Fäulnis, nur für starke Nerven

Die angebliche Kämpferin für das Gute und Humane ist immer ein Beispiel, wie übel das werden kann.

Für Nebenwirkungen dieses Artikels lehne ich jede Verantwortung ab. Ich empfehle aber, ihn weder auf leeren Magen, noch bei der Nahrungsaufnahme zu lesen.

Adolf Muschg hat in seiner Reaktion auf das Geschrei und Gekeife, das sich anlässlich seiner Verwendung des Wortes «Auschwitz» erhob, einen ganz, ganz wichtigen Aspekt betont. Die Rechthaberei und fehlende Kommunikation von Blase zu Blase sei nicht mal das Schlimmste an der heutigen Diskussionskultur. Sondern die Unfähigkeit, Widersprüche als Grundlage jeder Existenz zu akzeptieren.

Das Unbedingte, das Totale, das Richtige, der Kampf gegen das Böse; wer sich selbst und die Welt so eindimensional sieht, ist gefährlich. Eine Gefahr für sich selbst und alle anderen. In diesem Sinn sind das Brüder und Schwestern im Geist des Totalitarismus.

Wie wäre es, wenn Figuren wie Jolanda Spiess-Hegglin, Hansi Voigt, Claudia Blumer und andere nicht einfach nur Maulhelden wären, sondern tatsächlich Macht besässen – nur schnelle Flucht möglichst weit weg wäre die Rettung.

Konkrete Beispiele: Kein Problem

Exemplifizieren wir das am Twitter-Account der Kämpferin gegen alle Diskriminierung, Unterdrückung, Missachtung der Würde der Frau und des Menschen. Natürlich, die Rede ist von der Erfinderin des netzpigcock, von der Einberuferin des Wettbewerbs «Arschloch des Monats», zu dem sie gleich einen Journalisten nominierte, der hundert Mal mehr Meriten hat als sie – aber es wagte, sie zu kritisieren. Natürlich, die Rede ist von der one and only Jolanda Spiess-Hegglin.

Schauen wir zunächst, wie JSH selbst mit einer weiblichen Kritikerin umgeht: Sie bezeichnet Michèle Binswanger als «Postergirl» des «Tages-Anzeiger». Nehmen wir mal an, dass die ungebildte und nicht von geschichtlichen Kenntnissen angekränkelte JSH nicht weiss, was ein «Postergirl» ist. Wenn sie aber dafür sogar innerhalb ihrer Twitter-Blase kritisiert wird, dann macht sie immer den gleichen Move wie beim «Arschloch des Monats»:

Tut Ihr Leid? Kein Stück.

Viel erschreckender ist sogar, wenn man die Tweets auf ihrem Account verfolgt. Man versteht, was Fäulnis wirklich bedeutet: Die unter Sauferstoffmangel ablaufende Zersetzung, unter Bildung eines unangenehmen Geruchs. Alle Masken, Nasenklammern auf, mindestens mit den Fingern die Nase zugehalten, tief Luft geholt, und dann durch:

«Keine Toleranz den Intoleranten.»; «@Tamedia mahnt allgemein die Pressefreiheit an, konnte aber in eigener Sache nur superprovisorisch von der nächsten besonders schweren Verletzung der Intimsphäre von @JolandaSpiess abgehalten werden. Und zeigt damit Medien-Gap zwischen berechtigtem Anspruch und Wirklichkeit auf.» (Hansi Voigt);  «was stört? Wenn sich eine offiziell Elastigirl nennt, darf sie von sonst niemandem so genannt werden?» (JSH);

«Seit wann ist «Halt Deine Scheissfresse» Hass? Hass ist das was der Glarner das ganze Jahr lang distilliert, nicht ein Kraftausdruck der das stoppen soll.»;

«Es macht die Sache sogar noch schlimmer, wenn der Hintergrund bekannt gewesen sein soll und dann trotzdem verheimlicht wurde.» –«Schwache Erklärungsversuch.postergirl mit so einem gesicht muss man erst mal schaffen!»

«Verrückt an diesem @tamedia-Fail ist doch, dass das @tagesanzeiger Postergirl und Aushängeschild auflagenstark ungeprüften & gefährlichen Chabis auftischt und @Megafon Reithalle Bern (sic!) bringt den Faktencheck in ein paar Sekunden hin.  Als ich den Artikel las,war mein erster Gedanke,warum schreibt @mbinswanger das? Sie bauscht einen Einzelfall derart auf, dass Leute verunsichert werden u spielt so den Massnahmegegnern in die Hände! Und jetzt das!! Einfach unglaublich! Sie hätte sich nur d FBSeite ansehen müssen!»

«Die Behauptung, das habe «absolut nichts mit dem Artikel zu tun» ist in diesem Fall doch kompletter Bullshit. Es macht die Sache sogar noch schlimmer, wenn der Hintergrund bekannt gewesen sein soll und dann trotzdem verheimlicht wurde.»

«Hat wohl kein eigenes Sexleben, drum muss er sich obsessiv mit dem (vermeintlichen) von Frau Hegglin beschäftigen…»

«Die ist doch beruflich schon lange erledigt, dachte ich. Häjänusode, jetzt ists vorbei. Ab zum Nebelspalter.»

«Da wird mir übelst schlecht #HaltDieFresseBlick».

Kurzer Lacher für zwischendurch.

