Ex-Press XXXVII

Blüten aus dem Mediensumpf.

 

«Blick» hilft bei Alzheimer

Es gibt immer mehr ältere Leute. Es gibt immer mehr vergessliche, ältere Leute. Diesem neuen Trend in der Gesellschaft will «Bick» etwas entgegensetzen.

Die Wiederholung. Die Wiederholung der Wiederholung. Die doppelte Wiederholung.

Alter Werbetrick: stetige Wiederholung wirkt. Oder nervt.

 

Kapiert? Wunderbar, dann kann ich ja die noch folgenden Wiederholungen unbeachtet lassen. Oder hat jemand den Inhalt der Werbung bereits wieder vergessen?

Die gleiche Methode lässt sich natürlich nicht nur bei Inseraten anwenden:

Der linke Artikel gibt allen Lesern eine zweite Chance.

Oder auf die Scheidung von Melinda und Bill Gates. Wir haben das Prinzip verstanden: besser als Weissraum, besser als schwarze Löcher auf der Webseite des einzigen Organs mit Regenrohr im Titel ist die Wiederholung. Es gibt immer mehr ältere Leute. Es gibt immer mehr vergessliche … Oh, auf die Schliche gekommen? Ja, das steht am Anfang des Artikels schon. Na und?

 

Der Tagi kann auch anders

Nämlich so:

Aber hallo, hat die Meisterin der Deppen-Sternchen endlich ein Einsehen mit den Lesern, die es ja doch neben den Leser*innen oder Leserinnen* gibt? Leider nein; wahrscheinlich ist Salome Müller mal wieder in den Ferien. Daher führt Lisa Aeschlimann auf ihre Art den Feldzug gegen eine korrekte Verwendung der Sprache fort.

Die Dame kann offenbar Multitasking, denn nebem dem Betexten des Newsletters hat sie gerade ein Interview mit ihrer Co-Chefredaktorin geführt. Denn die hat, echt wahr, ein Buch geschrieben, mitsamt Co-Autorin, vielen bunten Bildern und noch mehr unbekannten Frauen, die zur neuentdeckten Frage Stellung nehmen: Was erwartet uns jenseits der 40? So neben der Menopause?

Nun ist es leider so, dass diese Frage (und die Antworten) weder die Kritiker, noch das Publikum interessieren. Um das zu ändern, gönnt sich die Co-Chefredaktorin ein Interview durch ihre Untergebene Aeschlimann. Harte Fragen und Nachhaken sind so garantiert. Allerdings steht «Das neue 40» auf Verkaufsrang 419 bei books.ch.

Unter diesen Umständen kann man nicht wirklich von einem Bestseller sprechen. Vielleicht interviewt sich Priska Amstutz das nächste Mal einfach selber. In der Verzweiflung sollte man alles probieren.

 

Verzweiflung bei «watson»

Zugegeben, es ist bitter, eingestehen zu müssen, dass es ein Flop war, ist und bleibt. Aber wenn  Wanner Junior eher Unausgegorenes zur Abschaltung von UKW-Sendern in der Schweiz sagt, kann sein Papa und Patriarch schlecht etwas Schlechtes über Familienprojekt «watson» sagen. Gut, das tut das Dumpf-Internetblatt zur Genüge schon selber:

Immer ein guter Ratschlag.

Nur, hier erhebt sich zudem die Frage, wieso «watson» nicht auf drei zählen kann:

«Das Vergnügen haben zwei Watson-Redaktorinnen«, erwähnt «watson» im Lead. Ich gebe zu, dass Mathematik nicht mein stärkstes Fach war. Bis ich ihr endlich entrinnen konnte, hoffentlich für lange.

Inflationär verwendet «watson» eines der unappetitlichsten Wörter, auf das man erst mal kommen muss:

Kein Thema zu klein, um nicht Porn zu sein.

Es ist halt bitter, wenn man vor versammelter Belegschaft nicht zugeben kann, dass das Massengrab «watson» ein Flop war, ist und bleibt. Genauso wenig, wie dem eigenen Sohn sagen zu müssen, dass er seine Antworten zur UKW-Senderabschaltung vielleicht wenigstens vorher zehn Sekunden bedacht hätte. Nur zehn Sekunden.

Aber wie sagte schon Karl Kraus so richtig: Im Wort Familienbande steckt ein wahrer Kern.

 

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