auch für Blödis. Nein, ja nicht Corona. Irgendwas, was jeden interessiert. Strassenverkehr? Sehr gut, dann einfach mal machen, will dann nur noch das Resultat sehen. Übrigens, wer kann – natürlich ohne Lektüre dieses Aufklärungsstücks – fünf Fehler aufzählen? Ja, bitte?

Wir finden, diese beiden Meldungen haben einen inneren Zusammenhang. Unsere Immobilien, teurer, reiche Ausländer. Sagt Christian Dorer. Schön, dass man sich seinen Kommentar dann gar nicht antun muss. Kapiert. Rechts hingegen, das ist ein Lenovo. Das wiederum ist eine chinesische Marke. Schlappe 50 Milliarden Dollar Umsatz, kaufte mal schnell grosse Teile von IBM, Motorola, und so weiter. Damit verdient Lenovo happig Geld. Macht Gewinn. Macht ihre Aktionäre froh. Die sind dann reiche Ausländer. Der Kreis zur Beschwerde Dorers schliesst sich. Aber: er fäustelt dagegen, rechts sorgt sein «Blick» dafür, dass es Lenovo noch besser geht …

Das hier nennt man den klassischen Nachzug. Ein Hundeschicksal, jöh, vor zwei Jahren im Kino (das sind so diese Lichtspielanstalten, in denen vor vielen Zuschauern, aber googelt es Euch doch). «Heute» im SRF, das nennt man den Aufhänger für einen Nachzug. Was Streuner Cody (Bildmitte) davon hält, entzieht sich aber den Kenntnissen des Hern rechts und auch links von ihm. Aber jöh ist immer, unter allen Umständen, auf jeden Fall im Boulevard-Journalismus gut. Jöh mit Tieren ist sehr gut. Jöh mit Hunden besser. Jöh mit Hunden und Happyend, eigentlich nicht zu schlagen.

Selbst für geübte Künstler in Übergängen wird’s hier ganz schwierig. Das ist nämlich eine Story, für die man den «Blick» über den Kopf streichen und abknutschen möchte. Gut, sie ist nicht auf dem Zürcher Mist gewachsen, aber immerhin musste man an der Dufourstrasse auf die Idee kommen, die Reportage des polnischen «Blick»-Partners Onet aufzunehmen.

Dieser Mann hat nämlich einen unvergleichlichen, einmaligen unfassbaren Mut bewiesen. Witold Pilecki tat in seinem leider viel zu kurzen Leben unvergleichlich mehr als die vor Kurzem hochgejubelte Widerstandsgruppe «Weisse Rose» mitsamt Sophie Scholl. Alleine deshalb muss seine Geschichte erzählt werden. Immer wieder. Pilecki wurde 1901 geboren, gründete im Zweiten Weltkrieg eine Widerstandsbewegung, kämpfte in der polnischen Untergrundarmee – und ging freiwillig ins KZ Auschwitz, um die Alliierten und die Welt über die dort begangenen Greueltaten zu informieren. Während seines Aufenthalts versuchte er, den Widerstand der Insassen zu organisieren. Als das keine Früchte trug und auch die Alliierten offensichtlich nicht daran interessiert waren, diese Vernichtungsmaschine zu zerstören, floh Pilecki 1943 aus dem KZ.

Anschliessend beteiligte er sich am Warschauer Aufstand gegen die Nazi-Besetzer, der in einem Gemetzel und Blutbad endete. Nach dem Sieg über den Hitler-Faschismus und der Befreiung Polens durch die Rote Armee hätte er alle Ehren der Welt verdient. Hätte er zur Legende für unvorstellbare Tapferkeit werden müssen, für unbedingte Hingabe und eine Todesverachtung im Kampf gegen das Böse, die unfassbar war.

Stattdessen wurde er 1948 wegen «Spionage» erschossen. Ein weiteres Opfer stalinistischer Greueltaten, dessen Paranoia und Mordlust. Ein Mann geht freiwillig ins KZ, überlebt das, kämpft unermüdlich weiter gegen die Faschisten – und wird dafür von den Kommunisten erschossen.

Schrecklich.

Witold Pilecki. Links als polnischer Offizier, rechts als KZ-Häftling.

Aber, wir sind gerecht: alleine für diese Story darf der «Blick» nun eine Weile Dummheiten über Dummheiten stapeln. ZACKBUM verzeiht.

 

 

 

 

Der Steuerstreit lebt noch

Die meisten liessen es bei einer SDA-Meldung bewenden. «Swiss Life zahlt Millionenbusse». Was steckt dahinter?

