Über die Feinmechanik der Verleger

Die heutige Jahrestagung des Verlegerverbandes. Ein Rapport.

Die Dreikönigstagung des Verlegerverbandes Schweiz als TV-Show. Wer weiss sich wie zu präsentieren? So viel vorab: An den Charmebolzen Hugo Bigi kam niemand heran. Die Tagung fand heute morgen in den Studios von Tele Züri statt. Dank Bigi waren die 90 Minuten durchaus vergnüglich. Erstaunlich ist, wie hölzern der abtretende VSM-Geschäftsführer Andreas Häuptli, aber vor allem TX-Group-Boss Pietro Supino ihre Voten abgaben.

«Ansatzpunkt zum Dealen»

Keine Freude hatten wohl die Inserenten an den Aussagen von Philipp Mankowski, Managing Director bei Goldbach Publishing. Der Werbevermarkter der TX Group sagte treuherzig, Inserattarife seien «der Ansatzpunkt, um zu dealen». Der Preis gelte als Grundlage. Damit bricht er ein offiziell eisernes Gesetz in der Werbebranche, die Tariftreue. Willkür, Eifersucht, Streit. So agiert die TX Group also. Selbstkritisch zeigte sich Thomas Kundert CEO von Somedia: «Wir zeigten uns bei den Onlineangeboten viel zu grosszügig. Die Leute haben nun das Gefühl, sie seien mit Gratisangeboten informiert». Dabei müsse die Information, gerade die exklusive, regionale, als kostbares Gut hinter eine Bezahlschranke. Als gutes Beispiel wurde der Online-Auftritt von «Die Zeit» genannt. Hier kann man wählen, ob man Inhalte mit Werbung konsumieren will. So zahlt man weniger, als ohne Werbung.

Für Philipp Mankowski ist klar: Wer Inhalte ohne Werbung lesen will, muss das Doppelte oder mehr bezahlen. Ähnlich sieht es Sigrun Albert, Leiterin Produkte bei der NZZ. Auch die Neue Zürcher Zeitung will demnach den Abonnenten nach einem ähnlichen Prinzip auswählen lassen. Abgeblasen hat die NZZ hingegen ein Projekt zur Förderung von Medienkompetenz in Schulen, wie Sigrun Albert nebenbei sagte. Schade, das ist doch das Publikum von morgen. Für Mankowski wichtig ist, dass die Bezahlschranken bei den Verlagen bleiben und sich Benutzer nicht via Google oder Apple einloggen.

Alles abgefackelt?

Wegen des 100sten Geburtstags von Friederich Dürrenmatt brachte Hugo Bigi den Vergleich der Verleger mit dem Roman «Durcheinandertal» ins Spiel. «Wie überleben wir? Wird im übertragenen Sinn das ganze Dorf abgefackelt?» Für Gerold Bührer ist wichtig, dass der VSM eine Login-Allianz schaffen muss, bei der auch kleine und mittlere Verlage profitieren sollen. Also zum Beispiel die Meier + Cie AG mit den Schaffhauser Nachrichten, wo Gerold Bührer Verwaltungsratspräsisent ist.

Geschlossene Reihen fordert er auch in Bezug auf das neue nationale Mediengesetz. Durch die höhere Subventionierung der Frühzustellung erhofft sich Bührer Investitionen in die Digitalisierung. Print soll also den Online mitfinanzieren. Auf die Frage von Hugo Bigi, wie es Bührer mit den «Medien mit Zukunft» hält, etwa die Republik, sagt der ehemalige FDP-Präsident, man solle Entwicklungen nie vom hohen Ross herunter beurteilen. Mehr war zur Republik nicht zu hören.

Und Verlegerverbands-Präsident Pietro Supino? Er danke vor allem in grosszügiger Manier. Sagte viel und doch wenig. Denn alle wussten. Supino sitzt eh am längeren Hebel (siehe nur schon die Deal-Aussage seines Angestellten Philipp Mankowski).

Schaffhausen legt zu

Genug vom VSM hat übrigens Geschäftsführer Andreas Häuptli. Nach fünf Jahren wechselt er zum TCS Zürich und wird dort Nachfolger von Reto Cavegn, der in Pension geht. Häuptli übergibt im Frühling an Stefan Wabel, bisher Verlagsleiter bei den Schaffhauser Nachrichten. «Schaffhausen übernimmt Zürich», sagte dazu Hugo Bigi schmunzelnd. Bigi sei seit dem Zusammenbruch von Tele 24 vor 19 Jahren nie mehr so früh im Studio gewesen. Er hat es trotzdem gut gemacht, der Hugo.

Auf Youtube klickten den Anlass um die 350 Zuschauer an. Das sind immerhin mehr User, als in den letzten Jahren physisch dabei waren. Das ist fast logisch, weil die Teilnahme gratis war. 2020 zahlte man als Mitglied 390 Franken, als Nichtmitglied wie ZACKBUM.ch 520 Franken. Dazu noch die Mehrwertsteuer.

P.S. Wer hat, dem wird gegeben. Den Hotel-Gutschein in einem Fünf-Sterne-Haus in Saas-Fee gewann Stefan Heini, Kommunikationschef von CH Media. Er darf sich nun ein Jahr VSM-Medienkönig nennen.

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