Jetzt auch noch Doris Leuthard

Mehr als 47’000 Unterschriften hat Roger Schawinski schon gesammelt. Das Schweigen seiner Gegner wird immer lauter.

Als der Radiopionier mit seiner Attacke «Rettet UKW» loslegte, war ihm Häme und arrogante Besserwisserei gewiss.

Herausragend Florian Wanner, von Beruf Sohn und von Position Leiter Radio beim Wanner-Verlag, der die wohl grösste Sammlung von privaten Radiostationen zusammengekauft hat. Der meinte süffisant, dass es ihm schon ein Schmunzeln entlocke, was Schawinski vorhabe. Muss man sich mal vorstellen, Wanner Junior sitzt auf diesem Posten wegen seines Nachnamens und verwaltet unter anderem «Tele Züri» oder «Radio 24», beides von Schawinski ins Leben gerufen.

Beruf Sohn, Ahnung null: Florian Wanner.

Auch Kurt W. Zimmermann, inzwischen  zum grossen Medienkritiker gereift, möchte nicht mehr so gerne daran erinnert werden, dass er Beihilfe dazu leistete, dass die damalige Ausgabe von Tamedia mit TV3 ein hübsche Stange Geld in den Sand setzte. Allerdings erinnert ihn nur die Existenz von Schawinski daran. Deshalb erfindet Zimmermann, als seriöser Faktenjournalist, mal kurz ein Zitat und bringt es im Nachruf auf Schellenberg unter; bekanntlich konnte der Schawinski nicht leiden, was auf Gegenseitigkeit beruhte:

«Der wiederum posaunte in seinem Studio herum, dass «der Schellenberg hier bald einmal auf Knien angekrochen kommt». Bald darauf war aber Schawinski auf den Knien und sein Sender gescheitert.»

Aber gut, das ist halt das Maulheldentum von Möchtegerns. Auf die Nachfrage, woher er denn diese Aussage habe, flüchtet sich Zimmi ins Lieblingsgebiet von unpräzisen Schwätzern: ins Ungefähre. Nun ist es aber so, dass alle Verlage, die damals gerne bereit waren, die Einstellung der UKW-Frequenzen zu akzeptieren, weil sie damit eine stillschweigende Verlängerung der Radiolizenzen erhielten, anfänglich nicht damit rechneten, dass Schawinski mit seiner Kampagne mehr bewirken wird als in eine «Schlacht zu ziehen, die längst geschlagen ist» (NZZ), eine Lösung anzubieten, wo kein Problem istBlick»), «Nichts spricht für UKW» (Tagi).

Fast 50’000 sprechen für UKW; Stand 3. Juni, mittags.

Nun nähert sich seine Unterschriftensammlung der Petition der nächsten Marke, 50’000. Das ist nun nicht wenig, angesichts der Tatsache, dass Schawinski im Wesentlichen auf seiner eigenen Radiostation dafür Werbung machen kann.

Der Wind dreht langsam, aber spürbar

Also dreht langsam der Wind, von «keine Chance, will halt noch mal als der grosse Pirat antreten, bevor er abtritt», von «hat halt mit 75 keine Ahnung mehr, dass es auch nach UKW und Fax was Neues gibt», von «UKW so was von gestern, DAB+ sowas für heute, und die Zukunft liegt sowieso im Netz», also von all diesen «jö, schaut euch den Schawi an, da reitet er wieder auf seiner Rosinante gegen Windmühlen an» (Nora Zukker, so hiess das Pferd von Don Quichotte, der wiederum, aber das wäre zu kompliziert); also von all diesem Gedöns wird langsam Abstand genommen.

Der eine oder andere überlegt sich schon, wie er allenfalls aus der Nummer wieder rauskommt, dass ein Weiterbetrieb von UKW-Sendern ruinös für die Privatradios wäre. Dass das mit den Autoradios zwar schon ein Punkt sei, aber he, wer schon sinnloserweise von UKW auf DAB und dann auf DAB+ umgerüstet hat, der wird doch auch den Netzzugang schaffen. Und die Hälfte aller Automobilisten, die noch UKW hören, sollen halt endlich in der Neuzeit ankommen.

Da sind die Politiker nicht weit

Wo es Sympathiepunkte für nix zu gewinnen gibt, ist natürlich auch immer der Politiker zur Stelle. Ist er von kleinerem Kaliber, dann macht er sich wichtig, indem er einen parlamentarischen Vorstoss ankündigt. So mit dem Gestus: da müssen mal die Erwachsenen ran, nämlich die Parlamentarier.