Flächendeckend, aber eher klein meldeten die übrig gebliebenen Schweizer Medien: «Swiss Life zahlt 77,4 Millionen Busse in den USA». In leichten Varianten, hier die der NZZ, schaffte es die SDA-Tickermeldung in unsere Qualitätsmedien.

Wer sich dafür überhaupt interessierte: Busse für die Verwendung von Versicherungswrappern zwecks Steuerhinterziehung. Ach ja, kalter Kaffee; rund 80 Millionen Dollar – nicht mal dreistellig? Weit weg von einer Milliarde? Also ob das CEO Patrick Frost oder VR-Präsident Rolf Dörig überhaupt zur Kenntnis genommen haben?

Grösster Lebensversicherungskonzern der Schweiz, Jahresumsatz 20 Milliarden Franken; lachhaft. Oder nicht?

Eher oder nicht. Ein Versicherungswrapper ist eine Mantel-Konstruktion. In diesen Mantel werden Vermögenswerte eines Kunden eingepackt. Eingewickelt. Das hat gleich mehrere Vorteile: Mit dieser Umwandlung verschwindet der Name des Kunden aus den Dateien seiner Bank, selbst bei einem neuerlichen Datenklau muss er keine Enttarnung befürchten.

Durch die Verpackung und Aufenthaltsdauer der Kohle erfolgt die Auszahlung sowieso steuerfrei. Und wenn man solche Mäntelchen in Liechtenstein, Luxemburg oder Singapur in den Wind hängt, dann fallen auch sonst keine nennenswerten Steuern an. Super Sache.

Wenn ein Konstrukt einen üblen Ruf bekommt, was tun?

Schon lange hat der Name Wrapper ein Geschmäckle. Nicht, weil es kein normales Substantiv wäre. Aber weil es für eine der letzten Methoden steht, wie man mit überschaubarem Aufwand seine Steuerpflichten, nun ja, optimieren kann. Nachdem vor allem die USA all diese Konstruktionen, inklusive des Missbrauchs des Schweizer Bankgeheimnisses, niedergemacht haben, wäre es vielleicht eine gute Idee gewesen, auch bei diesen Tarnkonstruktionen etwas zu unternehmen.

Gleicher Mantel, neuer Name …

Natürlich, sagte Swiss Life, der Platzhirsch unter den Anbietern, natürlich, sagten alle anderen, die dieses Steuerschlupfloch im Angebot haben. Da werden wir durchgreifen, konsequent. Keine Frage. Wie?  Nun, mit zwei alle Probleme lösenden Massnahmen. Schon seit geraumer Zeit lassen sich Versicherungen vom Kunden bestätigen, dass er nur versteuerte Gelder in diese Wrapper einzahlt.

Wichtiger noch: das Zeugs heisst schon länger «Private Placement Life Insurance». Nun ist doch alles bestens. Na ja. 2007 gab Swiss Life bekannt, die Drückerkolonnen von Carsten Maschmeyer zu kaufen, ihm also die AWD abzukaufen, für viel zu viel Geld abzunehmen. Ein Multimillionenflop. 2012 gab Swiss Life den übel beleumdeten Namen AWD auf und schrieb bei der AWD 600 Millionen ab.

Schlecht versichertes Risiko …

Am Tag der Bekanntgabe des Kaufs sackte der Aktienkurs von Swiss Life um 7,5 Prozent ab; was einem vernichteten Börsenwert von 800 Millionen entsprach. Als Swiss Life auch noch bekannt gab, gleichzeitig ein Viertel der Aktien von Maschmeyers MLP AG, einem Finanzdienstleister, übernommen zu haben, verloren die Aktien des Versicherers innert zwei Tagen über 12 Prozent. Noch mal 1,2 Milliarden vom Handelswert verröstet.

Kommt da noch was nach bei den Ummantelungen?

Aus all diesen Gründen ist eine Minibusse wegen Ummantelung doch Peanuts. Eher nein. Noch 2005 lagen bei der Swiss Life in Liechtenstein lediglich 143 Millionen Euro in solchen Versicherungsmänteln, das stieg im Verlauf der Jahre auf über 9 Milliarden Euro. Liechtenstein? Dort gibt’s keine Verrechnungssteuer. Wieso der rasante Anstieg? Nun, natürlich kann das auch Ausdruck eines zunehmenden Bedürfnisses nach Lebensversicherungen sein.

