Das Freundschaftsbuch von Matthias Ackeret

Rein kommt vor allem, wer bezahlt.

Ich war in der Schule immer das unbeliebteste Kind. Niemand wollte, dass ich ins Freundschaftsbuch mein Motto, meine Hobbys oder die Lieblingsfarbe eintrug. Dabei hätte ich einen schönen Spruch gehabt: «Mache es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur.»

Doktor Matthias Ackeret war vermutlich das beliebteste Kind ever. Seine Stimme ist der Hammer, sein schräg gelegter Kopf atemberaubend, seine Kolumnen göttlich.

Doktor Ackeret schreibt fleissig in die Freundschaftsbücher. Er ist Chefredaktor von persoenlich.com. Über Watson berichtete er im letzten Monat zum Beispiel fast täglich. Es ging um die welsche Ausgabe des Listicles-Portals «Watson». Zum Beispiel über Guillaume Asmanoff, der für die welsche Watson-Ausgabe die Nachtschicht in Shanghai übernimmt. Wie? Was? Wo? Echt?

Dass persoenlich.com so viel über «Watson» berichtet, hat natürlich einen einfachen Grund: Das Portal ist Werbekunde, was Doktor Ackeret auch einräumt. Im Grunde genommen gilt bei persoenlich.com die Faustregel: Berichtet wird über die Firmen, die auch zahlen. Ackeret sieht in der Anfrage von ZACKBUM.ch eine «Null-Story». Dass man bei Artikeln der Fairness halber erwähnen muss, dass ein Vertrag vorliegt, sieht er nicht ein.

Ackeret will vollumfänglich zitiert werden. Machen wir eigentlich nie, bei 88 Wörtern noch weniger als nie. Kompromiss: Wir drucken sie ab, aber mit der kleinsten Schriftgrösse, die wir haben:

«Ganz einfach: wir haben neun Mal über watson berichtet, weil es neun Mal etwas zu berichten gab (neue Werbekampagne, Start in der Romandie, Bekanntgabe des Teams etc). Das handhaben wir bei anderen Medien genau gleich. Zur Geschäftsbeziehung: watson ist Werbekunde bei uns (wie andere Medien auch). Die von Ihnen erwähnte Sonderausgabe entstand in Zusammenarbeit mit Comnimag.  Sie sehen auch hier nicht viel neues unter der Sonne: Wir haben in Vergangenheit für Wunderman Thompson, Serviceplan, Freddy Burger Management, Swisscom, SDA etc. Sonderpublikationen produziert und diese auch als solche ausgewiesen.»

 

2 KOMMENTARE
  1. Beth Sager
    Beth Sager says:

    Wir nannten dieses Freundschaftsbuch damals „Poesiealbum“.

    Diese Hammergeschichte lässt aufhorchen. Jetzt ist klar, weshalb Watson auf persoenlich.com derart fürsorglich mit Streicheleinheiten versehen wird. Unsympathisches Geschäftsmodell Herr Ackeret und unwürdig für ein glaubwürdiges Medienportal.

    Im Gegensatz dazu, wurden die beliebten Portale Infosperber und Higgs noch kaum je erwähnt auf persoenlich.com

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    • Rolf Karrer
      Rolf Karrer says:

      Zackbum wurde zu meiner grossen Überraschung schon einmal erwähnt auf Persönlich. Higgs und Infosperber werden buchstäblich geschnitten.

      Fazit: Diese drei unbestechlichen Portale nehmen die Unabhängigkeit und die journalistische Sorgfaltspflicht ernst. Anbiedernde Hurerei kann doch wirklich kein Geschäftsmodell sein.

      Leider kann die enorm resourcenverschleissende „Republik“ (noch) nicht zum Klub gehören.

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