Das BAG will den Ausraster einfangen

BAG-Direktorin Anne Lévy tobte telefonisch bei nau.ch. Was sagt das BAG dazu?

Manchmal hat man es als Kommunikationsverantwortlicher eines Bundesamts auch nicht so leicht. Lévy, durchaus mit einigen Baustellen im zurzeit zentral wichtigen Bundesamt für Gesundheit konfrontiert, setzt eigenartige Prioritäten.

Zuerst erlaubt sie Hunde als Stimmungsaufheller im Amt – was sicher überhaupt nichts damit zu tun hat, dass sie so auch ihren Vierbeiner mitschleppen darf. Dann interveniert sie lautstark bei nau.ch, dass man gefälligst und sofort in einem Artikel über einen Polizeieinsatz die Angabe, dass sie geräumig in einer 8,5-Zimmer-Wohnung in Bern lebt, sofort streichen müsse. Sonst rolle die Rechtsabteilung des BAG an.

Als dann «Inside Paradeplatz» nachlegt und veröffentlicht, dass die Klause schlappe 5000 Franken Mietzins im Monat kostet, legt das BAG leicht ermattet nur noch nach, dass solche Angaben «irrelevant» seien und zudem «nicht von öffentlichem Interesse».

Augenrollen und Händeschlagen, der Beamtensport

Man kann sich vorstellen, wie die Augen nach oben gerollt und die Hände überm Kopf zusammengeschlagen wurden, als ZACKBUM.ch nochmal nachfasste:

  1. Ist es richtig, dass Anne Lévy eine 8,5-Zimmer-Wohnung in Bern bewohnt, zusammen mit ihrem Ehemann?

  2. Ist es richtig, dass die Monatsmiete Fr. 5000.- beträgt? Im Rahmen einer Berichterstattung über einen Polizeieinsatz veröffentlichte die News-Plattform nau.ch die Angabe. Ist es richtig, dass Frau Lévy höchstpersönlich deren Löschung telefonisch bei der Redaktion forderte?

  3. Ist es richtig, dass dieser Anruf lautstark war?

  4. Ist es richtig, dass Lévy mehrfach damit drohte, die Juristen des BAG in Marsch zu setzen, falls Nau.ch ihrer Forderung nicht nachkäme?

  5. Auf IP wird das BAG mit der Auskunft zitiert, dass diese «Information irrelevant für die Berichterstattung» sei und «kein öffentliches Interesse» daran bestünde. Worauf stützt sich das BAG bei diesen beiden Behauptungen ab?

  6. Nach dieser Intervention veröffentlichte «Inside Paradeplatz» die gleiche Information nochmals, ebenfalls wir hier auf ZACKBUM.ch. Zumindest wir haben bislang noch keinen Anruf von Frau Lévy bekommen. Erfolgt der noch?

Immerhin am Freitagnachmittag, was man als Kenner der Beamtenseele durchaus zu schätzen weiss, traf wie verlangt eine Antwort ein. Inzwischen wurde die Angelegenheit offensichtlich zur Chefsache erklärt, denn es meldete sich ein Herr mit einem ziemlich langen Titel: «Abteilungsleiter Kommunikation und Kampagnen. Mitglied der Geschäftsleitung. Eidgenössisches Departement des Innern EDI, Bundesamt für Gesundheit BAG».

Aber das war leider schon der auskunftsfreudigste Teil seiner Antwort. Der Rest:

«Zum Schutz der Privatsphäre der Direktorin des BAG haben wir beim Nachrichtenportal Nau.ch interveniert, als dort Bilder vom und nähere Angaben zum Wohnort publiziert wurden. Darüber hinaus beantworten wir keine Fragen, die die Privatsphäre der Direktorin betreffen.»

Also gut, es ist nun nicht mehr irrelevant und von keinem öffentlichen Interesse, sondern der Schutz der Privatsphäre von Lévy ist der noble Antrieb.

Lapsus, Lapsus, Lapsus

«Wir haben interveniert» hört sich natürlich tausendmal besser an als «Lévy stauchte lautstark die Redaktion zusammen und drohte mit der geballten Kraft der Rechtsabteilung des BAG.»

Aber es wäre nicht die Behörde, die bis heute Faxgeräte benützt, um Tabellen zusammenzustellen, wenn nicht auch dem Mitglied der GL ein etwas blöder Lapsus passieren würde. Denn in seinem Mail an ZACKBUM.ch hat er es unterlassen, den dieser Nichtauskunft vorangehenden internen Mailverkehr abzuschneiden. Dem kann man entnehmen, dass insgesamt drei Fachkräfte des BAG in die Formulierung dieser klaren Nichtbeantwortung aller Fragen involviert waren.

Das erledigt natürlich alle dummen Fragen, wieso es denn im BAG 600 Beamte brauche. Die einfache Antwort: Es sind noch zu wenige. Wenn noch jemand auf dieses Mail geschaut hätte, bevor es abgeschickt wurde, wäre das nicht passiert.

