Hi, hi, Hiltmann

Violett gefärbte Brunnen, bewegte Frauen auf der Strasse. Es war wieder mal Frauenstreiktag. Da kann Aleksandra Hiltmann nicht stumm bleiben. Auch das noch.

Die eine Rädelsführerin des kleinen Frauenprotests bei Tamedia ist auf dem Absprung. Die Untersuchungsrichterin, Pardon, Ansprechpartnerin, Pardon, überhaupt nix mehr, also Claudia Blumer, ist ebenfalls auf dem Absprung. Bleibt noch Aleksandra Hiltmann.

Die aber blieb lange Zeit einfach stumm, reagierte auch auf Anfragen von ZACKBUM nicht. Aber wir ahnten es, dem Frauenstreiktag konnte sie nicht widerstehen. Den musste sie mit einer wahren Kommunikationslawine begleiten. Mit Beiträgen, so violett wie die eingefärbten Brunnen. Was die Brunnenmeister nicht so lustig finden. Aber das sind ja auch vorwiegend Männer.

Jein, meint Aleksandra Hiltmann.

Jede Offensive fängt mal klein an; die von Hiltmann sogar in Camouflage; «sind Sprachnachrichten wirklich cool?» Darüber balgt sie sich mit einem anderen Tamedia-Redaktor in der SoZ. Hiltmann ist contra, findet das also nicht cool. Warum, das erschliesst sich dem Leser allerdings nicht ganz. Macht nix, vielleicht ist der Text halt zu sehr in Frauensprache abgefasst.

Ein Bilderbuch über den Frauenstreik.

Aber das ist ja nur sozusagen der Startschuss. Nun hält Hiltmann in ihrem Lauf keiner auf. Eine Buchrezension «Sie wollen alles». Und wenn Hiltmann schon am Lesen ist: «Warum ich mir dieses Buch als Pflichtlektüre gewünscht hätte».

Pflichtlektüre für die Schule?

Was für ein Buch? «Der Roman «Helvetias Töchter» erzählt die Geschichten von acht Schweizer Frauen im Kampf um Gleichstellung. Er sollte auch an Schulen gelesen werden.» Aha, und das sollte nun den «Homo faber» von Max Frisch oder ein Stück von Friedrich Dürrenmatt verdrängen? Warum nicht, jedenfalls ist Hiltmann zwar begeistert, wahrt dennoch kritische Distanz. Zuerst die Begeisterung: «Die Vergangenheit zugänglich machen, um Antworten auf Fragen finden, die uns bis heute beschäftigen, legt sie im Nachwort ihre Überzeugung dar – und die teile ich.»

Dann die kritische Distanz:

«Ich hätte gerne eher über meine Rechte Bescheid gewusst. Welche ich habe, welche nicht, für welche gerade gekämpft wird. Und wie ich meine eigenen Forderungen artikuliere.» Das ist natürlich traurig, wenn eine Journalistin nach Belehrung verlangt, was gerade so läuft in der Frauenbewegung. Und wie sie selbst Forderungen formulieren soll. Kommt man ja nicht so einfach selber drauf; kann man (oder frau) helfen?

Ist das schon alles? Aber nein, Hiltmann setzt sich ja nicht nur für Frauenthemen ein; es gibt doch so vieles, was in dieser Welt im Argen liegt. Deshalb muss Hiltmann nicht nur über «smart kommunizieren» schreiben, auch über das Schicksal der Kichererbsen (nein, Scherz), auch über «Wie hat die Black lives matter»-Bewegung die Schweiz verändert?» Da will sie natürlich nicht als weisse Frau imperialistisch das Wort für eigentlich Betroffene ergreifen. Also stemmt sie mit weiteren Mitarbeitern die Riesenkiste, «sechs persönliche Bilanzen» zu transkribieren. Von Betroffenen und Pseudo-Betroffenen wie Sandro Brotz.

Nur die Kichererbsen sind Hiltmann entkommen.

Aber auch das lastet natürlich nicht aus, es fehlt das Belehrende, das Zurechtweisende. Kein Problem; der Leser bekommt Aufklärung: «Mit grossem S geschrieben, ist Schwarz eine politische Selbstbezeichnung, bezieht sich also nicht auf die Hautfarbe einer Person, sondern auf die geteilte Rassismuserfahrung. Es ist auch kein Adjektiv oder eine Art, vermeintlich biologische Merkmale zu benennen. Mit dem Begriff wird eine gesellschaftliche Position beschrieben, die von Rassismus betroffen ist; Schwarze Menschen sind demnach Menschen, die Rassismuserfahrungen machen.»

Das S als Fanal, Symbol, Zeichen. Wo bleibt die schreibende Schmachtlocke Binswanger?

