Erinnert sich noch jemand an den Tamedia-Protest?

Es wurden Behauptungen aufgestellt, ergänzt mit Forderungen und Ultimatum. Und jetzt?

Zunächst 78 Frauen unterzeichneten ein Protestschreiben, das sexistische, diskriminierende, frauenfeindliche, demotivierende Zustände bei Tamedia beklagte. Ergänzt mit rund 60 anonymen, unbelegten «Beispielen» dafür.

Nachdem das – entgegen der Absicht vieler Unterzeichner – an die Öffentlichkeit gelangte, gab es erwartungsgemäss ein Riesenhallo. Die beiden Promotorinnen schafften es sogar als Fokus-Thema in eine Ausgabe von «10 vor 10». Die schlimmsten «Beispiele» wurden überall fleissig zitiert; die anderen Medienhäuser, nachdem sie sich versichert hatten, dass so ein Blödsinn bei ihnen nicht passiert, zeigten sich indigniert.

So ging das dahin, und dann ging es den Weg aller Strohfeuer. Der Brief hat das Datum 5. März. Am Tag der Frau, also am 8. März, ging das grosse Gewese los, schleppte sich durch die Gazetten, in Talkshows, wurde Thema im Radio. Strengste Untersuchungen wurden angekündigt, der Oberchefredaktor von Tamedia war so geknickt, dass er sich gleich präventiv entschuldigte.

Oder doch nicht?

Dafür müsste ihm eigentlich das Journi-Patent weggenommen werden. Sich entschuldigen, aufgrund durch nichts belegter Behauptungen und anonymer Beispiele? Hat der ein Schwein, dass es keinen Führerschein braucht, um einen Medienkonzern journalistisch zu führen.

Grosse Töne spucken, und dann?

Aber, das alles könnten wir endgültig vergessen und darunter abhaken, dass sich so einige Redaktorinnen eine Arbeitsplatzgarantie verschafft haben. Wenn da nicht ein Satz in diesem Brandbrief stünde, ganz am Schluss und drohend:

«Wir erwarten bis zum 1. Mai 2021 konkrete Vorschläge zur Umsetzung unserer Forderungen und eurer «verbindlichen Ziele». Ausserdem erwarten wir, dass die detaillierte Überprüfung des Betriebsklimas bis Anfang 2022 transparent gemacht und gegebenenfalls weitere Korrekturen vorgenommen werden.»

Wenn wir uns bei ZACKBUM nicht täuschen, haben wir nun Mai. Weder von konkreten, noch abstrakten Vorschlägen haben wir gehört. Obwohl bereits der 5. Mai da ist, aber nichts neu macht.

Das erinnert an den alten Scherz: Ich fordere sie ultimativ auf, das zurückzunehmen. – Nö. – Okay, dann ist der Fall für mich erledigt.

Daher kann man sich aussuchen, ob man dieses Protestschreiben, seine Verbreitung in der Öffentlichkeit durch Jolanda Spiess-Hegglin, die sich einen Scheiss darum gekümmert hat, ob auch alle 78 Erstunterzeichnern damit einverstanden sind, und alles anschliessende, tief betroffene Gemurmel ein Trauerspiel war – oder reiner Slapstick.

Zumindest der Sache der Frau, den im Schreiben formulierten Anliegen wurde ein Bärendienst erwiesen, meinetwegen auch ein Bärinnendienst. Denn Lächerlichkeit tötet. Bis 1. Mai eine Reaktion auf den Forderungskatalog, von Anstand bis Vertrauenspersonen. Nein? Dann halt nicht. Unerträgliche Arbeitsbedingungen für Frauen auf den Redaktionen, «wir sind nicht länger bereit, diesen Zustand länger hinzunehmen.» Oder doch.