Oder vielleicht eines zunehmenden Bedürfnisses, einigermassen sicher Steuern zu hinterziehen. Inzwischen hat Liechtenstein einiges unternommen, um diese Rufschädigung wegzukriegen. Aber es bleibt doch die Peanuts-Busse, ein Klacks. Schon, dabei ging es aber nur an einem US-Bezirksgericht zur Verhandlung und Sache.

Wenn wir grosszügig annehmen, dass vor der Verjährungsfrist ungefähr die Hälfte der 9 Milliarden Schwarzgelder sind, davon wiederum die Hälfte US-Steuerpflichtigen gehört, kommen wir auf immerhin noch 2,25 Milliarden Schwarzgeld. Und Beihilfe zum Verstecken.

Da werden keineswegs solche Mini-Bussen ausgeschenkt. Da kann Swiss Life gerne die UBS oder die CS fragen. Denn das Geheimnis unter dem Mantel ist noch längst nicht völlig enthüllt. Und ein paar Hintergrundinformationen hätten dem Schweizer Wirtschaftsjournalismus gut angestanden.

Schöne Zahlen der Verpackungsindustrie weltweit

Schon alleine eine Zahl hätte den Lesern die Dimension des Problems bewusst gemacht. Weltweit beträgt der Umsatz der Verpackungsindustrie schöne 100 Milliarden Dollar. Potenzial bis locker 500 Milliarden Umsatz. Sollte da jemand widerstehen wollen?

Die Rechnung ist einfach: Ertrag gegen Aufwand. Ist der Ertrag deutlich höher als der Aufwand (inkl. Bussen und Reputationsschaden), dann kann es ja keinen Grund für Swiss Life geben, die Finger davon zu lassen. Bis die USA dann mal ganz kräftig draufhauen.

 

 

 

 

Noch ein Rohner …

Der eine geht (endlich), der andere kommt wieder: Marcel Rohner is back. Leider.

Marcel Ospel ist tot. Und blieb nach dem UBS-Desaster schön in der Versenkung. Basler Fasnacht, gelegentliche Besuche in der Zürcher «Kronenhalle» (wo er nicht ausgebuht, sondern applaudiert wurde), das war’s.

Peter Wuffli, die Pfeife, die 2007 nicht ganz freiwillig als CEO der UBS zurücktreten musste. Vor der Finanzkrise hatte er es bereits geschafft, mit der Pleite des US Hedgefonds Dillon Read ein erstes Zeichen für kommendes Unheil zu setzen. Das natürlich auch nicht Schicksal, sondern zu grossen Teilen bei den beiden Schweizer Grossbanken hausgemacht war.

Dann war etwas Ruhe, schliesslich tauchte er lächelnd als Präsident des VR der Partners Group wieder aus der Versenkung auf. Ach, und 2010 veröffentlichte er das Buch: Liberale Ethik. Orientierungsversuch im Zeitalter der Globalisierung. Unlesbar, ungeniessbar, aber Ethik ist immer gut im Titel.

Auf und nieder mit ewig gleichen Figuren

Peter Kurer, eine weitere Pfeife, hinterliess einen bleibenden Eindruck, weil er immer wieder von «das Schlimmste hinter uns, gut aufgestellt» zu «stehen vor dem Abgrund» wechseln musste. Bis er dann auch ausgewechselt wurde. Längere Ruhephase, dann tauchte er als VR-Präsident des Telecom-Unternehmens Sunrise wieder auf.

Da blamierte er sich ein weiteres Mal, als er ums Verrecken den Ankauf von UPC Schweiz durchstieren wollte. Gegen den Ratschlag aller Fachleute, gegen den Widerstand seiner Grossaktionäre. Das Hallenstadion war schon für die ausserordentliche GV angemietet, alles vorbereitet, als Kurer im letzten Moment auf die Notbremse trat. Es war ihm klargeworden, dass er wohl keine Stimmenmehrheit für dieses geplante Millionengrab bekommen hätte.

Diese Peinlichkeit wollte er sich ersparen, also nix GV. Der ganze Spass dürfte Sunrise rund 120 Millionen Franken gekostet haben. Dann trat Kurer nach verrichteter Tat auch dort zurück, und schliesslich kaufte UPC Sunrise.

Würden Sie diesem Mann eine Bank abkaufen?

Marcel Rohner, der Ziehsohn von seinem Vornamensvetters Ospel, wurde 2007 UBS-Chef. Gut zwei Jahre später war’s das dann, die historischen 60-Milliardenrettung der Bank durch den Bund überlebte er nicht. Es war ihm offenbar nicht gelungen, sich einen Überblick über den wahren Zustand der UBS zu verschaffen.

