Frauen-Offensive im Kulturjournalismus

Es gibt die Kultur-Redaktorin des Jahres, es gibt die neue Literaturchefin des Tagi. Und es gibt Laura de Weck.

Zur schreibenden Flachzange Simone Meier haben wir schon das Nötige gesagt. Seit sich die neue Literaturchefin Nora Zukker mit Meier einen Champagner auf dem Friedhof reingezwitschert hat, verliess sie den Bereich des Ernstzunehmenden so schnell, wie sie in ihn eingedrungen war.

Als wären das nicht schon genug abschreckende Beispiele, kolumniert bei Tamedia auch noch Laura de Weck. Genau, die Tochter des schreibenden Marty Feldman der Schweiz. Der Name öffnet natürlich Tür und Tor, und wer würde es heutzutage wagen, in diesem zutiefst verunsicherten Konzern etwas gegen eine schreibende Frau zu sagen?

Bekannt aus Funk und Fernsehen: Laura de Weck.

Niemand, deshalb muss ZACKBUM das übernehmen. Wir haben uns lange dagegen gesträubt, aber nachdem wir schon die Westentaschenphilosophin Barbara Bleisch vergeblich in ihre sehr eng gesteckten Schranken wiesen, wundern wir uns schon, wieso Rudolf Strahm in dieser Gesellschaft seinen Ruf verspielen will, indem er ebenfalls eine Kolumne füllt.

Aber de Weck bettelte mit ihrem neusten Meisterinnenwerk, geradezu einem Meierwerk, dermassen um Hinrichtung, dass wir ein Einsehen haben. «Schluss mit der Cancel-Culture» lautet der Titel. Will de Weck – wie Meier – darauf hinweisen, dass früher einmal auch Juden gecancelt wurden? Nein, sie ist in der Gegenwart verhaftet.

Die Göttin der Fröhlichkeit ist wütend?

«Szenische Kolumnen» sollen es sein, denn de Weck ist ja nicht umsonst auch noch «Schauspielerin, Bühnenautorin und Regisseurin». Angesichts dieser dreifachen Drohung mag man der Pandemie und ihren Auswirkungen auf die Schauspielhäuser einen Hauch von Sympathie entgegenbringen.

Aber wir wollen uns nicht länger vor der Befassung mit diesem Erguss drücken. Schon der Anfang ist unverständlich. Moderndeutsch: er verstört, bricht Lesegewohnheiten auf, öffnet neue Räume der Selbstreflexion. Er lautet: «Laetitia ist wütend.» Damit hat sich das Szenische allerdings auch schon erledigt, denn nun zieht «Laetitia» vom Leder. Dabei ist sie doch die Göttin der Fröhlichkeit, aber eben, mit der Vergangenheit hat es de Weck nicht so.

Dafür hatte sie eine Idee. Allerdings auch nicht mehr als eine einzige, also muss die hauchdünn ausgewalzt werden, um die 3500 Anschläge abzufertigen, die eine Kolumne halt braucht. Die dünn-dumpflustige Idee: Cancel Culture (ohne Bindestrich, aber was soll’s) ist ein politischer Kampfbegriff geworden, mit dem der Ausschluss von Personen oder Positionen aus dem öffentlichen Diskurs (kann man googeln) kritisiert wird. Also die Abstrafung von Meinungsträgern, mit deren Ansichten man sich gar nicht erst auseinandersetzen sollte.

Nun versucht de Weck, diesen Begriff auf die SVP anzuwenden. Von dieser Idee ist sie so begeistert, dass sie wahrscheinlich meint, seit Brechts epischem Theater sei kaum ein dickeres Ei gelegt worden. Aber eben, noch gähnt viel leerer Platz. Da hilft nur eine Aufzählung. «Rahmenabkommen mit der EU? Soll gecancelt werden. Staatliche Hilfe an die Medien? Wollen sie canceln. Corona-Massnahmen? Canceln.» Man meint, das Prinzip verstanden zu haben.

«Alles möchten die SVPler canceln»,

treibt de Weck ihre Idee in die Enge, kennt keine Gnade, bis sie ihr zehn Beispiele abgepresst hat. Aber oh Schreck, mit diesem Nichts hat sie erst die Hälfte der Strecke geschafft. Was tun?

