14 Falschaussagen in einem einzigen Artikel

Zehn Tage nach Erscheinen des Artikels konfrontiert die Mutter Tamedia mit einer «Berichtigung der Faktenlage».

Sie schreibt einleitend:

«Der Artikel strotzt nur so von Falschaussagen und Verdrehungen der Tatsachen, die alle durch Gerichtsentscheide widerlegbar sind. Er bewirkt Polemik und setzt Unwahrheiten in die Welt.

Die Journalistin geht von der These Loyalitätskonflikt, Manipulation und Beeinflussung durch die obhutsberechtigte Mutter aus, und diese These wird stur verfolgt. Sie wählt Experten aus, die diese These stützen. Die Journalistin hat keine Fakten recherchiert oder nachgeprüft und die journalistische Distanz total verloren.»

Das ist der einzige wertende Ausbruch, den sich die Mutter gestattet. Anschliessend widerlegt sie Punkt für Punkt, jeweils mit Belegen, Dokumenten, Gerichtsurteilen, Gutachten untermauert, eine Falschaussage im Artikel nach der anderen, dazu kritisiert sie die schludrige Recherche von Blumer:

Einsatz von Recherche-Werkzeugen à la Blumer.

  1. Vater gab Blumer alle Unterlagen: falsch
  2. Vater zog aus: falsch
  3. Mutter hat Kinder am Besuchswochenende aus Haus des Vaters abgeholt: falsch
  4. Auf Antrag des Anwalts der Mutter sistierte die Kesb nach diesem Wochenende das Besuchsrecht: falsch
  5. Mutter, Kesb-Chefin und Präsidentin des Obergerichts sind alle in derselben Partei: falsch
  6. Über drei Jahre seien die Besuche beim Vater gut gegangen: falsch
  7. Plötzlich hätten sich die Kinder beim Vater unwohl gefühlt: falsch
  8. Die Beistände hätten nichts genützt: falsch
  9. Vater hat all seine rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft zur Wiedererlangung des Besuchsrechts: falsch
  10. Vater hat die Kesb-Chefin mehrfach angezeigt, wegen Amtsmissbrauchs und Verletzung des Amtsgeheimnisses. Richtig, aber: alle Untersuchungen wurden rechtsgültig abgeschlossen durch die Staatsanwaltschaft am 20. März 2019. Verfahren gegen die Kesb-Chefin wurde eingestellt.
  11. Die Schilderung der letzten Begegnung des Vaters mit den Kindern: falsch. Es gibt dazu ein Protokoll der Kesb vom 1. November 2018. Der Vater ist im Besitz dieses Protokolls.
  12. Kinderpsychologin sagt, es handle sich in diesem Fall um ein Paradebeispiel einer forcierten Entfremdung: Inhalt dieses Satzes stimmt nicht. Amtsgeheimnisverletzung und Verleumdung.
  13. Fachleute geben im Artikel Tipps, wie man sich im Fall Schaffhausen hätte verhalten können: Entspricht genau dem, was die Schaffhauser Behörden gemacht haben. Diese Tatsache findet keine Erwähnung im Artikel.
  14. Keine der involvierten Behörden in Schaffhausen wurde von Blumer kontaktiert: Kesb, Obergericht, Kinderanwalt.

Nach Einsicht in diese Beschwerde mitsamt Belegen ist klar: Eine solch fehlerhafte und parteiische und keinen journalistischen Prinzipien entsprechende Berichterstattung hätte sofort richtiggestellt werden müssen, die Autorin mindestens abgemahnt.

Nichts davon ist bis heute passiert. «Keine Sternstunde», urteilte Stadler mild. Nein, eine Bankrotterklärung von journalistischem Anstand und Fairness. Ganz abgesehen davon, dass es der Redaktion unbenommen gewesen wäre, nach Abdruck einer Richtigstellung zu kommentieren, dass man an seiner Darstellung festhalte. Das wäre allerdings bei dieser Anzahl von Fehlern, bei der im Ansatz falschen Berichterstattung nicht möglich gewesen.

Schon in viel geringeren Fällen hat Tamedia sofort den Artikel gelöscht.