Wuffli, Rohner, und dann kam Oswald Grübel und räumte auf. Auch Rohner machte auf low profile, wurde VR bei SVP-Giezendanner und bei der UBP, einer der letzten (noch) überlebenden Privatbanken. Über seine Immobilienbude ist er zudem mit 5 Prozent an der «Helvetischen Bank» des SVP-Nationalrats Thomas Matter beteiligt – und sitzt auch dort im VR.

Nun ist Rohner als nächster Präsident der Bankiervereinigung gewählt worden. Das sorgt für leises Rauschen im Blätterwald. Die Zeitung mit dem Regenrohr im Titel macht sich gleich Sorgen: «Trimmt Rohner die Banken auf Anti-EU-Kurs?» Schliesslich sitze er mit SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi in SVP-Matters Bank. Die sind vehement gegen das Rahmenabkommen, die Schweizerische Bankiervereinigung ist dafür. Bislang.

Dann ist noch eine ganz bedeutende Machtfigur fürs Rahmenabkommen. Ringiers Hausgespenst Frank A Meyer. Da weiss der «Blick» natürlich, welche Farbe das Wasser haben muss, das er durch das Rohr auf Rohner giesst.

Laue Lüftchen aus den Medien

Eher unentschieden ist der «Tages-Anzeiger»: «Einst bei der UBS abgesägt, bald an der Spitze des wichtigsten Bankenverbands», titelt er. Der Tagi zeigt einmal mehr: tiefe Kenntnisse und intelligente Analyse, das ist seine Sache nicht. Und die NZZ? Die hat sich schnell festgelegt: «Der finanziell unabhängige, meinungsstarke und liberale Schweizer bringt somit nicht nur viel Sachverstand und eigene Erfahrung aus allen Zweigen der Branche mit.»

Somit hat die NZZ dieser Wahl ihren Segen erteilt; damit dabei nix stört, wird die SVP-Connection von Rohner erst gar nicht erwähnt. Das tut zwar CH Media, aber auch dort wird ein Lobeslied auf den gefallenen, sich dann aber wieder hocharbeitenden Ex-Banker und Immobilienlöwe Rohner gesungen.

Das waren noch Zeiten …

Nur – wie meist – «Inside Paradeplatz»  stört den Jubelchor mit ein paar handfesten und fundierten Hinweisen; so eben darauf, dass Rohner nicht nur im VR von Matters Bank sitzt, sondern auch an ihr beteiligt ist. Was den übrigen Recherchiergenies offenbar entging.

Hinzuzufügen wäre noch, dass die einstmals so mächtige Bankiervereinigung – darin all den gefallenen Starbankern nicht unähnlich – längst an Bedeutung und Grösse verloren hat. Raiffeisen ist bereits ausgetreten, der Spalt zwischen den beiden Grossbanken, den Kantonalbanken und Kleinbanken wird immer grösser, da UBS und CS natürlich ganz andere Interessen haben als beispielsweise eine Regionalbank.

Das Bankgeheimnis muss auch nicht mehr verteidigt werden, weil Rohner, Rohner & Co. dafür gesorgt haben, dass es aufgegeben werden musste. Also ist bei Rohners Wahl überhaupt nicht wichtig, ob er nun die Haltung zum Rahmenvertrag beibehalten wird – oder nicht. Einzig interessant wäre die Frage: Ist er als Totengräber der Vereinigung gewählt worden? Weiss er das? Ist er einfach als Schuldiger ausgeguckt, wenn weitere Bankenverbände austreten werden?

Aber eben, da müsste man ja etwas nachdenken und recherchieren. Also ist das kein Thema in den Medien.

Das waren noch Zeiten …

Watsinn!

Wir wollten nicht. Aber wir müssen. Hier ist nichts Fake, alles erschütternd echt; in dieser Reihenfolge aufgefunden.

Was das Artikelbild soll? Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Aber daher ist’s zur Einstimmung bestens geeignet.

Das glaubt keiner, aber das sind nun Auszüge aus einem Organ mit bald einmal staatlichen Subventionen. Dieser Blödelhaufen kriegt auch Unterstützung durch einen Verein, der das Geld einer Milliardärin verschleudert. Und weil das mit «bajour» alleine nicht möglich ist …

Aber lassen wir nackte, eigentlich reine, weil so ungehemmte Beknacktheit sprechen. Wir bitten zuvor das Publikum, sich nicht zu fest und fassungslos auf die Stirn zu schlagen. Da muss man jetzt einfach durch:

Alkohol kann eine Lösung sein, wissen wir seit dem Oscar-Gewinner «Drunk». Aber hier hilft nicht mal ein Vollrausch samt Ausnüchterungszelle.