Das könnte man à gogo fortsetzen. Aber wahrscheinlich ist es uns allen schon übel genug. Hier soll es nicht darum gehen, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Abgesehen davon, dass das unterirdische Niveau jede ernsthafte Auseinandersetzung verbietet. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die lautesten Kläffer das unter dem Deckmantel der Anonymität tun. Nur Exponenten wie JSH oder Hansi Voigt, die eigentlich nichts mehr zu verlieren haben, twittern unter ihrem Namen.

 

Versuch der Erkundung leerer Schädel

Aber das Erschreckende ist: Die (wenigen) Kritiker werden ignoriert oder niedergemacht. Jeder Furz, der von irgend jemanden hineingepustet wird, dient sofort für neue, sich aufschaukelnde Erregung.

Wie kann man diese Hirnfinsternis zu verstehen versuchen? Da rülpst eine anonyme Quelle belegfrei hinein, dass die porträtierte Flugbegeleiterin Anhängerin der Vershwörungs-Sekte QAnon sei. Sofort wird das als Spitzenleistung des Recherchierjournalismus gefeiert, an dem sich Binswanger ein Beispiel nehmen könnte. Sofort wir das von anderen Kläffern hochgebellt. Selbst «Fairmedia» beteiligt sich – ruinös für den Ruf – an dieser Hetze.

Widersprüche, Debatte, Austausch von Argumenten, bei kritischen Fragen Vorweis von Belegen? Alle banalsten Grundlagen eines erkenntnisfördernden Diskurses? Nichts wäre weiter weg.

«Postergirl», «Arschloch des Monats», «canceln, jemand hat Babys in Pappkartons gesehen», sind diese menschenverachtenden, sich nicht zuletzt über real exsitiernden Kinderhandel lustig machenden Bemerkungen wirklich Ausdruck eines überlegenen Humanismus, im Kampf gegen Unmenschen, Hetzer, Rassisten?

Schlimmer noch (doch, das geht): wer dermassen unfähig ist, sich selbst zu reflektieren, Widersprüche zu akzeptieren, ohne Rechthaberei nach Wahrhaftigkeit zu suchen: ist das nicht der machtlose Bruder, die machtlose Schwester aller Totalitarismen, sei es der Kirche, der Ideologie? Hat deshalb der Begriff Auschwitz nicht seine völlige Berechtigung, weil wir nur froh sein können, dass all dieser Abschaum, der sich um Spiess-Hegglin tummelt, zwar sich selbst orgiastisch bespassen und bestätigen kann – aber glücklicherweise keinerlei reale Macht hat. Die über die Vernichtung von sozialen Existenzen oder den Versuch, eine unangenehm aufgefallen Journalistin fertigmachen zu wollen, hinausgeht.

 

 

10 KOMMENTARE
  1. Markus
    Markus says:

    Diese Jauchegruben namens «sozialen Medien», sollte man alle komplett meiden, wenn man seine geistige Gesundheit behalten möchte.

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  2. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    Wer Jolanda Spiess-Hegglin verteufelt, wird ihr ebenso wenig gerecht, wie diejenigen welche sie zur Heiligen verklären. Der zentrale Punkt war die falsche Weichenstellung nach der Zuger Affäre. Alles was seither in ihrem Leben und bis heute folgt, ist darauf zurückzuführen. JSH kann inzwischen gar nicht mehr zurück, sondern ist in diesem Teufelskreis gefangen, für welchen sie vielleicht nicht die einzige Verantwortliche ist. Deshalb auch die grosse Angst vor dem angekündigten Buch, weil es ihre seither aufgebaute Legende zerstören könnte. Durch die nach weiteren Skandalen geifernde Fangemeinde wird JSP ständig angefeuert weiterzumachen und noch einen draufzusatteln. Spiess-Hegglin ist eine tragische Person, die durch falsches Handling eines einzigen Ereignisses ihren Kompass verloren und schwer dafür gebüsst hat. Dabei ist sie in der persönlichen Begegnung weit angenehmer, als wenn sie eine Tastatur vor sich hat.

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          • Eveline Maier
            Eveline Maier says:

            Hat jetzt geklappt Herr Venetz, danke ihnen.

            Ja sie ist eine tragische Figur. Sie suhlt sich da in einer gleichgeschalteten Audience, mit ihren peinlich-kruden Äusserungen. Denke, es wird nicht gut kommen mit ihr.

    • .Victor Brunn"er
      .Victor Brunn"er says:

      Ich sehe sie eher als berechnende und manipulierende Person, die geschickt die Fäden zieht und ihr viele aus dem linken Spektrum auf den Leim kriechen. Natürlich braucht sie dazu «ihre Geschichte» für ihr Geschäftsmodell. Darum bemüht JSH auch die Gerichte und die Zensur. Binswanger könnte «ihre Geschichte» neu und genau schreiben und die JdA aus Zug würde alt aussehen!

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  3. Beat Reichen
    Beat Reichen says:

    Die sozialen Müllhaufen erlauben es anonym Dreck zu verbreiten und darin zu wühlen. Wer sich da hinein begibt, ist selber Schuld, wenn er zu modern und stinken anfängt.

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  4. Adrian Venetz
    Adrian Venetz says:

    Ich tue mir Twitter gar nicht mehr an. Was da im Dunstkreis von JSH abgeht, grenzt an geistige Behinderung, und darüber sollte man sich nicht lustig machen.

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