10 KOMMENTARE
  1. Oberholzer
    Oberholzer says:

    Unglaublich aber Realität, dass dieser Staatsbetrieb nicht fähig ist an Wochenenden COVID Fallzahlen zu publizieren !!
    In der Privatwirtschaft wo gearbeitet wird würde man in dieser Situation mit flexibler Arbeitszeit der Herausforderung gerecht werden.

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  2. Marcella Kunz
    Marcella Kunz says:

    Avanti dilettanti! Wozu braucht das BAG überhaupt eine eigene Kommunikationsabteilung? SRG, Blick, Tagi & Co. machen das doch viel effizienter, wenn auch nicht ganz gratis.

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  3. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Das mit der Wohnung ist weitestgehend Privatsache.
    Was Hunde in einem Bundesamt verloren haben, ist da denn doch eher zu hinterfragen.
    Letztlich sind diese beiden Aufreger nicht viel mehr als Pinatz im Verhältnis zum fast
    durchgehend jämmerlichen Versagen des BAG in Sache „Pandemie».
    Offensichtlich können auch so einiges an Medienschaffenden nicht mehr zwischen
    wesentlichem und Pinatz unterscheiden.
    Das Kernproblem im BAG sind nicht die Privatangelegenheiten der Chefin auch die Hunde
    sind kein sooooooooo grosses Problem.
    Ein echtes Problem ist der Umstand das dieses Bundesamt seit einem Jahr soweit das sich nach aussen präsentiert, so gut wie null und nix im Griff hat, Pannen, Peinlichkeiten, ein durchgehendes Chaos.
    Dringender wäre die Frage, ob Politologin die geeignete Qualifikation für die kompetente Führung
    des BAG ist???
    Sicher ein Mensch kann sich entwickeln und Kompetenz aneignen, willige können sich da teilweise
    zur Hochform steigern.
    Ob das für die aktuelle BAG Chefin auch zutrifft???
    Scheint die Qualifikation erschöpft sich in Arroganz, Dünnhäutigkeitund durchgehender Inkompetenz.
    Eine Person die Pinatz nicht souverän meistert, hat sehr wahrscheinlich auch die wichtigen Fragen
    und Aufgaben nicht, oder sehr mangelhaft im Griff.

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  4. Peter Sueton
    Peter Sueton says:

    Unglaublich. Selber zu zweit mit Hund in eine 8 1/2 Zimmer Wohnung geniessen und dann die Bevölkerung zu zwingen teils zu fünft oder sechst in einer 3 oder 4 1/2 Zimmer Wohnung zu hausen. Noch schlimmer: Niemand von den Leitmedien wagt oder will darüber schreiben. Putinesk.

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  5. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Beim BAG erstaunt mich nichts mehr. Lügen von Anfang der Pandemie, «Masken nützen nichts», im Wochenturnus falsche oder unvollständige Zahlen, Pleiten, Pech und Pannen. Auch unter Frau Levy. Falsche Buchhaltung bei den Impfdosen, Lehrlingsarbeit, dann Verteilschlüssel der Impfdosen unter dem Deckel, Versprechungen, was gibt es da zu verheimlichen? Highlight, BAG erlaubt Tiere am Arbeitsplatz! Grosses Thema auch in einem Porträt, Lehrlingsarbeit, von Andrea Vetsch über Frau Levy in der Nachrichtensendung bei SRF. Das bei Levy die Nerven blank ist logisch. Jetzt muss sie die MA noch schulen «wie maile ich korrekt und sicher?».
    Warum nicht den ganzen Mailverkehr publizieren, wäre doch witzig über das Wochenende etwas Beamtendeutsch lernen?

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  6. Ruthli vom Rütli
    Ruthli vom Rütli says:

    Liefern den internen Mailverkehr gleich mit. Lach mich schief! Die könnens einfach nicht. Macht Appetit auf weitere Anfragen an dieses dolle Bundesamt. Na gut, es war Freitagnachmittag, da steht die Wochenendplanung im Fokus. Oder war es Erschöpfung nach der strengen Arbeitswoche?

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  7. Beat Reichen
    Beat Reichen says:

    Es ist einfach unglaublich was diese Gurkentruppe BAG alles nicht hinkriegt. Zunächst habe ich an eine Verschwörung des Deep State gedacht, aber es ist ganz einfach Unfähigkeit, gepaart mit Arroganz.
    Früher gabs mal den Ausdruck Dumm-Frech!

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  8. Tim Meier
    Tim Meier says:

    Alleine der aufgeblähte Titel sprengt jede Visitenkarte. Wenn «Fachkräfte» für Kommunikation das Werkzeug E-Mail nicht im Griff haben, dann gut Nacht. Fax war vor Internet. Und das gibt’s seit 25 Jahren.

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