Blumers blümerante Weltsicht Teil 3

Blumer Lebenslauf bietet genügend Anhaltspunkte für Motive.

Hier geht’s zu Teil 1, hier zu Teil 2.

Privatsphäre ist Privatsache, persönliche Lebensumstände und Beziehungen sollten in der öffentlichen Beurteilung einer Person keine Rolle spielen. Ausser, es geht wie in diesem Artikel genau um die Privatsphäre, um die Beurteilung und sogar Verurteilung von angeblichen Verhaltensweisen. Basierend einzig und alleine auf den parteiischen Aussagen eines der beiden Beteiligten.

Das ist so absurd, wie wenn man einen Artikel über mögliche sexuelle Übergriffe des Ex-Präsidenten Donald Trump schreibt – und als einzige Quelle nur Donald Trump selbst verwendet, der zugesichert habe, dem Journalisten alle Unterlagen auszuhändigen. Wer das täte, wäre sofort seinen Job los.

Warum ist das bei Blumer nicht der Fall? Leider macht Blumer hier das Gleiche, was sie handkehrum der Mutter vorwirft: sie will nicht auf Fragen antworten. Dabei gibt es mindestens zwei Gründe, wieso auch hier die Darstellung vom Privatleben zwingend geboten ist*.

Blumers Anfänge als Journalistin

Claudia Blumer war mit ihrem damaligen Verleger am Anfang ihrer Karriere zuerst liiert, dann verheiratet*. Der heute fast 70jährige Guido Blumer (er nahm den Namen seiner Frau an) musste 2008 den Untergang des Winterthurer Stadtblatts nach über 100 Jahren als Vollpleite erleben, die ihn seine gesamten Rücklagen kostete.

Blumer strebte nach neuen Ufern und lernte Rudi Bindella Sen. kennen und lieben*. Auch hier ist der Altersunterschied kein Hindernis, Bindella wurde 1948 geboren, Blumer 1980*.

Weder Guido Blumer noch Rudi Bindella Sen. wollten zu diversen Fragen Stellung nehmen. Blumer reagierte nicht, Bindella reagierte gleichlautend mit

«Nein! Das trifft nicht zu.»

Er fügte hinzu: «Ich lege Ihnen nahe, bei einer allfälligen Publikation den Sachverhalt richtig darzustellen und meine Privatsphäre zu achten.»

Das ist nicht die erste Fehlleistung von Blumer

Blumer unterlaufen immer wieder bedenkliche Fehlleistungen; so beschimpfte sie im Mai 2019 den altgedienten Talkmaster Roger Schawinski: «Der Pitbull hat ausgedient.» Sie keilte hemmungslos: Schawinski beherzige die im Ethikcode der SRG aufgeführten «bewährten Regeln des Anstands nie». Dann setzte sie zur Hinrichtung an: «Kaum jemand goutiert mehr Fertigmach-Journalismus, der verächtliche Bemerkungen mit einer kritischen Haltung verwechselt.» So sei das mit Schawinski. Leider ist es Blumer nicht aufgegangen, dass sie damit in erster Linie ein Urteil über sich selbst gefällt hat, denn wer einen Talkmaster mit einem Kampfhund vergleicht und ihn gleichzeitig aufs Altenteil schieben möchte, was macht der denn anderes als Fertigmach-Journalismus?

«Hat ausgedient»: Roger Schawinski mit Harald Schmidt in seiner Talkshow auf SRF.

Man kann also zusammenfassend sagen, dass es keinen erfindlichen Grund gibt, wieso Blumer nicht schon längst entlassen wurde. Sollen ihre Artikel zu internen Schulungszwecken dienen, um an Beispielen zu erläutern, wie man es ja nicht machen sollte?

Auch eine Art Weiterbildung.

Das ist die eher scherzhafte Variante. Aber wie wär’s denn mit dieser Hypothese: Ihr Lebensgefährte ist nicht nur steinreich, sondern auch ein guter Inserent bei Tamedia. Zurzeit nicht so wirklich, da alle seine Restaurants geschlossen sind. Aber das wird ja mal wieder, und dann gibt es noch die Weinhandlung, die Immobilien und, und, und. Nehmen wir an, er habe zum Telefonhörer gegriffen – könnte das die zugeknöpfte, aber massive Reaktion von Rutishauser und Supino erklären?

Alle Beteiligten streiten das ab oder reagieren nicht auf die entsprechende Frage.

Unerklärlich bleibt hingegen bis heute, wieso bei der Verwandten der Mutter, die sich an Supino gewandt hatte, nicht nur sofort ein Mail aus dessen Ferien im Posteingang klingelte. Sondern auch ihr Telefon. Sie nahm nicht ab, aber die Nummer gehört – zum Bindella-Hauptquartier.

Die unaufhaltsame Karriere von Blumer

Wenn sich also jemand intern über die immer wieder sich erweisende Unfähigkeit von Blumer erregt, wird dem dann auch bedeutet, dass er die grösseren Zusammenhänge sehen solle?

