Wenn Steffi Buchli nicht wäre

Das neue Frauen-Sportmagazin SPORTLERIN hat noch Luft nach oben. Die Redaktion besteht wie ZACKBUM.ch nur aus Männern.

SPORTLERIN heisst ein neues Hochglanz-Magazin. Die erste Nummer ist im Dezember herausgekommen, aber sie scheint noch nicht ausverkauft. Immerhin: An die riesigen unverkauften Beigen der «Die-reichsten-Schweizer»-Bilanz kommt das fast ebenso dicke Heft nicht heran. Der erste Eindruck: recht edel, und für 10 Franken bekommt man einiges geboten. Kurzfutter und Aktuelles findet man weniger, dafür viele Portraits und Interviews. Vor allem das Gespräch mit der neuen Blick-Sportchefin Steffi Buchli ist erfrischend, obwohl es von einem Mann geführt ist. Das nämlich war eine der Hauptkritiken am neuen Heft, etwa von der Annabelle: «Ein Frauensport-Magazin von drei Männern: Kann das gut gehen?» Die folgenden Fragen der Annabelle-Mitarbeiterin Sandra Huwiler könnten auch ZACKBUM.ch gestellt werden. Denn in einem unterscheiden sich die Redaktionen von SPORTLERIN und von ZACKBUM nicht. Beide bestehen aus je drei Buddies, und die sind männlich.

Annabelle: Das Gründerteam besteht aus Männern. War nicht das Bestreben da, eine Frau ins Team zu holen?
Doch, aber wir fanden niemanden.
Stört es Sie persönlich nicht, dass «SPORTLERIN»/ «ZACKBUM» jetzt drei männliche Chefs hat?
Doch, aber es ging nicht anders.
Was tun Sie noch, um dem männlichen Blickwinkel entgegenzusteuern?
Wir suchen zuerst jeweils Autorinnen.

Dass nun auch Bänz Friedli in die Tasten haut, ist nicht weiter schlimm. Auch nicht, dass Michèle Binswanger wie im Tages-Anzeiger über Krafttraining schreibt. Trotzdem: In der ersten Ausgabe ein Interview mit der Frau Bundesrätin für Sport, mit der prominentesten Schweizer Sportjournalistin, mit der besten Schweizer Fussballerin und mit der ersten und einzigen Eishockeymanagerin der Welt. Was kommt in Ausgabe zwei? Irgendwie scheinen die Themen schon ein wenig ausgeschossen. Das* Überraschungsmoment fehlte. Oder wie Steffi Buchli im Interview auf die Frage sagte, wie viele Prozente ihres Sportkonsums sie den Frauen widme: «Das ist brutal. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, es seien mehr als 10 Prozent». Union-Trainer Urs Fischer würde ergänzen: «Da muss mehr kommen.»

Zerwürfnis mit Tamedia-Ressortleiter
Lob gebührt den drei Gründern und Machern trotz den Abstrichen: Es sind drei Berner «Giele»: Roman Grünig (44), ist im YB-Management tätig. Leander Strupler (36) gibt schon das Magazin BOXEN heraus. Fabian Ruch (42) schlussendlich war 22 Jahre Sportjournalist bei der Berner Zeitung. Und verliess den Tamedia-Konzern kürzlich im Streit. Ein Zerwürfnis mit dem Ressortleiter soll zur Kündigung geführt haben, wie die Medienwoche mutmasste. Wenn auch andere ehemalige Tamedia-Journies so kreativ sind, darf sich die Medienszene freuen.

Roman Grünig, Fabian Ruch und Leander Strupler (v.l.).

Gefährlich für die arrivierten SRF-Personen
Fabian Ruch ist es auch, der das Interview mit Steffi Buchli geführt hat. Nicht gut weg kommt darin SRF. Buchli arbeitete von 2003 bis 2017 dort, bevor sie zu MySports wechselte: «Da wird die ganze Klaviatur des Machtkampfes gespielt, vom Hintenrumreden bis zur offensichtlichen Blutgrätsche (…). Am Anfang hatte ich nur Freunde beim Fernsehen. Wenn Du neu bist, mögen Dich alle, weil Du erst mal keine Gefahr darstellst. Aber je mehr Landgewinne Du machst, umso gefährlicher wirst Du für die arrivierten Personen (…). Ich wurde dann auch persönlich enttäuscht und realisierte, dass man sich nur auf die Familie und den engsten Freundeskreis verlassen kann.» Der Sexismus sei bei SRF 2010 noch stärker spürbar gewesen als heute: «Es gab früher viele Redaktionssitzungen, in denen halt ein Mann mal sagte:

«Lasst uns Beachvolleyball bringen. Ein bisschen Füdli geht immer.»

Hat Steffi Buchli gewisse Mechanismen entwickelt, wenn sie in unangenehme Situationen gerät, fragt Ruch: «Burschikos geht immer, frech sein, sich wehren, kühl bleiben. (…) Viele Männer finden, es sei schwierig geworden, Komplimente zu verteilen oder zu flirten. Das ist absurd. Mit gesundem Menschenverstand weiss jeder, was möglich ist. Ein Kompliment für ein Kleid liegt drin, aber auf die Brüste gucken und einen dummen Spruch machen, das ist peinlich.»

Etwas übrigens findet Steffi Buchli schade: «Das Sportpanorama durfte ich leider nie moderieren.» Auch wenn es ein Format wie das Sportpanorama bei Blick-TV nicht gibt, bleibt zu hoffen, dass Buchli dort öfter mal am Bildschirm auftaucht. Ob Ringier dann wieder die Geschichten-Klamotte fährt mit sieben verschiedenen Steffi-Buchli-Frisuren?

 

*Dank eines genus-sicheren Lesers haben wir in Neutrum korrigiert. Merke: Der Überraschungseffekt. Aber das Überraschungsmoment.

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