Das «Republik»-Desaster, Akt 1

Es war die wohl übelste Verleumdungskampagne gegen einen Kita-Betreiber. Groteske in drei Akten.

 

1. Akt: Die Kampagne

Es war die Zeit, als die «Republik» mit Entleibung drohte, wenn man ihr nicht wieder ein paar Millionen zusätzlich rüberschieben würde. Es war vor Weihnachten 2019, also die ideale Zeit, um Skandal bei einem Thema zu krähen, das alle Eltern in der Schweiz interessiert: die Kita-Betreuung.

Unter dem Titel eines Thrillers von Grisham, «Die Firma», prangerte die «Republik» mit mehr als 35’000 Anschlägen unerträgliche Zustände beim grössten Schweizer Kita-Betreiber an. Betreuung, Essen, Einhaltung von Vorschriften, Aufsicht, alles läge im Argen. Ein Skandal.

Allerdings: Wie bei der «Republik» üblich, stützte sie sich dabei mit einer einzigen Ausnahme auf anonyme Aussagen von ehemaligen Mitarbeitern. Über deren Motivation erfuhr man nichts; auf einen Augenschein verzichtete die «Republik», ebenso auf das Einholen von Meinungen aktueller Mitarbeiter.

Man bastelt sich eine hübsche Verleumdungskampagne

Aber nicht auf hämische Darstellungen auf allen Ebenen: «Nicht immer hatte Globegarden im Rechtsstreit mit Gemeinden Erfolg. Vor allem dann nicht, wenn die Sozialbehörde feststellt, dass die Firma den Betreuungs­schlüssel nicht einhält und Personal beschäftigt, das nicht die nötige Ausbildung hat. So wie im Fall Thalwil. Dort marschiert Globegarden mit mehreren Anwälten auf und zieht Verfügungen der Gemeinde vor das Horgener Bezirksgericht.

Die Globegarden-Krippe ist gleich bei mehreren Kontrollen der Krippen­aufsicht hängen geblieben.»

Hört sich furchtbar an, ist aber gerichtlich festgestellter Quatsch. Wir kommen darauf zurück.

Schon aus der Erfahrung von vorher zum Riesenballon aufgepumpten angeblichen Skandalen, die dann aber alle zerplatzten, machte die «Republik» eine hübsche Verleumdungskampagne daraus. Am nächsten Tag, dem 19. Dezember, erschien ein Interview mit dem Zürcher Vorsteher des Sozialamts. Dummerweise schäumte der nicht gegen Globegarden, sondern verlangte einfach Belege für die wilden Behauptungen der «Republik». Da wurde sie dann ganz kleinlaut, und auf die Frage, ob sie inzwischen solche Belege geliefert habe, murmelte sie damals etwas von «laufenden Recherchen», da könne man leider nix sagen.

Die Konkurrenz darf sich entrüsten, der Kommentator darf kommentieren

Nach dem kleinen Flop mit dem Sozialamt legte die «Republik» dann mit Estelle Thomet vom Kita-Branchenverband am 20. Dezember nach. Die echauffierte sich wunschgemäss, mit der vorsichtigen Einschränkung: «Wenn das stimmt.» Dass Globegarden nicht Mitglied von diesem Verband ist, sondern dessen schärfster Konkurrent, das muss man ja dem Leser nicht unbedingt sagen.

Als Zwischenschritt, um die Kampagne am Rollen zu halten, durfte sich dann der Kommentator austoben. Zuerst Olivia Kühni mit «Die Kita-Heuchelei», am 21. Dezember Daniel Binswanger, der immer zur Stelle ist, wenn man haltlos Skandal krähen kann, und vorverurteilen natürlich: «Globegarden steht für das Versagen eines Unternehmens.» Nein, Binswanger steht für das multiple Versagen eines Feuilletonisten.

Dann bekommt der Politiker das Wort

Dann unterbrach Weihnachten das üble Tun, aber am 16. Januar 2020 setzte die «Republik» das Theater fort. Weiter als Kampagne aus dem Bilderbuch. Anonyme Anschuldigungen, Erregung darüber, unterfüttert mit Kommentaren, dann muss kommen: «Fall Globegarden: Die Politik reagiert auf die Zustände beim Kita-Unternehmen». Denn man kann sich sicher sein, dass man in solchen Fällen immer Politiker findet, die sich ins Sonnenlicht der medialen Beachtung schieben wollen, indem sie sich schockiert zeigen, Untersuchungen, drastische Massnahmen fordern, sich über die Bedeutung der richtigen Betreuung unserer Kleinsten auslassen. Und wenn die Scheinwerfer wieder aus sind, kümmern sie sich um das nächste Thema.

