Ich hätte da ein paar Fragen

CH Media, quo vadis?

Qualität, Qualität, Qualität. Vierte Gewalt, Service public, Verantwortung. Mehr als 300 Lokaljournalisten in Lohn und Brot. So hört es sich an, wenn der Verleger von CH Media in die Harfe greift.

Dissonant schneidet er Krise, Krise, Krise dagegen. Um schliesslich mit Pauken und Trompeten zum Finale aufzuschäumen. CH Media braucht Geld. Kohle. Staatsknete. Vornehmer ausgedrückt: Subventionen. So viel wie möglich. Eher dringend.

Denn sonst, das lässt Peter Wanner durchblicken, sind die von ihm verlegten Tageszeitungen gefährdet. Sonst haben sie Mühe, die digitale Transformation umzusetzen. Und wenn das passiert, dann gute Nacht am Sächsi. Dann sind nicht nur Arbeitsplätze gefährdet, sondern auch ein Service public, die Wächterfunktion von Qualitätsmedien.

Wer garantiert die Qualität?

Wenn wir von Qualitätsmedien sprechen, lassen wir «watson» gleich mal aussen vor. Dieses Millionengrab zur Verbreitung von lustigen Videos und Rangordnungen ist nicht mal Bestandteil von CH Media. Obwohl es behauptet, schon 99 der 100 wichtigsten Fragen der Menschheit beantwortet zu haben, wollen wir diesen Flop nicht gegen Verleger Peter Wanner verwenden.

Nun können wir dem Impressum der Zeitungen entnehmen, dass direkt unter dem Verleger der «Leiter Publizistik» thront. Noch vor den jeweiligen Chefredaktoren, noch vor Patrik Müller, dem Chefredaktor der Zentralredaktion für alle Blätter in Aarau.

Führen durch Vorbild?

Der publizistische Leiter Pascal Hollenstein ist also an wichtiger Stelle dafür verantwortlich, dass CH Media all diesen herausragenden Qualitätsmerkmalen nachlebt, sie in jeder Zeile aller Kopfblätter zum Ausdruck kommen.

Natürlich nicht nur dort, sondern in erster Linie bei Werken von Hollenstein selbst. Denn wenn sich ein publizistischer Leiter nicht an die Berufsregeln, an den Journalistenkodex halten würde, wie sollte er da Vorbild sein, das von allen anderen einfordern?

Das ginge ja gar nicht. Wer sich unanständig verhält, kann von anderen schlecht Anstand verlangen. Nun hat Hollenstein mehrfach gegen Berufsregeln verstossen. Dazu gehört, dass gerichtlich festgelegte Sperrfristen zu respektieren sind.

Besonders bei Urteilen, bei denen eine grössere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erwartet wird, stellt das Gericht mit einer Sperrfrist sicher, dass nicht die beteiligten Parteien vorprellen und versuchen, mit einem Präventivschlag die Lufthoheit über der öffentlichen Meinung zu erringen.

Sondern dass alle Medien – genau wie die Prozessparteien – gleichzeitig in Kenntnis des Urteils publizieren, analysieren, kommentieren können. Weil das eine Selbstverständlichkeit ist, sind solche Sperrfristen nicht mit Sanktionen bewehrt, falls jemand dagegen verstösst.

Pascal Hollenstein hat dagegen verstossen. 24 Stunden vor Ablauf der Sperrfrist stellte er einen Artikel online, in dem er einseitig die Position und Meinung einer der beiden Parteien wiedergab. Damit verstiess er gleich noch gegen eine zweite Regel: et audiatur et altera pars. Man höre auch die andere Seite.

Wie ein Vorprellen zur Lachnummer wird

Das war aber gar nicht möglich, weil sich die andere Seite selbstverständlich an die Sperrfrist hielt. Zur peinlichen Lachnummer wurde dieser vorzeitige Erguss dadurch, dass sich die eine Partei darüber beschwerte, dass die andere sich nicht bei ihr entschuldige. Was dann aber prompt geschah, als die Sperrfrist abgelaufen war.