Das Protestschreiben mondete nur zwei Mal

«Viele dieser Forderungen sind bereits bekannt.» Na dann. «Wir haben sie im Rahmen des Frauenstreiks 2019 formuliert.» Schön. «Sie sind in den vergangenen eineinhalb Jahren noch dringlicher geworden.» Na, da können sie locker noch weitere Jahre reifen.

In nur 60 Tagen ist der ganze Aufstand schon verwelkt, werden die angeblich so schlimmen Arbeitsbedingungen wieder stillschweigend ertragen. Ach, die Nummer mit: es hat doch etwas bewirkt, Zeichen gesetzt, Fanal, Männer sind nun weniger übergriffig als vorher? Ja, ja, das sagt man immer, wenn etwas zusammengebrochen ist.

Abschneiden, ernten.

Tamedia hat weitgehend richtig reagiert. Zuerst tiefe Betroffenheit geheuchelt, der Oberchefredaktor ging sogar so weit, sich für völlig belegfrei behauptete verbale Übergriffe zu entschuldigen. Da hatte er zu viel Gas gegeben. Dann verkündete er stolz, dass eine der Mitunterzeichner damit beauftragt worden sei, das Ganze nun zu untersuchen.

Muss und will. Aber auch kann?

Wahrscheinlich galt sie neutral genug, weil sie zwar unterschrieben hatte, aber bei Roger Schawinski fröhlich verkündete, dass sie selbst noch nie solche männlichen Verhaltensweisen erlebt habe. Nach scharfem und langem Nachdenken verkündete Arthur Rutishauser dann, dass das mit Claudia Blumer vielleicht doch keine so gute Idee war. Sie wurde zur «Vertrauensperson» herabgestuft, der man (und vor allem frau) sich ungeniert anvertrauen könne.

Die eigentliche Untersuchung, wie es sich überall gehört, werde dann extern  durchgeführt. Man sei da schon in Verhandlungen, könne aber noch keine Namen nennen. Seither müffelt alles vor sich hin.

Wir haben die beiden Erstunterzeichnerinnen gefragt, welche Massnahmen nun geplant sind, ob sie per 1. Mai eine Reaktion von Tamedia erhalten haben. Die Antwort ist – Schweigen. So wie schon auf alle vorherigen Anfragen von ZACKBUM.ch, die wir auch schon an alle Unterzeichnerinnen – und Nicht-Unterzeichnerinnen – schickten. Darauf hörten wir – einen Schweigechor von mehr als 100 Frauen. Meckern ja, auf Fragen antworten nein. Wenn das nicht männerverachtend, lächerlich, schwach ist, also das Vorurteil des schwachen Geschlechts bedient, dann weiss ich auch nicht.

 

 

14 KOMMENTARE
  1. Morgenpost
    Morgenpost says:

    Kürzlich hat die SNB an ihrer GV bekannt gegeben: Keine Belästigungen, kein Mobbing, einfach nichts. Alle Anschuldigungen über internes Mobbing oder sexuelle Anzüglichkeiten stimmen nicht. So wird es auch beim Börsenkotierten Konzern aus Zürich sein.

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  2. .Victor Brunner
    .Victor Brunner says:

    Artikel zum Dr. Chefredaktor:
    «Sich entschuldigen, aufgrund durch nichts belegter Behauptungen und anonymer Beispiele». Immer wieder ein Brüller. Der Herr hat sich selber disqualifiziert als unfähige* und manipulierbare Führungsperson. In «10 vor 10» auf Wappler TV haben auch Müller und Hiltmann manipuliert. Behauptungen ohne Beweise. Dass die Verantwortlichen von Wappler TV nicht kritisch nachhakten ist ihrer feministischen Kriecherei zu verdanken.

    Da ist es nicht verwunderlich dass die Erstunterzeichnerinnen des Briefes auf kritische Fragen nicht eingehen. Sie lieben Wellnessgelabber und scheuen die Wahrheit, sie sind Erzähltanten und keine Journalistinnen. Eine gute Journalistin von Tamedia hat den Brief nicht unterschrieben, sie wollte Fakten und keine unbelegte Pauschalierungen!

