Feminismus fatal

Absurde Koalitionen zwischen Schleier-Feministinnen und harten Rechtsliberalen. Die Verhüllungsinitiative enthüllt aschgraue Abgründe.

Der streitbare Markus Somm («können sich einen anderen Stammgast suchen») ist gegen die Burka-Initiative. «Bewirkt nichts», meint er kurz und bündig in seiner Kolumne in der «Sonntagszeitung». Religionsfreiheit, viele für uns merkwürdige Kleidervorschriften wie die der orthodoxen Juden, geht nicht. Ob sich die SoZ eigentlich auch bald einen neuen Stammkolumnisten suchen muss, wenn Somm den «Nebelspalter» ins Internet wirft?

Der gleichen Meinung ist Nicole Althaus in der NZZaS. Das Mitglied der NZZ-Chefredaktion muss sich allerdings in eine Schlangenfrau verwandeln, um kurvig zum Ergebnis zu kommen, «dass ein solches Verbot nicht nur das Individuum unter dem Schleier betrifft, sondern liberale Werte unserer Gesellschaft tangiert». Aber auf der anderen Seite: «Letztlich will die Burka die körperliche Präsenz der Frau aus der Welt tilgen.»

Feministin erklärt ihre Haltung zur Vollverschleierung.

Nun kommt der Höhepunkt jeder Schlangenfrau-Darbietung; das Finale: «Ein liberaler Staat darf etwas nicht einfach deshalb verbieten, weil es manchen als unmoralisch scheint.» Mir erscheint der Vollpräservativ oder auch nur die Gesichtsvollverschleierung aber nicht als unmoralisch. Sondern ich stimme der wohl dienstältesten und intelligentesten Feministin Alice Schwarzer zu, die in der NZZ sagte: «Die Verschleierung der Frauen ist die Flagge des politischen Islam. Aber ist es das, was wir nach 200 Jahren Aufklärung und 50 Jahren Kampf um Gleichberechtigung in unseren Demokratien wollen?»

Deshalb spricht sich Schwarzer bedingungslos für ein Ja zur Initiative aus. Obwohl ihr das in Deutschland schon den absurden Vorwurf eingetragen hat, eine «Rechtsfeministin» zu sein. Zum viel grösseren Lager der Blöd-Feministinnen gehört hingegen Tamara Funiciello. Denn der SP-Nationalrätin und «Co-Präsidentin der SP-Frauen Schweiz» ist nichts zu blöd, um Aufmerksamkeit zu erregen:

Funiciello links (bzw. rechts), ohne BH, aber mit Megaphon.

Nicht als BH, aber als Gegengift zu Somm darf Funiciello auch eine Kolumne in der SoZ schreiben. Leider. Dort ist auch sie völlig einer Meinung mit Somm: Einerseits lehne sie die «Ideologie des radikalen Islamismus ab». Aber natürlich auch eine andere Ideologie: «Rechtsextreme Ideologien sind immer patriarchal, erzkonservativ, fremden- und frauenfeindlich. Genau darum sollten wir sie alle ausnahmslos bekämpfen.»

Frauen sollen doch anziehen, was sie wollen …

Dazu gehört dann auch diese Initiative, weil sie, furchtbar, aus SVP-Kreisen stammt. Und überhaupt: «Wir müssen Frauen das Recht lassen, anzuziehen, was sie wollen.» Dieser Meinung bin ich auch; vor allem, wenn Frauen Strapse und Nylonstrümpfe anziehen wollen. Nun wollen Frauen allerdings nicht eine Vollverschleierung tragen, sondern sie müssen es. In vielen islamisch beherrschten Ländern, obwohl das der Koran keinesfalls vorschreibt. Als Symbol dafür, dass sie Menschen zweiter Klasse sind, Besitz ihres Mannes, der als Einziger das Recht hat, sie anschauen zu dürfen.

Frau, Party, Männer anwesend, Alkohol: 28 Stockschläge im Iran. Ebenso für schleierfrei in der Öffentlichkeit.

