Noch ein Rohner …

Der eine geht (endlich), der andere kommt wieder: Marcel Rohner is back. Leider.

Marcel Ospel ist tot. Und blieb nach dem UBS-Desaster schön in der Versenkung. Basler Fasnacht, gelegentliche Besuche in der Zürcher «Kronenhalle» (wo er nicht ausgebuht, sondern applaudiert wurde), das war’s.

Peter Wuffli, die Pfeife, die 2007 nicht ganz freiwillig als CEO der UBS zurücktreten musste. Vor der Finanzkrise hatte er es bereits geschafft, mit der Pleite des US Hedgefonds Dillon Read ein erstes Zeichen für kommendes Unheil zu setzen. Das natürlich auch nicht Schicksal, sondern zu grossen Teilen bei den beiden Schweizer Grossbanken hausgemacht war.

Dann war etwas Ruhe, schliesslich tauchte er lächelnd als Präsident des VR der Partners Group wieder aus der Versenkung auf. Ach, und 2010 veröffentlichte er das Buch: Liberale Ethik. Orientierungsversuch im Zeitalter der Globalisierung. Unlesbar, ungeniessbar, aber Ethik ist immer gut im Titel.

Auf und nieder mit ewig gleichen Figuren

Peter Kurer, eine weitere Pfeife, hinterliess einen bleibenden Eindruck, weil er immer wieder von «das Schlimmste hinter uns, gut aufgestellt» zu «stehen vor dem Abgrund» wechseln musste. Bis er dann auch ausgewechselt wurde. Längere Ruhephase, dann tauchte er als VR-Präsident des Telecom-Unternehmens Sunrise wieder auf.

Da blamierte er sich ein weiteres Mal, als er ums Verrecken den Ankauf von UPC Schweiz durchstieren wollte. Gegen den Ratschlag aller Fachleute, gegen den Widerstand seiner Grossaktionäre. Das Hallenstadion war schon für die ausserordentliche GV angemietet, alles vorbereitet, als Kurer im letzten Moment auf die Notbremse trat. Es war ihm klargeworden, dass er wohl keine Stimmenmehrheit für dieses geplante Millionengrab bekommen hätte.

Diese Peinlichkeit wollte er sich ersparen, also nix GV. Der ganze Spass dürfte Sunrise rund 120 Millionen Franken gekostet haben. Dann trat Kurer nach verrichteter Tat auch dort zurück, und schliesslich kaufte UPC Sunrise.

Würden Sie diesem Mann eine Bank abkaufen?

Marcel Rohner, der Ziehsohn von seinem Vornamensvetters Ospel, wurde 2007 UBS-Chef. Gut zwei Jahre später war’s das dann, die historischen 60-Milliardenrettung der Bank durch den Bund überlebte er nicht. Es war ihm offenbar nicht gelungen, sich einen Überblick über den wahren Zustand der UBS zu verschaffen.

Wuffli, Rohner, und dann kam Oswald Grübel und räumte auf. Auch Rohner machte auf low profile, wurde VR bei SVP-Giezendanner und bei der UBP, einer der letzten (noch) überlebenden Privatbanken. Über seine Immobilienbude ist er zudem mit 5 Prozent an der «Helvetischen Bank» des SVP-Nationalrats Thomas Matter beteiligt – und sitzt auch dort im VR.

Nun ist Rohner als nächster Präsident der Bankiervereinigung gewählt worden. Das sorgt für leises Rauschen im Blätterwald. Die Zeitung mit dem Regenrohr im Titel macht sich gleich Sorgen: «Trimmt Rohner die Banken auf Anti-EU-Kurs?» Schliesslich sitze er mit SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi in SVP-Matters Bank. Die sind vehement gegen das Rahmenabkommen, die Schweizerische Bankiervereinigung ist dafür. Bislang.

Dann ist noch eine ganz bedeutende Machtfigur fürs Rahmenabkommen. Ringiers Hausgespenst Frank A Meyer. Da weiss der «Blick» natürlich, welche Farbe das Wasser haben muss, das er durch das Rohr auf Rohner giesst.

Laue Lüftchen aus den Medien

Eher unentschieden ist der «Tages-Anzeiger»: «Einst bei der UBS abgesägt, bald an der Spitze des wichtigsten Bankenverbands», titelt er. Der Tagi zeigt einmal mehr: tiefe Kenntnisse und intelligente Analyse, das ist seine Sache nicht. Und die NZZ? Die hat sich schnell festgelegt: «Der finanziell unabhängige, meinungsstarke und liberale Schweizer bringt somit nicht nur viel Sachverstand und eigene Erfahrung aus allen Zweigen der Branche mit.»

Somit hat die NZZ dieser Wahl ihren Segen erteilt; damit dabei nix stört, wird die SVP-Connection von Rohner erst gar nicht erwähnt. Das tut zwar CH Media, aber auch dort wird ein Lobeslied auf den gefallenen, sich dann aber wieder hocharbeitenden Ex-Banker und Immobilienlöwe Rohner gesungen.

Das waren noch Zeiten …

Nur – wie meist – «Inside Paradeplatz»  stört den Jubelchor mit ein paar handfesten und fundierten Hinweisen; so eben darauf, dass Rohner nicht nur im VR von Matters Bank sitzt, sondern auch an ihr beteiligt ist. Was den übrigen Recherchiergenies offenbar entging.

