Schämt Ihr Euch gar nicht?

Ihr üppig verdienenden Nulpen an der Spitze Schweizer Medienkonzerne. Oder seid ihr wirklich schamlos indolent?

Pietro Supino ist VR-Präsident von Tamedia, bzw. von TX Group, formerly known as T. Hat irgendwas mit dem «Tages-Anzeiger» zu tun. Supino kassiert im Jahr rund 2 Millionen Franken. Ein Klacks gegen das, was seine Familie Coninx über die Jahrzehnte abgeräumt hat.

Was hat Supino eigentlich für all diese Kohle bislang geleistet? Publicitas beerdigt, ein Interview im eignen Blatt im letzten Moment zurückgezogen. Jede Menge Geld durch den Ankauf von Handelsplattformen verballert (Fashionfriends, jobs.ch, ricardo.ch). Die werden dann alle von Amazon, Facebook, Google und schliesslich Alibaba abgeräumt.

Viel von Qualitätsjournalismus geredet, noch mehr dafür getan, ihn totzusparen, Skelettredaktionen herzustellen, dann Zentralredaktionen, die alles versorgen und bestreichen sollen. Klargestellt, dass an Ertragszielen sicher nicht gerüttelt wird, es auch keine Quersubventionen gibt, wenn bspw. der Stellenanzeiger fast vollständig ins Internet abgeschwirrt ist.

Wenn Supino, die kalte Seele der Profitmaximierung, in die Harfe greift (oder greifen lässt), um mit Res Strehle, der sich nun wirklich für überhaupt nichts zu schade ist, ein «Handbuch Qualität in den Medien» zu schreiben, dann muss der Leser einen kugelsicheren Magen haben, damit es ihm nicht übel wird. Beim Lesen eines solchen Geschwurbels:

«Weil das Herstellen von Öffentlichkeit im Konflikt mit dem Interesse von Betroffenen stehen kann, erfordert unsere Arbeit Unabhängigkeit und ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Wir streben Fehlerfreiheit, Wahrheit im Sinne der Vollständigkeit der massgeblichen Fakten, Fairness und Transparenz auch über Korrekturen an, die im schnelllebigen Medienalltag kein Mangel, sondern ein Qualitätsmerkmal sind.»

Inzwischen zeigt Tamedia jeden Tag, wie man diesen grossartigen Prinzipien nicht nachlebt.

Krise? Hektik, Panik, Abtauchen

Schliesslich hat Supino eine ganz schlechte Falle beim Protestschreiben von 78 erregten Mitarbeitern bei Tamedia gemacht. Betroffenheit geheuchelt, es dann dem armen Arthur Rutishauser überlassen, damit fertigzuwerden. Der toppt ihn allerdings (ausser im Salär). Der Oberchefredaktor des Hauses, also der Verwalter all des Elends, der Verkünder von immer neuen Sparrunden. Der gleichzeitig das Niveau in den Keller fährt (Affaire Vincenz, Publikation von gestohlenen Geschäftsunterlagen, schöngeschrieben als Leaks oder Papers).

Schlechte Stimmung in den Zentralredaktionen, schlechte Stimmung in der verbleibenden Aussenredaktionen. Mit ausschliesslich anonymen Beispielen unterfüttert, behaupteten Mitarbeiterinnen, unter unerträglichen Zuständen zu leiden. Sexismus, Diskriminierung, dumme und anzügliche Sprüche. Das wurde dann gleich an die Öffentlichkeit durchgestochen, mittels eines anrüchigen Absenders.

Die Gelegenheit, endlich etwas für sein Geld zu tun. Stattdessen liess sich Rutishauser vorführen. Entschuldigte sich mal präventiv (für durch nichts und bis heute nicht bewiesenen Behauptungen von Fehlverhalten). Dann setzte er im Ernst eine der Unterzeichnerinnen, die selber in mehr als fragwürdige Recherchemethoden verwickelt ist, als Untersuchungsrichterin über die Stichhaltigkeit der Anschuldigungen ein. Dann stuhlte er sie zur «Ansprechperson» runter, schliesslich wurde sie zu «20 Minuten» entsorgt.

Im Fall Vincenz, wo sich Rutishauser immer wieder von interessierten Kreisen anfüttern und mit Unterlagen versorgen liess, schuf er ein einseitiges tendenziöses, den Ruf von Vincenz längst vor einer Verhandlung oder gar Schuldspruch restlos ruinierendes Werk, das in jeder Journalistenschule als Beispiel verwendet werden kann, wie man es ja nicht machen sollte.

Nabelschau statt Weltenschau

Und das alle in einem Verlag, wo Nabelschau wichtiger als Weltenschau geworden ist. Wo die Vergewaltigung der Sprache wichtiger als ihre Beherrschung geworden ist. Wo fast alles Publizierte von Meinung trieft. Unablässig Fanale und Zeichen gesetzt werden müssen. Die Welt nicht erklärt, sondern belehrt werden soll. Also ein Medienkonzern auf dem Weg nach unten. Bravo.

All die anderen? Nichts anderes

Ringier? Auch hier läuft sich die nächste Generation warm. Marc Walder zeigt währenddessen, dass man es mit Tennisspielen fast so weit wie Roger Federer bringen kann. Nämlich zum CEO und Mitbesitzer des Verlags. Leistungsausweis? Umbau zum Gemischtwarenladen, Wertschöpfungsketten mit Promis, die es in diesem Ausmass in der Schweiz noch nie gab.

Mehr Haare als Argumente: Meyer (l.), Walder 2013.