Wir dachten schon, der Tauchgang sei grundlos. Sozusagen nach dem Grund suchend, gründelnd. Aber ein von t-online, dem Portal der tiefen Denke und der massgeblichen Wirtschaftsberichterstattung, kopierter Flach- und Plattmacher verzapft hier, was Anleger garantiert nicht wissen müssen.

Es wurde kurz ernst, aber hier wird mit Sauglattismus ein Scherz auf den Bildschirm geprügelt, damit fremdschämen mal wieder Sinn macht.

Hier hingegen fragt man sich, ob das schlichtweg verboten blöd, absolut gaga oder eben ein Beitrag zu Dada ist.

Damit wollten wir eigentlich schliessen, aber dann kam noch das hier:

Wer danach noch glaubt, dass der durchschnittliche IQ der «watson»-Macher liege über 100, der muss selbst zum Arzt.

Das Alien komme über Obrist

HR Giger ist tot. Das ist in dem Sinn gut für ihn, dass er das «Magazin» nicht mehr lesen muss.

Manchmal tun auch kürzere Texte länger weh. Die «Republik» braucht immerhin mindestens 15’000, eher 25’000 Anschläge, damit sich beim Leser das Gefühl einstellt, in ein nasses Handtuch zu beissen.

Hans Ulrich Obrist reichen schon 2662 Buchstaben, damit es einem den übrigen Tag übel ist. Dabei soll er doch einer der einflussreichsten Kuratoren im Kunstbereich sein. Aber, Hand aufs Herz, würden Sie diesem Mann dieses Buch abkaufen?

Endlich. Die Fortsetzung von «A Brief History of Curating».

Wer noch mehr will: Obrist hat auch noch «Kuratieren!» im Angebot, für Deutschsprecher. Oder wie wäre es mit «Everything you always wanted to know about curating»? Gerüchte besagen, dass Obrist an «Curating, the Beginnings», «Curator returns», «Curator, Reloaded» und an «Curator, the Making of» arbeitet. Patrick Frey plane bereits eine hochwertige und hochpreisige Gesamtausgabe.

Vielleicht hat Obrist nur sein sonst viel höheres Niveau für Tamedia niedriger gelegt.

Beim «Horror-Giger» ist Etikettenschwindel. Es ist beim «Horror-Obrist».

Schon hier stimmt mal genau nichts. Man kann HR Giger als vieles bezeichnen, aber ganz sicher nicht als den «Salvador Dalí der Schweiz». Das ist ungefähr so bescheuert, wie wenn man Greta Thunberg als «Heidi des Nordens» verkaufen möchte. Aber eigentlich geht es – ein Schuss ins eigene Knie für jeden Kurator – Obrist nicht um den genialen Künstler – sondern um sich selbst. «Wenige Monate vor seinem Tod habe ich ihn gemeinsam mit Patrick Frey besucht und ein Interview mit Giger aufgezeichnet.»

Das könnte Giger den Rest gegeben haben. Aber nun ist Obrist voll in Fahrt, Versuche, Gigers Kunst zu erklären, seine Motive, sein Ringen, sein Abgründe? I wo, da gibt es wichtigere Befindlichkeiten: «Es war mein zweiter Besuch bei ihm, nachdem der erste, dreissig Jahre zuvor, für mich ein wenig panisch verlaufen war.»

Wieso über Giger schreiben? Obrist ist doch viel beängstigender

Das ist ja spannender als der erste, unerreichte Alien-Film. Als damals der Taxifahrer dann noch sagte, dass man sich nun der Gegend nähere, wo «der Horror-Giger» wohne, da gesteht der Bauchnabelbetrachter Obrist, «dass ich plötzlich Angst bekam». Leider hatte die Giger nicht vor ihm und öffnete seine Türe.

Nun ist es Zeit für Obrist, Weltläufigkeit sprühen zu lassen: «In Tokio ist Giger eine Bar gewidmet.» Nicht nur das:

«In Geschäften und Arztpraxen begegnen einem Gigers Werke als Poster in schöner Regelmässigkeit.»

Ist ja aber auch. Da muss man schon das Auge des wichtigen Kunstvermittlers haben, um das zu beobachten. Dass es in Chur eine von Giger eingerichtete Bar gibt, in Gruyière nicht nur Käse, sondern auch ein Giger-Museum, das wäre sicherlich zu banal, um es zu erwähnen.

