Geld her, oder ich fall um

Lausige Qualität ist das eine. Geldgier das andere. Wie die Privat-Medien am Staatstropf hängen.

Ist es eigentlich eine gute Idee, dass die sogenannte Vierte Gewalt, die Kontrollinstanz der demokratischen Gesellschaft, die Aufdecker, Kritiker, unabhängig, nur ihrem journalistischen Gewissen verpflichtet, immer mehr am Staatstropf hängt?

Ist es überhaupt eine gute Idee, dass das, was reintropft, nach Abzug des Aufwands, in privaten Taschen landet? In den tiefen Taschen von vier Clans. Da wäre der Ringier-Clan, der Coninx-Clan, der Wanner-Clan und der Lebrument-Clan. Dann hätten wir noch den Sonderfall NZZ, und das war’s dann schon mit der pluralistischen Meinungsbildung im Bereich Tageszeitungen.

Wie formuliert da Bruno Hug, Präsident Verband Schweizer Onlinmedien (VSOM):

«Die Verleger werden zu Schosshündchen der Politik.»

Und die Journalisten sind schon längst zu Zierleisten geworden, die sich geschmeidig in die Richtung biegen, die dem Besitzer-Clan zusagt.

Der Gebührensender ist nicht wirklich ein Gegengewicht

Natürlich, es gibt als Informationsquelle noch die gesammelten Gebührensender von SRG, aber sind die wirklich ein valables Gegengewicht? Seitdem auch hier immer mehr die Bauchnabelbetrachtung Einzug gehalten hat, ist das noch mehr zu bezweifeln. Sandro Brotz, als Beispiel, sollte sich als Chef im Ring der «Arena» besonderer Zurückhaltung befleissigen in öffentlichen Meinungsbekundungen.

Nun beschimpft er Demonstranten gegen die Corona-Massnahmen der Regierung als «Flacherdler», also als Idioten. Kaum entfacht er damit einen Shitstorm, zieht er sich beleidigt zurück und darf sich dann in einer Sendung «Journalisten therapieren Journalisten» ausheulen.

Zurück zu den Steuergeldern, die in diese privaten Verlagshäuser ins Portemonnaie geworfen werden. Da gäbe es die Zustellungssubventionierung. 50 Millionen im Jahr. Plus rund 80 Millionen Corona-Hilfe. Plus, plus, plus, das läppert sich am Schluss ganz schön. Ein ganz dicker Brocken sind die zusätzlich-zusätzlichen Hilfen und Guetzli. Hier noch 20 Millionen drauf, und wenn wir schon in Fahrt sind, machen wir doch gleich 172 Millionen Corona-Hilfen. Für die nächsten zehn Jahre, versteht sich. Manche kriegen aus schierer Grösse nochmal speziell etwas obendrauf.

Geld schiesst aus allen Rohren in die Privat-Medien

Ticker-Meldungen von Keystone-SDA: geschenkt. Damit füllen viele Organe schon die Hälfte ihrer News-Seiten. Kurzarbeit? Natürlich geht das, gibt’s auch dafür noch Guetzli, wieso denn nicht.  Da freut sich der Steuerzahler. Unschlagbares Geschäftsmodell:

der Käufer liest in seiner Zeitung das, was er vorher subventioniert hat.

Gleichzeitig dünnt sich der Inhalt immer mehr aus, kassieren einige Medienhäuser (nicht alle) Kurzarbeitsgeld, auch mit freundlichen Grüssen des Steuerzahlers. Der dann natürlich nochmal abdrücken muss, und zwar happig, wenn er den blamabel-banalen Inhalt der Tageszeitung morgen im Briefkasten haben will. Oder ihn im Internet abrufen möchte.

Wer sich zuvorderst bei den Geldtöpfen anstellen darf? Das führte natürlich zu ein paar unschönen Szenen, bei denen gerempelt, getreten und gebissen wurde. Gesamtergebnis: der Steuerzahler drückt immer mehr an Mitleid erheischende Medienkonzerne ab. Bezahlt doppelt und dreifach für das Produkt.

Die Tageszeitungskonzerne wissen natürlich, wo ihr Platz ist. Um gut Wetter für die letzte Subventionsrunde zu machen, lobten sie die Massnahmen des Bundesrats über den roten Klee. Den sie vorher noch harsch kritisiert hatten. Inzwischen sind sie alle auf Linie. Coronamassnahmen-Skeptiker? Alles Corona-Leugner, brandgefährlich. Jede Art von Gegenwehr gegen staatliche Zwangsmassnahmen und den Verlust fundamentaler Freiheitsrechte? Alles verkappte Rechtsnationale, Hetzer, mit üblen Hintergedanken.