Wenn sich Marc Walder «auf einen Espresso» mit seinem Vordenker Frank A. Meyer über die 1:12-Initiative unterhielt, lacht man sich heute noch kaputt. Meyer ist dagegen, Walder hält sich bedeckt, beide hätten empfindliche Einkommensverluste hinnehmen müssen, wäre sie angenommen worden. Titel wie Format ist übrigens geklaut. Pardon, adaptiert. Nachempfunden. Ausserdem war’s bei Helmut Schmidt ein Zigarette. Ausserdem ist Meyer nicht Schmidt.

Ach, und auch da gibt es ja einen Oberchefredaktor. Christian Dorer ist der Name. Der steht dem vor, was mal eine machtvolle Meinungsmachmaschine war. Und bringt das Kunsstück fertig, die «Blick»-Familie Stück für Stück zu entmannen, auflagemässig in nie gekannte Tiefen zu fahren – und lächelt sich mit seinem Traumschwiegersohncharme durch alles durch. Während unter ihm ein munteres Gehen (weniger ein Kommen) herrscht. Auch das für ein Gehalt, das sicherlich bei einer halben Kiste liegen dürfte.

Lassen wir den Wanner-Clan (CH Media) für einmal aus; dort reicht es offenbar, von Beruf Sohn zu sein, um zu zeigen, dass man von elektronischen und digitalen Medien keine Ahnung hat.

Schliesslich die NZZ, angeführt vom meinungsstarken, nachtragenden und schneidend scharfen Eric Gujer. Der aber kein Problem damit hat, zusammen mit seiner Gattin sich in einem Wellness- und Diäthotel in Österreich zu erholen, dem Hotel-Newsletter huldvoll ein Interview zu gewähren, während seine Gattin auf zwei Seiten NZZ über Hotel, Diät und alles schwärmen darf. Sicher hat er selber bezahlt, sicher wurde damit nicht gegen hausinterne Regeln verstossen.

Wo bleibt das Gespür für Anstand?

Aber ein Chefredaktor, der nicht mal persönlich dazu Stellung nimmt, leises internes Gemurmel mit eisigem Blick zum Verstummen bringt, auch kein Problem damit hat, dass seine Göttergattin gleichzeitig seine Untergebene ist, die wiederum kaum auf Widerstand stossen dürfte, welchen Quark sie auch immer schreibt, darf das in einer NZZ sein? Ein Chefredaktor, der das bejaht, ist deutlich überbezahlt. Aber ganz deutlich. Wie viel der CEO der NZZ kassiert? Ebenfalls für einen Mann am Fenster, für einen Grüssaugust viel zu viel.

Die Medien bieten ein Bild des Elends. Mit unwürdigem Gebettel und Gebuckel haben sich die Privatkonzerne happig Subventionen erquengelt. Jammern kann die Chefetage. Kassieren auch. Schamfrei money for nothing kriegen: kein Problem.

Keine Idee haben, die auch nicht ausdrücken können. Kein Geschäftsmodell für die Zukunft. Sparen, rausschmeissen, abschmelzen, ausdünnen, weniger Angebot für gleich hohe oder sogar noch höhere Preise. Das mit markigen Worten über bedingungslose Qualität zusossen wollen. Das können sie.

Zuschauen, wie ein ehemals angesehener Beruf ruiniert wird. Verzwergt. Das können sie. Mal was tun für ihr Geld; Rettungsplan, originelle Ideen, Führungsqualitäten zeigen? Das können sie nicht. Scham? Kennen sie nicht.

2 KOMMENTARE
  1. Marcella Kunz
    Marcella Kunz says:

    Es ist ein Irrtum, zu glauben, für diese Produkte gebe es keine Abnehmer. Auch die Politik zeigt uns täglich, was und wen sie den Leuten verkaufen kann. Nicht wundern, nicht ärgern.

    Antworten
  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Schämen würde voraussetzen dass sich Supino als Verleger mit Anspruch versteht, der seine Arbeit schlecht macht. Dass sich Rutishauser, Dorer und wie sie alle heissen als JournalistenInnen mit Anspruch verstehen, die ihre Arbeit schlecht machen. Dem ist nicht so, wichtig die Printausgaben und digitalen Seiten zu füllen. Wie egal!

    Tages-Anzeiger heute: «So ehrlich sind die ZürcherInnen und Zürcher». 4 Journalisten vom TA und 3 Leute von der ETH, darunter sogar ein unterbeschäftigter deutscher Professor, prüfen die Ehrlichkkeit der Leute, legen Portemonnaies aus und prüfen wieviele auf Fundbüros abgegeben werden. Das ganze ist Beschäftigungstherapie (wahrscheinlich finanziert von den Corona Mio die Tamedia erhielt) für Brupbacher, Lutz, Plattner, Siegrist die Sittenpolizei spielen. Sagt auch etwas über die geringe Effizienz und Kompetenz der 4 aus. Bei den Soziologen der ETH ist alles klar, es gibt zuviele von denen, relevante Themen sind ihnen zu anspruchsvoll, sie taugen nichts. Das einzige was sie wirklich können ist Steuergelder verschleudern und sich mit Unnützem selber beschaftigen, akademisches onanieren.

    Dorers BLICK am Wochenende weidet den tragischen Tod von Motorradrennfahrer JasonDupasquier (†19), nach Strich und Faden aus. Da werden Worte von seinem Bruder auf Instagram, abgekupfert, Matthias Dubach der von Rennsport wirklich nichts versteht schreibt über Sicherheit und sagt über Janos «Dupasquier war auf dem Weg, die Lüthi-Nachfolge anzutreten», auch die Anreise der Eltern ist Thema. Peinlichste Primarschulaufsätze die sich am Tod des Jungen weiden. BLICK unter Hintertrumpgümperli Dorer, Mai 2021.

    Die Corona Mio für Tamedia und Ringier sind nicht Hilfe sondern Deppenbonus!

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