Sex geht immer

Der «Tagi» geilt Buchkritik der Süddeutschen auf.

Robert Harris ist ein Bestsellerautor. Schon sein erster Roman «Vaterland» von 1992 war ein Erfolg – wenn auch ein umstrittener. Denn Harris’ Debüt spielt in den 1960er Jahren in Berlin eines Nationalsozialistischen Deutschlands, das den Krieg gewonnen hatte. Ein Tabubruch. Kein Wunder, fand Harris zuerst keinen Verlag in Deutschland. Danach machte sich Harris einen Namen als Autor von historisch sauber recherchierten Romanen. Für Medienschaffende besonders zu empfehlen: «Ghost» von 2007, ein Roman über den Ghostwriter eines Politikers. Das Buch wurde hervorragend verfilmt von Roman Polanski (Der Ghostwriter).

Doch genug des Vorspiels. Kommen wir zur Sache. Robert Harris neustes Werk heisst «Vergeltung». Im englischen Original «V2». Das ist die Abkürzung von «Vergeltungswaffe 2». Es waren von den Nazis entwickelte Grossraketen, die ab 1944 zivile und militärische Ziele in England und Belgien trafen.

Felix Stephan (*1983 Ostdeutschland) hat zu «Vergeltung» eine solide Buchkritik geschrieben. Sie erschien zuerst am 28. 10.2020 in der Süddeutschen Zeitung. Hier der Originaltitel und der Lead:

Männer und Raketen

Aus Liebe zum Stahl: Robert Harris’ Weltkriegstriller «Vergeltung» betont die Libidinöse Dimension des «V2»-Raketenprogramms.

Daraus machte die Tamedia dann diesen Titel und Lead:

Was Sex mit Raketen zu tun hat

Der Weltkriegstriller «Vergeltung» erzählt vom V2-Raketenprogramm der Nazis. Aber auch von der Erotik der Waffen.

Der Text erschien gestern unter anderem im Tages-Anzeiger, in der Berner Zeitung und in der Zürichsee Zeitung. «Sex», «Erotik», «Nazi». Drei Stichworte, welche die Klickzahlen des Tamedia-Portals anschwellen lassen. «Nazi» übrigens darum, weil in diesen Tagen der 75. Jahresbeginn der Nürnberger Prozesse «gefeiert» wird.

«Beliebte» Stichworte, ein alter, aber erfolgreicher Trick für klickfixierte Redaktionen.

Klickfixierte Stichworte? Etwas, was Zackbum nie tun würde. Ausser im Titel dieses Textes. Und schon gehen die Visits durch die Decke.

2 Kommentare
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:

    Immerhin etwas, nachdem guter Journalismus nicht mehr wichtig ist spielt Sex noch eine Rolle an der Werdstrasse, wenn auch nur in der copy-paste-Abteilung!

    Antworten
  2. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen sagte:

    Was die beiden Soldaten auf dem Bild mit dem 2.Weltkrieg verbindet ist schleierhaft.
    Ganz klar die Aufnahme kann nur ab den 60 iger Jahren stammen.
    Rackrohr, Kampfanzug, Sturmgewehr 57 ,eindeutig CH-Armee ab den 60-iger Jahren.
    Alles aus der Zeit des kalten Krieges nix aber auch gar nix aus 2. Weltkrieg.
    (Wenn schon Artikel und Bild zusammenbasteln dann wenigstens
    ,,Stielgerecht“ und nicht so offensichtlich daneben.)
    So nebenbei.
    2 Wochen nach Unterzeichnung des Handelsvertrages 1940 3. Reich-Schweiz
    erging der Formelle Auftrag an die DW zur Ausarbeitung der Opearation
    Tannenbaum an die Heeresleitung.Italien und das 3.Reich wollten die Schweiz
    entlang des Alpenkammes unter sich aufteilen.
    Nach dem Rückzug der CH-Armee in die Alpen wurde die Planung obsolet,
    zudem hatte der Ostfeldzug für Hittler absolute Priorität.
    Zudem die CH-Armee war nicht offensievfähig jedoch damals die einzige
    nebst Finnland, die eine wirkungsvolle Deffensievstrategie entwickelte und umsetzte.

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