Funiciello will wohl keinen Nikab tragen, was sie unter irren religiösen Regimes müsste, aber ihre ideologische Brille ist so nachtschwarz, dass sie blind vor der Realität steht. Stutenbissig alles hervorkramt, was man gegen die (leider) vorhandenen Feministinnen sagen kann, die selbstverständlich für diese Initiative sind. Schweizer Feministinnen seien uneins, kolportiere die (sicherlich männerbeherrschte) Presse. Quatsch, verkündet Funiciello, diverse Frauenorganisationen seien dagegen. Diesen Unsinn hätte man spätestens dann enttarnen müssen, «als man Alice Schwarzer einfliegen musste, um eine namhafte deutschsprachige Feministin zu finden, die sich für das Verbot ausspricht».

Grossartig, wie hier eine feministische Zwergin die langjährige Kämpferin für die Rechte der Frau anbellt.

Aber, es gibt immer noch Zeichen und Wunder, der Chefpolemiker gegen den Führer aus Herrliberg, der SVP-Drescher, der Köppel-Gegner, der reflexartig auf alles mit Pech und Schwefel reagierende Hausideologe Frank A. Meyer hat eine Kolumne im SoBli geschrieben, die es in sich hat.

Ein langjähriger Kämpfer gegen den frauenverachtenden Islam

Schon seit Jahren schreibt er gegen die Irrungen und Wirrungen von Feministinnen an, die das Unterdrückungssymbol des fanatischen Islamismus zur Selbstbestimmung der sich nicht unserer sexualisierten Gesellschaft aussetzen wollenden Frauen umlügen.

Bei «Genossinnen im Irrgarten» läuft Meyer zu grossen Formen auf. Wie es nur einer schreiben kann, der wirklich emotional und intellektuell engagiert ist und der die Sache kurz und knapp auf den Punkt bringt. In vier didaktischen Schritten:

  1. «In islamischen Diktaturen werden Frauen, die sich gegen die religiösen Kleidervorschriften zur Wehr setzen, eingesperrt und gefoltert, zur Abschreckung gern auch öffentlich ausgepeitscht. Selber schuld: Warum tun sie auch nicht freiwillig, was die Glaubenswächter befehlen!»
  2. «Kopftuchzwang? Burkazwang? Nach Auffassung der Linken, die sich hinter Frau Funiciello versammelt haben, sind das offenbar Fake News.»
  3. «So funktioniert der Unterdrückungstrick religiöser Dogmatik nun mal rund um den Erdball: Die korrekte Unterwerfung wird freiwillig vollzogen.»
  4. «Oder sollte die Gender-Verblödung schon so weit fortgeschritten sein? Wenn sie es aber wissen, weil sie ihre linke Kraft zur rationalen Analyse noch nicht verloren haben, dann lügen sie sich etwas vor. In der Politik jedoch wird aus dem Sich-selbst-Belügen leicht das Belügen anderer – der Bürgerinnen und Bürger.»

Als letzten Fangschuss erledigt Meyer dann noch das Argument, dass nicht der Nikab oder andere Kleidervorschriften das Problem seien, sondern «das Patriachat»:

«Folgerichtig muss man das Patriarchat verbieten. Und nicht, beispielsweise, das katholisch inspirierte Abtreibungsverbot in Polen bekämpfen

Immerhin, die Debatte hat bislang zwei gute Wirkungen. Viele Linke, viele linke Frauen outen sich mal wieder als ideologieverblendete Dummschwätzer, die den Kampf gegen das «Patriarchat» propagieren, statt sich konkret für Frauengleichberechtigung einzusetzen. Die zweite: Wenn Meyer mit diesem Furor weiterschreibt, kaufe ich mir wieder den SoBli.

 

6 KOMMENTARE
  1. Rolf Karrer
    Rolf Karrer says:

    Ihre Bildauswahl zur Illustration des Themas hervorragend. Vielen Dank. Alle Medien zeigen eine Burqa-Frau zur Thematik. Sie scheuen sich nicht für eine Publikation, einer mit Hieben gequälten Frau. Gegensätzlich offenbart uns die Luxus-Feministin Tamara Funiciello mit ihrer BH-Verbrennungsaktion ihre läppisch-kindische Gedankenwelt.

