Alles Rassisten!

Henry Dunant: Muss das weg?

Teil zwei: Keiner zu bedeutend, um nicht Rassist zu sein.

Der Dominikanermönch de Las Casas war einer der Ersten, der sich für die Indios einsetzte, ihnen beistand, forderte, dass sie als Menschen anerkannt und behandelt würden. Diesem Anliegen widmete er von 1515 an sein ganzes Leben. Unermüdlich, ohne Rücksicht auf persönliche Gefahren. Aber, nach der sich pervertierenden neuen Definition von Rassismus, war de Las Casas natürlich Rassist.

Denn obwohl er sich später umbesann, nahm er an Kriegszügen gegen Ureinwohner teil und hielt selber welche als Sklaven. Aber das ist nicht einmal das Schlimmste. In seinem Bestreben, das Aussterben der Ureinwohner zu verhindern, regte er an, dass man an ihrer Stelle doch Sklaven aus Afrika importieren könnte. Da dort Sklaverei allgemein üblich und schwarze Sklaven sicherlich widerstandsfähiger als Indios seien, wäre das für alle zum Vorteil.

Fataler Widerspruch statt platte Eindeutigkeit

Welch fataler Widerspruch. Zutiefst humanistisch und christlich geprägt, wollte de Las Casas den Indios helfen. Und trug damit zum Beginn des Sklavenhandels mit Afrika bei. Erst später verurteilte er auch das und kämpfte unermüdlich dafür, gegen den erbitterten Widerstand des spanischen Klerus, dass sowohl Indios wie Schwarze, dass schlichtweg alle vernunftbegabten Wesen als Menschen anerkannt werden sollen. Unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe.

Ist also de Las Casas Rassist? Weg mit seinen Denkmälern überall auf der Welt? Müssen seine Werke mit einem warnenden Vorwort versehen, am besten gleich ganz verboten werden? Geschichtsvergessene Dummköpfe fordern das bereits. So wie in der Schweiz die Ächtung des grossen Wissenschaftlers Louis Agassiz gefordert und teilweise schon praktiziert wird. Ebenso wie beim grössten Mäzen der Stadt Neuenburg. David de Pury hinterliess seiner Geburtsstadt nach heutigem Wert rund 600 Millionen Franken.

Andenken weg, Geld bleibt

Aber er besass Aktien einer portugiesischen Handelsgesellschaft, die unter anderem mit Sklaven handelte. Also weg mit ihm, mit seinem Denkmal. Aber natürlich nicht mit seinem gespendeten Geld.

Weg mit Agassiz, weil der neben seiner internationalen Reputation als Forscher auch ein paar der damaligen Zeit geschuldete Dummheiten über die angeblich minderwertige schwarze Rasse sagte. Ein völliger Unsinn, natürlich. Was aber sein übriges Werk keinesfalls abwertet. Flugs wird er zu einem der «führenden Rassentheoretiker» umgebogen. Weil wahrscheinlich die tapferen Kämpfer gegen Rassismus in der Schweiz noch nie etwas von Arthur de Gobineau gehört haben. Der mit seinem «Versuch über die Ungleichheit der Rassen» (1855) tatsächlich einer der Begründer von modernem Rassenwahn ist.

Ein nervenkranker Menschenfeind, der es nicht verwandt, dass seine Skulpturen als mittelmässig abgelehnt wurden und der vergeblich versuchte, seinen Familienstammbaum auf den Gott Odin zurückzuführen. Dagegen ist und bleibt de Las Casas natürlich eine Lichtgestalt. Ein Kämpfer gegen Rassismus, der im Gegensatz zu den «Black Lives Matter» grölenden Schweizer Manifestanten tatsächlich sein Leben dafür riskierte.

Ein gültiges und vorbildhaftes Vermächtnis hinterliess. So wie Gandhi und Dunant. So wie Agassiz, de Pury und Escher. So wie viele Gestalten der Gesichte, die neben alle Zeiten überdauernde Leistungen auch fehlten, Schwächen hatten, unsinnige Ansichten vertraten. Das macht sie menschlich, aber sicher nicht zu Rassisten als einzige Definition ihres Wirkens.

An den Pranger gestellt

Als eine Art moderner Pranger soll in der Schweiz die «Datenbank» der NGO «Cooperaxion» dienen. Hier seien auf «einzigartige Weise die Geschäfte der verschiedenen Schweizer Akteure während des transatlantischen Sklavenhandels des 17. bis 19. Jahrhunderts dokumentiert». Es gebe schon 260 Datensätze. Meistens aus Sekundärliteratur gefischt gibt es hier ein wildes Durcheinander. So taucht zum Beispiel Auguste de Stael auf, wie seine berühmte Mutter ein unerschrockener Kämpfer gegen den Sklavenhandel. Macht ja nix, wahrscheinlich war er doch Rassist.

Dabei ist es ganz einfach, die Sache mit dem Rassismus. Rassisten sind Menschen, die individuellen Mitgliedern von Gruppen nur wegen dieser Zugehörigkeit eine – meistens negative – Eigenschaft zuschreiben. So gesehen, sind wir alle Rassisten, und solche Art von Antirassismus ist absolut und damit totalitär. Wer nur schon einmal «der Schweizer ist zuverlässig, der Deutsche ist pünktlich, der Italiener liebt das dolce far niente» gesagt hat, ist Rassist. Womit das Thema erledigt wäre.

Zum ersten Teil: hier klicken.

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