Onanieren mit Parisern

Pardon, das ist nicht vulgär, sondern ein Zitat vom grossen Bertolt Brecht. Gut, den kennen die heutigen Kindersoldaten des Journalismus auch nicht. Aber man kann ja googeln.

Es war eines der Lieblingszitate meines Streitgenossen Niklaus Meienberg (auch googeln, bitte): «Es gibt Menschen, die onanieren. Es gibt Menschen, die vögeln mit Parisern. Und es gibt Germanisten, die onanieren mit Parisern.»

Das hat mich als studierten Germanisten hart getroffen, aber natürlich hatten Brecht und Meienberg völlig recht. Dieses Zitat kann man auch prima auf die aktuelle Journaille anwenden.

Die geht da sogar noch einen Schritt weiter, sozusagen. Sie greift sich reihum in den Schritt und massiert das Gemächt. Ohne Rücksicht darauf, wie peinlich das für die Zuschauer ist. Ein aktuelles Beispiel dafür, denn mehr würden bei Autor und Lesern wohl Würgereflexe auslösen.

Da schreibt der Leiter der Bundeshausredaktion der ehemaligen Qualitätsmedien aus dem Hause Tamedia eine sogenannte «Analyse zu St. Gallen». Für diesen Tiefflug über unbekanntem Gelände sollte man Fabian Renz die Verwendung des Wortes Analyse für seine Restlaufzeit als Journalist verbieten.

Unbelegtes Gefasel, eine Dummheit auf die nächste gestapelt. Sein Tagi-Kollege Marc Brupacher hatte schon zuvor auf Twitter etwas in die Debatte gerülpst. In seiner üblichen strahlenden Dummheit.

Journalisten loben Journalisten – öffentlich

Lässt sich das noch steigern? Locker. Kaum ist diese Schwachstrom-«Analyse» erschienen, dieser in Buchstaben gefasste Wackelkontakt mit der Wirklichkeit, enblöden sich andere Tagi-Mannen nicht, ihrem Kollegen an den, nein, so wollen wir das nicht formulieren. Obwohl, wie sollte man diesen Tweet von Sandro Benini sonst bezeichnen:

Man kann sich winden und wegdrehen, mehr nicht.

Häufig? So Kommentare von Laura de Weck, Barbara Bleisch, Peter Burkhardt und vielen anderen? Ein Tiefpunkt nach dem anderen. Während sich sogar das Kummer gewohnte Lesepublikum darüber lustig macht, setzt Brupacher noch ein kleines Highlight:

Du rubbelst mich, ich rubble dich, wir rubbeln uns.

Daraus kann man ableiten, dass Brupacher nicht der Ansicht von Benini ist. Aber wer alles Dumm-Kommentare schreibt, das verrät uns der leitende Tagi-Redaktor leider nicht.

Man muss sich schon fragen, welches Niveau hier noch nach unten durchbrochen werden kann. Tamedia gleicht immer mehr einem tiefergelegten Auto. Bodenabstand kaum mehr vorhanden, jede kleine Bodenwelle lässt das Blech wegfliegen.

4 KOMMENTARE
  1. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    «Man kann es drehen und wenden wie man will, aber die intelligentesten Kommentare stehen nach wie vor häufig im @tagesanzeiger»

    Man kann es drehen und wenden wie man will, aber das ist nur noch bescheuert. Und bei Realitätsverlust in solchem Ausmass muss mir niemand kommen und weismachen wollen, hier seien keine Drogen im Spiel gewesen.

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  2. .Victor Brunner
    .Victor Brunner says:

    Warum nicht einen virtuellen Onanierraum für die TA Journalisten? Da können sie sich gegenseitig verbal befriedigen und jeden Erguss kommentieren! Sollten die Journis in einem Brief fordern. Satzmodule können sie von den geschundenen Mimösli übernehemen:

    «Wir erwarten bis zum 1. Mai 2021 konkrete Vorschläge zur Umsetzung unserer
    Forderungen und eurer «verbindlichen Ziele».

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  3. Ruthli vom Rütli
    Ruthli vom Rütli says:

    Die tägliche Blattkritik kennen die bloss noch vom Hörensagen. Warum auch? Reine Zeitverschwendung, ein paar Schneeflöcklein könnten beleidigt sein, und man riskiert erst noch, die neusten Tweets zu verpassen.

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  4. Beat Reichen
    Beat Reichen says:

    Wie wahr! Einfach unterirdisch peinlich. Wenn das das Niveau der Selbstkritik ist, dann stellt man besser den Betrieb ein. Das wäre ökologisch und ökonomisch sinnvoller, einzig Zackbum hätte eine Reibfläche weniger. Aber es bleiben noch genug Pfeifen als Schreiberlinge, leider!

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