Das Meeting, das es nie gab

Bilderberg war gestern, heute ist Zürichberg. Das Geheimtreffen der Medienclans.

ZACKBUM wurde das Protokoll eines Spitzentreffens der Schweizer Medienclans zugespielt. Natürlich anonym, leider sind uns deshalb auch die Motive völlig unklar. Wie steht es um die Authentizität, den Wahrheitsgehalt? Fand es so statt? Wurde das alles so gesagt? Wir wissen es nicht.

Dennoch nennen wir es die Media Megaleaks. Es handelt sich um insgesamt 4 Giga, deren Auswertung uns natürlich wochenlang ausgelastet hat. Wir präsentieren als Erstes ein Gesprächsprotokoll einer Unterhaltung auf höchster Ebene.

Das grosse Vorbild der Schweizer Medienclans.

Aus rechtlichen und anderen billigen Gründen haben wir die Gesprächsteilnehmer verfremdet. Zudem ist die Qualität der Tondatei nicht über jeden Zweifel erhaben. Aber die hier gemachten Aussagen dürfen der Weltöffentlichkeit nicht vorenthalten werden. Denn die Geschichte der Schweizer Medien muss definitiv umgeschrieben werden.

Hier der erste Teil der Media Megaleaks.

«Ich hätt’ noch eine Cola Zero gerne.»

«Und ich hätte gerne mehr Haare auf dem Kopf, können wir endlich mal zur Sache kommen?»

«Krieg ich nun eine Cola Zero oder nicht?»

«Der Mann nervt vielleicht; meinst du, damit würdest du wenigstens etwas grösser?»

«Also meine Herren, ich muss doch bitten, dieser Abend ist dem Thema Resilienz gewidmet, können wir das endlich mal angehen?»

«Resilienz? Was ist denn das wieder für ein Modewort? Ich schlage vor, dass wir uns darüber einigen, wie auch Gratis-Medien an die Staatsknete rankommen.»

«Wieso, ihr hättet halt unserem Beispiel folgen sollen; wir haben unser letztes Gratis-Angebot schon lange eingestampft, also da sehe ich doch nicht ein, wieso wir da in einem Boot sitzen sollten.»

«Ich finde, das Thema Resilienz ist wirklich von ganz entscheidender …»

«Kann endlich mal jemand diese Frau abstellen, die nervt vielleicht.»

«Also ich verbitte mir solche sexistischen Bemerkungen, gerade vom Vertreter eines Konzerns, der ja selbst ganz hübsch Probleme mit so Sachen hat.»

«Und das sagt der Vertreter eines Konzerns, der gerade erst seine Seite mit Sex-Inseraten gekübelt hat.»

«Also wir haben keine Sexinserate und auch keine internen Protestweiber. Aber ich finde, das Thema der Verteilung der Staatssubventionen ist noch nicht ausdiskutiert.»

«Wieso, haben wir doch soweit gut geschaukelt. Endlich mal eine erfolgreiche Lobbyarbeit. Fast 3 Milliarden in den nächsten Jahren, ist das was oder ist das was?»

«Ist was. Aber da hat sich doch so ein Komitee gebildet, das dagegen das Referendum ergreift. Wie können wir denen den Stecker rausziehen?»

«Ein Komitee? Du liest wohl nur deine eigene Blätter, was? Es gibt schon drei Komitees inzwischen.»

«Wie auch immer, müssen wir das ernst nehmen? Ich glaube nicht.»

«Ja, das hat dein Sohn auch schon gesagt, als Roger Schawinski seinen Feldzug für die Erhaltung der UKW-Frequenzen begann.»

«Lass meinen Sohn da raus, jeder hat sein Päckchen zu tragen, gell? Oder wollen wir nun anfangen, schmutzige Familienwäsche zu waschen?»

«Ich möchte nachdrücklich zum Thema Resilienz …»

(Mehrstimmig): «Schnauze!»

«Kriegen wir hier mal etwas Struktur in die Debatte? Das ist ja wie ein Tennismatch mit vielen Bällen und ohne Netz.»

«Du immer mit deinen Tennisvergleichen, kannst da vielleicht mal rauswachsen?»

«Apropos, hat nun jemand dem Zwerg eine Cola Zero besorgt?»

«Den Zwerg habe ich gehört, im Fall; ich habe wenigstens noch Haare auf dem Kopf.»

«Also bitte, meine Herren, das ist hier zwar alles strikt vertraulich. Aber stellen wir uns nur mal vor, das käme an die Öffentlichkeit.»

«Na und? Wir bestimmen doch, was Öffentlichkeit ist, wo soll’s da ein Problem geben?»

«Das wahre Problem ist, dass uns Google, Facebook, Amazon und bald auch Alibaba die Butter vom Brot nehmen, das Brot gleich dazu, und wovon sollen wir dann leben?»

«Genau das meine ich ja mit dem Thema Resilienz, das …»

(Mehrstimmig, das Mikrophon übersteuert): «Schnauze!»

«Vielleicht vertagen wir diese Besprechung, gleich fängt der Match an.»

An dieser Stelle bricht dieses Tondokument ab. Es wirft ein Schlaglicht auf das Niveau, die Flughöhe, die geballte Fachkompetenz, mit der die Führer und Lenker der Medienclans über die Zukunft des Journalismus in der Schweiz nachdenken.

4 KOMMENTARE
  1. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Sehr gut gemacht.👍😊😂🤣🤣🤣😜
    Nennt man so etwas nicht Tatsachenroman?
    Wenn das tatsächlichen Ereignissen entsprechen sollte
    dann währe das reiner Zufall!

    Antworten
  2. Rolf Karrer
    Rolf Karrer says:

    Der einstige Velorennfahrer Ferdy Kübler und damalige Botschafter für die Bio Strath-Produkte, sagte mir einst ziemlich stolz: «Bio Strath wäre gut für die Resilienz».

    War baff, welcher Marketing-Guru ihm dies eingebläut hat……………

    Antworten
  3. Sam Thaier
    Sam Thaier says:

    Gut geschrieben, danke vielmals.

    Wenn nur die szenische Autorin Laura de Weck ein solches Protokoll ähnlich hinkriegen könnte……..

    Antworten

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