Wenn das das S wüsste. Steht es stolz und gross am Anfang von Schwarz, dann leitet es nicht etwa eine Farbbezeichnung ein, wie Hinterwäldler, Rassisten und unsensible Unmenschen meinen könnten. Nein, diese «politische Selbstbezeichnung» beziehe sich auf «die geteilte Rassismuserfahrung».

Wir sind ja nur knapp der deutschen Sprache mächtig hier; daher bitten wir auch um Belehrung. Nur, damit wir das richtig verstehen. Schwarz, grosses S, weil so schreibt man halt am Satzanfang. Das ist dann eine politische Selbstbezeichnung? Auch, wenn der Satz so weitergeht: «Schwarz ist bei Beerdigungen gewünscht»? Oder «Schwarz muss der Kaffee sein»? Wie ist’s dann so: «Der Kaffee muss schwarz sein»? Dann ist’s keine Selbstbezeichnung von geteilter Rassismuserfahrung mehr? Kann Kaffee überhaupt eine solche Erfahrung, aber gut, das würde vielleicht zu weit führen.

Wie halten es weisse Menschen mit dem Schwarzen?

Dürfen eigentlich auch weisse Menschen Schwarz sagen? Also mit grossem S? «Ist es etwas anderes, wenn ich sage: «Ich ärgere mich Schwarz»? Oder muss der Weisse sagen: «Ich ärgere mich schwarz»? Und wie ist’s bei «Schwarz ärgere ich mich»? Wir bitten dringend um Aufklärung. Können eigentlich weisse, andersfarbige Menschen keine Rassismuserfahrung machen?

Oder doch? Und wenn ja, dürfen sie dann Schwarz sagen? Oder Weiss, Braun, Gelb? Ist schliesslich ein weisser (oder schwarzer) Mensch einer ohne Rassismuserfahrung? Oder ist er sich der einfach nicht bewusst? Ist schliesslich ein weisser Rassist ein Weisser Rassist? Oder aber, was ist denn, wenn die Rassismuserfahrung des Schwarzen darin besteht, dass er selbst Rassist ist? Ist er dann sozusagen ein Schwarz/schwarz-weisser Schwarzer?

Bitte, Hilfe, wir können doch nicht einfach so im Regen stehengelassen werden. Ach, und Palindrome (Nora Zukker, das sind, aber es ist zu heiss dafür), wie steht es mit dem wohl längsten? «Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie». Kann man vorwärts und rückwärts lesen. Aber wenn man Neger mit Schwarz, Schwarzer oder auch nur vermeintliches biologisches Merkmal  ersetzt, dann ist das Palindrom kaputt. Heisst das, dass Palindrome auch rassistisch … Nein, stop, uns raucht der Kopf, es wird uns schwarz vor Augen.

 

3 KOMMENTARE
  1. Simon Kneibühler
    Simon Kneibühler says:

    Grossartige Analyse Herr Zeyer. Nur ist mir auch schon zu Ohren gekommen, dass der Begriff Schwarz auch schon obsolet sei und der Ausdruck People of Color PoC zu gebrauchen sei. Habe mich gefragt ob ich bzw mein käsebleicher Teint sich jetzt benachteiligt fühlen soll? Ist das etwa keine Farbe? Und ab welchem Teint darf man von Color sprechen? Rs kann stindenlang philosophiert werden….

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  2. Victor Brunnet
    Victor Brunnet says:

    HiHiHiltmann hat wirklich keine Zeit Fragen zu beantworten, auch kritische nicht, da ist Sie überfordert und macht die drei Affen. Frauenstreiktag bewirtschaften und BLM aufkochen ist eine Menge Arbeit, aber Kedves in feministischer Solidarität unterstützt sie.

    Da reicht es dann schon mal zu einer BLM-Rückschau mit 6 ProtagonistenInnen. SRF 1 zu 100 Frau Beldner, immer gut drauf, wenn ihr alte weisse Männer quer kommen markiert sie kameragerecht das arme, wehrlose, sprachlose Huscheli. Fettnäpfchen- und Sekundenzähler-Sandro hatte auch sein Aha-Erlebnis nach 2 in die Binsen gegangenen Sendungen. Die Frauen Owanka und El Maawi, PoC,verdienen an der Bewirtschaftung und sind am permanent aufköcheln. Frau Binkert, auch PoC, sieht das Ganze etwas gelassener, sie musste immer auf eigenen Füssen stehen und ist nicht jahrelang an Stipendien- oder Steuertöpfen gehangen, das prägt und gibt Klarsicht. Auch der national bekannte Rechtsüberholer, Autobahn nicht Partei, Kommandant der StaPo macht sich keine Illusionen, auch bei PoC gibt es schwarze Schafe! Eine neue Perspektive, auch PoC sind keine Übermenschen.

    HiHiHiltmann sollte wieder einmal den unpraktischen Gestellrucksack schnüren und den Kosovo bereisen, aber nicht ihre Lieblingsthemen zur Sprache bringen, die PoK würden am Lachen Ersticken!

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