Dafür aber das schweineteure Buch «Alien Tagebücher», das aufgebrezelt in der «Edition Patrick Frey» erschienen ist. Kostet schlappe 111 Franken und bietet dafür so viel Hintergrund zum ersten Alien-Film, den man gar nicht so genau wissen möchte. Da gibt es viel bessere – und viel billigere – Einführungen in Gigers Werk und Welten.

Giger, der Künstler, seine Motive, seine vielen verschiedenen Welten?

Abgesehen davon, lieber Kunstüberflieger mit Bruchlandung, HR Giger war nun überhaupt nicht nur Alien, nicht nur Monstermaler. Er war vieles mehr, was eine ernsthafte Beschäftigung mit ihm verdient hätte. Nur schon aus Respekt. Vielleicht sollte Obrist das nächste Mal nicht einen toten Künstler missbrauchen, um über sich selbst zu schreiben.

Zudem noch mit fantasievoller Ausschmückung: «Sein Angebot, den Garten zu besichtigen, nahm ich dankbar an, doch weil er dort eine Art Geisterbahn installiert hatte, kam ich klopfenden Herzens schnell wieder zurück.» Das Züglein im Garten eine Geisterbahn? Das ist nicht künstlerische Freiheit, das ist schlicht Fake News.

 

 

 

 

 

 

Hämen, hetzen, hacken

Wenn eine Redaktion durchdreht: Was in der Schweiz der «Tages-Anzeiger» ist, ist in Berlin der «Tagesspiegel».

Die Tageszeitung, 1945 gegründet, ist in der deutschen Hauptstadt für das vermeintlich gepflegt Linksliberale zuständig. Verkaufte Auflage knapp über 100’000, Reichweite rund 300’000 Leser. Sie ist in erster Linie lokal verwurzelt, versucht aber auch immer wieder Ausflüge ins Ausland, widmet sich natürlich aufmerksam der deutschen Politik.

Für die Haltung des «Tagesspiegel» sind Leute wie der Herausgeber Giovanni di Lorenzo («Die Zeit») oder gescheiterte Mitglieder der «Spiegel»-Blase wie der dortige Ex- und hier amtierende Chefredaktor Mathias Müller von Blumencron zuständig.

Ähnlich wie beim «Tages-Anzeiger» hat auch hier die Medienkrise ihren schweren Tribut gefordert. Schwindende Ressourcen, schwindendes Niveau, Hang zum Gesinnungs- und Haltungsjournalismus als Ersatz für Recherche. So wie der «Tages-Anzeiger» immer wieder zu Ausfälligkeiten neigt, die Lonza-Affäre hochzieht, um dann klein beizugeben, dann doch nicht, eine überforderte Redaktorin wie Claudia Blumer Artikel schreiben lässt, die allen journalistischen Qualitätsansprüchen Hohn sprechen, hat auch der «Tagesspiegel» immer mehr schwarze Flecken auf der einstmals weissen Weste.

In der Redaktion: alles dicht gemacht

Aktuelles Beispiel; die Aktion #allesdichtmachen. Das ist eine Reihe von Videoclips, in denen sich deutsche Schauspieler und Kulturschaffende über die völlige Indolenz der Regierung beschweren, was die dramatischen Auswirkungen der Lockdowns auf ihr Leben betrifft. Auf die Kultur im Allgemeinen.

Edles Motto: rerum cognoscere causas

Da hier eine ganze Riege bedeutender deutscher Schauspieler das Wort ergriff, gab das schnell ein grosses Hallo. An vorderster Front der «Tagesspiegel», der zu Tiefstleistungen auflief, als hätte die Kommentatorenriege des Tagi, also Schreiberlinge wie Mario Stäuble, Philipp Loser oder Hass-Twitterer wie Marc Brupbacher Hilfe geleistet.

Innerhalb von rund zwei Wochen erschienen rund 30 Artikel im «Tagesspiegel» zu diesem Thema. Ein paar Duftmarken: «Mehr als 50 Schauspieler verbreiten Häme über die Corona-Politik der Regierung», «Aluhüte scheppern aller Orten», «so schäbig, dass es wehtut». Aber, das macht’s brandgefährlich, auch mit einer «undurchsichtigen Agenda», in den Fängen eines «antidemokratischen Netzwerks».