Hinzuzufügen wäre noch, dass die einstmals so mächtige Bankiervereinigung – darin all den gefallenen Starbankern nicht unähnlich – längst an Bedeutung und Grösse verloren hat. Raiffeisen ist bereits ausgetreten, der Spalt zwischen den beiden Grossbanken, den Kantonalbanken und Kleinbanken wird immer grösser, da UBS und CS natürlich ganz andere Interessen haben als beispielsweise eine Regionalbank.

Das Bankgeheimnis muss auch nicht mehr verteidigt werden, weil Rohner, Rohner & Co. dafür gesorgt haben, dass es aufgegeben werden musste. Also ist bei Rohners Wahl überhaupt nicht wichtig, ob er nun die Haltung zum Rahmenvertrag beibehalten wird – oder nicht. Einzig interessant wäre die Frage: Ist er als Totengräber der Vereinigung gewählt worden? Weiss er das? Ist er einfach als Schuldiger ausgeguckt, wenn weitere Bankenverbände austreten werden?

Aber eben, da müsste man ja etwas nachdenken und recherchieren. Also ist das kein Thema in den Medien.

Das waren noch Zeiten …

7 KOMMENTARE
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Die Wahl der Niete in Nadelstreifen sagt einiges aus über den Zustand der Bankiervereinigung. Für. Rohner ein soziales Integrationsprogramm!

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  2. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Was soll es, mit Knalltüten in den Spitzen-Führungszirkeln kann es unmöglich eine nachhaltig vernünftige Zukunft geben.
    Ausbaden müssen es irgendwann die nachfolgenden Generationen.
    Alles andere als schön, vor allem verantwortungslos gegenüber den Enkeln!
    Es gab schon Generationen, die haben besseres hinterlassen und wurden dafür noch gescholten.
    Ein besonderer Leckerbissen ist der F.-A. Meyer.
    In seinen Videos aus Berlin, führt der sich mit Armen und Beinen auf wie ein Hampeilmann mit min. 2 Promille hinter die Binde gekipptes.
    Altersweisheit zeigt ein anders Gesicht.
    Wenn man bis so etwa Mitte Lebensjahre über kein solides, erworbenes Geistiges Fundament verfügt, DANN wird das problematisch mit Altersweisheit

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  3. Sam Thaier
    Sam Thaier says:

    Die Parade all der Pfeifen in Schweizer Bankhäusern beängstigend. Kein Wunder, wird wohl Oswald Grübel noch bei seinem 100. Geburtstag als Bank-Troubleshooter vorgeschlagen werden, mangels Alternativen.

    Marcel Rohner, der designierte Präsident der Bankiervereinigung, wird dieses Amt ehrenamtlich machen. Nehme an, der Aarauer möchte sich wieder auf der meritorischen Skala Pluspunkte schaffen, für höhere Aufgaben.

    Was früher war, wird vergessen sein. Schwamm darüber.

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    • Mario Sacco
      Mario Sacco says:

      Marcel Rohner war einer der Hauptverantwortlichen für das Desaster der UBS. Nach der Fusion Bankverein/UBS wurde Rohner 1998 Leiter Market Risk Control von UBS und im Jahre 2000 Group Chief Risk Officer. 2002 wurde Rohner Mitglied der Konzernleitung und übernahm die Leitung der Einheit Wealth Management & Business Banking.

      Bestimmt ist der Wirtschaftswissenschafter Marcel Rohner ein sehr gescheiter Kopf. Dazu ein musikalisches Talent und mit sportlichem Esprit gesegnet. Hürdenläufer war er nie.

      Leider hat Rohner seine grossen Begabungen kaum je wirklich genutzt. Stattdessen hatte er ab einem bestimmten Zeitpunkt seiner Karriere, bloss noch $$$-Bills in seinen Augen. Nicht wunderlich, sah er das UBS-Fiasko anno 2009 bloss noch als Milchglas-Mattscheibe…….

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      • Paul Hächler
        Paul Hächler says:

        Klug wäre er bestimmt. Leider hatte er die falschen Ziehväter und Vorbilder. Alles wurde ihm viel zu leicht gemacht in seiner vielversprechenden Karriere. Rohner ist der typische Vertreter dieser Sorte von selbstzufriedenen Schweizer Executives, dessen Fähigkeiten nie international gestählt wurden.

        Jetzt verdingt sich Marcel Rohner als Berufsverwaltungsrat in SVP-Buden wie Giezendanner Transport AG und der Helvetischen Bank. Dazu als VR-Präsident bei Warteck Invest und seiner eigenen Immobilienfirma Löwenfeld.

        Sein jetziger Ziehvater ist Chairman und Besitzer Daniel de Picciotto von der Union Bancaire Privée. Marcel Rohner hat hier seit März 2016 ein Mandat inne als Vice-Chairman of the Board of Directors.

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    • Eveline Maier
      Eveline Maier says:

      «Wird vergessen sein».

      Giergetriebene Schweizer Spitzenbanker lernen doch nie. Tappen in die nächste Falle ist Programm.

      Steuern zahlen unsere Grossbanken wohl kaum mehr in der Schweiz, insbesondere unsere «Credit Catastrophe». Ihre «Steuern» zahlen sie nämlich stattdessen in Form von Bussen in den USA; seit Jahren ist dies so.

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      • Benno Derungs
        Benno Derungs says:

        Sustainability und Diversity sind die grossen Modewörter unserer Wirtschafts-Cracks. Dieses Vokabular wird von denen für jeden Unsinn bis zum Abwinken gebraucht.

        Echte Nachhaltigkeit würde auch dastehen, anständig Steuern zu bezahlen in der Schweiz. Wäre interessant zu wissen, ob unsere dahinsiechenden SMI-Banken dies auch wirklich tun können.

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