Hat man seither ein Wort des Bedauerns, eine Entschuldigung vom fehlbaren Leiter Publizistik gehört? Empfiehlt er wenigstens seinen Redaktoren, nicht seinem schlechten Beispiel zu folgen? Nein, und warum nicht?

Ganz einfach: Wer an zweiter Stelle im Impressum steht, muss sich von niemandem unten drunter etwas sagen lassen. Höchstens vom Verleger oberhalb, aber der reisst lieber leere Sprüche über Qualitätsmedien und schweigt hier stille.

Ein ungeheuerlicher Satz

Simone Meier ist Mitglied der Redaktion von «watson», dazu Schriftstellerin und Kolumnistin in den Blättern von CH Media. Hier hat sie eine feste Kolumne und äussert sich auch sonst nach Lust und Laune zu Themen, von denen sie nichts versteht.

In einer recht wirren Attacke gegen die sogenannte Cancel Culture versteigt sie sich in einem Ausflug in die Geschichte zum ungeheuerlichen Satz: «Unter Hitler wurden Juden, Menschen mit einer Behinderung, Fahrende, Kommunisten und Homosexuelle gecancelt. Und so weiter.»

Es gibt bekanntlich Idioten, die leugnen, dass Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg mehr als 6 Millionen Juden in Form von industriellem Massenmord getötet hat. Soweit man ihrer habhaft wird, werden sie bestraft und der allgemeinen Ächtung preisgegeben.

Eigentlich noch schlimmer ist diese geschmacklose Verniedlichung, diese hirnlose Aufzählung einer Journalistin, die jeden Halt, jeden Anstand verloren hat, der jede Regung von Peinlichkeit oder Scham offensichtlich fremd ist.

Hört man Entschuldigungen?

Hat man hier eine Entschuldigung vernommen? Hat wenigstens der Leiter Publizistik seines Amtes gewaltet und eingegriffen? I wo, da ist das Haus CH Media offensichtlich schmerzfrei. Entschuldigen, das sollen sich die anderen. Und wenn die es freiwillig tun, wird das knapp vermeldet, mehr nicht.

Aber Peter Wanner, eingeladen zu einer Stellungnahme, will diese Vorkommnisse «nicht kommentieren». Simone Meier, eingeladen zu einer Stellungnahme, beschimpft stattdessen lieber ZACKBUM.ch, und überhaupt seien ihr solche Fragen «zu low».

Sollte nicht der Verleger seinem publizistischen Leiter den Kopf waschen und ihn zum sofortigen Eingreifen auffordern? Sollte der Verleger nicht sein Befremden ausdrücken, dass das nicht schon längst geschah?

Alles Fragen ohne Antworten. Allerdings erhebt sich die Frage mit aller Macht: Wieso genau soll CH Media mit Steuerfranken subventioniert werden?

14 KOMMENTARE
  1. Marion Schihin
    Marion Schihin says:

    „Anstand“, „primitivster Anstand“, „anständiger Journalismus“: Ihren Beiträgen kann man entnehmen, dass Ihnen Anstand offenbar ein echtes Anliegen ist. Wie Sie diese Haltung mit der hasserfüllten Serie gegen Pascal Hollenstein vereinbaren können, bleibt mir ein Rätsel. Kennen Sie ihn wirklich? Ich kenne ihn gut und schätze ihn sehr.

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  2. Lorenz Heinzer
    Lorenz Heinzer says:

    Es wäre interessant zu erfahren, was Ihr Bild von Pascal Hollenstein geprägt hat. Ich für meinen Teil kenne ihn seit 25 Jahren als überaus begabten Journalisten und und hoch anständigen Menschen.

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  3. Rolf Karrer
    Rolf Karrer says:

    Da Nervenkostum dieser Simone Meier ist «too low» und deshalb geht sie in den Lappalie-Modus…….und zieht die Rolläden runter…………..

    Sie wird zukünftig noch genauer beobachtet in ihrer saloppen Ausdrucksweise, die man bei einer 50 jährigen Frau eigentlich nicht mehr vermuten würde.

