Schawinski und die Radio-Zwerge

Wer keine guten Argumente hat, verspritzt Häme und zielt auf den Mann. Ein weiteres Trauerspiel der Medienmanager.

Eine Ausnahme sei lobend erwähnt. Sandro Benini bemühte sich bei Tamedia um eine einigermassen ausgewogene Darstellung des Problems, der beiden Positionen und liess nur eine leise Präferenz erkennen, dass doch nicht alle anderen falsch lägen, nur Roger Schawinski recht habe.

Das brachte ihm dann am Sonntag eine Einladung in Roger Schawinskis «Doppelpunkt» ein, wo er den entschiedenen Gegner der Abschaltung aller UKW-Sender in der Schweiz befragen, kritisieren, beharken durfte, und natürlich auch selber einige Körpertreffer einstecken musste.

Dass die federführende SRG und die BAKOM-Bürokraten keinen Anlass zur Beunruhigung sehen, ist klar. Nachdem sie 20 Jahre lang ziemlich viel Geld ausgegeben haben, um DAB sowie DAB+ den Schweizern beliebt zu machen, probieren sie es nun mit Gewalt. Denn immer noch verfügen 58 Prozent aller Autos nicht über DAB, benützt nicht einmal die Hälfte aller Radioempfänger diese Übertragungstechnologie.

Die Zukunft ist völlig klar. Natürlich VOIP, Streaming und Internet

Die Zukunft liegt im Internet; sobald 5 G überall erhältlich ist, kann man auf DAB wohlgemut verzichten. UKW benützen auch noch die Mehrheit der Automobilisten in Zentraleuropa, die wären dann in der Schweiz plötzlich in einem schwarzen Loch. Verkehrsdurchsagen, Unterhaltung? Sendepause.

Noch putziger: laut europäischen Vereinbarungen muss jedes Land, auch die Schweiz, in längeren Tunneln die Versorgung sicherstellen – mit UKW. Also, es gibt schon ein paar Argumente auf der Seite von Schawinski. Weniger, dass der alte Radiopirat in der Abendsonne seiner Karriere nochmal Pizzo Goppera wiederholen möchte. Nochmal einer gegen alle geben.

Die Radio-Zwerge haben keine Botschaft.

Aber diesmal im Kampf für eine veraltete Technologie, gegen eine neue, moderne, die halt ein 75-Jähriger nicht mehr so ganz versteht. Nun ist dieser 75-Jährige aber noch viel fitter bei solchen Fragen als die managenden Durchschnittslangweiler, die bei den inzwischen verklumpten privaten Sendestationen das Sagen haben. Oder – durchaus Nordkorea ähnlich – qua Geburt in diese Position gerutscht sind. Da wird’s dann richtig peinlich.

Wer etwas sagt, aber nichts zu sagen hat …

So machte Florian Wanner, von Beruf Sohn, aber auch Leiter Radio von CH Media, den Fehler, ein Interview zu geben. CH Media hat sich den grössten Brocken an Privat-Sendern zusammengekauft. Also ist sein Wort sicherlich wichtig.

Gleich mit seiner ersten Antwort auf die Frage, was er denn von Schawinskis Kampf gegen die Abschaltung von UKW halte, machte er sich’s im Fettnäpfchen bequem: «Ich musste schmunzeln und war nicht überrascht. Es ist eine schöne Geschichte für ihn. Er war der Erste unter den Privaten – und möchte offensichtlich auch der Letzte sein.»

Da hat er’s ihm aber gegeben. Nun kommt jedoch der wirklich blöde Teil für Wanner Junior; was hat er denn für Argumente gegen Schawinski? DAB+ sei eine gigantische Fehlinvestition, sagt der. «Kann man sicher kritisch hinterfragen», sagt Wanner. Man spare kaum etwas durch die Abschaltung, da die Infrastruktur längst abgeschrieben ist: «Der Unterhalt ist günstig, aber es würden Neuinvestitionen kommen», sagt Wanner. In Irland betrage der Anteil von DAB+ kümmerliche 0,5 Prozent. «Ich kenne die Situation in Irland nicht», sagt Wanner, er sehe das auch nicht aus der Perspektive «kleiner Regionalsender wie Radio 1».

DAB sei sowieso höchstens eine Übergangstechnologie. «Diese Aussage hat einen Wahrheitsgehalt», sagt Wanner. Aufschrei in der Bevölkerung, ausländische Automobilisten? Ja, das seien sicher Themen, meint Wanner. Und nachdem er das Interview frei von Argumenten durchgestanden hat, kommt noch der Knaller am Schluss. Ob er denn einer der Manager und Bürokraten sei, über die Schawinski herzieht.

Seine Antwort fürs Poesiealbum:

«Nein. Ich sehe mich als vorwärtsgerichteten Medienmanager, welcher Chancen nutzt.»

Das muss ihn offenbar dermassen auslasten, dass er vor der Debatte mit Schawinski im Clubhouse von persoenlich.com kniff. Vielleicht wurde ihm doch gesagt, dass ein HSG-Studium und Mitglied eines Familienclans zu sein, nicht unbedingt ausreiche, um eine Debatte mit Schawinski zu bestehen.

Wer etwas sagt, aber vieles ungesagt lässt …

Wenn es um Untergriffe geht, ist Kurt W. Zimmermann immer vorne dabei. Wie er schon gegen den designierten NZZaS-Chefredaktor Jonas Projer mit erfundenen und ausschliesslich auf «anonymen Quellen» beruhenden Verleumdungen zu Felde zog, erfindet er in seinem Nachruf für Peter Schellenberg in der «Weltwoche» ein Zitat von Schawinski. Schelli und Schawi hätten sich nicht leiden können, holt Zimmi aus. Schawinski habe Schellenberg «grossspurig» mit seinem Tele 24 herausgefordert und getönt, «dass «der Schellenberg hier bald einmal auf Knien angekrochen kommt». Bald darauf war aber Schawinski auf den Knien und sein Sender gescheitert.»

