Ein «Blick»-Titel und seine Geschichte

Fünfte Lieferung. Hier werden Fundstücke obduziert, um ihre Todesursache zu finden. Diesmal Rezykeltes.

Seit der «Blick» ein Regenrohr im Titel hat, ist es ihm wohl bewusst geworden, dass da ja eigentlich auch immer das gleiche Wasser durchfliesst. Wieso diese Erkenntnis nicht auf die Titelei anwenden. Ist sowieso immer so mühsam. Copy/paste, dann bis zur Unverständlichkeit kürzen. Ist es ein grosses Thema, noch das Interview mit dem Experten dazustellen («es könnte ohne weiteres sein, vorausgesetzt, dass, wenn nicht …»), irgendein Foto aus dem Fundus, voilà. Aber, verflixt, ein Titel muss ja auch noch drüber.

Früher, ja früher machte das der sogenannte Produzent, und der Artikel selbst kam auch noch ins Rewrite, wurde also von holperig-unlesbar in geglättet knapp lesbar verwandelt. Aber eben, das waren noch Zeiten.

Nun hat das Regenrohr den gleichen Titel mehrfach in die Tonne getreten. Schliesslich: wenn man mal einen hat, kann man den doch immer wieder ins Regenrohr giessen. Über die ersten zwei Versuche berichteten wir bereits:

Echter Nutzwert mit «Blick»

Problem gelöst. Passt der Artikel nicht zum Titel, muss einer von beiden weichen. Artikel umfangreich und schwierig, Titel leicht und einfach. Klare Sache.

Titel gut, Foto gut, nur: Text passt nicht. Also Text bleibt, Foto bleibt, Titel muss weichen.

Aber Titel halt doch gut, deshalb rezykelt, kann man doch immer wieder brauchen. Vor allem, da man ja auch immer wieder die gleiche Sauce in Bytes verwandelt.

Neues Foto, alter Titel. Alter Text, neu gesprochen. Endlich ist der «B∫ick» auf den Geschmack gekommen. Restaurants (das waren mal so Gaststätten, wo man sich nicht nur draussen den Hintern abfrieren musste) haben das schon lange gemacht. Menü eins bis drei, inzwischen auch vegi, vegan, laktosefrei.

Bedarf abschätzen, nach dem Mittagsservice Übriggebliebens abends etwas aufgebrezelt nochmal servieren. Bleibt immer noch was, dann kommt in die Schweinetonne, was vom Tisch zurückgeht. Aber der Rest wird gewolft, geschnetzelt, geschnitzelt, in einen grossen Topf geworfen. Dann wird entweder eine Suppe oder ein Fonds draus. Denn wegschmeissen, das wäre eine Schande. So sieht’s der «Blick» inzwischen auch.

Nun, von einer ewig rezyklierten Botschaft müssen wir Abschied nehmen. Langsam, damit der Trennungsschmerz uns nicht übermannt:

Aber mit dem Sternchenuntergang will es Müller natürlich nicht bewenden lassen:

Mit dieser Frage gibt Salome Müller natürlich einen feinen Hinweis auf die eigentlichen Gründe ihrer «Kündigung». Nicht nur die vergeblich kritisierte Machodröhnung auf allen Tamedia-Redaktionen hat ihr den Dutt gelupft. Tief im Mai stellt der sparsame Arbeitgeber garantiert die Heizung ab. Und da wegen Home Office nur noch wenige im Glashaus an der Werdstrasse sitzen, heizen auch die Compis nicht wirklich. Also ist es garantiert unter 21 Grad, und diese Schwelle ist bekanntlich als sexistisches Attentat auf die Motivation und Produktivität der Frau enttarnt.

Damen werden dämlich, Herren herrlich

Während durch Bibbern Frauen zusätzlich dämlich werden, ziehen sich harte Männer die Handschuhe an und schreiben herrliche Texte. Allerdings, beim Tagi und so wird die Atmosphäre sicherlich noch künstlich erwärmt. Mit den üblichen Schweinesprüchen. «Darf ich deine Wolldecke sein?» –

«Ich liebe kalte Füsse.»

«Wenn ich dir in den Nacken blase, wird’s dir gleich heiss.» – «Stell dich nicht so an, der Griff auf deinen Kratzpullover war auch für mich enttäuschend.»

Nun, eine starke Stimme des Protests dagegen wird bald verstummen. Werden wir an dem Tag, an dem Müller geht, wenigstens ein gemeinsames BH-Verbrennen der zurückgebliebenen Tamedia-Journalistinnen erleben dürfen? Aber Autopsien können sich leider nie auf Zukünftiges beziehen. Allerdings, wenn man schon vorher weiss, woran der Patient sterben wird …

7 KOMMENTARE
  1. Benno Derungs
    Benno Derungs says:

    ACHTUNG: Ein kunstvolles Happening mit BH-verbrennen braucht doch ganz bestimmt eine Bewilligung der Frau Zeremonien*meister Tamara Funiciello.

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  2. Sam Thaier
    Sam Thaier says:

    Uhhh aufpassen: «in den Nacken blasen» ist bereits grenzwertig Herr Zeyer.

    «B∫ick™ » so geschrieben, würde ich umgehend urheberrechtlich schützen lassen. Kommen sie der Dufourstrasse zuvor. Herr Zeyer, sie machen den face lift von B∫ick™ aus dem ff – und dazu bedeutend interessanter. Dada at its best.

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    • Rolf Karrer
      Rolf Karrer says:

      Das Markenversprechen mit einer zeitgemässen Schriftsprache funktioniert nun endlich. Danke René Zeyer Communication. Endlich gibt es nun das bestmögliche Erlebnis in dieser Weiterentwicklung. Frank Bodin kann es eben nicht besser – bloss viel teurer………..

      B∫ick ist jetzt echt dabei. Heute ist eben a∫∫es mög∫ich.

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  3. .Victor Brunner
    .Victor Brunner says:

    Edgar Schuler wird aufatmen wenn er Salome nicht mehr an seiner Seite dulden muss «Der Morgen». Er kann sich wieder frei bewegen, muss nicht jedes Wort auf die Waage legen, auch kann er wieder ohne Probleme in die Runde blicken ohne dass er übergriffigen Verhaltens beschuldigt wird. Was ihm passieren kann, Julia Weber*in wird ihm aufgedrängt. Die kann genauso dumme Sätze onanieren und feministischen Kalauer produzieren wie Salome:

    «Liebe Mama, schreibe ich, du bist eine starke Frau, und ich bewundere dich, auch deine Mutter ist eine starke Frau, und wir sind auch stark, weil wir haben es bei dir abgeschaut, und nun geben wir das weiter, und schau dir unsere Töchter an, die eine hat schon mit weniger als zwei Jahren den Blick einer Türsteherin, die andere kann fliegen, und eine isst Broccoli, als gäbe es kein Morgen, da ist alle Stärke drin, stark bis zur Gleichberechtigung».

    Julia unter Drogen (LSD) oder ihre Medikamente vergessen? Wahrscheinlich kurvt sie nächstens als Spacegirl oder Barbarella auf einer Riesenzucchetti im All herum!

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    • Simon Ronner
      Simon Ronner says:

      «Julia unter Drogen (LSD) oder ihre Medikamente vergessen? Wahrscheinlich kurvt sie nächstens als Spacegirl oder Barbarella auf einer Riesenzucchetti im All herum!»

      Grossartig 🙂

      Hatte durch ihre Kolumne schon immer den Eindruck, diese Julia Weber*in sei leicht gaga. So einen Brunz zu schreiben im Alter von 38 Jahren…

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