5G: NZZ am Sonntag lässt sich einspannen

Im Wirtschaftsteil schreibt ein Redaktor für die 5G-Lobby.

Am Sonntag gönnte sich Armin Schädeli, stellvertretender Leiter der Swisscom-Medienstelle, ein zusätzliches Glas Fruchtsaft. Heute gab es etwas besonderes zu feiern. Eine ganze Seite berichtete die NZZ am Sonntag über eines seiner Herzensanliegen. Die rasche Einführung des 5G-Standards beim Handynetz.

«5G-Technologie hilft dem Klimaschutz», lautet der Titel. Der Lead sorgt für noch mehr Klarheit: «Der neue Mobilfunk ist viel energieeffizienter und bringt Anwendungen, die den CO2-Ausstoss senken». Autor Jürg Meier zitiert dazu eine Studie von der Uni Zürich und der Empa. «Dabei arbeiteten sie mit dem Wirtschaftsverband Swiss Cleantech und der Swisscom zusammen, welche die Studie auch finanziert hat». Wenigstens war der Autor ehrlich.

Nun kommen Tausende von Zeichen mit Lobhudelei, welche die Agentur Farner Consulting nicht besser hingekriegt hätte. Der Unterschied: Jene PR-Bude hätte sich fürstlich bezahlen lassen a) für das Texten und b) fürs Platzieren im redaktionellen Teil. Ob bei besagtem Artikel von Jürg Meier auch Geld geflossen ist, wäre natürlich eine gemeine Unterstellung und völlig unbeweisbar.

Tatsache ist, dass die NZZ am Sonntag mit diesem Artikel elementare Grundsätze des Journalismus über Bord geworfen hat. Null ausgewogen, keine Kritiker angehört. Diese kamen nur mit dem bösartigen Nebensatz zu Wort: «In Internetforen ist etwa zu lesen, 5G habe die Verbreitung des Coronavirus begünstigt». Fair ist anders.

Aber die Swisscom freuts. Als Grossinserent, so wie Coop das auch ist. Was hat jetzt das wieder miteinander zu tun? Swisscom und Coop haben den gleichen Verwaltungsratspräsidenten. Hansueli Loosli. Das ist aber wieder eine andere Geschichte.

Zurück zur NZZ am Sonntag und zu ihrer Gefälligkeit. Als Anriss im Wirtschaftsteil steht sogar «Die 5G-Technologie ist nicht nur blitzschnell – sondern auch sehr klimafreundlich». Der Blattmacher hat noch einen draufgegeben. Gratuliere.

4 KOMMENTARE
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Käuflich und verludern ist bei der „4. Gewalt“ angesagt, auch an der Falkenstrasse. Da helfen die gestelzten und umständlichen Sätze des Herrn Guyer nicht mehr!

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    • Alois Fischer
      Alois Fischer says:

      Dort wo die Leute (wie Loosli) sich wohlfühlen, die uns weismachen wollen, dass wir auch gegenüber der EU alle Vorsicht über Bord kippen müssen und im Falle einer Annahme der Begrenzungsinitiative der Schweizuntergang unser Schicksal besiegelt, was schlimmer als der Brexit sein soll.
      Hinkende Vergleiche, liebedienerische Schleicherkultur und absolute Resistenz gegen jede andere Meinung. Wo man recht hat, braucht man auch nur die genehmen Fakten zu kommunizieren! Alles Andere würde nur verunsichern und höchstwahrscheinlich sogar zum Weltuntergang führen

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      • Simon Ronner
        Simon Ronner says:

        All die Looslis können ihre Interessen entweder selbst oder über all die Farners propagieren. Wenn sich aber die letzten Qualitätsmedien neben Autotests und Kreuzfahrtreisli nun rundum als Cheerleader ihrer Inserenten verstehen und andienen, so ist das schäbig und würdelos.

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