Weltberühmt in Entenhausen

Ich kann nichts dafür: Warum muss Aleksandra Hiltmann über «Small Talk» schreiben?

Während ein (!) männlicher (!!) Journalist (!!!) über Sophie Scholl schreiben darf. Die nicht nur eine Frau war, sondern auch eine Widerstandskämpfer:In*. Und dieser Mann bezeichnet sie nicht mal so. Das muss einen weiteren Protestbrief zur Folge haben, wenn die erregten Sexismus-Gegnerinnen bei Tamedia noch etwas Ehre im Leib:In* haben.

Aber über Sex schreibt auch Hiltmann; genauer über Sex im Alter. Da gäbe es in England eine Kampagne, die der «weltbekannte Fashion-Fotograf Rankin» gestaltet habe: «Intimität in Hochglanz», sinniert Hiltmann nicht ganz präpositionssicher.

Auch sonst; der vielleicht früher mal in Entenhausen weltberühmte «Fashion-Fotograf» der sich seit 2009 ein Gnadenbrot bei der weltberühmten Fashion-Show «Germany’s Next Topmodel» verdient.

Oben wird’s auch nicht wirklich hochglänzender.

Ob das von Hiltmann als Illustration gewählte Bild von zwei älteren Homosexuellen, die sich küssen und ans faltige Gesäss fassen, Verständnis für Sex im Alter befördern mag, nun ja.

Wider die strickende Hausfrau. Oder so

Dass Hiltmann sicherlich auch eine Kämpferin gegen das Rollenklischee der alle handwerklichen Tugenden pflegenden Hausfrau ist, versteht sich von selbst. Dass Hiltmann vom neuen «Stricken» schwärmt, «Lismä» zur längst nicht mehr «Alte-Leute-Beschäftigung» erklärt, mag auch sein. Wieso ihr aber in der Haushaltsschule neben dem gesunden Kochen der Unterschied zwischen stricken und sticken nicht erklärt wurde, das fragt sich auch der männliche Leser.

Das ist erstens gestickt, nicht gestrickt. Zweitens potthässlich.

Auch die nächste Produktewerbung lässt mehr Fragen offen, als ein Männerbesäufnis mit Bier beantworten kann. Hier lobt sie den «Bierrucksack». Also das das Dranmechen eines Gestältlis an einen Bierharass. Immerhin fällt ihr noch selbst die Frage ein, wieso man stattdessen nicht einfach Bierdosen in einen Rucksack packt. Tja, weil dieser Beerbag sich dann noch in einen Klappstuhl verwandeln lasse.

Aber noch mehr Fragen hinterlässt das Beweisfoto:

Frau, Blondine, Alkohol: Wahnsinn?

Seit wann müssen Frauen Bierharasse schleppen? Wieso muss es eine Blondine von hinten sein? Dürfen denn Frauen überhaupt an einer Männerrunde zum ungestörten Biertrinken und unverantwortliche Sachen über Frauen sagen teilnehmen?

Nun noch «Frau und Technik»

Auch das nächste Produkt von Hiltmanns Gnaden wird von einem Foto begleitet, das man nur als latent frauenfeindlich bezeichnen kann.

Kann blind schreiben; kann nicht jeder.

Gut, die hier abgebildete Sekretärin, Pardon, Geschäftsführerin, ist dunkelhäutig, das ist soweit politisch korrekt. Macht’s aber eigentlich noch schlimmer. Denn – Frau und Technik – wieso um aller Stehpulte willen soll man denn unter einen vollständig ausgerüsteten Mac noch eine zweite Tastatur mit Maus stellen, auf der man dann offenbar nur 10-Finger-blind anwenden kann? Vielleicht ist da doch noch nicht alles ganz durchdacht.

Achtung, ein neues Leiden wurde gefunden

So, nun müssen alle Sensibelchen wegschauen. Ob männlich, weiblich, divers oder «ich kann mich nicht entscheiden». Denn Hiltmann regt an, darauf phobisch reagierende Zuseher mit einem über den Ort der Qual gelegten schwarzen Balken zu schützen. Zugegeben, es wird immer schwerer, noch neue Formen von Leiden zu entdecken; eigentlich alles schon im Einsatz. Aber gut, wer will, der kann:

Für Piecksphobiker: her mit dem Balken!