Da gibt es nun allerdings eine Liga, die nicht mal mehr das nötig hat. Zu der gehört zum Beispiel Adolf Ogi, der bloss ein «finde ich gut/finde ich schlecht» in die Runde werfen muss, und schon scheppert es.

Verschwestert sich: UKW-Retterin Doris Leuthard.

Dazu gehört auch Doris Leuthard. Die kann sogar noch zu ihrem Status als von vielen gemochte Ex-Bundesrätin in die Waagschale werfen, dass sie als Medienministerin damals für den Einstellungsentscheid verantwortlich war. Traut sie sich da tatsächlich, sich selbst zu widersprechen? Aber locker; als amtierende Bundesrätin wäre das natürlich nicht gegangen. Als elder stateswoman geht das: «Man ist seinerzeit davon ausgegangen, dass UKW ein Auslaufmodell ist.»

Da hat man sich aber getäuscht; DAB+ oder Internetradio ist noch viel zu wenig verbreitet, vor allem im Auto. Also, logisch: Marschhalt, UKW weiter laufen lassen, kein Schweizer Alleingang im Herzen Europas. Sagt Leuthard.

Alles Wind in die Segel des kleinen, aber wendigen Piratenschiffs

Schluck, sagen da alle, die bislang meinten, man könne den Schawi doch einfach ein wenig toben lassen, aber alles gehe dann schon seinen geordneten Gang zur Abschaltung. Wer im Lager der Befürworter des Einstellungsbeschlusses nicht völlig verblödet ist (wir könnten, wollen aber keine Namen nennen), weiss spätestens jetzt: Das Spiel ist offen. Die Abschaltung ist nicht in trockenen Tüchern. Man kann nicht weiter einfach business as usual machen.

Was sonst? Tja, da ist guter Rat teuer, wenn man bislang einfach Verwalter von Privatradios war, ohne grosse Ahnung von nix oder von Technik. Mit dem einzigen Sendungsbewusstsein, dass auch so ein Medium ordentlich Gewinn abzuliefern hat. Wir sind gespannt, was nach der ersten Schrecksekunde kommt. Wären aber nicht überrascht, wenn es nicht mal ein Winseln wäre. Sondern einfach Schockstarre, Fingernägelknabbern und internes Gebrüll: welcher Riesentrottel war das schon wieder, der meinte, man müsse den alten Schawi doch nicht ernst nehmen?

3 KOMMENTARE
  1. Don Spanheber
    Don Spanheber says:

    Was mich interessieren würde, ist die Zukunft von TMC bei Abschaltung von UKW. Meines Erachtens wird dieses Thema gänzlich vernachlässigt.
    Bei TMC (Traffic Message Channel) handelt es sich über UKW ausgesendete Verkehrsinfos als Daten (also nicht Staumeldungen im Radio) welche primär von Navigationsgeräten zur Anzeige von Staus, Strassensperren usw genutzt werden. Nahezu 100% der Navigationsgeräten nutzen diese Technologie (neben den teilweise zusätzlich erwerbbaren Trafficabos die noch genauere Infos versprechen).
    Mit der Abschaltung der UKW Sender würde der Übertragungskanal von TMC damit ebenfalls stillgelegt.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Die peinlichste Rolle spielt einmal mehr immerlächle-Sünneli Doris Leuthard. Sie hat mit den Betreibern der Privatsender den DAB Deal im Hinterzimmer aufgegleist. Ohne die Wünsche oder Bereitschaft der Konsumenten abzuklären. Diese Woche hat sie schnell die Seitenlinie gewechselt.

    Das Desaster ist da, die Betreiber der Privatradios reiben sich die Augen. Einmal mehr hat Schawi bewiesen dass er von Radio mehr versteht als alle anderen Player. Im Gegensatz zu Florian Wanner, der Leiter Wanners Privatradios ist aber nicht Versteher. Heute ist klar, es wird einige Jahre lang auf UKW und DAB gesendet.

    Das hat geringe Mehrkosten für die Sender zur Folge die sie auf dem «landwirtschaftlichen Weg» bei Sommaruga eintreiben. Es ist bei den Medien heute leider Standard, Kosten die durch Inkompetenz, fehlende Innovation, Fehlplanungen entstehen werden mit Steuergeldern abgefedert.

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