Mieser Erfolg schön geschrieben

Die Postautotochter Publibike rennt dem Erfolg hinterher. Doch dank beschönigenden Communiqués steht der staatliche Veloverleiher in den Medien erstaunlich positiv da.

Publibike ist der Branchenleader in der Schweiz. Die an frühere Minivelos erinnernden Gefährte dominieren das Bild der Schweizer Innenstädte. Praktisch überall hat die der Postauto Schweiz angegliederte Firma Publibike bei den öffentlichen Ausschreibungen die privaten Konkurrenten ausgestochen. Grund: Publibike hat für null Franken Kosten für die Allgemeinheit offeriert. Etwas, was die privaten Unternehmen nicht stemmen konnten. Einige gingen gar vor Gericht, um zu beweisen, dass der Betrieb so unmöglich zu finanzieren sei. Die Gerichte glaubten Publibike. Das war aber, bevor der Millionenbetrug von Postauto Schweiz AG öffentlich wurde. Unschön: Auch Publibike wurde mit den erschwindelten 205 Postautosubventionsmillionen querfinanziert. Nur so war es möglich, Publibike aufzubauen und so günstig zu offerieren.

Das Millionendefizit

2019 resultierte ein Defizit von 2,5 Millionen Franken. Total beträgt das aufgelaufene Defizit über 10 Millionen. Im Frühling 2020 forderte Publibike staatliche Unterstützung, sonst drohe der Konkurs. Dabei hatte Publibike zum Beispiel in Zürich mit der Stadt ausgehandelt, dass man gratis und franko Platz für die Velostationen bekam. Wegen einer Spezialregelung mussten die Orte nicht einmal öffentlich ausgeschrieben und bewilligt werden. Als Sponsoren treten bisher oft staatliche Institutionen wie Elektrizitätswerke und staatsnahe Firmen wie Kantonalbanken auf.

Bei der Kommunikation der Misere kann Publibike auf die Profis der Schweizerischen Post zählen. Da wird jeder Misserfolg schöngeschrieben.

Dazu kommt, dass die Publibike-Kommunikation sich auf die regionale Berichterstattung konzentriert. Dort wird in den Redaktionen ebenfalls gespart und nicht selten findet ein eingespieltes Geben und Nehmen statt. Die Exekutive wird mehrheitlich nicht kritisiert. Dafür bekommt man die eine oder andere Geschichte gesteckt.

1 Million Fahrten oder 1,3 Ausleihen pro Tag und Velo?

Ein Beispiel von vielen herausgepickt. Ein Amtsblatt aus der Region Zürich berichtet freudig, «Bisher 3325 Publibike-Fahrten in Kloten», dazu eine mit strahlendem Lächeln in Kamerarichtung radelnde Stadträtin. Doch heruntergerechnet bedeuten 3325 Fahrten sagenhafte tiefe 1,2 Ausleihen pro Tag und Velo. Damit kann man ja kein Geld verdienen. Auch der Tages-Anzeiger versäumte es Anfang Jahr, den Taschenrechner heraus zu nehmen und Fragen zu stellen. Sein Titel «Über 1 Million Fahrten mit dem «Züri-Velo». Er lobt Publibike über den Klee. Der Titel tönt super. Doch auch in Zürich wurde jedes Publibike-Velo im Schnitt nur 1,3 mal pro Tag ausgeliehen. Und auch dann nur je 16 Minuten. Ein Erfolg sieht anders aus.

Publibike hat versprochen, zumindest die Verträge, die meist bis 2023 oder 2024 dauern, einzuhalten. Was dann passiert, ist völlig offen.  Immerhin scheint Publibike einen Verbündeten zu haben, die regionalen Berichterstatter.

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