Dann noch gegen alte, weisse Männer mit Haaren

Am Schluss noch, wir noch lebenden weissen, alten Männer sind entsetzt über so viel Genderdiskriminierung, diese Reduktion aufs Äusserliche. Wäre das eine Politikerin gewesen, niemand hätte sich getraut, über ihre Frisur zu spotten. Nun ist es aber ein Mann, ein alter Mann. Nämlich Tony Blair, der Ex-Ex-Ex-Premierminister von England. Was hat der getan? Er hat ein interview über Schottland gegeben. Was wurde ihm angetan, und auch Hiltmann stimmt in den Chor der Kritiker ein:

Alle reden über seinen «Vokuhila»? Nein, Hiltmann, nein.

Leider: das ist kein Vokuhila, geschätzte Frau Hiltmann. Das ist einfach längeres, nach hinten gekämmtes Haar. Das hier ist ein Vokuhila:

Meist noch ergänzt mit dem Zuhälterbalken, wie man den kräftigen Oliba dazu nannte: zum vorne kurz, hinten lang kam verschärfend noch der mächtige Oberlippenbart dazu. Aber je nun, wer von Kultur keine Ahnung hat, von Gesellschaft auch nicht, nicht einmal von Sexismus oder Diskriminierung, wieso sollte die von irgend etwas eine Ahnung haben.

Auch auf die Gefahr hin, wieder als Frauenbasher verunglimpft zu werden: wieso um Gutenbergs willen, soll jemand freiwillig für solchen Mumpitz, nicht lustig, karrend geschrieben, gespickt mit Fehlern, etwas bezahlen?

  • Und wieso bezahlt Tamedia etwas für Hiltmann?

Ach, weil sie müssen, nach diesem Protestbrief. Mein Beileid.

5 KOMMENTARE
  1. .Victor Brunner
    .Victor Brunner says:

    Rücksäcke gehören zur einzigen Kernkompetenz von Frau Hiltmann, sie ist global bekannt für ihre «Dissertationen» zu den sperrigen Gestellrucksäcken, die bei jedem Personentransportunternehmen wie Airlines, Busbetrieben gehasst werden. Verständlich dass sie dabei auch Bierrucksäcke entdeckt und ein Beweisfoto vorlegt. Für uns Männer Jubel, auch Frauen mit einem knackigen Arsch schleppen Bier, ob sie dieses auch trinken?

    Komisch, was bis heute 3. Mai keine Frau aus dem Tamediabubbel theatisiert hat, werder in TA noch auf Social Media. Das Ultimatum an die

    Lieber Marco, lieber Andreas, Liebe Mitglieder der Geschäftsleitung, Lieber Arthur, Liebe Mitglieder der Chefredaktion

    ist abgelaufen. Wurden von den Angesprochenen konkrete Vorschläge gemacht wie das tiefe Leid, die permanenten Unterdrückungen, der latente Seximus der geilen Böcke an der Werdstrasse bekämpft werden kann. Wie die Wellnessoase Werdstrasse für die mittelmässig begabte Journalistinnen ausgebaut werden kann? Nichts! Wir müssen auf Salome Müller hoffen dass sie Informationen an JSH weitergibt die diese dann in irgendeiner Form der Öffentlichkeit zugänglich macht!

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    • Beth Sager
      Beth Sager says:

      Frau Hiltmann wird wohl immer eine ziemliche Eigenbrötler_*:in bleiben. Sie sucht Probleme, wo es einfach keine gibt.

      Mein Mann hat einen alten Militärrucksack (danke VBS) und wir frachten so unsere Wein- und Bierflaschen elegant nach Hause. Designerwerkzeuge und sperrige Bierrucksäcke braucht wohl bloss die Frau Hiltmann.

      Die Grabesruhe bei Tamedia habe ich auch so empfunden. Leckt man dort die Wunden, nach all diesen läppischen Trivialitäten?

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  2. Martin Hirschi
    Martin Hirschi says:

    Es gibt keinen Premierminister von England, höchstens einen von Grossbritannien (oder noch korrekter: des Vereinigten Königreichs). Zeyer, in der Schule nicht aufgepasst? 😉

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  3. Sam Thaier
    Sam Thaier says:

    Hilfe. Dem Soft Journalismus sind die echten Themen ausgegangen. Die «Annabellisierung» von Tamedia braucht einen gewaltigen Reset.

    Die Toasterprobleme von Hiltmann machen Raum, für umständliches Heranschaffen von Bierflaschen.

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  4. Beat Reichen
    Beat Reichen says:

    Werden diese geistig minderbegabten Schreib-Pfeif:Innen* eigentlich von irgend einer Redaktorin fachlich geführt? Ein Mann kann es ja nicht sein, weil der ja nicht wie eine stupide Dumpfback:In* denken kann und sich somit auch nicht äussern darf. Eigentlich darf ich es ja auch nicht….

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