Ein Primeur und seine Geschichte

ZACKBUM begleitet die Schweizer Medienszene seit fast einem Jahr. Endlich wird es gewürdigt.

Leider nicht ganz so, wie wir es uns bei ZACKBUM gewünscht hätten. Primeur über die verschiedenen Kurzarbeitsmodelle in den Schweizer Medien? Pff. Ganze 17 Medienmitteilungen haben wir rausgelassen. Nach dem Start alle nur dann, wenn es einen echten Primeur zu vermelden gab. «Direktorin des  BAG flippt aus», Datenschutz bei SRF, so vieles mehr. Resonanz? Verkniffene Münder, Racheschwüre, eine stillschweigende Übereinkunft: gar nicht erst ignorieren.

Der Durchbruch ist ZACKBUM nun mit einer Meldung gelungen, die wir selbstkritisch nicht gerade für den Höhepunkt unseres publizistischen Schaffens halten:

Grillparzer zieht immer …

Nachdem wir uns nun krachend auf die Schulter gehauen haben, was soll’s? Was es soll, wirft ein Schlaglicht auf den aktuellen Zustand des Journalismus in der Schweiz.

Da wir die Anlaufstelle von so vielen sind, die nicht ertragen, in welchem Jammertal der Journalismus in der Schweiz wandelt, haben wir schon einige sogenannte Primeurs publiziert. Wir haben, um es daran zu messen, 17 Newsletter versandt, seit es ZACKBUM gibt. Abgesehen von einem Pipifax am Anfang hatten sie alles gemein: null Reaktion.

Das ist kein weinerliches Rufen nach Aufmerksamkeit. Es ist eine Feststellung. Die Fähigkeit des durchschnittlichen Journalisten zum Austeilen ist schier unbegrenzt. Nur Recht und Gesetz limitiert ihn, aber auch nicht immer. Die Fähigkeit zum Einstecken ist ebenfalls unbegrenzt. Aber weil sie nicht erkennbar ist, nicht mal unter dem Mikroskop.

Wir machen mit einem Klatsch-Primeur Furore

Nun ist es ZACKBUM aber gelungen, mit einem Primeur Furore zu machen, der gar keiner ist. Am 15. Juni machte ZACKBUM publik, dass zarte Liebesbande die Club-Moderatorin Barbara Lüthi und ihren Vorgesetzten Tristan Brenn verbinden. Das wäre deren Privatsache, wenn es nicht bezüglich Corporate Governance heikle Fragen aufwerfen würde. Als Lüthi schwer unter Beschuss durch die SVP geriet, wäre es eigentlich die Aufgabe des Chefredaktors TV gewesen, dazu Stellung zu nehmen.

Das konnte er aber nicht, weil befangen, also wurde schon zuvor das Organigramm von SRF umgeschrieben; sein Stellvertreter ist für den Club zuständig. Damit mag formal der Sache Genüge getan sein, aber sauber und klar ist anders. Nehmen wir an, die Liebesbeziehung endet; werden dann die Zuständigkeitsbereiche wieder neu aufgeteilt? Laufen Entscheidungswege im SRF häufiger so? Was sagt Nathalie Wappler zu diesen Zuständen?

Bei ZACKBUM bekamen natürlich alle Beteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme, Brenn benutzte sie, Lüthi nicht. Dann aber entwickelte sich etwas, was uns nicht nur mit Freude erfüllt. Die Story wurde zum Selbstläufer.

Neu ist nur, wenn man «frisch» verliebt ist …

Am 25. Juni vermeldete die «Schweizer Illustrierte», Barbara Lüthi sei frisch verliebt, in ihren Chef. Das ist natürlich Schwachsinn, denn das Liebesverhältnis ist schon seit Monaten Klatschthema am Leutschenbach. Zudem hatte die SI eigentlich als erstes Medium schon am 16. Juni die Story, damals noch vorsichtig im Konjunktiv, von uns aufgenommen.

Am 24. Juni, also immerhin fast 10 Tage nach der Meldung auf ZACKBUM, legte die «Weltwoche» nach mit einer «Eilmeldung»:

Wenn die News von vorgestern ganz eilig werden …

Wenn fast zehn Tage eilig sind, was ist dann der Rahmen, wenn’s mal wirklich pressiert? Eine Zeitlupe von Cages Musikstück, das erst in ein paar tausend Jahren fertig gespielt ist?

Dann brachen aber die Dämme, «nau.ch» «Blick» gleich zweimal, persoenlich.com, wie man so schön sagt: die Nachricht machte die Runde. Newsgehalt null, denn natürlich hatten die Turteltauben ihrer Stellungnahme bei ZACKBUM nichts mehr hinzuzufügen.

Mach eine Welle draus; alte Boulevard-Regel …

Also abgesehen davon, dass ZACKBUM gerne mit einem gehaltvolleren Primeur die Runde in den Medien gemacht hätte: wieso freut uns das nicht unbeschränkt; Resonanz ist doch toll?

Wieso diese Ladehemmung?

Aus einem einfachen Grund. Nicht nur ZACKBUM wusste davon, Halb-Leutschenbach zerreisst sich schon seit Monaten das Maul darüber. Jeder Medienjournalist, so es ihn noch gibt und er etwas Berufsehre im Leib hat, wusste um diese Story. Er wusste ebenfalls, dass es sich nicht um eine Privatangelegenheit handelt, deren Publikation einen in den strengen Verdacht setzen würde, hemmungslosen Klatschjournalismus zu betreiben.

Was zur Frage führt: wieso wurde das nicht schon viel früher publiziert? Thematisiert? Kritisiert? Bei der wichtigsten Nachrichtenquelle der Deutschschweiz gibt es ein, gelinde gesagt, heikles Problem, und viele wissen es, aber keiner redet drüber?

Bis es einem Whistleblower den Hut lupft, ZACKBUM nach Konfrontation der Beteiligten publiziert, und dann höseln alle hinterher? Schreiben «auch» drüber, weil der Zapfen ab ist? Überall, wo man den aktuellen Journalismus genauer anschaut, kommt Morbides und Poröses zum Vorschein …

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