Blick TV: das schnellste Standbild der Schweiz

Wie schnell kann Langeweile eigentlich sein?

Blick TV nennt sich den «schnellsten Sender der Schweiz». Wir würden dem gerne zustimmen; leider haben wir am Mittwochabend reingeguckt.

18:51 Uhr. Ein junger Blick-TV-Moderator spricht zu seinem Computer. Die Wahl zum neuen US-Präsidenten ist noch nicht entschieden. So wie das aussehe, sagt der hübsche Mann, werde Joe Biden das Rennen machen. Noch nicht ausgezählt sind unter anderem die Bundesstaaten Michigan und North Carolina.

18:52 Uhr. Der Moderator hat gerade erfahren, dass Joe Biden in Wilmington reden wird. Sofort gibt es natürlich eine Schaltung dorthin.

18:54 Uhr. Die Zuschauer sehen bereits seit zwei Minuten eine Turnhalle oder sonst ein Gebäude von aussen. Zwei Männer mit Kamera laufen lustlos herum.

18:58 Uhr.  Die Zuschauer sehen bereits seit sechs Minuten eine Turnhalle oder sonst ein Gebäude von aussen. Die beiden Männer quatschen miteinander.

18:59 Uhr. Ein Banner verkündet: «Es wird erwartet, dass Joe Biden demnächst eine Ansprache in Wilmington, Delaware, hält.» Einer der Männer greift sich beherzt an den Sack.

19:06 Uhr.  Der Banner verkündet seit sieben Minuten: «Es wird erwartet, dass Joe Biden demnächst eine Ansprache in Wilmington, Delaware, hält.» Die Männer sind plötzlich verschwunden. Zum Glück tauchen sie wieder auf. Die Zuschauer gaffen seit 14 Minuten ununterbrochen die Turnhalle, oder weiss der Geier was, an.

19:09 Uhr. In Wilmington windet es ein wenig. Der Banner läuft von rechts nach links und informiert seit zehn Minuten: «Es wird erwartet, dass Joe Biden demnächst eine Ansprache in Wilmington, Delaware, hält.» Die beiden Kameramänner besprechen wieder etwas miteinander. Die Zuschauer – wenn sie noch da sind, sehen seit 17 Minuten…genau.

19:12 Uhr. Blick TV hat gerade den alten Rekord der längsten Pinkelpause der Welt eingelöst. Der Banner läuft seit 15 Minuten, das Standbild strahlt seit 20 Minuten eine gefährlich hohe Dosis Langeweile aus.

19:16 Uhr. Die Kameramänner schultern ihr Gerät auf die andere Seite. Der Wind hat sich um zehn Grad gedreht.

19:19 Uhr. Blick TV  hat endlich Erbarmen mit seinem Publikum. Wieder Schalte nach Zürich. Der Moderator macht weiter, wo er vor knapp einer halben Stunde aufgehört hat und was er gut beherrscht:  alte Daten runterleiern, die sich in der Zwischenzeit nicht verändert haben.

19:21 Uhr. Eine halbe Stunde Blick TV ist vorbei. Jubel. Fazit: Der Könnte-müsste-sollte-Sprech von Reportern, die keine neuen Fakten haben, beherrscht Blick TV einwandfrei.

 

2 KOMMENTARE
  1. Hugo Meier
    Hugo Meier says:

    Ich boykottiere das konsequent. Wenn ich das mal vergesse und auf einen Link irgendwo clicke und auf dieser Epilepsie fördernden grell-roten Seite lande, habe ich immer genügend Zeit, den Boykott fortzuführen: Jedes Video beginnt dort schliesslich mit ellenlanger, nicht wegclickbarer Werbung. Ergo: Der ganze Browser wird sofort zugeclickt und gut ist. Habe ich halt den hübschen Mann verpasst.

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  2. Rolf Karrer
    Rolf Karrer says:

    Summa summarum: Zeitverschwendung bei den audiovisuellen Medien inklusive Blick TV als Geschäftsmodell.

    Bewundere online-Zeitungen, die Abstimmungsresultate in einem Guss und ohne Blabla in wenigen Worten erklären können. Oftmals reicht auch eine leicht verständliche Illustration dazu. Die ESSENZ ist wichtig, und nicht diese Selbstverliebtheit dieser Fernsehmacher.

    Verständlich, dass Blick-TV und auch SRF auf verlorenem Posten stehen, weil unbeholfen und zeitfressend. Wir sind doch nicht blöd!

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