Was sind die wahren Ursachen für den blamablen Zustand?

Und wodurch ist diese Misere überhaupt erst entstanden? Durch Corona? Nicht wirklich. Sie ist daraus entstanden, dass die Clans über viele Jahre hinweg neben den Zeitungsdruckmaschinen eigentlich auch Gelddruckmaschinen hätten aufstellen können. Sie verdienten sich ganze Berge goldener Nasen. Dafür gaben sie das Geld natürlich nicht aus.  Aber für Villen, Yachten, Feriendomizile, Kunstsammlungen, schicke Autos, was man halt so alles braucht.

Kaum einen Rappen gaben sie für etwas mindestens so Wichtiges aus: wie soll’s denn weitergehen, nach Internet und seiner Gratiskultur? Ach, wird doch von selbst wieder verschwinden, dachten die Clans, davon lassen wir uns doch nicht vom Geldzählen abhalten.

Zukunftsperspektiven? Neue Spielregeln, neues Spiel? Wie bringt man Internet, elektronische Medien und Print sinnvoll unter einen Hut? Was haben eigentlich die ganzen Jahre die hochbezahlten Manager gemacht, die doch sonst gerne und ungefragt ihren Latz überall reinhalten? Und von der staatstragenden Aufgabe der Medien salbaderen?

Die Zeitungsbünde wurden immer dünner, die Redaktionen immer menschenleerer, die Eigenleistung immer kläglicher. Meinungskommentare, Fachleute interviewen, Hehlerei mit der Beute von Geschäftsgeheimnissen betreiben. Die Beine weit, aber ganz weit spreizen, wenn es um die Verwischung des Unterschieds zwischen redaktionellem Teil und bezahlter Werbung geht. Eigenleistung? Überschaubar, bescheiden, ärmlich.

Einmaliges Geschäftsprinzip: weniger Leistung, dafür teurer

Das hindert aber selbst die Kopfblätter nicht daran, die Abopreise immer wieder zu erhöhen. Kapitalismus absurd: mehr Geld für weniger Leistung. Da laufen die Direktzahler scharenweise davon. Lösung: mehr Staatskohle, noch weniger Content, Bezahlschranke hoch, runter, hoch und runter.

Wohin soll die Reise gehen? Könnte es sein, aus welchen Gründen auch immer, dass jeglicher zukunftsfähiger Ansatz fehlt? Bei allen? Da wüssten wir was: «Neues Deutschland» und «Prawda» gibt es heute noch. Beide nicht mehr im Besitz des sozialistischen Staates. So rum geht’s also. Wieso nicht die «Neue Schweiz» und «Die Wahrheit»? Die Unterschiede zwischen einem Tamedia-Kopfblatt und einem von CH Media sind ja heute schon nur schwer auszumachen.

Da kann gewaltig gespart werden. Die Konzerne werden verstaatlicht, die Clans bekommen ein letztes Mal einen Riesenbatzen Geld, und niemand muss mehr das verlogene Lied der staatsunabhängigen Vierten Gewalt singen.

6 KOMMENTARE
  1. Christoph J. Walther
    Christoph J. Walther says:

    In Deutschland ist man jetzt (vorerst) zur Besinnung gekommen und hat die angedachte Förderung für Presseverlage «nach intensiver Prüfung der verfassungs-, haushalts- und beihilferechtlichen Umstände und nach sorgfältiger Abwägung aller betroffenen Interessen» gestoppt. 
    https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/digitalisierung-bund-stoppt-geplante-millionenfoerderung-von-presseverlagen-vorerst/27136918.html

    Die Verleger stimmen sich derweil auf die nächste Legislatur ein:
    https://www.bdzv.de/service/presse/pressemitteilungen/2021/verlegerverbaende-kritisieren-vorlaeufiges-scheitern-der-pressefoerderung
    Da das Bundeswirtschaftsministerium seinen Entscheid wohl noch ausführlich darlegen wird, bleibt zu hoffen, diese Überlegungen würden auch in helvetischen Amtsstuben gelesen. 

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    • .Victor Brunner
      .Victor Brunner says:

      Wäre auch in der Schweiz wünschenswert, eine wirklich freie und unabhängige Presse. Aber leider sind die Verleger fett geworden, haben fette innovationslose Manager bestellt, diese wiederum haben genügsame Chefredaktoren installiert, diese haben mittelmässig gebildete und an Erfahrung arme JournalistenInnen auf die Payroll genommen. Dass da «Frei» kein Ziel mehr ist sondern Hemmschuh um an die Steuergelder zu kommen versteht sich!

