Das Expeditionsteam in Langeweile

Was macht so ein «Expeditionsteam» der Republik den ganzen Tag lang? Es guckt vielleicht aus dem Fenster hinaus und zählt nach, ob mehr rote Autos oder grüne Lastwagen vorbeifahren. Wenn das geklärt wurde (mehr rote Autos), nimmt es ein Blatt Papier und schreibt links oben «Mann», daneben «Frau» und ganz rechts «Beides». Und dann zählt es jeden Monat nach, welches Geschlecht am meisten Republik-Texte geschrieben hat.

Am 12. Juni präsentierte das Expeditionsteam seine irre Arbeit. Eigentlich hätte sie sich das sparen können, denn: «Die schlechte Nachricht: Der Frauenanteil bei den redaktionellen Stellenprozenten stagniert hartnäckig bei 36 Prozent.» Der Chefredaktor Christof Moser, zuständig vielleicht für Einstellungen, haut natürlich auf den Tisch und brüllt: «Schlicht ungenügend.»

Da es sich bei der Republik aber um die Republik handelt, werden fünf Seiten Text vollgeschrieben und sieben Grafiken nachgereicht. Der Leser weiss am Ende, dass in den Republik-Texten die Frauen in 31 Prozent der Fälle als Expertinnen auftreten, in 42 Prozent als Protagonistinnen und in 27 Prozent als Expertinnen-Protagonistinnen. So detailliert wollten wir das schon immer wissen.

Allerdings «kann es Unschärfen geben», schreibt die Republik, ob eine Frauen mal als Expertin oder Protagonistin auftritt. Vielleicht, ein Vorschlag, schreibt die Republik nächstes Jahr, dass die Frauen zu 100 Prozent als Expertinnen-Protagonistinnen auftreten. Da macht das Expeditionsteam sicher nichts falsch und kann wieder Autos und Lastwagen zählen.

2 KOMMENTARE
  1. Oliver Brunner
    Oliver Brunner says:

    sehr treffend. Nabelschau, me, myself and I. Mir kommt es vor, als ob man von der Republik nie etwas hört – ausser sie brachen Geld. Dann geht es um nichts weniger als „das Überleben des/der Journalismus*a“

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