Wer würde es deshalb wagen, heute ihre Entlassung zwecks Qualitätssteigerung anzuregen? Niemand. Im Gegenteil, Arthur Rutishauser machte sie sogar zur Untersuchungsrichterin, die die Stichhaltigkeit der anonym erhobenen Anschuldigungen von Tamedia-Redaktorinnen überprüfen sollte. Erst nach längerem Nachdenken merkte Rutishauser, dass es vielleicht doch nicht so schlau sei, eine Mitunterzeichnerin abklären zu lassen, ob die damit von ihr miterhobenen Vorwürfe auch zutreffen könnten.

Inzwischen ist Blumer zu «20 Minuten» wegbefördert worden. Sie übernimmt dort die «Leitung von Politik und Gesellschaft». Eine mehr als merkwürdige Positionsverschiebung. Eigentlich gehörte Medienkritik zu den Aufgaben von Blumer beim Tagi, wo sie sich auch immer gerne als his master’s voice des Konzernchefs Supino gab. Ihre zweite Lieblingsbeschäftigung waren Kommentare. Für und gegen alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Oftmals in der Aussage nicht ganz verständlich, so wie ihr möglicherweise letzter Kommentar über Esther Vilar, die Autorin des damaligen Skandalbuchs «Der dressierte Mann».

Die bezeichnet Blumer als Helfershelferin der Frauenbewegung und der Emanzipation. Ein interessanter Gedanke. Warum nur?

*Siehe die Punkte 21 bis 24 des Schreibens von Tamedia.

Lesen Sie morgen im letzten Teil 4:
Blumers blümerante Beziehungen

10 KOMMENTARE
  1. Rolf Karrer
    Rolf Karrer says:

    Das Wort «blümerant» wirklich eine interessante Umschreibung. Kann ein flaues Gefühl ausdrücken oder auch ein Gefühl von Unwohlsein.

    Diese Wortschöpfung kann auch ein Synonym zu beschwipst, also leicht angetrunken, gebraucht werden. So wird dem einten oder anderen Partygast zu später Stunde vielleicht blümerant zumute.

    Kann wohl bestimmt auch für Journalistinnen verwendet werden, die ihre Recherchetätigkeit versäumen? Frau Blumer dürfte jetzt nach dieser aufschlussreichen Zackbum-Serie blümerant (unwohl) zu Mute sein.

    Antworten
    • Gerold Ott
      Gerold Ott says:

      Habe alles gelesen. Jetzt wird es in der Tat kompliziert mit der Einordnung.

      Vielleicht weiss die «Glückspost» mehr? Vielleicht ist die Lösung morgens im 4.Teil?

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  2. 20 Minuten
    20 Minuten says:

    Sie schreiben: «Inzwischen ist Blumer zu «20 Minuten» wegbefördert worden.» Im Impressum ist Frau Blumer jedoch immer noch beim Tagesanzeiger aufgeführt. Im Impressum von 20 Minuten finde ich keinen Eintrag von Frau Blumer. Verstehe ich das richtig, dass diese «Wegbeförderung» eben kürzlich, so quasi in den letzten 20 Minuten, stattgefunden hat?

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  3. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    Herr Zeyer, Sie erinnern an einen kürzlich nicht mehr wiedergewählten, weltberühmten Politiker:

    Benennt verschwiegene, bewusst unter dem Deckel gehaltene, hässliche Tatsachen; zerrt Heuchelei aus dem Verborgenen ans Tageslicht; lässt sich nicht einschüchtern; pfeift auf Zugehörigkeit und Salontauglichkeit. Als Konsequenz: wird vom Establishment innigst gehasst.

    Sie verzeihen mir bitte den Vergleich. Er ist als Lob gemeint.

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    • Mario Sacco
      Mario Sacco says:

      Dieser (unmögliche) Vergleich eine Beleidigung an Herrn Zeyer. Ein (echter) Lob tönt definitiv anders Herr Ronner.

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      • Roland Schaer
        Roland Schaer says:

        Herr Sacco, Ihre Antipathie gegen den erwähnten Politiker scheint Ihr Leseverständnis dermassen getrübt zu haben, dass Ihnen Herrn Ronners Kernaussage offensichtlich entgangen ist.

        @Herr Zeyer: danke dafür, dass Sie mir ein (fast) tägliches Lesevergnügen bereiten, auch wenn mir der Inhalt manchmal den Magen übersäuern lässt. Weiter so!

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  4. .Victor Brunner
    .Victor Brunner says:

    In allen Lebenslagen hat Heinz Erhard etwas zum Sagen, auch zu Frau Blumer!

    Der Schmetterling

    Es war einmal ein buntes Ding
    ein so genannter Schmetterling.

    Der flog wie alle Falter
    recht sorglos für sein Alter.

    Er nippte hier – er nippte dort
    und war er satt, so flog er fort.

    Flog zu den Hyazinthen
    und schaute nicht nach hinten.

    So kam´s, daß dieser Schmetterling
    verwundert war, als man ihn fing.

    Heinz Erhardt

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  5. Sam Thaier
    Sam Thaier says:

    Bin völlig baff über diese Wendung. Pietro Paolo Supino und Rudi Bindella senior wohl ganz dicke Freunde.

    Sie gehen zusammen durch dick und dünn. In diesem Fall gar durch die Wand………um Schützling Frau Claudia durch diese Misere zu führen.

    Es wird eng an der Werdstrasse.

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