Eine dünne Idee trägt nur eine Hälfte

Einfach, den nächsten Salto dranhängen: «Na ja, okay, zugegeben, Cancel-Culture kann vielleicht auch mal richtig sein. Manchmal muss man auch sagen, da mach ich einfach nicht mit!» Immerhin, wir wollen auch loben, hier erkennt de Weck, dass sie aus dieser Nummer eigentlich nur schwer wieder rauskommt.

Was macht da eine begabte Regisseurin? Genau, einen harten Schnitt, neue Perspektive. Welche? Na, die Ichperspektive natürlich, denn was ist heutzutage wichtiger als die eigene Befindlichkeit zum Massstab für alles zu machen? Auch wenn es sich eher um eine gewaltige Überschätzung der eigenen Bedeutung handelt: «Unsere SVP möchte wohl am liebsten, dass ich mich nur noch hinter vorgehaltener Hand traue, gewisse Dinge auszusprechen.»

Gibt’s das auch in konkret?

«Wenn ich mich getraue, die Wörter «strenge Corona-Massnahmen» oder, noch schlimmer, «Steuererhöhung» auszusprechen, bricht gleich ein ganzer rechter Shitstorm über mich herein.»

Wirklich wahr? Wir applaudieren kräftig für diese Performance. De Weck ist die Erfinderin des unsichtbaren und geräuschlosen Shitstorms. Wir hingegen gehen einmal mehr mit der SVP nicht einig. Was heisst da, hinter vorgehaltener Hand? Nein, kleines Missverständnis. Der höfliche Leser gähnt bei de Weck hinter vorgehaltener Hand. Will sie natürlich nicht canceln, wobei: dem eh schon bedenklichen Niveau des Tagi würde es zumindest die Chance bieten, sich ein klitzekleines Stückchen zu erholen.

 

 

 

5 KOMMENTARE
  1. .Victor Brunner
    .Victor Brunner says:

    LdW, Vertreterin des linken Mainstream hat nicht verstanden, auch Nein sagen gehört zur Demokratie. Auch Linke sagt des öftern Nein. Aber den politischen Durchblick zu haben ist zuviel verlangt von der Frau deren einziger Leistungsausweis es ist in den Fussstapfen des Papa zu wandeln und von seinem Filz zu profitieren, SRG, TA.

    Ihre Bescheidenheit drückt sich aus wenn sie von Cancel-Culture schreibt und nicht realisiert wie sie in Platidüden versinkt. Viele Neins der SVP kommen in breiten Teilen der Bevölkerung an. Das Nein zum Rahmenabkommen ist bei den Linken genau so laut wie bei den Rechten. Mit Steuergeldern Medien «fördern» spricht sie an schliesslich lässt sich ihre Kolumne nur sehr beschränkt verkaufen, da muss nachgeholfen werden damit das Möchtegernkulturpflänzli Laura über die Runden kommt. Zwangsgebührenzahler wie bei SRG.

    Wenn Cancel-Culture dann beim TA und SRF. Keine Kolumne mehr von Leuten die nur dank Papa Beachtung finden, Leistungsausweis nur marginal vorhanden. Keine Kolumne mehr für die heimliche Geliebte von Platon die am Sonntagmorgen mit grossen Augen auf SRF 1 mit immer Gleichgesinnten Depressionen verbreitet.

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  2. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    Man lese den gestrigen Beitrag «Ex-Press XXXII» zu «nau.ch» und «watson». Danach diesen Beitrag hier über den, ehm, Kulturjournalismus im «Tages-Anzeiger». Und jetzt soll mir bitteschön jemand den Unterschied bezüglich Niveau, Qualität, Relevanz der Unterschichtenportale zum «Tages-Anzeiger» erklären.

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    • Tim Meier
      Tim Meier says:

      20min ging vergessen bei den Uschi-Portalen. Vor ein paar Jahren wurden Artikel, die im 20min erschienen, ein paar Tage später in der BaZ abgedruckt. Nicht mit mehr Fleisch, sondern nur mit mehr Fett an den Knochen. Irgendwie frech, dafür noch Geld verlangen zu wollen.

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  3. Gerold Ott
    Gerold Ott says:

    Kaum jemand liest diese ideenlose Kolumne von Laura de Weck. Sie scheint einen Kündigungsschutz zu haben im Hause Tamedia. Der 77-jährige Rudolf Strahm stattdessen, bringt in jeder seiner klugen Kolumne, eine neue Sicht der Dinge zum Besten.

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