    Tamedia hat 2 Probleme:
    – einen zu hohen Anteil an Frauen die Journalismus nicht können, für die Frauen bei
    Tamedia eine Art «Gut Aiderbichl» wo sie für wenig Leistung gut bezahlt werden!

    – der unfähige Dr. Chefredaktor der Zeitung nicht kann. TA heute:
    Bern: AUSNAHMSWEISE gute Berichterstattung.
    Meinungen und Ausland: «Der Mensch, das Herdentier», von Martin Zips, Süddeutsche.
    Artikel über Kolumbien, Indien, Macron, Gates-Scheidung, G7-Treffen, Somaliland, alle Artikel von der Süddeutschen übernommen. Und immer noch steht im Kopfe der Zeitung «unabhängig», dabei ist sie in der Auslandberichterstattung in grossem Masse von München abhängig!
    Zürich:
    1. Seite Buchempfehlung, eingepackt in «Das erste Fonduerrezept entdeckt». Autorin wahrscheinlich Freundin von Helene Arnet. 3. Seite: Artikel über vier Frauen und was ein Nagelstudio mit Feminismus und Emanzipation zu tun hat. 5. Seite: Gelegenheit macht Raser, 7. Seite: Artikel über einen Jungbrauer!

    Zürich ein ländlicher Kanton und eine ländliche Stadt, mit Buchempfehlung, Werbung für ein Nailstudio und einen Jugbrauer erschöpfend abgehandelt! Natürlich sind auch Stäuble und Amstutz zuständig für den TA, aber unter einem mittelmässigen Chef kommt kein besseres Kader!

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    • Rolf Karrer
      Rolf Karrer says:

      Bravo Victor Brunner mit einer messerscharfen Einschätzung. Bei dieser Tamedia hat es in der Tat einen hohen Anteil an Frauen in den Journalismus «gespült», die die Erwartungen nicht erfüllen können.

      Beim Tagesanzeiger darf der eingeschüchterte Oberchefredaktor Rutishauser einer Frau nicht mehr kundtun, dass sie ungenügend arbeitet. Unmöglich.

      So legt sich eine publizistische Unternehmung selber lahm……….

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  3. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    Diese Ruhe ist sehr trügerisch. Hat die Unternehmensführung in einem Anfall von Autorität diesen Frauen die Knöpfe eingetan? Die Folgen wären noch mehr Zorn und Wut, was in einen hasserfüllten Racheakt münden würde. Oder wurde ein Friedenshandel geschlossen? In diesem Fall würden die nächsten Forderungen in Bälde artikuliert werden.

    Dass ausgerechnet Rädelsführerin Claudia Blumer gar nie solche männlichen Verhaltensweisen erlebt habe, erinnert an eine verwandte Sache: Jammert eine Frau über Lohndiskriminierung, und man fragt sie darauf, ob sie selbst nachweisbar davon betroffen ist, oder eine Frau kenne und benennen könne, bei der das zutreffe, dann kommt jeweils: Nichts. Vielleicht noch ein «ist aber im Fall schon so», ein lügenhaftes herauswinden und ablenken.

    Aber hey, man kann es ja versuchen, Verbesserungen einzufordern mit schreien, gifteln, diffamieren, beleidigen, beschämen, beschimpfen. Dass dies kontraproduktiv ist und das Verhältnis nachhaltig zerstört, das scheint diesen Aktivistinnen völlig egal zu sein. Oder sie sind schlichtweg zu dumm.

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  4. Sam Thaier
    Sam Thaier says:

    (Hohes) Gras darüber wachsen lassen. Frauen mögen folkloristische Rituale sehr, auch wenn sich dies bloss in der pinken Kleidung manifestiert.

    Viele dieser empörten Frauen, scheinen sich nun Abgrund tief zu schämen. Die Meisten wurden wohl übel fremdgesteuert, vom Headquarter des geistigen femininen Guerillakampfes in Zug.