Das ist etwas launig vom ehemaligen Tages-Anzeiger-Manager Zimmermann, der als frischgebackenere WeWo-Kolumnist über das «gescheiterte Privat-TV-Projekt» von Tamedia herzog. Wobei er es unterliess, zu erwähnen, dass er höchstpersönlich für das Scheitern von TV3 verantwortlich war, ebenso für alle Flops, die er in seiner Kolumne dafür verantwortlich machte.

Offenbar besteht spätestens seither eine Antipathie gegen Schawinski, gespeist aus grüngelbem Neid. Bei diesem Niveau der wenigen verbleibenden Medienkritiker, das wollen wir nicht unterdrücken, kann es eigentlich zukünftig nur noch …

 

6 KOMMENTARE
  1. Christoph J. Walther
    Christoph J. Walther says:

    Das Putzige an der Sache ist ja, das die so sehr auf Sicherheit bedachte Schweiz (Sirenen, Luftschutzkeller) bei der Kommunikation im Katastrophenfall weiterhin auf UKW setzt, weil die Notsendeanlagen so gebaut sind. Dazu das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS: «Wenn aber im Alltag kein UKW-Empfang mehr existiert, müssten die Radiohörerinnen und -hörer im Katastrophenfall, in dem die normalen Sendeanlagen ausfallen, auf UKW umstellen, um die behördlichen Informationen empfangen zu können.» https://www.vbs.admin.ch/de/aktuell/meldungen/wissenswertes.detail.news.html/vbs-internet/wissenswertes/2018/181113.html

    Und: hat schon jemand ein Mobiltelefon gesehen, das DAB kann? UKW können alle…

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      • Andreas Willy Rothenbühler
        Andreas Willy Rothenbühler says:

        @ Peter B. Vor 4 Tagen neues Smartphone ausgepackt und nach ihrer Behauptung nachgeschaut.Es hat selbstverständlich UKW !
        WARUM schreiben Sie nicht unter vollem Namen ?
        Weil Sie lügen ?

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        • Peter B.
          Peter B. says:

          Lieber Herr Rothenbühl, die meistverkauften Handys der Schweiz – also die neusten Modelle des iPhone, Samsung Galaxy und von Huawei – haben keinen UKW-Chip oder die Funktion nicht aktiviert. Es gibt, wie von mir geschrieben, durchaus Ausnahmen (z.B. LG, Motorola, Spezialserien), aber deren Anteil am Gesamtmarkt ist sehr bescheiden. Nein Grund, gleich zur Lügenkeule zu greifen.

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  2. Peter B.
    Peter B. says:

    Ich glaube nicht, dass 5G UKW ersetzen kann. Eine Broadcast-Technologie wie DAB+ ist aus vielen Gründen besser geeignet:
    – Es braucht keinen separaten Vertrag (jedes Internetradio braucht eine SIM-Karte und einen Vertrag mit einem Handyanbieter, der zusätzlich kostet)
    – Es gibt keine Kapazitätsengpässe. Es ist bei DAB+ völlig egal, wie viele Menschen zuhören. Das ist bei 5G anders: Nehmen wir einmal an, auf einer Hauptstrasse entsteht ein grosser Stau, und in der Gegend steht nur eine Handyantenne, die vielleicht auch nur per Richtstrahl erschlossen ist. Dann kann die Bandbreite trotz 5G knapp werden – und Buffering beim Radio ist nun auch nicht das Wahre.
    – DAB+ hat viel bessere Verbreitungseigenschaften. Es braucht viel, und wirklich viel weniger Sender und die Ausbreitungseigenschaften sind viel besser. Handynetze kommen gerade in den Bergen sehr schnell an den Anschlag.
    – Trotz allem ist DAB+ krisensicherer: Es bräuchte im Notfall zwei, drei richtig starke, mit Notstrom versorgte Sender, um fast alle Hörer in der Deutschschweiz zu erreichen. Das ist mit 5G niemals möglich – da bräuchte jede der zurzeit etwa 25’000 Handyantennen eine Notstromversorgung. Das ist undenkbar. (Eine Notstromversorgung bräuchte übrigens auch UKW – die Unterschiede diesbezüglich sind weit weniger gross als behauptet).
    – UKW kommt etwas besser durch Beton, aber DAB+ immer noch viel besser als 5G auf den üblichen Frequenzen.

    Das soll kein Plädoyer gegen UKW sein. Aber die Hoffnungen, die auf 5G gesetzt werden, scheinen mir überzogen. Nicht zuletzt wird ein Schreckensgespenst gezeichnet von Zehntausenden Autofahrern, die für Hunderte Franken neue Geräte kaufen müssen. Das ist schlicht Unsinn – UKW-DAB+-Transmitter gibts für 30 Franken.

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  3. Tim Meier
    Tim Meier says:

    DAB+ hat die teuren DAB Empfänger in Elektronikschrott verwandelt. Nun sollen Millionen von UKW-Empfängern auf der Halde landen weil SRG und BAKOM eine weitere Wegwerf-Technologie pushen wollen?
    Im Auto höre ich lieber dem Bi-Turbo zu als dem endlosen Gequassel der Selbstdarsteller an den Radio-Mikrophonen. Noch mehr Sender ergeben nur noch mehr Gequassel. Die Unterbrechungen durch die Verkehrsdurchsagen reichen und werden in letzter Zeit auch noch mit viel unnötig quälendem Gequassel in die Länge gezogen.

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