7 KOMMENTARE
  1. .Victor Brunner
    .Victor Brunner says:

    Fehler passieren. Leute mit Anstand und Charakter stehen dazu und berichtigen. Nicht so Frau Blumer, nicht die Chefredaktion, sogar der Ombudsmann kriecht erbärmlich. Es ist einfacher Briefe mit unbelegten Behauptungen zu unterschreiben. Sagt doch alles über die ProtagonistenInnen die einen einst stolzen und begehrten Zeitungstitel grounden!

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  2. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    Nichts als typisch für den «Tages-Anlüger». Nur die wenigsten Falschaussagen beruhen auf Schludrigkeit. Und wenn: warum nur gehen die Fehler immer auf die gleiche Seite? Diese Zeitung ist ganz bewusst voller Lügen, Halbwahrheiten, Verdrehungen, Manipulationen, Relativierungen, Auslassungen auf der einen-, Übertreibungen auf der anderen Seite.

    Wer nicht ins hermetisch abgeschottete Weltbild dieser vor Selbstgerechtigkeit besoffenen, linken, globalistischen Bestmenschen passt, der wird verhöhnt, mit Dreck beworfen, fertig gemacht. Eine Zeitung, gemacht von Charakterlumpen.

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  3. Vergissmeinnicht
    Vergissmeinnicht says:

    In der Privatwirtschaft wäre die Kündigung, schon längst die Konsequenz. Wer weiss, vielleicht finden die voreingenommenen Herren, dann bei dem allfälligen Urteil, doch noch die einzuhaltende Kurve. Sie kann sich ja dann bei der nau melden, da wird es gewiss noch ein Plätzlein geben.

    Dieses bewusste unterschlagen von Informationen etc., hat sich schon längst etabliert. Selbst der angeblich „neutrale“ Presserat, spielt ungeniert offenbar auch politisch motiviert mit. So wird nicht den zu verzeichnenden Opfern eine mediale Stimme gegeben. Sandro Brotz hatte damals eine rührselige „Liebesgeschichte“ lanciert. Als ich ihm erklärte, wie unerträglich und schwer re- traumatisierend für die Opfer, solche opferfeindlichen Berichterstattungen sind, kam er zum Schluss, dass er heute so nicht mehr berichten würde. Auch der damalige Chef von der Rundschau gelobte Besserung, es erfolgte sogar eine Entschuldigung. Der Journalist von Infosperber war unbelehrbar. So erläuterte er ordinär in einer Mail, was er unter einer „Vergewaltigung“ versteht. Dass der verurteilte Gewalt und Sexualstraftäter, gegen sein Opfer, sowie auch gegen seine Kinder tätlich wurde, blendete auch er, bewusst aus. Auch die WOZ berichtete damals, nur aus der Perspektive des angeblich unbescholtenen Asylanten…

    https://presserat.ch/complaints/39_2017/

    Wir wünschen der betroffenen Mutter, Kinder und den Angehörigen, viel Kraft und Zuversicht. Gerne sind wir bereit, sofern gewünscht, Unterstützung zu leisten.

    https://vergiss-meinnicht.org/zielsetzung-und-zweck/

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  4. Marcella Kunz
    Marcella Kunz says:

    «Keine Sternstunde», meint Medienexperte Stadler. Das ist nicht einfach ein «mildes» Urteil, sondern zeigt die Beisshemmungen in der selbstgerechten Medienblase. Man will sich ja nicht wehtun, man kennt sich und pflegt sein «liberales» Gutmenschenimage. Die Aussensicht ist völlig anders: Da herrschen Beziehungskorruption, Unglaubwürdigkeit und Feigheit.

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    • Laura Pitini
      Laura Pitini says:

      Rainer Stadler ist gar Stiftungsratsmitglied beim Schweizer Presserat; siehe Link unten beim Kommentar von Sam Thaier.

      Seine Untertreibung mit der Floskel «keine Sternstunde», zeigt das Problem dieser Kaste, die es allen Recht machen wollen.

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  5. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    Der Fall zeigt, dass Claudia Blumer ihr Image einer seriösen Journalistin inmitten von unfähigen Tagi-Amateuren, nicht verdient. Blumer ist nicht die Leuchte, als die viele sie sehen möchten. Ihre schludrige Arbeit hat das Leid der betroffenen Menschen noch massiv verschlimmert. Das ist Blumer jedoch wurscht. Hauptsache sie konnte wie beim Boulevard eine süffige Story publizieren.

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