    Keine Schweizer Publikation hat es gewagt, für eine derartig präzise Umschreibung dieses Kultes.

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    • Tamara Pitini
      Tamara Pitini says:

      Ärgerlich auch, wenn der Tagesanzeiger ein Bild einer Burqa-Trägerin zeigt, mit perfekter Ausleuchtung und Vogue-mässig aufgemacht.

      Symbolbilder sehen anders aus. Ihre Bildauswahl kommt der Wahrheit ganz bestimmt näher.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Artikel, Meyer:
    «In islamischen Diktaturen werden Frauen, die sich gegen die religiösen Kleidervorschriften zur Wehr setzen, eingesperrt und gefoltert, zur Abschreckung gern auch öffentlich ausgepeitscht. Selber schuld: Warum tun sie auch nicht freiwillig, was die Glaubenswächter befehlen!»

    Und in der Schweiz nach Annahme der Initiative? Wenn Frauen sich verhüllen, können sie gebüsst werden, wenn sie nicht bezahlen wandern sie ins Gefängnis. Ist das die Alternative?

    Die ganze Diskussion ist völlig lächerlich und einer demokratischen Gesellschaft unwürdig! Kleidervorschriften in der Verfassung, nicht respektieren der Religionsfreiheit, einseitige Sicht nur auf den Islam. Dabei gibt es noch andere Religionen in der Schweiz die Mädchen, Frauen unterdrücken!

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    • Eveline Maier
      Eveline Maier says:

      Ja es soll auch noch wenige christliche Sekten geben in der Schweiz, die Mädchen und Frauen unterdrücken. Die sensible Meinungsäusserung von FAM hat mich berührt. Fand es auch sehr aussagekräftig, dass Zackbum ein Bild einer mit Stockschlägen malträtierten Frau veröffentlichte.

      Der Islam hat sich gar rückwärts entwickelt in den letzten 25 Jahren. Beispiel: 1980 trugen bloss sehr wenige Frauen ein Kopftuch im moderaten Land Malaysia. Heutzutage findet kaum mehr eine Malay-Frau eine bezahlte Arbeitsstelle ohne Kopftuch. Mit Ausnahme bei den Chinesen und Inder entfaltet dieses unterschwellige Obligatorium seine Wirkung. Die Karrierepolitikerin Funiciello hat es kläglich versäumt, die Welt augenoffen zu bereisen.

      Als Signalwirkung muss man dieser Initiative Beachtung schenken. Schliesse mich dem Schlusssatz von Frank A. Meyer an: „Der linke Luxus-Feminismus kämpft derweil für Gendersternchen“.

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      • Laura Pitini
        Laura Pitini says:

        Das gezeigte Bild der gezüchtigten Frau, umschreibt (leider) das Gesicht dieses Fanatismus im 21. Jahrhundert.

        Wundere mich sehr, dass sich die wortgewaltige Tamara Funiciello schwerpunktmässig kaum je gegen die Fratze dieses Sektentums geäussert hat. Erbärmlich.

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    • Alois Fischer
      Alois Fischer says:

      Kehren wir es doch einfach mal um. Reden wir hier einmal von „Entkleidungsvorschriften“:
      Warum darf ich in unserer ach so freiheitsliebenden, umdiskriminierenden „Öffentlichkeit“ nicht immer und überall so herumlaufen, wie es mir eben gefällt und wie meine Ersatzreligion vorschreibt: einfach splitterfasernackt?
      Egal, ob in der Verfassung oder in irgendeinem Gesetzesparagrafen wird das meines Wissens klar verboten. Warum also muss ich mir Entkleidungsvorschriften gefallen lassen? Habe dazu von den oben zitierten Moralisten, Antifeministen und Möchtegeernprominenten bisher leider noch keine Unterstützung erhalten.
      Lächerlicher, dummer Vergleich?
      Finde ich genau so wenig, wie das berechtigte Verbot des Hitlergrusses oder das Tragen einer Naziuniform oder das Rufen von Sieg Heil in der Öffentlichkeit (ob in Deutschland oder der Schweiz).

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