Branded Content: angebrannter Quark

Werbung at its worst. Mal’s hübsch an und sag’s auf Englisch.

Es gibt eine banale Frage, bei der jeder Content Creator erblasst, jeder Social Media Manager erzittert. Sie lautet: Welchen Return on Investment gibt es eigentlich pro Franken, der in diesen Unsinn investiert wird?

Social First Mindset, authentisch, interagieren, echt, Haltung, relevant, Social Campaining, die Jungen dort abholen, wo sie sind, multichannel, Story Telling, Echtzeit, viral, off und online, Gold Members, Community Building, Branded Content. Keywords und Buzzwords, you know.

Ständige Optimierung, call to action, den User ernst nehmen, Shitstorms vermeiden, das Produkt emotional machen, echt, Begleiter, Ratgeber, Nutzwert, Reputationsmanagement, organic traffic, Follower, Likes, Scheinwerfer richtig einstellen, im Driver Seat fahren, auf Augenhöhe bleiben. Reporting, Analytics, Message Ads, personalisierte Werbung.

Eigentlich hätte man sehr oft einen grossen Haufen Geld sparen können, wenn man statt einem jungen, dynamischen und erfolglosen Team von Digital Natives einen Mike Shiva angestellt hätte. Aber der ist leider tot, also geht das auch nicht mehr.

Profitieren von weit verbreiteter Unkenntnis

Profitieren können diese Dummschwätzer von der immer noch weit verbreiteten Unkenntnis, was das Internet kann und was nicht. In den vergangenen dreissig Jahren haben die meisten Schweizer KMU immerhin den Schritt von Ignoranz über Staunen zu einer eigenen Webseite geschafft.

Nicht allzu wenigen wurden dann auch noch die gnadenlosen Vorteile eines Web-Shops vor Augen geführt. 24 Stunden geöffnet, grossartige Kundenführung, mit möglichst wenig Klicks zum Entscheidenden, dem verbindlichen Kauf: tolle Sache. Braucht dann natürlich schon ein CMS, Content Management System, you know, aber ist keine Sache, hübsche Lösungen gibt es schon ab 30’000 Franken. Wobei, also mit ein paar wirklich nötigen Gadgets drauf kostet es dann 50’000. Aber anschliessend kann man nur noch Geld zählen.

Und schon mal an CRM gedacht, so im Rahmen eines Intranets? Muss man haben, heutzutage.

Warum? Muss man heute einfach haben

Dann kam die grosse, weite Welt der Social Media. Facebook, Instagram, Twitter, you know. Schüchterne Fragen, was denn das solle und ob man da wirklich mitspielen müsse, wurden souverän abgebügelt: Muss man heutzutage einfach haben, haben alle, wer nicht mitmacht, verliert. Ist ausserdem so ähnlich wie bei Google; vorne dabeisein ist alles. Geht übrigens auch bei Linkedin und so. Und was, Sie haben noch keine App?

Aber überhaupt, wir erleben ja gerade die Wiederauferstehung des Contents. Inhalt zählt, content is king, you know. Produkte werden über Storys verkauft, inhaltlicher Mehrwert, Emotionen, spannend, nachhaltig, disruptiv, zukunftsfähig. Wer will heute schon noch einfach einen Liter Benzin verkaufen. Ist doch viel besser, eine Story über den Schutz von Amazonas-Indianern zu verbreiten, die extra noch alphabetisiert und geimpft werden, bevor sie der Erdölkonzern von ihrem Land vertreibt, äh, ihnen eine viel bessere Lebensqualität anbietet. Und pro Liter Benzin bekommt jedes Indio-Kind eine Windel gratis.

Ist halt nicht ganz billig

So macht man Brand Building heute, das freut die Klimajugend. Nun ja, in der Tat, diese Kanäle müssen natürlich bespielt werden, also mit Inhalten gefüllt. Dann müssen sie ständig moderiert werden, damit sich da nicht eine Dynamik in die falsche Richtung entwickelt. Dann muss das alles noch koordiniert werden, stimmt schon. Ach, und ein paar testimonials, you know, das ist immer gut. So eine positiv konnotierte Referenzperson, halt so einer wie Roger Federer; gesehen, wie dieser Tennisschuh abgeht wie eine Rakete?

Natürlich, ist nicht ganz billig, dann kann man aber auch ein paar Influencer, you know, stattdessen nehmen. Wenn die dann jeden Morgen mit Eurem Rasierwasser gurgeln, geht der Absatz durch die Decke. Oder habe ich da gerade was durcheinander gebracht?

Ach, da war doch noch eine unbeantwortete Frage, Return on Investment, you know. Was genau bekomme ich für einen Franken, den ich in diese Blackbox stecke? Ist die falsche Frage? Kann man so nicht messen? Muss man heute einfach haben?

Echt jetzt?

2 KOMMENTARE
  1. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Wie viel Ertrag die Investition in diese „Blackbox» generiert, ist präzise schwer bezifferbar.
    So nebenbei „Blackbox» das läuft üblicherweise unter dem Begriff Dienstleistungssektor,
    DAZU ZÄHLEN AUCH DIE MEDIEN.
    Zu Beginn der 90er Jahre wurde den westlichen Gesellschaften von den Globalisierungsökonomen, besser Globalisierungs-ldeologen‚ der Umbau in Dienstleistungsgesellschaften empfohlen.
    Das Ergebnis ist eine gewaltige Globale Verschiebung und ermöglichte den kometenhaften Aufstieg Chinas. Die Folge für die vormals führenden lndustrienationen ist die schleichende Verarmung immer breiterer Schichten.
    Noch funktioniert die Sache oberflächlich betrachtet.
    Das wird auch bis auf weiteres funktionieren, solange die Realwertschöpfungsdefizite durch die stetige irre Ausweitung der Geldmenge, ausgleichbar sind.
    Die breite Medienwelt hat diese Entwicklung NICHT kritisch hinterfragend begleitet, ganz im Gegenteil massiv mitgepuscht und vorangetrieben.
    Wenn auch eher verschwommen, im Hinterkopf der breiteren Massen beginnt es längst zu Dämmem das die grossen Medien mit gegen die Interessen ihrer Kunden gespielt haben.
    Noch Fragen warum die Medien in der Breite laufend an Reputation einbüssen?
    Dazu an Stelle von breiter information und breit aufgestellter Meinungsbildung zu oft zielgerichtete lndoktrination bis hin zu oft nervigem Meinungsterror.
    Das Mitleid gegenüber den Medien hält sich bei vielen in Grenzen, mehr selbstkritisches Hinterfragen des eigenen Wirkens, in den Redaktionsstuben bei den Verlegern ist längst überfällig.

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  2. Alois Fischer
    Alois Fischer says:

    Da komme ich mir als Handylügner ganz schön dumm vor. Kenne alle diese Ausdrücke – oder fast, aber auch die ganze Beratungsbranche und – Hut ab – es ist haargenau so, wie es hier beschrieben wird.
    Es greift wie ein Krebsgeschwür um sich und lenkt von der wirklichen Wirtschaft und dem normalen Leben so gut ab, dass sich sogar Neoliberale und Klimaschützer, Sozialegerechtikeitsprediger und gefitzte Abzocker einträchtig zusammenfinden und ernsthaft glauben, dass sie dasselbe denken, wollen und tun würden …

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