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  2. .Victor Brunner
    .Victor Brunner says:

    Die sogenannte 4. Gewalt ist heute eher die 4. Vergewaltigung. Leser die eine Zeitung lesen bezahlen dafür über das Abo oder den Einzelkauf. Zusätzlich über die Steuern an denen sich die Verleger schamlos und immer mehr bedienen. Leute die keine Zeitung lesen müssen auch bezahlen über die Steuern. Es ist das System Landwirtschaft, zweimal bezahlen, über den Kauf des Produktes und über die Steuern. Verständlich dass die angestellten Schreiberlinge der Verlagshäuser das System nicht in Frage stellen, soviel zur 4. Gewalt.
    :
    Das ganze nennt sich Presseförderung. Das Gegenteil ist der Fall, je mehr Steuergelder fliessen je mehr nimmt die Qualität ab, täglich zu beobachten. Was geschieht mit den Geldern? Sie dienen der Dividendensicherung der Verleger, der Existenzsicherung des Management das kopieren als Innovation betrachtet, Heerscharen von selbstgefälligen JournalistenInnen mit mittlerer Kompetenz und beschränkter Leistungsfähigkeit.

    Brüller heute zur Selbstgefälligkeit, oder das Verlangen nach permanenter Onanie, im TAonline. Priska Amstutz, Chefredaktorin TA, schreibt mit Leoni Hof (wer?) ein Buch: «Das neue 40». Dazu gibt es ein bonusrelevantes Wellnessinterview von Silvia Aeschbach mit ihrer Chefin

    https://www.tagesanzeiger.ch/das-erwachsenwerden-hat-sich-nach-hinten-verschoben-813627947408.

    Natürlich mit grossem Bild, Getty Images,3 und 3 Infokasten:
    1. Hinweise zu Priska Amstutz und Föteli, warum sieht Amstutz im ZüriTipp jünger aus, Photoshop?;
    2. Hinweis zum Buch «stellt inspirierende Frauen vor und geben Tipps zu privaten, beruflichen und gesundheitlichen Themen»;
    3. «Bestseller-Autorin» Silvia Aeschbach, Bestseller ab 100 Exemplaren die über den Ladentisch gehen?

    Immerhin erfahren wir einiges im Interview. Amstutz befasst sich in dem Buch nur mit Menschen aus ihrem Umfeld, Bubble, rufen wahrscheinlich täglich an und sagen «Priska du bist super». Normalos gehören bei ihr zur minderen Kasten die sind nicht inspierierend. Im Interview wichtig für Zeyer. Amstutz: «…Was mich betrifft, so habe ich das Gefühl, dass ich erwachsen geworden bin….». Also bei Amstutz nicht mehr den Begriff Kindersoldaten verwenden.

    Ich gratuliere Amstutz zum erwachsen werden, hoffentlich manifestiert sich das in ihrer Arbeit, weibliche Schüler*aufsatzlieferanten hat der TA zur Genüge! (* für die Müller*in).

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  3. Sam Thaier
    Sam Thaier says:

    Richtig. Unterschiede zwischen den Tamedia-Kopfblättern und von CH Media gibt es kaum mehr. Sie nennen sich ja nun keck «Forum-Zeitungen». Forum = Portale oder Zeitungen, wo Meinungen, Gedanken und oft auch Dateien ausgetauscht und diskutiert werden.

    Interessanterweise wurden bei CH Media die online-Kommentare vor einem Jahr mehrheitlich gekappt. Offenbar war es dieser Redaktion zu mühsam, sich dort mit engagierten Leserkommentaren herumzuschlagen. «Forum» ad absurdum geführt Herr Oberchef Patrick Müller.

    Mein Vorschlag: Medienunternehmen, die ihre LeserInnen vom Meinungsaustausch ausschliessen, müssten schon einmal vom Honigtopf des Bundes ausgeschlossen werden.

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    • Beth Sager
      Beth Sager says:

      Verleger Peter Wanner in der heutigen Aargauer Zeitung: «Wir sind überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir sind im Entertainment die Nummer 1 unter den privaten Schweizer Medienhäusern und im Publishing die Nummer 2, in der deutschen Schweiz aber auf Augenhöhe mit Tamedia. Das sind grundsätzlich gute Voraussetzungen. Wir haben viele Talente, und auf zwei Beinen steht es sich einfach besser als auf einem.

      Ein wahrlich stolzer Mann – und Nummer 1 in der Unterhaltung. Mit einem solch selbstzufriedenen Triumph, kann man sich den freien Blick nach vorne verbauen.

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