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  4. Ray Sinniger
    Ray Sinniger says:

    Zuständig für diese Sperrfrist-Verletzung ist wohl die Präsidentin des Presserats Susan Boos, Publizistin und Journalistin bei der linken Wochenzeitung WOZ.

    Schlechter Stil und gar feige, wenn der Herausgeber Peter Wanner berechtigte Fragen nicht beantworten will. Kann gut möglich sein, dass sich das «family office Wanner» mit all den Zukäufen kolossal übertan hat.

    Habe mich beispielsweise schon immer gewundert, weshalb das völlig desolate, peinliche Tele M1 noch Staatsgelder kriegt………..

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    • Max Beerli
      Max Beerli says:

      «Schlechter Stil» ist der Leitsatz dieses Stänkerportals, das nicht einmal minimalen Qualitäts- und Anstandsregeln genügt. Wenn die Fragen wie die Texte ausfallen, dann würde ich auch nicht antworten. Wie man in den Wald ruft, …

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      • Gerold Ott
        Gerold Ott says:

        Die Qualitätsregeln bestimmen sie Herr Beerli? Erklären sie sich doch bitte am Sachverhalt.

        Fand den Artikel doch sehr aufschlussreich.

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  5. Inkognito
    Inkognito says:

    lässt man die persönlichen Animositäten ausser Betracht, bleibt die Aussage, dass bei CH Media vieles im Argen liegt, was Qualität und Anstand betrifft. Und als kleiner Krümel des CH-media-Kuchens kann ich diese Aussage zu 100prozent unterschreiben.

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  6. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Der letzte Satz bringt es auf den Punkt.
    Warum Subventionen?
    Auf dem Hauptportal von CH-Media wird von Liberaler Grundhaltung schwadroniert.
    Ob die da etwas umfassender Nachhilfe in Sache Liberales Weltbild nötig häten?
    Das liberale Weltbild beinhaltet deutlich mehr als NUR Wirtschaftsliberalismus.
    Offenbar kappieren die nicht einmal das mit dem Wirtschaftsliberalismus.

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    • Victor Brunner
      Victor Brunner says:

      Für CH Media sind alle Steuergelder zu canceln. Wer den Holocaust verniedlicht hat am Topf der SteuerzahlerInnen nichts zu suchen.

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  7. Marc Beerli
    Marc Beerli says:

    Ok, jetzt kann man es wohl langsam fragen: Wurde dieses Portal erschaffen, damit RZ eine Bühne hat, um gegen PH zu schreiben?

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    • Victor Brunner
      Victor Brunner says:

      Bin mit RZ auch nicht immer einverstanden. Aber die Verniedlichung des Holocaust ist ein Skandal. Würden Leute der Rechten oder SVP so schreiben würde CH Media und die halbe Schweiz aufjaulen auf Teufel komm raus. Dass andere Portale und Blätter nicht darüber schreiben ist der korrupten Schweizer Presselandschaft geschuldet die alles anklagen aber wenn ein Presseorgan den Holocaust verniedlicht auf Tauchstation gehen. Eine Krähe hackt ja der anderen kein Auge aus!

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    • Eveline Maier
      Eveline Maier says:

      PH steht für Pascal Hollenstein.

      Bitte möglichst keine Abkürzungen, weil solche oft unverständlich sind.

      Danke schön.

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    • Simon Ronner
      Simon Ronner says:

      Es ist interessant, durch dieses Portal einen Blick hinter die Kulissen zu erhalten. Die Informationen sind für jene, welche weder persönlich noch professionell mit der Medienwelt zu tun haben, zumeist exklusiv und ansonsten schwer oder gar nicht zu finden.

      Als Medienkonsument wundere ich mich nämlich über skurille Eigenheiten, und nehme den stetigen Verlust an Qualität und Glaubwürdigkeit mit Sorge und häufig auch Unverständnis zur Kenntnis. Einige Artikel hier auf Zackbum, wie z.B. die Geschichten über PH, bringen Licht ins Dunkel.

      PS, Herr Beerli: Ist Ihr Vorname nun Max oder Marc?

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