Das kommt Schweizer Bauchträgern wie Mike Müller verdächtig bekannt vor; deshalb meint er staatstragend:

«Dieser eitle Brunz erledigt sich von selber.»

Man darf fragen und bezweifeln, ob er sich die Mühe gemacht hat, auch nur mal zehn Sekunden reinzuschauen. Es sei ihm empfohlen. Alleine in den einleitenden Stellungnahmen von Volker Bruch («Berlin Babylon»), Jan Josef Lievers («Tatort») oder Wotan Wilke Möhring ist mehr Bedenkenswertes enthalten als im Schaffen des Kultur-Bestatters Müller.

Manche haben kein Standvermögen …

Es knickten einige Mitmacher nach der geballten Attacke nach allen Regeln der Kunst ein. Nachdem die üblichen Hetzbegriffe in Stellung gebracht worden waren: Beifall aus der falschen Ecke, natürlich von der AfD, von Corona-Leugnern, sich instrumentalisieren lassen, hinter den Kulissen ziehen üble rechte Hetzer die Fäden.

Zuvorderst der «Tagesspiegel», dem alle Sicherungen durchbrannten. Dahinter stecke ein «antidemokratisches Netzwerk», angeführt von einem namentlich genannten Mediziner. Wenn die Meute, wie in der Schweiz, Betriebstemperatur erreicht, ist sie kaum zu stoppen. Und erste Opportunisten seilten sich blitzgeschwind ab. Zuvorderst die «Tatort»-Kommissarin Ulrike Volkerts «schief gegangene und unverzeihliche Aktion» oder Heike Makatsch «bereue zutiefst». Charakterlumpen gibt es überall.

Wie in den dunkelsten Zeiten des letzten Jahrhunderts wurde nun bei denen, die nicht klein beigaben, «recherchiert». Wurden sie schon einmal in weniger als einem Kilometer Entfernung von einer AfD-Demonstration gesehen? Distanzierten sie sich nicht sofort und lautstark von einer Aktion von Rechtsradikalen? Mit dem untauglichen Argument, gar nichts davon gewusst zu haben? Nahmen sie einmal an einer Diskussionsrunde teil, obwohl der Grossvater des Moderators Mitglied der NSDAP war?

Dabei half dem «Tagesspiegel» ein «Recherchenetzwerk Antischwurbler». Das mit vielen angeblichen Fakten zum Gesamteindruck beitrug. Nur: seine Mitglieder wollen, Ehrensache, anonym bleiben. Die Überprüfung all dieser Fakten war so unmöglich wie bei einer «Republik»-Reportage.

Hetzjagd und Versuche der Existenzvernichtung

Die Hetzjagd auf die Künstler (und ihre Drahtzieher) führte schon zu den üblichen Untergriffen. Im Stil: können Sie es verantworten, dass dieser bei Ihnen Mieter ist, jener mitspielt, der andere eine Rolle von Ihnen angeboten bekam?

Also das Denunziationsklavier war auf tutti gestimmt. Man war gerade so schön im Schweinsgalopp, als sich doch die kritischen Stimmen gegen diese Verleumndungskampagne häuften. Dies im Unterschied zur Schweiz. Also musste die Chefetage auf die Bremse treten, die Kampfhunde an die Leine legen. Es wurden «handwerkliche Fehler» eingeräumt, es wurde zerknirscht eingestanden, dass schon mal wieder einem als Hauptdrahtzieher denunzierten Mediziner angebliche «antidemokratische» Aussagen unterschoben worden waren. Er zudem keine Gelegnheit zur Stellungnahme bekam – «eigentlich ein journalistisches Muss».

«Die Ursache der Dinge erkennen.» Hier aber in extremis nicht.

Es ist immer wieder verblüffend – und beelendend –, sehen zu müssen, wie bei solchen Verleumdungsartikeln, seien die von Claudia Blumer oder wem auch immer, anschliessend wenigstens ein paar «handwerkliche Fehler» eingeräumt werden. Aber diese «handwerklichen Fehler» sind gar keine. Der Artikelthese widersprechende Tatsachen, obwohl offenkundig, unterdrücken? Angepinkelten keine Gelegenheit zur Stellungnahme geben? Nicht einfach blind einer einzigen Quelle vertrauen? Partei ergreifen aus Gesinnung?

Das sind doch eigentlich Basics. Dafür muss man keinen Fortbildungskurs in höherem Journalismus gemacht haben. Um genau solche Reputationsschäden zu verhindern, sollte es doch eine ganze Maschinerie von Kontrollinstanzen geben.

