Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht

Der Bundesrat beschliesst eine Lockerung der drakonischen Massnahmen. Netz und Medien machen sich ganz locker.

Natürlich hat das Internet viele gute Eigenschaften. Dass hier jeder seine Meinung in die Welt hinausposaunen kann, gehört nicht dazu.

Der «Blick» hält sein Ohr ganz nahe ans Netz, und was hört er? «So viele Tote und Invalide hat noch kein Terrorist oder Attentäter je verursacht wie der Bundesrat mit seinem heutigen Entscheid.» Oder dieser Wutbürger ist auch toll: «Liebe Bundesrepublik Deutschland könnt ihr uns Schweizer bitte annektieren?»

Es ist zu befürchten, dass beide Pass und Stimmrecht besitzen. Natürlich wird auch die Stimme der Jugend gesucht und gefunden. Zum Beispiel Sean, 18, Schüler in Zürich: «Wirklich vernünftig sind die Lockerungen nicht.»

Auch der SDA bleibt nichts anderes übrig, als einen Breitband-Satz einzusetzen: «Von «zu langsam» über «vernünftig» bis «unverantwortlich» reichen die Reaktionen der grossen Parteien auf die Entscheide des Bundesrates vom Mittwoch. Alle fordern jedoch mehr Tempo beim Impfen.»

Der Oberchefredaktor von Tamedia verkündet in allen Kopfblättern: «Endlich hat der Bundesrat gehandelt. Jetzt müssen nur noch die bestellten Impfdosen eintreffen, damit endlich auch in der Schweiz die breite Bevölkerung geimpft werden kann.»

Wo bleiben Einordnung, Analyse und kompetente Meinung?

Die smd-Suche unter dem Stichwort «Lockerung» am Donnerstag ergibt ganze 350 Treffer, und das schon am Morgen. Gibt die Vierte Gewalt auch Orientierung, Einordnung, Analyse, eben all das, was der zahlende Leser für sein Geld erwartet?

Nun, es gibt ja nicht nur die Meinungen in den Medien; sie halten sich auch für so wichtig, dass es Pressespiegel gibt, die eine Meldung über die Meldungen machen.

Das ist aber in diesem Fall gar nicht so einfach; cash.ch kann es nur so formulieren: «Die überraschend offensiven Schritte des Bundesrates zur Lockerung einzelner Corona-Massnahmen werden von den Kommentatoren in den Schweizer Medien mit Erstaunen und Erleichterung, aber auch mit Sorge zur Kenntnis genommen.»

Damit wissen wir nun, woran wir sind. Immerhin, einige haben’s gemerkt, was der einzig interessante Punkt bei diesen Lockerungsübungen ist. Aber nur ganz wenige haben’s auch verstanden. In Deutschland wird, bei ähnlichen «Kennzahlen», die Schraube angezogen, in der Schweiz gelockert. Von den «fünf Kriterien» für eine Lockerung seien hierzulande ganze vier nicht erfüllt.

Trotz Kennzahlen, Indizes, Inzidenz: es wird gelockert

Dennoch wird gelockert. Das ist die gute Nachricht. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als: diese Kennzahlen sind Pipifax. Schon lange aus allen möglichen Blickwinkeln kritisiert und bezweifelt, scheint nun auch der Bundesrat zur Überzeugung gekommen zu sein, dass man sie genauso wenig wie die ewigen Unkenrufe der «Fachleute» zur Richtschnur des Handelns machen sollte.

Nachdem Marcel Salathé seine Schäfchen ins Trockene, bzw. sich selbst in eine angenehme neue Position gewarnt und geunkt hat, wollen wir nur kurz Christian Althaus zitieren. Genau, von dem hat man schon länger nichts mehr gehört, und er ist weiterhin in seiner alten Stellung in Bern anzutreffen. Also hat er Mitteilungsbedarf:

«Ich habe grosse Bedenken, wie sich die Epidemie in der Schweiz nun entwickeln wird.» Diese Bedenken sollten wir ernst nehmen, denn das ist schliesslich ein Fachmann. Gerne hätten wir gewusst, woraus sie denn konkret bestehen.

«Aufpassen, den Sommer nicht zu verspielen», murmelt Althaus noch.

Die Eidgenossen seien erst zu 20 bis 40 Prozent immun gegen Covid-19, das sei viel zu wenig. Also haben wir die Karte «Sommer» auf den Spieltisch gelegt, und weg ist sie, verloren.

Aber auch hier gibt es eine gute Nachricht: auf solches Geschwätz wird immer weniger gehört, denn da ist die Immunisierung viel weiter fortgeschritten. Obwohl Althaus immer noch, trotz all seinen krachenden Fehlprognosen, als «Corona-Experte und Epidemiologe an der Uni Bern» apostrophiert wird. Die Kurzfassung wäre: rausgeschmissenes Geld. Es wird auch noch erwähnt, dass er bis Januar der «Covid Task Force» to the Bundesrat angehört habe. Dieses Ehrenamt gab er dann auf, weil das wenigstens Schlagzeilen brachte und ihm dort andere Epidemiologen zu sehr in der Sonne standen.

3 KOMMENTARE
  1. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Beschämend für die Fachwelt und die Fachspezifische Wissenschaft.
    Wenig solide Daten und schlüssige Resultate, dafür ein Endlos-Hik-Hak der Fachwelt um Positionen und Selbstprofilierung.
    Der Bundesrat:
    Scheint der hat zu einseitig auf die aus dem Bauch heraus, Panikdrescher Fraktion abgestellt.
    (Entlastend für den Bundesrat auch das Internationale Umfeld wirkt hinein. )
    Der hätte von den Experten klar und deutlich fordern müssen
    Forderungen und Empfehlungen bestmöglich mit sauberen schlüssigen Daten untermauern.
    So einiges an gestandenen Wissenschaftlern haben schon vor einem
    Jahr auf besonnenes herangehen plädiert und vor den
    Kollateralschäden gewarnt, ein Jahr „Pandemie“ zeigt im Grobrasterüberblick
    die besonnen Pragmatiker lagen und liegen mit massivem Vorsprung richtig.
    Die Rolle der etablierten Medien nur noch lächerlich, billigste zunehmend nervige Unterhaltung und Dauerpanikdresche.

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    • Tim Meier
      Tim Meier says:

      Wie anderswo zu lesen war, ist man im Westen trotz Pandemieplänen auf den chinesischen Approach aufgesprungen der da heisst: Lockdown & Einsperren.
      Was die Wissenschaft da geboten hat, pass auch bestens aufs Thema «Klima». Nur können dort die «Prognosen» erst in 30 Jahren überprüft werden.

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  2. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    Die Profiteure und Wichtigtuer der Restriktionen sehen ob der Lockerungen ihre Felle wegschwimmen. Deshalb jetzt also die Panik der Panikmacher. Das Mitleid hält sich allerdings in engsten Grenzen. Derweil jubelt der Pfizer-Chef, dass es jährliche Impfungen brauchen werde. Welch ein Milliardengeschäft, welches die Politik für die Pharma eingefädelt hat.

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