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  5. Adrian Venetz
    Adrian Venetz says:

    So funktioniert das heute nun mal: Die Hyperbel, einst Stilmittel in Rhetorik und Belletristik, verdrängt die Fakten in Medienhäusern und im Journalismus, die eigene Gesinnung gewinnt Oberhand über die seriöse und uneigennützige Auseinandersetzung mit Tatsachen. Man erinnere sich etwa an die Aussage auf Zentralplus, wonach jede Frau schon mal ein Penisbild erhalten hat und manche Frauen «ganze Alben damit füllen» könnten. Ich warte noch immer auf einen Nachweis dieser Aussage. Um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, braucht es Zeit, Intelligenz und Redlichkeit. Um die Wahrheit zurechtzubiegen, braucht es nur eines: eine blökende Schafherde in den sozialen Medien, die jeglichen Stumpfsinn brav beklatscht und potenziert.

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    • Mario Sacco
      Mario Sacco says:

      Danke Herr Venetz. Sehr gut gesagt mit der blökenden Schafherde – und ihren Claqueurinnen.

      Ob Frau oder Mann, es ist empfehlenswert keine Petition leichtfertig zu unterzeichnen. Wie oft ist eine Schafherde ein Tobel heruntergefallen, weil sie gedankenlos dem Alpha-Schaf gefolgt sind?

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  6. Didier Brunschwiler
    Didier Brunschwiler says:

    Arthur Rutishauser hat das schon richtig gemacht. Mache ich bei meiner Frau zuhause auch so wenn ein Riesen-Drama angesagt ist. Einfach sich mal für alles Asche aufs Haupt streuen wenn die weiblichen Hormone wieder mal verrückt spielen. Auch wenn Mann gar nicht kapiert was eigentlich so schlimm ist. Dann fällt alles ganz schnell zusammen und der Alltag samt Vernunft kehrt zurück und man hat wieder seine Ruhe. Drama Baby, Drama. Frau braucht das von Zeit zu Zeit.

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    • Beth Sager
      Beth Sager says:

      Sie bringen biologische Gründe in die Thematik. Kann gut möglich sein, dass 78 Tamedia-Frauen damals ihre monatliche Unpässlichkeit hatten?

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      • HanspeterR
        HanspeterR says:

        Es kann aber auch sein wie beim Vollmond: Einige «spinnen» nur gerade während des Vollmondes, andere auch 14 Tage davor und danach.

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      • .Victor Brunner
        .Victor Brunner says:

        Habe mich immer gewundert dass die 78 Frauen die Tamedia Führung nicht für den Zyklus verantwortlich machten und kostenlose Hygieneartikel vom Unternehmen forderten!

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        • Adrian Venetz
          Adrian Venetz says:

          Sorry, aber so dämliche Menstruations-Sprüche helfen in der Diskussion nun wirklich nicht weiter. Das hat nichts mehr mit vernünftiger Argumentation zu tun.

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    • Rolf Karrer
      Rolf Karrer says:

      Es ist eine individuelle Angelegenheit – und aber ein Tabuthema. Die menstruell bedingte Launenhaftigkeit am Arbeitsplatz von übersensiblen Frauen, kann das Arbeitsklima nachhaltig strapazieren. Diese orchestrierte, zahnlose Aktion dieser Frauen hat der TX Group enormen Schaden zugefügt.

      War vor drei Jahren auf einem monatigen Trek im Annapurna-Gebiet in Nepal. Meine Reisebegleiterin, eine Ärztin, war sehr überrascht, wie ruhig und gelassen die Nepalesinnnen ihre Tage akzeptieren. Obwohl sie oft weniger als 40kg auf die Waage bringen, schleppen sie Lasten von gegen 20kg die Himalaya-Täler hoch.

      Meine grösste Hochachtung, diesen wunderbaren Menschen gegenüber.

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