Noch schlimmer ist’s in der Schweiz

Vorgestern war es «Der Spiegel» (Relotius), gestern der NDR (Dokumentarfilm «Lovemobil»), heute der «Tagesspiegel». Ist es in der Schweiz besser? Keinesfalls; alleine in Berlin muss sich das Blatt gegen zwei lokale und jede Menge überregionale Medien behaupten. Wenn Tamedia oder CH Media in ihren jeweiligen Monopolgebieten Unsinn verzapfen, müssen sie keine flächendeckende Reaktionen befürchten. Ausser von ZACKBUM, aber das lesen leider auch nicht alle.

Ex-Press XXXVIII

Blasen aus dem Mediensumpf.

Eigentlich ist gestern Auffahrt gewesen. Besinnung, jubelndes Gedenken, dass der Gottessohn endlich wieder zu seinem Vater durfte. Aber die Medienlandschaft in der Schweiz sieht das alles viel, viel prosaischer. Wir haben eine kleine Fotoromanza zusammengestellt, mit jeweils repräsentativen Beiträgen aus den grossen Medienplattformen.

Ist das eine neue Eskalationsstufe bei Tamedia? Nein, das nicht. Aber ein weiterer Beweis dafür, wie egoistisch, unsensibel, einfach schweinisch Männer sind. Wir überlassen es unseren Lesern, ob sie wissen wollen, was die «Blick»-Sexberaterin hier empfohlen hat. Um die Hemmschwelle für Männer zu senken: nein, nicht kräftig reinbeissen.

Ob das aber nicht eine Fake News des Organs mit dem Regenrohr im Titel ist? Die «Taskforce», unsere Task Force to the Bundesrat, ist guten Mutes? Das ist das erste Mal, seit es sie gibt. Dann wird sicher alles gut. Endlich.

Im Gegensatz zu Bambel-Pimmel und sich zurückziehendem Virus (wenn das nur nicht ein taktischer Rückzug ist) dürfte dieser von Tamedia (und nicht nur von diesem Verlag) enthüllte «Geheimplan» die Einschaltquote der Leser senkrecht in den Keller treiben. Deal, no Deal, no, no, nooo.

Von schrägen Gewohnheiten weiss CH Media zu berichten. Aber immerhin, statt entrüsteter Ablehnung der Versuch eines einfühlsamen Porträt; was steckt hinter der maskenlosen Maske?

Die NZZ hingegen bleibt sich ihrer neuen Gewohnheit treu, im Titel eigentlich schon alles sagen zu wollen. Falls das gelingt, macht sich damit der anschliessende Text von selbst überflüssig – ausser für Alzheimerkranke.

Ein besonderes Schnäppchen zum Qualitätsjournalismus aus dem Hause Wanner trägt das «St. Galler Tagblatt» heim. Dieses Fake- Inserat ist durch alle Kontrollen bei CH Medien geschlüpft. In letzter Zeit häufen sich wieder solche Belästigungen der Leser. Weil sich von Google Ads Anzeigen aufspielen zu lassen, entschieden billiger ist als selbst zu akquirieren. Und wenn man schon beim Sparen ist, wieso da einen Filter einbauen? Das würde wieder in Aufwand ausarten, und das scheut der moderne Journalismus abgrundtief.

Nicht mehr von rasender Aktualität getrieben, versenkt sich die NZZ nochmal in den äusserlichen Zustand der Häuser in Zürichs Altstadt. Denn da und dort wagt es doch ein selbstvergessener Bürger, sich mit anderen zusammenzuballen, und sofort in unergiebige Diskussionen einzutreten, ob Schwarze an Häuserwänden weiterexistieren dürfen oder nicht. Woher diese Obsession mit dem Wort Mohr? Dem geht das Blatt für die gehobenen intellektuellen Stände dann nach, wo’s sowieso schon zu spät ist.

Zurück zu wirklich wichtigen Fragen. Nau.ch hat entdeckt, dass Frauen inzwischen anders monden. Behauptet eine Untersuchung. Und wenn die Nachrichtenlage wirklich erschütternd flau ist, erkennt der geübte Leser einen Füllstoff sofort.

Ganz anders «watson». Stramm nutzerfreundlich ausgerichtet, verunsichert es den Leser durch das Foto einer vollen Autobahn. Das war früher mal so, meint «watson», das eigentlich nichts von zu häufigen Updates hält. denn inzwischen hat sich der freie Autofahrer die Autobahn zurückerobert. Und wundert sich wie jedes Jahr, wieso er nicht der einzige ist.