Damit all diesen Publizitätsgierigen der Stoff nicht ausgeht, legte die «Republik» am 6. Februar nochmals nach. Zunächst das obligatorische Selbstlob: «Das Entsetzen war gross, als die Republik vor einigen Wochen die Zustände hinter der Hochglanzfassade der grössten Kita-Kette der Schweiz aufdeckte.» Diese Mischung aus anonymen Denunziationen zwirbelte die «Republik» zu «Aussagen von Ex-Angestellten» hoch.

Der Abgrund wird immer abgründiger – angeblich

Man muss ja immer wieder ein Scheit nachlegen:

«So täuscht Globegarden die Behörden.»

«Neue Recherchen deuten darauf hin, dass die grösste Kita-Kette der Schweiz die Aufsicht mit manipulierten Dokumenten täuscht. Darunter sind mutmasslich illegale Methoden: Demnach soll Globegarden Dokumente fälschen und die Kontrolleure von der Krippen­aufsicht gezielt an der Nase herumführen, um den Vorschriften der Behörden zu genügen.» Das sei der «Republik» von angeblich fünf unabhängigen Quellen bestätigt worden. Aber leider, leider, auch wieder anonym. Daher beachte man auch das Getänzel «deuten darauf hin, mutmasslich, soll fälschen».

Keine Kampagne ohne ewigen Nachzug; am 7. Februar trat die «Republik» nochmals nach: «Das System Globegarden. Die grösste Schweizer Kita-Betreiberin setzt prekäre Arbeits­bedingungen durch und täuscht die Aufsicht. Wie kommt Globegarden seit Jahren damit durch?» Das fragt man sich natürlich, aber noch mehr, wie die «Republik» mit dieser Methode der anonymen Denunziationen so lange durchkommt.

Andere sind «zweifelhaft», nur die «Republik» hat die Wahrheit gepachtet

Dann war wieder Pause, aber dummerweise hatten die Betreiber von Globegarden eine unabhängige Organisation um ein externes Gutachten gebeten, was denn an den ganzen Vorwürfen dran sei. Die kam nach längerer Untersuchung zum Schluss, dass alle nachprüfbaren Behauptungen im Artikel der «Republik» falsch sind oder nicht belegbar. «Das Resultat ist zweifelhaft», quengelt die «Republik» am 19. Juni. Und merkt nicht mal, dass sie mit der Beschreibung der detaillierten Tätigkeit der Anwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey den Unterschied zur Verleumdungs-Masche des Online-Portals deutlich macht.

Am 17. August 2020 versuchte die «Republik», mit dem «Aufstand der Eltern» ein letztes Mal nachzulegen; Post-Lockdown, und diesmal zur Abwechslung gegen den zweitgrössten Kita-Betreiber Pop e Poppa. Das verpuffte weitgehend, obwohl die «Republik» hier glasklar zu erkennen gab, worum es ihr eigentlich geht:

«Die grüne National­rätin und VPOD-Präsidentin Katharina Prelicz-Huber fordert, dass Kinder­krippen ans Bildungs­system angegliedert werden – also ähnlich wie Kinder­gärten und Schulen zum staatlichen Service public gehören.»

Seither ist Ruhe im Karton

Allerdings musste das Recherchierteam zähneknirschend ein weiteres Korrigendum einrücken: «In einer ersten Version schrieben wir, dass Globegarden seine Teilnahme an Gesprächen über einen Gesamt­arbeitsvertrag abgesagt habe. Das ist falsch. Richtig ist, dass Globegarden nicht auf eine Einladung reagiert hat, einer Interessen­gemeinschaft beizutreten.»

Seither ist Ruhe. Wohl aus zwei Gründen. Die damalige Bettelaktion wurde erfolgreich abgeschlossen. Und das Thema war ausgelutscht. Erledigt. Die Politiker hatten längst andere Themen gefunden, niemand interessierte sich mehr für eine Verleumdungskampagne. Ausser dem Verwaltungsgericht Zürich.

 

Fortsetzung folgt.

2 KOMMENTARE
  1. Marcella Kunz
    Marcella Kunz says:

    Die Arroganz dieser Republikaner/-innen besteht darin, dass sie glauben, sie gehörten zur Crème de la Crème, sozusagen zur Aristokratie des CH-Journalismus. Dieser Edelfederkult hat seinen Ursprung in einem Medienhaus, das nicht per Zufall im selben Quartier angesiedelt ist. Die wirklich Guten, Nichtlinken schafften es früher zur NZZ, heute gilt der Wechsel zur Republik als Aufstieg.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Hat Olivia Kühni kürzlich eine Auszeichnung bekommen? Auf der Homepage von Kühni zu lesen:

    «Im Zweifel eher auf Seiten der Lebendigkeit als der Gerechtigkeit»

    Zutreffende Aussage: lieber schnell und süffig als korrekt und faktengetreu.

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